Bankpolitik der Noteninstitute im engeren Sinne ist in
der Hauptsache Diskontpolitik, Die Zentralnoteninstitute haben in erster
Linie für Aufrechterhaltung der Währung des Landes Sorge zu tragen,
mit anderen Worten, den Metallbestand des Landes zu schützen, indem
sie zu starke Goldabflüsse nach dem Auslande nach Möglichkeit verhindern,
 Goldimporte jedoch fördern.
Die innerhalb eines Landes und von einem Lande zu zahlenden Beträge
sind im Laufe eines Jahres erheblichen Schwankungen unterworfen. Große
Summen werden z. B. zur Bezahlung der Ernte, an den Quartalen zu Gehalts-,
 Zinsen- und Hypothekenzahlungen benötigt. Komplizierter werden
die Verhältnisse noch dadurch, daß die an den Geldmarkt gestellten Bedürfnisse
 auch von Jahr zu Jahr wechseln. Der Notenumlauf muß sich
den Bedürfnissen des Verkehrs anpassen. Auch in Zeiten der Geldknappheit
 soll die Zentralnotenbank, so ist die herrschende Ansicht, allen bertechtigten
 Kreditansprüchen genügen. Damit sie aber ein Rettungsanker
sein kann, an den im Falle der Not sich alle klammern, muß sie beizeiten
entsprechende Vorkehrungen treffen.
Dies geschieht in der Hauptsache durch eine verständige Diskontpolitik.
Werden der Bank große Summen entzogen, droht eine Geldknappheit einzutreten,
 so wird sie ihren Bar- und Goldbestand zu schützen suchen,
indem sie den Satz, zu dem sie Wechsel ankauft, erhöht. Durch einen
hohen Diskont gibt sie gleichzeitig auch ein Warnungssignal: sie mahnt,
die Unternehmungslust einzudämmen. Die auf langjähriger Erfahrung
beruhende Diskontpolitik allein genügt aber nicht mehr. ;
Die Diskont-und Kreditpolitik der Notenbanken wurde bis
1914 in der Hauptsache durch die jeweilige Notendeckung bestimmt.
Krieg und Inflation stellten die Notenbanken vor völlig neue Probleme.
Die Verbundenheit der ausgegebenen. Noten mit dem Währungsmetall,
dem Golde, ist nicht mehr so eng wie in der Vorkriegszeit. Reparationen
und interalliierte Schulden verursachen internationale Kapitalbewegungen,
die die Bewegungsfreiheit der großen Notenbanken hemmen. International
 hat dies zur Folge, daß die Leiter der großen Notenbanken von
Zeit zu Zeit zusammenkommen, um sich über schwebende Fragen, die durch
die neue Lage geschaffen sind, auszusprechen und eine neuzeitliche Bankpolitik
 einzuschlagen. Auch national „haben die Notenbanken teilweise
zu neuen notenbankpolitischen Mitteln greifen müssen ... Der Umfang
des gesamten Zahlungsmittelumlaufs, das gesamte Kreditvolumen, das
Preisniveau, wie überhaupt die gesamte Konjunkturlage werden mehr als