Auch als der Krieg beendet war, wurden die in ihren Wirkungen unheilvollen
 Methoden der Kriegsfinanzierung fortgesetzt 1). Die Folge war:
Ständige Vermehrung des Zahlungsmittelumlaufs und Entwertung der
deutschen Mark im Inlande und vor allem im Auslande, Kredite ans
Reich wurden nach wie vor gegeben, auch nachdem das Gesetz über
die Autonomie der Reichsbank vom 26. Mai 1922 erlassen war,
das die Leitung der Reichsbank ausschließlich dem Reichsbankdirektotium
 übertrug, also das bis dahin dem Reichskanzler zustehende Recht,
in die geschäftliche Leitung der Reichsbank einzugreifen, beseitigte. Die
von den Alliierten erzwungene Novelle wurde in der Absicht erlassen,
der Reichsbank die Möglichkeit zu geben, vom Zwange der Kreditgewähtung
 ans Reich loszukommen. Als schlechter Hüter der Währung erwies
sich der Reichsbankpräsident. Kritiklos gab er immer neue Kredite ans
Reich, obgleich die Regierung nicht in der Lage war — was sie auch vorher
 nicht getan hat —, einen Zwang auszuüben. Denn nach dem Auto-Nomiegesetz
 unterstand der Reichsbankpräsident, der auf Lebenszeit unabsetzbar
 war, nicht mehr dem Reichskanzler. Hätte die Reichsbank dem
Reich keinen neuen Kredit mehr gegeben, so wäre das Reich zur sparsamen.
 Wirtschaft genötigt gewesen, oder (und) es hätte sich die Mittel
durch Steuern beschaffen müssen.
Alle für Aufrechterhaltung einer gesunden Währung wichtigen Grundsätze
 waren preisgegeben worden 2). Die Entwertung der Mark schritt, da
die Reichsbank gefügiges Instrument der Regierung geworden war, unaufhaltsam
 vorwärts bis zum völligen Zusammenbruch der Währung im
Herbst 1928: Auf ein Billionstel ihrer Parität war die Mark gesunken ®).
Ende 1923 war der Notenumlauf auf 496,5 Trillionen M angewachsen. Ende 1922
hatte er 1,3 Billionen M, Ende Juni 1923 17,8 Billionen M, Ende September 28,2 Billiarden
 M und. Mitte November 92,8 Trillionen M betragen.
Interessant sind folgende Angaben des Verwaltungsberichts der Reichsbank für
1928: Die Anfertigung neuer Banknoten kostete 1923 82,8 Trillionen M.. Außer
der Reichsdruckerei arbeiteten 84 Druckereien unmittelbar, 48 weitere Druckereien
Mittelbar, d. h. als Hilfsbetriebe für die Reichsdruckerei. Gedruckt wurden rund
10 Milliarden Geldzeichen im Nennbetrage von 3877 Trillionen M. 29 galvanoplastische
 Anstalten lieferten dazu 400 000 Druckplatten, — Die Versendung der
Noten an die einzelnen Bankanstalten erfolgte durch Bahntransporte, die von Beamten
*) S. Die Reichsbank. Verhandlungen und Berichte des Unterausschusses für Geld-,
Kredit- und Finanzwesen. Berlin 1929.
?) S. Hjalmar Schacht, Die Stabilisierung der Mark. Berlin 1927. S. 85,
3) Über die Folgen der Ruhrbesetzung, über Stabilisierung und Revalorisation
8. Band I 8, 69.

4 Obst, BG II.