lie Wirtschaft durch Aufnahme von Auslandskrediten über umfangteiche
 Devisenbestände, so wird sie vielfach das Devisenangebot der
Wechseleinreichung vorziehen, da bei der Devisenabgabe der zu erwartende
 Zinsverlust meist geringer ist als beim Wechseldiskont. Der kalkulatorische
 Anreiz zur Devisenabgabe wird um so größer sein, je weiter
die Spanne zwischen dem Zinssatz für kurzfristige Guthaben im Auslande
 und dem Reichsbankdiskont ist, und je länger die Verfallzeit der
Wechsel ist, die den Banken zur Rediskontierung bei der Reichsbank zur
Verfügung stehen.“ (Enquetebericht S. 104).
Da die Reichsbank der größte Käufer und der größte Abgeber von Devisen
 ist, ist sie in der Lage, die Devisenkurse in weitgehendem Maße zu
tegulieren !). Nähern sich die Devisenkurse dem Goldimportpunkt?) (s. auch
Band I S. 233), so wird sie Devisen kaufen, wenn sie eine Goldaufnahme
vermeiden will. Geht die Politik der Reichsbank dahin, ihren Goldbestand
auf billige Weise zu stärken, so wird sie die Wechselkurse dahin beein-Aussen,
 daß sie sich dem unteren Goldpunkt nähern. Durch kluge Ausnützung
 der Wechselkurse beschafft sich also die Reichsbank einen großen
Devisenbestand, den sie in geeigneten Zeitpunkten wieder an den Markt
bringt, sei es um ein Steigen der Wechselkurse, sei es um eine Goldausfuhr
 zu verhüten.
Nach 8 22 des Bankgesetzes von 1924 ist die Reichsbank verpflichtet
— ganz gleich ob sie zur Zeit Goldbedarf hat oder nicht —, Barrengold
zum festen Satze von 1392 RM für das Pfund fein gegen ihre Noten umzutauschen;
 nicht aber braucht sie das Barrengold mit Goldmünzen zu
bezahlen ®). Diese Bestimmung ist eine Ergänzung zu Art. 12 des Münzgesetzes
 vom 9, Juli 1873, wonach Privatpersonen das Recht verliehen wird,
I) Uber die Technik des Devisengeschäftes im allgemeinen und des
Devisengeschäftes der Reichsbank im besonderen s. Band I 5. 201 ff.
?) Die Goldpunkte haben sich infolge Umwandlung der reinen Goldwährung
in die Goldkernwährung — bei deren Bestehen die Möglichkeit gegeben ist,
gegen Noten auch Goldbarren und Devisen auszuliefern — und die dadurch in Wegfall
gekommenen Prägekosten nicht unwesentlich verschoben,
3) Über Goldeinfuhr berichtete z. B. die Berliner Börsenzeitung am 20. Dezember
{1929 wie folgt:
Von dem am Montag im Hamburger Hafen eingetroffenen Hamburger Dampfer „Cap
Polonio‘ wurden ca. 8 Millionen RM Goldaus Argentinien bei der Reichsbankhauptstelle
 Hamburg eingeliefert. Die Einlieferer sind die Commerz- und Privat-Bank
 A.-G., Hamburg, mit 4,2 Millionen RM, die Hamburger Niederlassung der
Anglo South America Bank mit 2,5 Millionen RM und der Rest mit ca, 1,8 Millionen
RM die Deutsche Bank und Diseonto-Gesellscehaft, sowie die Dresdner Bank,

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