wie es in Deutschland meist geschieht, sondern der Staat wendet sich
direkt an die Kapitalisten, und die Bank von England gilt als Zeichnungsstelle.
 Treten außerordentliche Bedürfnisse an den Staat heran,
so gibt die Bank „exchequer bills“ und „treasury bills“ aus; Barvorschüsse
auf kurze Zeit gewährt sie gegen „deficieney bills“. Die Zinszahlungen
 auf alle Anleihen erfolgen allein durch die Bank von England,
und zwar meist durch Überweisung auf Konto der Banken, die die
Beträge wieder ihren Kunden gutbringen.
e) Goldhandel.
London war bis vor wenig Jahren der einzige Goldmarkt der Welt.
Zwar kauften und kaufen auch die großen Zentralbanken jederzeit Gold,
in London aber gibt es für den Goldhandel einen offenen (freien)
Markt, wo Gold nicht allein jederzeit verkäuflich, sondern auch erhältlich
ist !). Bis zu der großen Goldanhäufung in den Vereinigten Staaten von
Amerika war England der größte Goldbesitze r, und heute noch ist
England der größte Goldproduzent. Zwei der ergiebigsten Goldproduktionsländer,
 Australien und Transvaal, stehen in gewisser politischer
und wirtschaftlicher Abhängigkeit von England, und die südafrikanischen
 Minen sind meist englisches Besitztum. Weiter ist der Grund
aber auch in der bevorzugten geographischen Lage Londons zu suchen,
das für den überseeischen Verkehr von Gold, verglichen mit den kontinentalen
 Plätzen, immer den nächsten Richtungspunkt bildet; das Gold
braucht in London, als dem Zentrum des internationalen Goldhandels,
nicht erst, wie z. B. in Berlin und ‚Paris, auf dem Wege der Arbitrage
herangezogen zu werden. 2). ; .
Für die Bank von England ist es von untergeordneter Bedeutung gewesen, ‚daß
nach London das neu gewonnene Göld in erster Linie strömte. So wurden z. B: von
den im Jahre 1912 produzierten 100 Millionen £ Gold 30 Millionen £ von der
Industrie verarbeitet, 30 Millionen £ flossen nach Britisch-Indien, 20 Millionen £
an die Vereinigten Staaten von Amerika, und in die restlichen 20 Millionen £ teilten
sich England und die anderen Länder,

1) Über die Bedingungen, zu denen die Bank von England Gold ankauft, und über
die veränderte Notierungsweise s, Band I S. 270 8.
2) „Der Goldhandel, da ihn England beherrscht, wirkt gewissermaßen wie ein
Pulfer zwischen der ausländischen Goldnachfrage und dem Goldvorrat der Bank
von England. Diese Nachfrage wirkt zunächst nur indirekt auf die englische
Zentralnotenbank und beginnt erst direkt sich fühlbar zu machen, wenn der Goldhandel
 gewissermaßen erschöpft ist.“ (Schumacher, Die deutsche Geldverfassung,
in Schmollers Jahrbuch, XXXII, S. 1295.)
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