X, Die Notenbanken in den Vereinigten Staaten von Amerika.
1. Die Zeit von 1690—1863,
a) Die Zeit vor Errichtung einer Zentralbänk.
Schon frühzeitig kamen im Gebiete der Vereinigten Staaten papierene Zahlungsmittel
 auf. So hatte der Staat Massachusetts 1690 Papiergeld (bills of credit) ausgegeben,
 und bald taten es auch die anderen Kolonien, Überall aber trat eine starke
Entwertung des Papiergeldes ein, da seine Menge Bedenken hinsichtlich der Einlösung
aufkommen ließ. Schließlich wollte überhaupt niemand mehr Papiergeld annehmen,
und die 1773 erfolgte offizielle Außerkurssetzung des Papiergeldes war nur die
formelle Bestätigung eines de facto bereits bestehenden Zustandes.
An Stelle dieses einzelstaatlichen Papiergeldes, der „Colonial bills of
eredit“, traten im April 1775 die Kontinentalnoten — „revolutionary bills“
genannt, im Gegensatz zu den „colonial bills‘“ —, die zur Bestreitung der Kriegskosten
dienen sollten. Jeder Bundesstaat erhielt einen bestimmten Betrag, für dessen Einlösung
 er Sorge zu tragen hatte; die Garantie hierfür übernahm die Union.
In den ersten 18 Monaten hatten die Kontinentalnoten den gleichen Wert wie das
Silbergeld, Bereits Ende 1776 aber erhielt man für 1 Silber- 2 Papierdollar. Der
Kongreß glaubte, der Entwertung Einhalt tun zu können, indem er im Januar 1777
den Einzelstaaten empfahl, die Kontinentalnote zum gesetzlichen Zahlungsmittel (legal
tender) zu erklären. Trotzdem die meisten Staaten dies taten, konnte der Entwertungsprozeß
 dieses einzig und allein auf dem Kredit der Union beruhenden Papiergeldes
 nicht aufgehalten werden. Bei Beginn des Jahres 1777 ist das Verhältnis von
Silber zu Papier = 1:4, an seinem Ende — 1:10. Trotz feierlicher Erklärung des
Kongresses im März 1779, ein Zweifel an der Redlichkeit der Staaten brauche nicht
gehegt zu werden, würde doch durch einen Treubruch die Ehre und Würde Amerikas
vernichtet werden, wurden 6 Monate später für 1 $ Silber 20 $ Papiergeld gegeben.
Im Februar 1781 war das Verhältnis von Silber zu Papiergeld = 1: 500, und in
Virginien und Nord.Carolina kurz darauf = 1:1000. Ende 1781 wurde die Einlösung
 der Noten eingestellt,
Webster, der große Staatsmann und Kaufmann, urteilte über die Kontinentalnote
 in seinen „Political Essays on the Nature and Operation of Money“: „We have
suffered more from this than from every other cause of calamity; it has killed more
men, pervaded and corrupted the choicest interests of our country more and done
more injustice than even the arms and artifices of our enemies.‘“ Washington schrieb
damals, ein Wagen mit Papiergeld genüge kaum, um einen Wagen mit Lebensmitteln
einzukaufen, und es wurde das noch heute in Amerika zur Bezeichnung für etwas
Wertloses gebrauchte Wort „Not worth a continental“ geprägt.
Der Kampf der Vereinigten Staaten von Amerika um ihre Unabhängigkeit hatte
ihre Geldmittel erschöpft. Um die finanziellen Schwierigkeiten zu beseitigen und Zutrauen
 zu dem jungen Freistaat zu erwecken, wurde 1782 in Philadelphia die „Bank
öfNorth America“ errichtet, Ihr Kapital sollte 10 Millionen $ betragen, Eingezahlt
 wurden aber nur 400 000 $, davon 330 000 $ von der Union. Die Bank gab
große Summen Noten aus, die in spanischen Dollars einlösbar waren. Als ein Miß-14

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