‚Das Verhältnis von Angebot des Leihgeldes zur Nachfrage ist starken
Schwankungen unterworfen. In Zeiten aufsteigender Konjunktur pulsiert
 das Wirtschaftsleben reger, die Leistungsfähigkeit der eigenen Unternehmung
 wird durch Betriebserweiterungen gesteigert, im Vertrauen
auf die weitere günstige Gestaltung des Wirtschaftslebens werden große
Aufträge erteilt. Die Ansprüche an den Kapitalmarkt (langfristiger Kredit
 für Schaffung neuer Anlagen), wie an den Geldmarkt (Diskont-, Lombard-
 und Kontokorrentkredit) mehren sich rapide. Die Nachfrage auf
dem Kapitalmarkt beeinflußt naturgemäß auch den Geldmarkt. Infolge
großer Nachfrage nach Leihkapital, dem kein genügendes Angebot gegenübersteht
 — Sparer und Kapitalisten heben ihre Gelder von Sparkassen
und Banken ab, um Industriepapiere zu kaufen und sonstige Börsenspekulationen
 vorzunehmen —, steigt der Zinsfuß, was zunächst in einer Erhöhung
 des Bankdiskontsatzes zum Ausdruck kommt. Damit wehrt die
Bank weitere Kreditansprüche der Wirtschaft ab. Geht die Konjunktur
abwärts, tritt eine Depression ein, so wird die Nachfrage auf dem
Geld- und Kapitalmarkt geringer, da die Unternehmungslust geschwunden
 ist. Im Status der Reichsbank tritt eine Erleichter ung ein; sie
kann die Zinsrate herabsetzen 1).
So wird man einen niedrigen Diskontsatz oft auf den Mangel wirtschaftlicher
 Regsamkeit zurückführen können; ein Steigen des Leihpreises
 für Geld braucht nicht ein Zeichen ungesunder Kreditverhältnisse
zu sein, Hieraus geht hervor, wie falsch es wäre, der Bank einen Maximaldiskontsatz
 vorzuschreiben, wie es noch heute von einzelnen Interessenvertretungen
 und politischen Parteien gefordert wird, und wie es
Friedrich der Große der Kgl. Giro- und Lehnbank, Napoleon Bonaparte
der Bank von Frankreich gegenüber getan haben, dann auch in der französischen
 Bankenquete im Jahre 1865 seitens der Gebrüder Pöreire lebhaft
 befürwortet worden war. Demgegenüber betonte schon damals Waru,
ein Direktor der Bank von Frankreich: „Der Diskontsatz der Notenbank
ist wie eine Boje im Meer, die immer auf der. Oberfläche des Wassers
bleiben muß. Ist das Meer bewegt, so steigt und fällt sie mit den Wellen.
Wollte man sie am Grunde befestigen, so würde sie vom ersten Sturm
verschlungen werden.“ .
Für private Bankinstitute ist die Festsetzung des Diskontsatzes ein

infü i jum der Konjunktur. Leipzig
) 8. a. Paul Mombert, Einführung in das Studium .
y de J. Plenge, Von der Diskontpolitik zur Herrschaft über den Geldmarkt.
Berlin 1918,
DAR