ziemlich einfaches Rechenexempel, das durch Gegenüberstellung von Angebot
 und Nachfrage gelöst wird; anders liegt die Sache für die Zentralnotenbanken,
 die vorwiegend öffentliche Funktionen zu erfüllen haben.
Die Zeiten der isolierten Diskontpolitik sind vorüber. Die einzelnen
Länder sind heute mehr als früher finanziell verbunden. Neben die privaten
 Schulden von Land zu Land ist jetzt die staatliche Verschuldung
 aus Krieg und Kriegsentschädigung getreten. Für die
Diskontpolitik müssen allein die Interessen des öffentlichen Wohls entscheidend
 sein. Der im offenen Markt von privaten Banken und Bankiers
festgesetzte Priv a tdiskont hingegen wird naturgemäß von privatwirtschaftlichen
 Rücksichten bestimmt. Doch dürfen sich beide Sätze nicht
lange Zeit allzuweit voneinander entfernen, da sonst ein erheblicher Teil
les Wechselmaterials nicht an die Zentralbank gelangen würde 1. .
Die Diskontpolitik wirkt nach innen auf den Geld- und
Notenumlauf, dadurch auf die Liquidität der Banken, auf das Kreditvolumen,
 auf die Zinssätze, die Warenpreise, den Außenhandel‘ und
die Wechselkurse, nach außen, indem sie das Zinsgefälle ändert und
Kreditbewegungen zwischen Inland und Ausland verursacht. Die Politik
der Banken soll darauf hinzielen, das Kreditvolumen bei einer Tendenz
zur Hausse zu verkleinern, bei einer Tendenz zur Baisse auszudehnen.
Neuerdings ist die Diskontpolitik der Zentralnotenbanken auch in den
Dienst der Stabilisierungspolitik gestellt worden. ; A
Bis zum Weltkriege waren es hauptsächlich die Veränderungen
des Deckungsverhältnisses, die das diskont- und kreditpolitische
 Verhalten der Notenbanken bestimmten. Floß Gold ab, oder erhöhte
sich der Notenumlauf infolge stärkerer Beanspruchung von Krediten, so
wurde der Diskontsatz erhöht, im umgekehrten. Falle herabgesetzt 2).
Nach dem Bankgesetz hat die Reichsbank die Aufgabe, etwa verfügbares
 Kapital nutzbar zu machen, Die Bankpraxis dagegen geht vom
Kreditbedürfnis als der feststehenden Größe aus, der sich der an-1!)

 Nach von Lumm (Bank-Archiv XI, 9) hat im .Jahre 1907 die Deutsche
Reichsbank etwa 40, die Bank von Frankreich etwa 45°%g sämtlicher in den betr,
Ländern vorhandenen inländischen Wechsel angekauft, Nach den Berichten der
Bankenquete waren in den Jahren 1926 und 1927 44%, bzw. 49,1 %0 des gesamten
 Wechselumlaufs bei der Reichsbank und den übrigen durch die Statistik
erfaßten Banken, bei der Reichsbank allein durchschnittlich 15,4 bzw. 22,3 %9. Die
Ziffern sind starken Schwankungen unterworfen, geben aber ein Bild von der Kon-&lt;urrenz,
 die zwischen der Reichsbank und den anderen Banken besteht.
') S. Hialmar Schacht, Vorwort zu R. Burgess, a. a. 0. ;

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