auch alarmierend aufs Ausland gewirkt und die ruhige Abwicklung des
Sanierungsprogramms zum mindesten sehr erschwert, wenn nicht unmöglich
 gemacht.
Die Reichsbank setzte nun ihren Anlagebestand vom 7. April 1924 als
Höchstgrenze ihrer Kreditgewährung fest. Innerhalb des Gesamtkontingents,
 das sich die Reichsbank gesetzt hatte, sollte eine sachgemäße neue
Verteilung der Kredite auf die einzelnen Wirtschaftskreise erfolgen.
Die Kontingentierung der Wechselkredite vom Mai 1929 wurde von der
Reichsbank für nötig erachtet, weil die Wirtschaft sich damals durch
Wechseleinreichung Geld zu schaffen suchte für umfangreiche Devisenkäufe,
 die nicht nur zur Rückziehung von Auslandskrediten erfolgten,
sondern auch eine „Markflucht“ darstellten. Wer zur Markflucht entschlossen
 sei, lasse sich auch durch Erhöhung der Kreditkosten nicht mehr zurückhalten.
 Daher hätte die Reichsbank notgedrungen zur Kreditrestriktion
 greifen müssen.
In der Praxis zeigte das System der Kreditrationierung,
wie auch im Bericht der Bank-Enquete!) hervorgehoben wird, mancherlei
Unzulänglichkeiten, „weil nun an Stelle der Auslese zu befriedigender
Kreditansprüche durch den automatischen Vergleich zwischen Rentabilität
 und Zinssatz eine Auslese durch den Beamtenapparat der Reichsbank
treten mußte, die zu vielen Unzuträglichkeiten und Beschwerden führte,
um so mehr, als ja die Einräumung eines Reichsbankkredits zu einem
erheblich unter den Marktsätzen liegenden Diskontsatze
 der Wirkung einer Subvention der einzelnen Firmen oder Gewerbezweige
 gleich kam“. —
Die durch interallierte Schulden und durch Reparationen erzwungenen
internationalen Kapitalbewegungen lasten schwer auf der Bewegungsfreiheit
 der Notenbanken, insbesondere auch auf der Deutschen Reichsbank.
Der Reichsbankpräsident wies Ende 1926 vor dem Enquete-Ausschuß darauf
 hin, daß die Reichsbank den deutschen Geldmarkt zeitweise nicht beherrschen.
 könne, da er in hohem Maße von Auslandskrediten abhängig sei.
Besteht die Gefahr, daß der Notenbank die Kontrolle über den Geldmarkt
 entgleitet, so wird sie mit allen Mitteln bemüht sein, ihre Herrschaft
 wiederherzustellen ?). In solch schwierigen Zeiten wird sie dis -
kontpolitische Hilfsmaßnahmen ergreifen. Hierzu gehört
1!) a.a. 0, 8. 63,
?) Im Frühjahr 1929 gab die Reichsbank an Gold und Devisen fast 1'/, Millarden
 RM her, um die Stabilität der Reichsmark zu schützen.

271