Die Prämienpolitik war in Frankreich in der Tat nicht ein Ersatz,
sondern eine Ergänzung der Diskontpolitik. Die Gold prämie ist mehr
eine Folge des niedrigen Zinses als seine Ursache, Weil der Zinssatz
 in Frankreich so niedrig ist und das Kapital nach Ländern wandert,
in denen es sich höher verzinst, muß der Goldabfluß künstlich geschützt
werden.
In den letzten Jahren vor dem Kriege trieb die Bank von Frankreich Goldprämienpolitik
 meist nur noch in der Weise, daß sie, wenn bei ihr große Posten Gold
abgehoben wurden, und sie vermutete,.daß das. Gold. exportiert werden. sollte, abgegriffene,
 d. h. also unterwertige Goldstücke hergab — ein Verfahren, das auch die
Deutsche Reichsbank und die Bank von England öfters eingeschlagen haben. Beim
Verkauf von Gold in Barren und ausländischen Goldmünzen wurde eine variable Goldprämie
 erhoben.
Die Deutsche Reichsbank benutzte, ebenso wie die Bank von Frankreich,
 ihre Goldreserven zur Festigung der Wechselkurse. Das Prinzip der
Devisenpolitik erscheint in der Theorie sehr einfach: die Zentralnotenbank
 kauft die Devisen bei günstigem, d. h. niedrigem Stande der Wechselkurse,
 und verkauft sie, wenn sie dem Goldausfuhrpunkte nahekommen.
In Wirklichkeit aber gilt es, mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden:
um den höchsten Wirkungsgrad zu erzielen, muß der An- und Verkauf
von Devisen unauffällig und auf dem Wege oft komplizierter Wechselürbitrage
 erfolgen.
Besitzt die Zentralbank einen großen Devisenvorrat, so wird sie durch
planmäßiges Eingreifen auf den Stand der auswärtigen Wechselkurse einwirken.
 Sie wird durch starkes Angebot der Devisen oft imstande sein,
deren Kurs herabzudrücken, und es wird vorteilhafter sein, Wechsel und
Schecks anstatt Gold nach dem Auslande zu senden.
Einen großen Devisenvorrat besaßen vor Ausbruch des Weltkrieges die Österreichisch-ungarische
 Bank, die Belgische Nationalbank, die Niederländische Bank, die
Deutsche Reichsbank und die Bank von Frankreich. Nur dank ihres großen Vorrates
von Auslandswechseln war es der Österreichisch-ungarischen Bank, obgleich ihre
Noten noch Zwangskurs besaßen, möglich gewesen, die Parität der Valuta aufrechtzuerhalten.
 Um starke .Valutaschwankungen der russischen Währung zu verhüten,
 hatte früher die Firma Mendelssohn &amp; Co. für Rechnung des russischen Finanzministeriums
 entsprechende Rubelkäufe bzw. Rubelverkäufe vorgenommen.
Die Bank von Frankreich wendete als Präventivmittel neben der Diskont-
 und Goldprämienpolitik die Devisenpolitik an. Nachdem sie bereits
1906 und in den folgenden Jahren große Posten Auslandswechsel gekauft
hatte — hauptsächlich um die Bank von England gegen die Goldabflüsse
nach Amerika zu schützen —, wurde im Gesetz vom 22. Dezember 1911

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