29. November 1927 gehaltenen Vortrag über Rationalisierung im Bankwesen
 und Geldmarkt), Opfer, weil die Überführung der Kundschaft
auf eine Nachbarfiliale in vielen Fällen nicht durchführbar ist. Der
Bankkunde legt Wert auf die lokale Verbindung.
Den in letzter Zeit vielfach erhobenen Vorschlag, Filialen und
Wechselstuben der verschiedenen Institute zusammenzulegen
und gemeinsam zu betreiben, hält Mosler für undurchführbar:
 „Die Filialen und Wechselstuben sind die Lebensnerven des Geschäfts
 der Zentrale, die unentbehrlichen Zubringer von Kapitalseinlagen,
 von Effektenorders und von sonstigen Geschäften aller Art, sowie
die Verteiler der Kredite und der unterzubringenden Geschäfte. Wie
jeder Körper seine Atmungs- und Ernährungsorgane nicht mit einem
anderen teilen kann, so darf auch jede Großbank nur ihre eigenen Filialen
haben, deren Geschäfte sie im fairen Wettbewerb mit den übrigen Bankanstalten
 zu erweitern bestrebt ist.“
Die Deutsche Reichsbank besaß bei Beginn des Jahres 19380
456 Filialen, gegliedert in Reichsbankhauptstellen, Reichsbankstellen und
Reichsbanknebenstellen. Das Reichsbankdirektorium errichtete früher
Reichsbanknebenstellen meist auf Antrag einer Kommune oder einer Vertretung
 von Industrie und Handel, Sie fragte nicht, wie andere Banken,
wenn sie Filialen errichten wollen: Wo ist ein günstiger Platz hierfür ?,
sondern sie ließ die Interessenten an sie herantreten und sich von ihnen
Garantien hinsichtlich Mindesteinnahmen der neu zu eröffnenden
Anstalt für eine Reihe von Jahren geben. Heute geschieht dies nicht
mehr. Die Reichsbank ist bestrebt, durch eine gewisse Gleichmäßigkeit
in der Ausbreitung ihrer Filialen den Zahlungs- und Kreditverkehr zu
erleichtern.
Im Deutschen Reich entfällt durchschnittlich auf eine Großbankniederlassung,
 Filiale oder Depositenkasse ein Arbeitsfeld von rund
51 000 Köpfen. Weitmaschiger ist das Banknetz in Mecklenburg — hier
kommen auf eine Bankanstalt 223 000 Köpfe —, in Pommern (155 000
Köpfe), Ostpreußen (1783 000 Köpfe), Baden (144 000 Köpfe), Bayern,
Schleswig-Holstein, Brandenburg und Oberschlesien.
Auf eine Reichsbankanstalt kommt im Durchschnitt eine Bevölkerungsziffer
 von 137 000. Diese Zahl wird unterschritten, die Fühlung
 mit der Bevölkerung also eine engere, in den von den Großbanken
vernachlässigten Gebieten. So entfällt in Mecklenburg bereits auf 110 000,
in Pommern auf 103 000 und in dem von Großbanken besonders schwach

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