Ein klassisches Beispiel dieser Art hat die Deutsche Bank gegeben,
die im Jahre 1912 auf ihre „Fürstengeschäfte“ 12 Millionen M abgeschrieben
 hatte, ohne daß ihre ausgewiesenen. Reserven sich dadurch gemindert
haben. Eine große Privatbankfirma, die in der Nachkriegszeit durch ungünstig
 verlaufene Devisenspekulationen einen Verlust von vielen Millionen
 erlitten hatte, gab an der Börse bekannt, sie habe ihn voll und
ganz aus den für ein Finanzierungsgeschäft zurückgestellten Reserven
decken. können 1),
Die Banken nehmen aber auch Kredit, und diejenigen, die ihnen Gelder
 anvertrauen, sehen, neben möglichst hoher Verzinsung, vor allem
darauf, daß das Geld sicher angelegt ist.
Wo Kredit gewährt wird, spielt auch die Liquidität eine große Rolle.
Selbst die sichersten Anlagen aber sind nicht immer liquide; liquide Anlagen
 hingegen sind stets auch sicher. So kann man die Liquidität einen
gesteigerten Grad der Sicherheit nennen. Liquide im abstrakt theoretischen
 Sinn, sagt einmal Ströll, sind nur diejenigen Depositengelder,
denen als Deckungsmittel bares Geld gegenübersteht. Doch man muß
ausgehen von der Liquidität, wie sie in der Praxis, auf Grund langer Erfahrungen,
 betrachtet wird. Da nennt man liquide diejenigen Vermögensteile,
 die sich schnell zu Gelde machen lassen; Liquidität ist dann die
rechnungsmäßige (prozentuale) Feststellung, die Vergleichung der Aktiven
 mit den Passiven. Nach der Quelle, aus der die Gelder fließen, ist
für die Art ihrer Verwendung eine Richtschnur gegeben.

Gemäß dem von Adolph Wagner geprägten Fundamentalsatz des
Bankwesens: Eine Bank darf keinen wesentlich anderen Kredit geben,
als sie selbst genommen hat, gilt als liquideste Anlage ein gutes Wechsel-Portefeuille.
 Selbst die scheinbar besten Wechsel aber können in kritischen
 Zeiten die Liquidität eines Unternehmens nur insofern sicherstellen,
als sie Mittel sind, die Liquidität herbeizuführen: Die Wechsel können
seitens der Banken bei der Reichsbank rediskontiert werden. Auf Eingang
 sämtlicher Wechsel bei Verfall ist dagegen nicht unbedingt zu rechnen.
 Für die Liquidität ist also nicht allein der Prozentsatz der verschiedenen
 Anlagen maßgebend, sondern auch die vom Außenstehenden unmöglich
 prüfbare Bonität jedes einzelnen Postens.

1) Von einer anderen Firma, die einige Tage später ebenfalls mehrere Millionen
eingebüßt hatte, wurde dann, sarkastisch, an der Börse gesagt, sie habe den Verlust
„glatt aus der Portokasse gedeckt“.
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