Aufsichtsratsmitglied nichts anderes als das „Ohr“ seiner Bank, der Mittler
 ihres Einflusses,
Die Aufsichtsratstantiemen fließen meistenteils den betreffenden Aufsichtsräten
 persönlich zu; bei einigen Unternehmungen aber werden sie
zusammengeworfen und nach einem bestimmten Schlüssel an die Direktoren
 oder die Firmeninhaber verteilt. Direkt ist wohl kein Erwerbsunternehmen
 in pekuniärer Beziehung an den Aufsichtsratstantiemen seiner
Direktoren beteiligt. Die notwendige Konsequenz wäre dann natürlich,
daß es auch für etwaige Regreßansprüche aufzukommen hätte. Staatsbeamte
 müssen, auf Grund eines Schlüssels, einen Teil ihrer Aufsichtsratstantiemen
 an den Staat abführen.
Die Tantieme bildet so für Aufsichtsräte, Direktoren und einen
Teil der Beamten einen Anreiz, nach Kräften zur Erhöhung des Erträgnisses
 beizutragen. Die Art der Berechnung erfolgt gemäß Statut und
persönlichen Verträgen und ist sehr verschiedenartig. Jede Erhöhung des
Aktienkapitals bringt naturgemäß eine Steigerung der Gewinne und damit
 auch der Tantiemen, doch haben bei einigen Banken Direktoren und
Aufsichtsräte freiwillig auf einen Teil der ihnen infolge der Kapitalerhöhungen
 mehr zufließenden Einnahmen verzichtet. Immerhin sind es
sehr erhebliche Summen, die an Tantiemen gezahlt werden.
Wie sich die Tantiemen auf die drei Kategorien: Aufsichtsrat, Direktoren
 und Beamte verteilen, ließ sich schon früher bei manchen Instituten
schwer ersehen, da sie im Handlungsunkosten-Konto enthalten waren.

Zur Charakterisierung einige Angaben (für 1913): Es erhielten bei der Deuts chen
Bank 67 Direktoren 3 906 000 M Tantieme, der Aufsichtsrat (36 Personen) 978 000;
zusammen also 4884 000 M; die Beamten (6638 an der Zahl) 3000000 M. Bei der
Dresdner Bank empfingen 110 Direktoren 3881000 M, der Aufsichtsrat
(55 Personen) 1 196 000 M, die Beamten (rund 5000) 2 500 000 M Tantieme. Aus dem
Berichte der Disconto-Gesellschaft sind nur die Gewinnbeteiligungen der
7 Geschäftsinhaber, 2305 000 M, und. die Tantiemen des Aufsichtsrates (30 Personen),
631 000 M, ersichtlich. Bei der Darmstädter Bank erhielt der Vorstand
1566000 M, der Aufsichtsrat 280000 M und die Beamtenschaft (2847 Personen)
1952000 M Tantieme.

Bei den Großbanken bezieht heute ein Aufsichtsratsmitglied durchschnittlich
rund 10 000 RM; der Vorsitzende des Aufsichtsrats das Doppelte, die stellvertretenden
Vorsitzenden das 1l!/,fache. Bei reinen Industrieunternehmun gen sind die
Tantiemen ganz erheblich höher, Fürs Jahr 1928 entfielen z. B. bei Siemens &amp; Halske
42 000 RM, bei der I. G. Farbenindustrie 64 000 RM und bei den Vereinigten Glanzstoff-Fabriken
 160 000 RM auf jedes Aufsichtsratsmitelied,

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