das Verhalten fremden Betrieben gegenüber, sondern auch gegenüber dem
eigenen.
Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, und die Einstellung der
einzelnen Bankleiter und Bankiers ist eine sehr verschiedene. Im wesentlichen
 aber ist es schon richtig, daß die Bankleiter bis zur Inflation ihr
Augenmerk fast ausschließlich auf Steigerung der Gewinne gerichtet, der
Verminderung der Aufwandseite hingegen eine zu geringe Beachtung geschenkt
 haben. Für die Kundschaft erfolgten viele Dienstleistungen, die
— für sich allein betrachtet — der Bank nicht nur keinen Nutzen, sondern
 oft Verluste brachten. Bei den guten Gewinnen, die die Banken aus
verschiedenen Geschäften zogen, spielten die Unkosten keine wesentliche
Rolle. Die Bankleiter sahen zwar das Anwachsen des Unkosten-Kontos,
stöhnten auch oft darüber, aber sie zogen nicht die Konsequenzen, führten
nicht radikale Änderungen ein, die eine Senkung des Unkosten-Etats zur
Folge gehabt hätten.
Als sich das Blatt wendete, die Gewinne der Banken spärlicher wurden,
die Unkosten dagegen stiegen, da ertönte von verschiedenen Seiten der
Ruf: die Banken müssen ihre Ausgaben mit ihren Einnahmen in Einklang
 bringen, und zu diesem Zweck müssen sie kalkulieren. Sehen wir,
wie die Bankleiter selbst sich zu dieser Forderung stellen.
Aus einer Reihe von Briefen an mich seien einige charakteristische Äußerungen
wiedergegeben: ,
Der Direktor einer Großbank schreibt: „Kalkulation hinsichtlich der Unkosten
ainzelner Konten bzw. für einzelne Transaktionen nehmen wir
nicht vor, da wir in den in Betracht kommenden Abteilungen täglich die Gewinn- und
Unkostenbeträge feststellen können und so einen genügenden Überblick auch in dieser
Beziehung über den Betrieb haben.“
Aus dem Briefe des Geschäftsinhabers einer Großbank: „Die Frage, die Sie an mich
wegen der Kalkulation der Bank richten, vermag ich nicht in einer Sie befriedigenden
 Weise zu beantworten, Außer speziellen Finanzgeschäften, wo die Kalkulation
yon Fall zu Fall eine andere ist, wird selbstverständlich bei uns bei Hereinnahme und
Ausleihung von Geld genau und fortlaufend kalkuliert, und diese Kalkulationen mit
den sich aus der Entwicklung der Geschäfte ergebenden Veränderungen werden auch
von den zuständigen Herren notiert. Ein System aber, das sich beschreiben läßt
and eine allgemeine Anwendbarkeit hätte, ist bei der Art des Ban kgeschäfts
nicht möglich. Ich brauche Sie nur daran zu erinnern, daß hereingenommenes
Geld aus Liquiditätsgründen nicht restlos wieder ausgeliehen werden kann, so daß
den Kosten des Geldes die sich beinahe täglich ändernden Erträgnisse der täglich
verfügbaren. Investition gegenüberstehen. In dieser Kalku lation der Zinsgeschäfte
 liegt der Hauptteil der Kunst des Bankiers, und hierfür wird sich ein
befriedigendes allgemeines Schema nicht finden lassen.“
Ein Vorstandsmitglied einer Großbank mit ausgedehntem Filialnetz antwortet:
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