„Eine Unkostenkontrolle, die sich auf die Kosten der einzelnen Konten
bezieht, haben wir augenblicklich nicht. In den ersten Inflationsjahren ist mehrfach
der Versuch hierzu gemacht worden; doch hatten diese Statistiken relativ wenig Wert,
da sie infolge der Inflation meist schon überholt waren, wenn die Ausrechnung erfolgt
war, Wohl aber werden in der jetzigen Zeit Stichproben gemacht, um zunächst einmal
festzustellen, welche Abteilungen die größten Unkosten verursachen. Eine Berechnung
der Unkosten für einzelne Konten oder für einzelne Transaktionen wird meines Erachtens
 erst dann wieder Zweck haben, wenn die Banken den immer noch vorhandenen
Leerlauf, der sich aus den verschiedensten Gründen ergibt, ganz beseitigt haben. Erst
dann wird es Zweck haben, festzustellen, ob diese oder jene Arbeit zu billig
oder zu teuer geleistet wird. Zurzeit spielt derjenige Teil der Generalunkosten,
 der überflüssig ist und daher beseitigt werden muß, eine zu große Rolle,
als daß man schon zu verwendbaren Spezialresultaten kommen könnte.“
Aus dem Briefe einer anderen Großbank: „Wir haben bei der technischen Umgestaltung
 unseres Betriebs auf statistische Erfassung großen Wert gelegt.
Sie ist dazu bestimmt, rationelleres Arbeiten zu erzielen, die Personalbesetzung
 zu erleichtern und, soweit angängig, für die Kalkulation gewisse
Vorarbeiten zu leisten und Unterlagen zu schaffen. Zum Teil werden hierbei Maschinen
 benutzt, zum Teil ist die Erfassung der statistischen Ziffern aber durch
systematische Änderungen des Betriebs ermöglicht worden.“
Aus diesen Äußerungen hervorragender Bankpraktiker ergibt sich die
Verschiedenheit der Zwecksetzung der Selbstkostenberechnung im
Bankbetrieb. Nicht das kann, wie schon erwähnt, das Hauptziel sein: Unterlagen
 für Festsetzung von Provisionen, Gebühren usw. zu gewinnen
— das Ergebnis der Selbstkostenrechnung wird sich täglich ändern, da
die Zahl der Kundenaufträge erheblichen Schwankungen unterliegt:
wesentlich ist vielmehr, wie es in der letzten Äußerung heißt, Gradmessung
 und Wegweisung für rationelles Arbeiten zu bekommen.
Der Bankbetrieb ist marktorientiert, d. h. er kann, wie Isaac
(Über das Selbstkostenproblem im Bankbetriebe) es einmal ausdrückt,
„aus den Marktpreisen unmittelbar ersehen, ob es wirtschaftlich ist,
‚Waren‘ zu kaufen oder abzusetzen“. Die Preisbildung seiner „Waren“
(Zinsen, Provisionen, Gebühren) steht also in keinem Zusammenhange
mit den Selbstkosten. Es fehlt im Bankgewerbe an eigentlichen „Gestehungskosten“,
 die bekanntlich in der Industrie die Grundlage einer jeden
Kalkulation bilden. Im Gegensatz zum Industriebetrieb sind die beim
Bankbetrieb entstehenden Kosten keineswegs entscheidend, ob ein Geschäft
 getätigt wird, oder ob es unterbleibt. Ganz andere Gesichtspunkte
— man denke insbesondere an das Kreditgeschäft! — sind hier in der
Regel maßgebend, z. B. Beurteilung der wirtschaftlichen Lage im allgemeinen,
 des Kreditsuchenden im besonderen, die Geldflüssigkeit usw.

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