Die Sätze im Bankgewerbe sind, um ein „Schleudern“ zu verhüten, in
der Hauptsache durch Kartelle festgelegt. Würde eine Bank mit wesentlich
 billigeren Sätzen arbeiten als andere Banken, so würde ihr Umsatz
sich wahrscheinlich sehr vergrößern; würden aber alle Banken ihre Provisionssätze,
 sagen wir z. B. beim Effektengeschäft, um */, niedriger bemessen,
 so würde dies kaum dazu beitragen, die Effektenumsätze wesentlich
 zu erhöhen; für spekulative Effektengeschäfte kommen ganz andere
Momente in Betracht. Die Sätze, die die Banken für ihre Dienstleistungen
ihren Kunden in Rechnung stellen, sind durch allgemeine wirtschaftliche
Verhältnisse bedingt, liegen außerhalb des Machtbereiches der Bank.
Dazu kommt vor allem, daß die Arbeitsleistung der Bank fast unabhängig
 von der Höhe des einzelnen Auftrages ist, d. h, sich kaum unterscheidet,
 ob z. B. ein Kunde 1000 oder 10 000 RM von einem Wertpapier
kauft; die Provision ist aber im zweiten Falle zehnmal so groß wie im
ersten Falle. Beim Inkasso von Schecks liegt der Gewinn der Bank in der
Regel nur in der Valutierung. Die Leistung ist die gleiche, ob der Scheck
über 8000 oder über 30 000 RM lautet; der Zinsgewinn aber ist im zweiten
 Falle zehnmal größer.

Nun wird man einwenden, daß amerikanische Banken derartige Kalkulationen
 seit langer Zeit vornehmen, um zu ermitteln, bei welcher Umsatzhöhe
 sich noch ein Gewinn ergibt, und wann der Gewinn sich in Verlust
 verwandelt, sofern nicht der Zinssatz ermäßigt oder das Mindestguthaben
 erhöht wird. Darauf ist aber zu erwidern, daß die Geschäfte der
amerikanischen Depositen- und Notenbanken — um diese handelt es sich
hauptsächlich — wesentlich anders geartet sind als die der deutschen
Kreditbanken, die eine erheblich größere Anzahl zum Teil eng miteinander
 verknüpfter Geschäftszweige betreiben. Bei amerikanischen Banken
 ist daher die Kostenberechnung (Konten-Kalkulation) weit einfacher
als bei deutschen Banken. Unschwer können die amerikanischen Banken
errechnen: Welche Unkosten verursacht die Führung eines Depositen-Kontos-
 und welchen Zinsgewinn bringt es der Bank! Weiter: Mit welchen
 Kosten ist jeder Posten des Kontos belastet? Was kostet z. B. ein
Scheck, den der Kunde auf seine Bank ausschreibt? *)
Deutsche Banken begnügten und begnügen sich in solchen Fällen meist
mit Schätzungen. Der Buchhaltungschef, der Korrespondenzchef oder der

1) S. verschiedene Beispiele der Unkosten-Kalkulation amerikanischer Banken in
meiner „Bankbuchhaltung‘“ a. a. 0.

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