Diese statutarischen Bestimmungen stellten sich in der nun folgenden
Periode wirtschaftlicher Depression von 1874—78 als unhaltbar heraus
und gaben fast jährlich zu einer Reihe von Statutenveränderungen Anlaß.
Die Annahme, mit einer Durchschnittsdividende von 10 °/. rechnen zu
können, war eben falsch 1).
In den fetten Jahren für die mageren vorzusorgen und die Dividende
auf annähernd gleicher Höhe zu halten, ist ein Prinzip, das heute von
vielen Kreditbanken befolgt wird. Zu diesem Zweck werden, da die Erträgnisse
 von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen — eine
wesentliche Rolle spielt vor allem auch die Höhe des Zinsfußes — abhängig
 und daher naturgemäß mancherlei Schwankungen unterworfen
sind, in guten Jahren hohe Abschreibungen gemacht, und die Bestände
werden niedrig bewertet. Sind erst die Aktionäre und die Öffentlichkeit
an eine höhere Dividende gewöhnt, so ist es, wenn es nicht auch seitens
einer Anzahl anderer Banken geschieht, für die Direktion ein schwerer
Entschluß, mit der Dividende wieder zurückzugehen.
An und für sich ist es nur zu begrüßen, wenn eine Bank für innere
Konsolidierung Sorge trägt und durch niedrige Bewertung der Bestände,
hohe Abschreibungen auf zweifelhafte Forderungen usw. sich stille Reserven
 schafft, aber die Bilanzwahrheit darf dadurch nicht zu sehr leiden,
und Erträgnisse eines wichtigen Kontos überhaupt zu verschweigen, wie
es vielfach geschieht, ist eine Bilanzierungsmethode, von der auch der
mildeste Kritiker nicht sagen kann, daß sie durch den Zweck geheiligt
wird. Insbesondere werden die Gewinne aus den „unregelmäßigen“ Geschäften,
 d. h. den Effekten-, Emissions- und Konsortialgeschäften, in den
Dienst dieser Bilanzpolitik (Errechnung und Kenntlichmachung
der Gewinne) und Dividendenpolitik (tatsächlicher Verwendung
der Gewinne) gestellt. Neuanlagen werden über Unkostenkonto gebucht.
Verschiedene Reserven (Rückstellungen für zweifelhafte Debitoren, Neubau
 usw. werden gebildet und unter „Kreditoren“ aufgeführt 2).
1) S. Model, a. a. 0. S. 77.
?) Diese Art der Gewinnverschleierung und das Gegenstück: Rückbuchung
 stiller Reserven, um Rentabilität vorzutäuschen, finden wir bei
Aktiengesellschafien aller Geschäftszweige. In einem Aufruf (Frankfurter Zeitung
vom 17, November 1927) weisen die Privatbankiers darauf hin, wie sehr bei einer
derartigen Bilanzierung die Beratung bei Kapitalanlagen erschwert werde. Sie fordern
 Verbesserung der Publizität der Aktiengesellschaften; nur wenige Eingeweihte
wären noch in der Lage, ein einigermaßen zutreffendes Urteil über die betreffende
Unternehmung zu fällen.

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