Nichts einzuwenden wäre, wenn sich diese Stabilisierungspolitik im
breitesten Licht der Öffentlichkeit abspielen, d. h. in der Bilanz und im
Gewinn- und Verlust-Konto zum Ausdruck kommen würde, so z. B. auf
einem Dividenden-Ausgleichsfonds, wie bei der Deutschen Reichsbank.
Also keine stillen, sondern offene Reserven!
In schlechten Jahren erfolgt dementsprechend Höherbewertung der
Aktiven, insbesondere der Effekten-Konsortialbestände, soweit nicht gezetzliche
 Bestimmungen entgegenstehen. Um die Zinseinnahmen größer
erscheinen zu lassen, wurden in schlechten Jahren z. B. öfter auf Terrainbesitz
 Zinsen errechnet, d. h. dem Terrain-Konto belastet, ohne daß die
Terrains in den nunmehr höheren Wert hineingewachsen waren.
Betriebsüberschüsse wurden früher und werden auch heute noch zur
Selbstfinanzierung der Unternehmung benutzt; fehlendes Betriebskapital
 wird aus Gewinnen gezogen. Typisches Beispiel hierfür ist
die A.E.G., deren genialer Leiter Emil Rathenau jede Ausschüttung
einer Dividende als „notwendiges Übel“ betrachtete und fast in jeder
Generalversammlung um die stillen Reserven kämpfte. Sein Ziel war,
einen bestimmten Dividendenstandard aufzustellen, ihn langsam zu erhöhen,
 niemals aber eine Verringerung eintreten zu lassen.
Die Politik der stabilen Dividende der Industrie-, wie der Bankunternehmungen
 hat für die Aktionäre mancherlei Schattenseiten: In
guten Zeiten werden dem Aktionär Gewinne vorenthalten, und bei sinkenden
 Kursen sagen Vorstand und Aufsichtsrat: „Haben wir es nötig,
bei diesen Kursen unsere bisherige Dividende aufrechtzuerhalten oder
gar noch zu erhöhen?“ Und sind die Kurse in aufsteigender Linie, so
heißt es, was spielen einige wenige Prozente mehr Dividende für eine
Rolle gegenüber den hohen Kurschancen! Die Verwaltung verweist darauf,
 daß nicht ausgeschüttete Gewinne als stille Reserven dem Unternehmen
 verbleiben und den Aktionären, die ihre Aktien als Dauerbesitz
betrachten, nicht verlorengehen. Mag das Prinzip der stabilen Dividenden
 richtig oder falsch sein, Sinn hat es nur, wenn es bei steigenden
and bei sinkenden Kursen Anwendung findet.
Je gleichmäßiger die Dividende, desto stabiler wird in der Regel auch
der Kurs sein. Keine Verwaltung sieht es heute gern, wenn ihre Aktien
ein Spielpapier sind und größeren Kursschwankungen unterliegen, weil
zu befürchten ist, daß daraus auch Schlüsse auf die Solidität der Bank
selbst gezogen werden. Die Bankdirektion hat insofern Interesse an einem

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