aus betrachten. Geheimrat Mueller!), der viele Jahre im Vorstand
der Dresdner Bank gesessen hat, spricht dem Bankier direkt das Recht ab,
zu prüfen, welchen Gebrauch der Schuldner von dem Kredit macht. Er
habe vielmehr lediglich zu befinden, ob der nachgesuchte Kredit durch
die nachgewiesenen flüssigen Aktiva des Schuldners genügend gesichert
ist, und weiter, ob seine eigene Geschäftslage die entsprechende Vermehrung
 seiner Ausleihungen gestattet. Andere Bankdirektoren sind
anderer Ansicht.

Lansburgh (Die Verwaltung des Volksvermögens durch die Banken) sagt: „Es
kommt nicht sowohl darauf an, ob die Wechselkredite und Vorschüsse der Banken
über jeden Zweifel erhaben sind, als vielmehr darauf, ob sie solchen Unternehmungen
gewährt worden sind, denen sie auch die Menge der einzelnen Bankgläubiger gewährt
haben würde, wenn diese selbständig, ohne Dazwischentreten der Banken, über ihr
Geld verfügt hätten. Ist das der Fall, so erleidet die wirtschaftliche Struktur des
Erwerbslebens keine Veränderung. Damit sei noch nicht gesagt, daß nun jedem das
Seine wird; daß die Landwirtschaft ebenso zu ihrem Recht kommt, wie die Industrie,
die geldbedürftige Regierung ebenso, wie der kreditsuchende Privatmann. Aber es ist
doch wenigstens keine Willkür im Spiel. Die Banken richten ihre distributive Tätig
keit darauf ein, wie sich ihnen im Verkehr mit ihrem Vielköpfigen Geldgeber dessen
Anlagebedarf kundgibt, und sind sich bewußt, hier in erster Linie ein Amt;und erst
in zweiter eine Meinung zu haben, So sollte es sein. Aber die Neigung des
Geldgebers kommt in der Politik der Banken wohl nirgends ganz rein zum Ausdruck,
die Organisation des Kreditwesens sei, welche sie wolle.“
Darauf möchte ich zunächst erwidern, daß ich weder als Bankdirektor,
noch, eine geraume Zeit vorher, als Vorsteher einer Depositenkasse einer
Berliner Großbank jemals gehört habe, daß jemand, der meiner Bank
Geld, und waren es auch noch so große Summen, anvertraut hatte, sich
in Betrachtungen darüber ergangen ist: „Was wird nun mit dem Gelde
geschehen? Wem wird die Bank dafür Kredit gewähren?“ Lansburgh
hat dies sicherlich auch nicht so wörtlich gemeint, Als ehemaliger Bankpraktiker
 weiß er genau, daß die Betriebsmittel einer Bank ein einheitliches
 Ganzes darstellen. Die Passivseite der Bilanz zeigt, aus

1) Bank-Archiv, VIII, 7 und 8. „Nehmen wir an, der Spinner hat mit der Bank
bereits im Kontokorrentverkehr gestanden und erzählt dem befreundeten Bankdirektor
 aus freien Stücken, er beabsichtige die Zahl seiner Spindeln zu vermehren
and müsse zu diesem Zwecke ein neues Gebäude errichten. Soll nun der Bankdirektor
 dem Spinner einen Vortrag halten, daß die Expansion der Baumwollindustrie
 bei der Möglichkeit von Rückschlägen in der Konjunktur bedenklich sei
und der Spinner mit der Vermehrung seiner Spindeln besser warte, bis er die Kosten
Statt durch Kredit aus seinen Überschüssen bestreiten könne? An diesem Vortrage
würde wahrscheinlich die bisherige Freundschaft in die Brüche gehen.“

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