„Man weiß, was heutzutage auf einen Teil der Auskünfte zu geben ist. Vor-‚ügliche
 Auskünfte über Firmen werden erteilt, deren schlechte Vermögensverhältnisse
 und eigenartige, von den Gebräuchen des ehrbaren Kaufmannes stark abweichende
 Geschäftsmanipulationen weit über eingeweihte Kreise hinaus bekannt sind.
Von manchen Plätzen kann man den Eindruck gewinnen, als ob ein Teil der dortigen
Firmen eine gegenseitige Lob- und Preisversicherung abgeschlossen hätte, weil der
Kredit des Platzes unter keinen Umständen leiden darf, Es werden Bilanzen vorgelegt,
 die eigentlich nur der Verschleierung des Vermögensbestandes
 dienen. Angeblich sind alle Werte auf den niedrigsten Schmelzwert abgeschrieben,
aber selbst dieser Schmelzwert wird so geschildert, daß er in gar keinem Verhältnis
zu dem sog. Privatvermögen, das aus den verschiedensten Gründen nicht in die Bilanz
mufgenommen ist, stehe, Sieht man genauer hin, so besteht das Privatvermö gen
aus der möglicherweise schon lange nicht mehr echten Perlenkette der Frau und einer
höchstbelasteten, auf den Namen der Kinder eingetragenen Villa, während die Buchwerte
 der eigentlichen kaufmännischen Bilanz auch nicht annähernd den Verkaufswerten
 entsprechen. Es werden Vorräte aufgenommen, deren tatsächliche Unverwertbarkeit
 seit langer Zeit erwiesen ist, und unter den Debitoren finden
sich Forderungen an Konzerne und Tochtergesellschaften, an Grundstücks- und
Ritterguts-G. m. b. H.’s, die nur noch einen papierenen Wert besitzen, Die anscheinend
außerordentlich üppige Kasse enthält bei näherem Zusehen im wesentlichen nur
Kassenzettel über eigene Entnahmen, Darlehen an Verwandte und entlassene Angestellte
 und ähnliche Dinge, die mit dem Begriff der Liquidität nichts zu tun haben.
Über Bürgschaftsverpflichtungen wird ganz hinweggegangen, ebenso
selbstverständlicherweise über die Verpflichtungen aus Rediskonten, und zwar
auch dann, wenn sie in einem ganz anormalen Verhältnis zum Eigenkapital stehen und
mit dem eigentlichen legitimen Geschäft gar nichts zu tun haben.“
Der Hamburger Bankier Max M. Warbur g?!) verwirft den Vorschlag
 von Dreyfus, legt den Hauptwert vielmehr auf einwandfreie
Unterlagen, die vom Kreditsucher dem Kreditnehmer selbst zu erbringen
sind. Warburg verweist auf die Verhältnisse in Großbritannien, wo die
Bilanz mit dem Revisionsvermerk der chartered accountants
sine gute Kreditunterlage gäbe, und wünscht auch für Deutschland eine
ähnliche Entwicklung. Ich bin mit W. Voß?) der Ansicht, daß wir auch
in Deutschland bereits einen Stamm guter Bücherrevisoren haben, die
einen Vergleich mit dem Ausland gut aushalten können; Ausbildung eines
größeren Nachwuchses durch Handelshochschulen und Universitäten
wird keine Schwierigkeiten bieten, aber immerhin eine Reihe von Jahren
dauern. Erfolgt, wie zu wünschen, eine branchenmäßige Teilung
der Arbeit — denn inniges Vertrautsein mit der Branche, deren Bilanzen

') Zur Frage der Kreditkontrolle, im Bank-Archiv XXVIII, 3.
?) Nochmals: Kreditkontrolle. Magazin der Wirtschaft, IV, 51. — S. a. zahlreiche
Aufsätze verschiedener Autoren in der „Bankwissenschaft‘“ und anderen Zeitschriften.

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