geben, Ging der Depositensatz wieder unter den Satz der Sparkasse herab,
 so erfolgte die umgekehrte Operation, Vergütete die Sparkasse einen
höheren Zins als die Bank, so floßen ihr nicht nur Ersparnisse zu, sondern
 auch Gelder, die zu späterer Verwendung in Geschäft und Wirtschaft
 bereitgehalten würden.
Ob Gelder zur Sparkasse oder zur Bank gebracht werden, hängt m. E,
aber in der Regel weniger von dem Ursprung der Gelder ab, sondern
vielmehr von der Höhe der Verzinsung und manchen äußerlichen Momenten,
 vor allem auch, ob vertrauenswürdige Banken an dem betreffenden
 Ort vertreten sind. Geheimrat Mueller hat 1907 auf dem Bankier-;ag
 in Hamburg erklärt, die Kreditbanken hätten bisher gar nicht daran
gedacht, und könnten es auch für absehbare Zeiten nicht tun, ihre Filialnetze
 auf kleine Städte auszudehnen, da der Erfolg zu den Unkosten in
gar keinem Verhältnis stehen würde. Inzwischen haben sich die Ansichten
 wesentlich geändert. An zahlreichen kleinen Orten sind Filialen,
Depositenkassen und Bankagenturen errichtet worden, in der Hauptsache
 zu dem Zweck, als Annahmestellen für Depositengelder zu fungieren.
Riesser schätzt, daß von den Depositen der deutschen Kreditbanken
höchstens !/, aus Einlagen besteht, denen man den Charakter von Spareinlagen
 zuerkennen kann. Im Frühjahr 1914 schätzte ich auf Grund von
stichprobenweisen Untersuchungen diese Summe, die stark schwankt und
durch die Höhe der Zinsen beeinflußt wird, auf 30—40 93 in den Großstädten
 wird der Prozentsatz niedriger, in ländlichen Distrikten höher
sein. Jedenfalls setzt sich der größere Teil der Depositen zusammen aus
den zeitweilig verfügbaren Betriebsreserven (Kassenvorräten, Reserven
usw.) der Gewerbtreibenden und aus Guthaben von Kaufleuten, Beamten,
Privaten usw., die vorübergehende Barbestände — z. B. den Erlös verkaufter
 Wertpapiere oder einer zurückgezahlten Hypothek oder ihr Gehalt
usw. — bis zu anderweitiger bzw. allmählicher Verwendung zinsbar bei
der Bank belassen. Eine brauchbare Umgrenzung des Begriffs „Depositengelder“
 ist in den bisher erwähnten Vorschlägen aber immer noch nicht
gegeben. S o einfach läßt sich die Grenze auch nicht ziehen, daß unter Depositen
 nur die Einlagen von solchen Personen verstanden werden, „die
im übrigen mit der Bank nach keiner Richtung hin andere Geschäftsverbindung
 haben, Das würden Depositen sein, und das würden die Banken
unterscheiden können; nach außen hin wäre es aber nicht zu unterscheiden,
 und dann wäre der Zweck der ganzen Übung verfehlt“ 1).
!) Johannes Kaempf, Bank-Enquete von 1908 a.a.0. 8.170. ;
‘nr