„Wir Bankdirektoren rechnen, wie das Reichsbankgesetz, mit der schon
ginen Run von bisher nicht dagewesenem Umfange darstellenden Eveniualität,
 daß ein Drittel der gesamten fremden Gelder in kurzer Zeit zurückgefordert
 werden, und legen uns die Frage vor, wie wir die Rückzahlungsmittel
 bereitstellen, ohne das Geschäft einzureißen und ohne
unsere Kreditkunden durch Kündigung der Kredite in Verlegenheit zu
bringen. In dieser ungefähren Höhe müssen wir parate Mittel, und zwar
zu einem möglichst hohen Betrage, in international verwertbaren Effekten,
Reports und Primawechseln stets zur Verfügung haben. Dann können
wir nach menschlichem Ermessen ruhig schlafen.“
Bei der Beurteilung der Liquidität einer Bankbilanz muß ermittelt werden
 1. die Höhe der Anforderungen, die plötzlich an eine Bank gestellt
werden können, und deren Erfüllung sie sich vertragsmäßig nicht entziehen
 darf — der Gläubiger, dem ein jederzeit fälliger Anspruch an
die. Bank zusteht, muß die Gewißheit haben, nicht nur daß er überhaupt,
 sondern zu jeder Zeit auf Zahlung rechnen kann —, und 2.
wieviel von ihren Mitteln die Bank derart angelegt hat, daß sie sie
aötigenfalls sofort auszahlen bzw. zu barem Gelde machen kann. Das
Verhältnis dieser beiden Summen ergibt die Liquiditätsquote.
Zu den deckungsbedürftigen Verbindlichkeiten werden gerechnet:
 1. sämtliche Kreditoren, 2. die Akzepte (von den Avalakzepten etwa
30—40 °/,) und 3. die Ansprüche auf den am Ende des Jahres noch unzerteilten
 Reingewinn.
Als liquide Mittel?), als leicht greifbare Anlagen, gelten, unter
der Voraussetzung, daß Reichsbank und Börse noch funktionieren, 1.Kasse,
Guthaben ‚bei Noten- und Abrechnungsbanken, 2. Nostroguthaben, d. h.
Kreditsalden bei anderen Banken und Bankiers, 3. Wechsel, 4. Reports
and Lombards gegen börsengängige Wertpapiere und ein Teil der Vorsachüsse
 auf Waren, 5. die Effektenbestände, die leicht verkäuflich oder
lombardfähig sind.
Schematisch läßt sich aus den schon mehrfach erwähnten Gründen

1) S. Nikolaus Hansen, Das Problem der Liquidität im deutschen Kreditbankwesen.
 Stuttgart 1910. Rießer a. a. O0. S. 449ff. Materialien zur Frage des
Depositenwesens. Berlin 1910 S, 182fi. Alfred Lansburgh, Die Maßnahmen
 der Reichsbank zur Erhöhung der Liquidität der deutschen Kreditwirtschaft.
Stuttgart 1914. v. Mering, Die Liquidität der deutschen Kreditbanken. Jena
1916. W. Prion, Die deutschen Kreditbanken im Kriege und nachher, Stuttyart
 1917. Adolf Weber, Depositenbanken und Spekulationsbanken a. a. O.

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