praktiker, der Geh. Oberfinanzrat Hartung, steht auf der Höhe seiner
Aufgabe, der mit weiser Vorsicht und ängstlicher Gewissenhaftigkeit
anterscheidet, welcher Teil der zu seiner Verfügung stehenden fremden
Gelder eine zeitweise Festlegung vertragen kann, und welcher flüssig
bleiben muß. In zweiter Linie erst kommt die Frage: Auf welche Weise
und in welchen Werten soll die Anlage vor sich gehen, was für Geschäfte
Jarf die Bank machen?
Da für die Sicherheit der Gläubiger in erster Reihe die Höhe der tatsächlichen
 — nicht der nach einem Schema berechneten — liquiden Anlagen
 in Betracht kommt, ist es das Streben einer vorsichtigen Bankleitung,
 ihre Dispositionen derart zu treffen, daß sie den an sie herantretenden
 Verpflichtungen jederzeit gerecht werden kann. Da die risikolosen
 Geschäfte natürlich weit weniger Verdienst als die riskanten bringen,
so muß die Bank, um hohe Gewinne zu erzielen, ihr Kapital recht oft umsetzen.
 Die Politik der Banken ist daher dahin gerichtet, die Gewährung
von Krediten aller Art von entsprechenden, provisionspflichtigen Umsätzen
abhängig zu machen. Bei Blankokrediten ist es allgemein üblich, und auch
bei gedeckten Krediten wird in neuerer Zeit von vielen Banken die Bedingung
 gestellt, daß der durchschnittlich in Anspruch genommene Kredit
mindestens 4mal im Semester umgesetzt wird. Lombardkredite, die
Monate lang festliegen, d. h. bei denen das Konto so gut wie keine Bewegung
 zeigt, werden von manchen Banken im Interesse der Liquidität
ınd der Rentabilität überhaupt nicht gewährt.
Wenn auch die Bankdirektoren hinsichtlich der Aktiva, wie der Passiva,
viel mit Wahrscheinlichkeiten operieren müssen, so können sie doch durch
sorgfältige und gewissenhafte Beobachtungen sich oft ein Bild machen
von dem, was kommt und kommen muß, und dementsprechend Dispositionen
 treffen. Daher steht es bis zu einem gewissen Grade in ihrer Hand,
durch weitblickende Politik die Liquidität günstig zu beeinflussen.

IV. Sozial- und Angestelltenpolitik.
ji, Die soziale Stellung der Bankbeamten, Das Problem
der Personalauslese.
Im Jahre 1882 betrug die Zahl der im deutschen Bankiergewerbe beschäftigten,
 fachmännisch vorgebildeten Personen — Chefs, Direktoren
und Prokuristen nicht eingerechnet — 11600. 1895 war ihre Zahl auf
22.600, 1907 auf 49 000 angewachsen: bei Kriegsausbruch wurde sie auf

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