Arbeit erheblich zurückgegangen waren. Der Inkasso- und Zahlungsverkehr,
 die Kontrollen, Statistiken, Monatsausweise usw. erfordern einen
großen Beamtenkörper, ohne daß direkt mit diesen Arbeiten Gewinne
erzielt werden,
Der Nachwuchs im Bankgewerbe war früher groß. Nach außen galt es
für die meisten für viel vornehmer, den Sohn in einem Bank-, als in einem
Waren- oder Fabrikationsgeschäft die Handlung erlernen zu lassen, und
ihr Vorhaben wurde ihnen sehr erleichtert, indem manche Privatfirmen
und Provinzfilialen von Banken so viel Lehrlinge annahmen, daß sie in
keinem Verhältnis zur Zahl der Beamten und der Größe des Geschäftes
standen. Da für diejenigen, die im Bankgeschäft gelernt haben, der
Übergang in eine andere Branche sehr schwer ist, da außerdem aber
viele, die im Warengeschäfte tätig sind, den Wunsch hegen, zur Bank
überzugehen, war das Angebot meist größer als die Zahl der neu zu
besetzenden Stellen.
Einen Druck auf die Gehälter übte weiter auch die Frauenarbeit
im Bankgewerbe aus. Während früher manche Banken Frauen überhaupt
nicht oder nur als Maschinenschreiberinnen oder Telephonistinnen beschäftigten,
 finden wir auch schon vor dem Kriege in vielen Bankbetrieben
 Frauen mit banktechnischen Arbeiten in der Buchhaltung, Korrespondenz
 usw. betraut.
Nach den Erhebungen des Deutschen Bankbeamten-Vereins waren im Jahre 1912
1147 Frauen mit banktechnischen und 1261 mit mechanischen Arbeiten bei Banken
and Bankiers tätig. Die Darmstädter Bank in Berlin beschäftigte allein gegen
200 weibliche Angestellte,
Als die Männer im Kriege waren, hielt das weibliche Personal in großen Scharen
Einzug in die Bankbüros. Sie blieben dort auch noch, als der Krieg schon längst
beendet war. Die Arbeit war in der Inflation so angeschwollen, daß man ohne Rücksicht
 auf Vorbildung und Fachkenntnisse männliche und weibliche Angestellte einstellte,

In der 1. Auflage dieses Werkes schrieb ich:
Mit dieser Konkurrenzder Frauen müssen die Bankbeamten rechnen, und
wenn hierdurch deren Gehälter gedrückt worden sind, so ist zum großen Teil die
Bankbeamtenschaft selbst schuld daran, indem sie die weiblichen Angestellten
 nicht in ihren Verein aufgenommen und an ihren fachwissenschaftlichen Vor-‚esungen
 hat teilnehmen lassen. Ich habe bereits um die Jahrhundertwende, als ich
noch Bankbeamter und Vorsitzender des Vereins der Bankbeamten in Berlin war .—
besonders auch im Hinblick auf die französischen Verhältnisse, die ich s. Z. bei meiner
informatorischen Tätigkeit im Credit Lyonnais und in anderen Pariser Banken
kennengelernt hatte —, stark betont, daß kein Bankbeamtenverein die Frau hindern
zönne, in den Bankbeamtenberuf einzutreten, daß die Vereinsleitungen aber, im wohl-420

