fern sie gute Verbindungen haben, oft von Banken als Volontäre informatorisch
 beschäftigt. Söhne von Bankdirektoren, Bankiers, Großindustriellen
 usw, suchen mitunter ebenfalls auf diese Weise den Bankbetrieb
kennenzulernen. —
Ich habe aus der Praxis heraus die Verhältnisse geschildert, um zu
zeigen, wie dem Herkommen und der Bildung nach ganz verschiedenartige
 Elemente im Bankgewerbe tätig sind, die, sofern sie nicht eine
bevorzugte Stellung (Kassierer, Prokurist, Depositenkassen- Vorsteher usw.)
einnehmen, alle die Kollektivbezeichnung „Bankbeamte“ führen. Während
aber in sehr vielen anderen Berufen die Vorschriften betr. Schulbildung
usw. verschärft worden sind, haben im Bankbeamtenstande umgekehrte
Prinzipien Anwendung gefunden: Die Zulassungsbedingungen sind oft
wesentlich herabgesetzt worden, und es gibt eine Anzahl Bankfirmen, die
Lehrlinge einstellen, die nur Volksschulbildung besitzen.
Andererseits haben die Bankdirektoren und Bankiers selbst ein gewisses
Interesse daran, daß das Niveau des Standes nicht zu sehr herabgedrückt
wird. Der Bankbeamte nimmt nach wie vor eine Vertrauensstellung ein.
Er muß sehr korrekt arbeiten, denn Fehler kosten meist viel Geld, und
schnell und gewissenhaft seine Obliegenheiten erfüllen. Wer mit Sorgen
ums tägliche Brot zu kämpfen hat, ist hierzu naturgemäß nicht imstande,
and der Versuchung, sich fremde Gelder anzueignen, sind manche, die
sich in prekärer Lage befunden haben, unterlegen. So bestand bis zum
Kriege bei vielen Banken die Vorschrift, daß nur diejenigen Beamten —
Kassenboten und Unterbeamte wurden hiervon nicht berührt — heiraten
dürfen, die ein Jahreseinkommen (Gehalt, Tantieme, sichergestellten Zuschuß)
 von mindestens 3000 M besitzen. Zuwiderhandelnden wurde am
nächsten Termin gekündigt.

In einem kleinen Betrieb, und insbesondere auch in Provinzialstädten,
kennen die Chefs die persönlichen Verhältnisse eines jeden Beamten und
treten diesem auch menschlich näher. Bei größeren Banken ist dies natürlich
 nicht möglich. Doch sollte hier wenigstens der Personalchef, aus
verschiedenen Gründen, auch im Interesse der Bank selbst, im engen Konnex
 mit der Beamtenschaft stehen. Er wird auf diese Weise auch in der
Lage sein, bei Neubesetzung wichtigerer Posten stets den richtigen Mann
in Vorschlag zu bringen. Jeder ist nicht für jeden Posten geeignet. Ein tüchtiger
 Börsenvertreter und Arbitrageur wird meist ein sehr schlechter Buchnalter
 sein, und, umgekehrt, ein sehr brauchbarer Buchhalter wird sich oft

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