sieren. Auch im Kreditgeschäft ist es gefahrvoll, zuviel an einen Nagel
zu hängen.
Mit der Errichtung von Filialen und Depositenkassen erweitert die Bank
ferner ihre Kundenzahl und schafft sich dadurch einen dauernden Abnehmerkreis
 für ihre eignen Emissionen von Industriewerten, Staats- und
Stadtanleihen. Jeder Emissionserfolg wirkt aber auch wieder machterhöhend
 durch den psychischen Eindruck, und jede Machtstärkung
wieder hat eine Ausdehnung des Geschäftsumfanges der Bank zur Folge
und damit eine Förderung der Konzentration. Wie das Warenhaus
vielfach die Spezialgeschäfte verdrängt hat, weil es für den Käufer bequemer
 ist, alles in einem einzigen Geschäft zu kaufen, so führt die Möglichkeit,
 in einer großen Bank alle denkbar möglichen bankgeschäftlichen
Transaktionen ausführen zu können, dieser einen immer größer werdenden
Kundenkreis zu.

In England reicht die Konzentrationsbewegung im Bankwesen bis in die Mitte
des vorigen Jahrhunderts zurück. Die Verschachtelung geschah teils durch amalgamafion
 (Zusammenschluß), teils durch absorption (Aufsaugung). Es sind nur die „big
five“ neben 6 Instituten mittleren Umfanges übriggeblieben. Diese wenigen Banken
haben heute rund 8800 Filialen. Groß ist ihr Kapital. Sein Garantiecharakter ist
schon äußerlich erkennbar, indem meist nur ein Teil des Kapitals eingezahlt ist und
der Rest nur im Falle der Not von den Aktionären eingefordert wird. In Deutschland
dagegen muß bereits bei der Gründung eine Einzahlung von 25%9g zuzüglich des
vollen Agio erfolgt sein; Zulassung der Aktien zum Börsenhandel hat Vollzahlung der
Aktien zur Voraussetzung.
In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Bankenkonzentration
ebenfalls von großer Bedeutung. Im Jahr 1929 erfolgten rund 500 Bankenzusammenschlüsse
 größeren und kleineren Stils. Sind auch die Ursachen der Konzentrationsbewegung
 in der alten und in der neuen Welt recht verschieden, so ist hier wie dort
gemeinsam das Streben, die Arbeits- und Stoßkraft einzelner Institute, ihre Erfah-‚ungen
 und Beziehungen zu gemeinsamer Tätigkeit zu vereinigen !).
Während etwa bis zum Jahre 1871 Frankfurt a. M. als Zentrum des
Jeutschen Bankwesens gelten konnte, verschob sich nach Gründung des
Reichs mit dem politischen auch der wirtschaftliche Schwerpunkt nach
Berlin. Der Anstoß zur weiteren Konzentrationsbewegung ging aber nicht
von den in Berlin ansässigen Banken, sondern von Provinzinstituten aus.
1871 errichtete die Darmstädter Bank eine Filiale in Berlin; 1881 legte

1) Mit der Filial- und Gruppenbildung im amerikanischen Bankwesen
beschäftigten sich Referate auf der American Bankers Association, die im Oktober
1929 in San Franzisko tagte. S. hierüber den Aufsatz von H. Linhardt, Bank-Archiv
 XXIX, 4,

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