gleichmäßig vor sich. Um des Prestige willen folgen der Erhöhung des
Kapitals der einen Großbank sehr oft Kapitalserhöhungen und Erweiterungen
 der anderen Großbanken, Es beginnt ein Wettrennen im Kampf
um das Prestige.
In der Regel ist aber mit der Kapitalserhöhung ein bestimmter Zweck
verbunden. Als solcher wird sehr oft angegeben, man müsse die Garantiemittel
 in ein bestimmtes Verhältnis zu der immer mehr gestiegenen
Summe der fremden Gelder bringen. Ein billigeres Betriebskapital stellen
natürlich die fremden Gelder dar, im Interesse der Liquidität jedoch liegt
eine entsprechende Erhöhung des eigenen Kapitals. Zweck der Erhöhung
ist in sehr vielen Fällen aber: Verschaffung von Mitteln, die auf andere
Weise nicht eingehen, behufs Ausdehnung des Kreditgeschäftes. Die
Banken müssen, um den immer größer werdenden Ansprüchen von Handel,
Gewerbe und Industrie, für die nach Bildung von Kartellen und Verbänden
 eine Zeit lebhaften Aufschwunges gekommen war, genügen zu
können. ihre Operationsbasis stärken.
Oft ist die Kapitalerhöhung nur ein Mittel zur Vergrößerung und 6 r tlichen
 Ausdehnung, um ein Netz von Filialen errichten zu können.
Die Großbanken — mit Ausnahme der Berliner Handels-Gesellschaft, die
immer noch an der starren Zentralisation festhält — und zahlreiche Provinzinstitute
 gehen davon aus, daß sie durch eine weite Verzweigung am
festesten Wurzel im Wirtschaftsleben fassen können.
Die Deutsche Bank mußte, um ihrer selbst gewählten Aufgabe, dem auswärtigen
 Handel zu dienen, gerecht werden zu können, an den Hauptplätzen
 des Außenhandels vertreten sein. So entstanden ihre Filialen in
Bremen (1871), Hamburg (1872) und London (1878). Mit Ausdehnung
der Beziehungen steigert sich die Konzentration der Kapitalien und die
Expansion des Geschäftsbetriebes. Selbst der rührigsten Bankleitung ist
es, insbesondere auch infolge der Verschiedenartigkeit der Kreditverhältnisse,
 nicht möglich, von einem Platze aus für Kunden an den verschiedensten
 Orten des Landes tätig zu sein. Eine Bank, die Filialen besitzt,
 kann ihrer Kundschaft mancherlei Vorteile bieten, die ein zentralistisch
 geführtes Institut nicht zu bieten vermag.
Ist der Weg der Dezentralisation erst einmal beschritten, so ergibt
 sich daraus von selbst ein Fusionieren und Aufsaugen von Privatgeschäften,
 Aktienbanken, Genossenschaften usw., auf deren verschiedene
Formen und Systeme im nächsten Kapitel zurückzukommen sein wird.

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