antweder das Unternehmen, als Filialdirektor, weiter leitet oder aber in
Jen Aufsichtsrat bzw. Lokalausschuß der übernehmenden Bank eintritt.
Diepersönlichen Beziehungen spielen bei der Geschäftsübernahme
 eine große Rolle, und wenn die Firma, die übernommen werden soll,
in engen Beziehungen zu einem Gewaltigen der Kohlen-, Eisen- oder Elektrizitätsindustrie
 steht, oder wenn sonst wertvolle Beziehungen eingebracht
werden können, so zahlt man gern für das Geschäft einige hunderttausend
 M mehr, als es nach der bisherigen Rentabilität eigentlich wert ist.
Ziffernmäßig läßt sich dieser Machtzuwachs natürlich nicht erfassen !).
Die Banken suchten und suchen dauernd solche Fusionsobjekte. Wollen
sie sich an einem bestimmten Platze niederlassen, so gehen sie der Reihe
nach die dort befindlichen selbständigen, noch nicht zu einem Konzern
zehörigen Banken und Bankfirmen durch und nehmen direkt oder durch
»inen Mittelsmann mit den in Betracht kommenden Firmen Fühlung.
Ist der Chef einer Firma einer Fusion nicht abgeneigt, so sucht er,
das ist sein gutes Recht, sie zu einem möglichst hohen Preise zu verkaufen.
 Die streng vertraulich zu führenden Verhandlungen sind oft von
langer Dauer und sehr schwierig. Die übernehmende Bank kann keine
definitive Zusage geben, ehe sie nicht einen näheren Einblick in die Bilanz
und die Geschäftsverhältnisse der aufzunehmenden Firma genommen hat,

1) Als die Disconto-Gesellschaft den A. Schaaffhausenschen Bankverein übernahm,
at sie es hauptsächlich auch im Hinblick auf die vielen neuen Beziehungen. Angenörige
 ältester rheinischer Kaufmanns- und Industriellenfamilien, die ihren Reich-‚um
 schon auf lange Generationen zurückführten, wir nennen Camphausen, Hoesch,
Soest, Leiden, Schöller; sodann Repräsentanten von Familien, die speziell in den
etzten Jahrzehnten Unternehmen von Weltruf schufen, wie Guilleaume und Peter
Klöckner, und schließlich Männer unter den Aufsichtsräten, wie Robert Esser
and Louis Hagen, der von allen Finanziers und Industriellen die meisten Aufsichtsratsmandate
 in Deutschland damals in seiner Hand vereinigte. Sie alle mit ihren
zum Teil außerordentlich weit verzweigten Interessen wurden nun durch diese
Fusion der Disconto-Gesellschaft nahegebracht. „Die hilfsbedürftige und schwächere
Bank vererbte altberühmten Namen und alteingewurzelte Industriekundschaft der
sanierenden Großbank“ (v. Schulze-Gaevernitz, im Grundriß der Sozial-5konomik,
 V 2).
Ein Inhaber der Disconto-Gesellschaft sagte in der Generalversammlung, die die
Errichtung eines neuen Schaaffhausenschen Bankvereins beschloß, man habe großen
Wert darauf gelegt, daß der Charakter des Bankvereins als rheinisches, bodenständiges
Institut gewahrt bleibe, „Wir haben die Überzeugung gewonnen, daß wir durch die
Selbständigerhaltung des Bankvereins bessere Erfolge erzielen werden, als wenn wir
aus ihm eine Filiale unseres Instituts gemacht hätten.“

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