weise ist diese Entsendung in den Aufsichtsrat nur einseitig, d. h. die
Iroßbank sitzt im Aufsichtsrat des kleineren Instituts, nicht aber auch
ımgekehrt.
Eingeführt wurde das System, den gesamten Aktienbesitz einer Provinzialbank
 zu erwerben, durch die Disconto-Gesellschaft. Diese übernahm
1895 die Norddeutsche Bank in Hamburg mit allen Aktiven und Pasziven!)
 — sie gab deren Aktionären für 3000 M Norddeutsche Bank-Aktien
 2000 M Disconto-Kommandit-Anteile — und gründete eine neue
Norddeutsche Bank in Hamburg, in Form einer Kommanditgesellschaft
auf Aktien, wobei der erzielte Buchgewinn in Höhe von 25 Millionen M zu
Abschreibungen verwendet wurde.
Trotz der großen Kosten hatte man sich zu diesem Verfahren entschlossen,
 weil ein anderer Weg nicht gangbar erschien, um die rechtliche
Selbständigkeit der Norddeutschen Bank aufrechtzuerhalten. Die
Verwaltung war der Ansicht, daß durch die bei dieser Konzentration
zleichzeitig erreichte Dezentralisation so große Vorteile entständen, daß
die hierfür aufzuwendenden Kosten gerechtfertigt seien. Die Norddeutsche
Bank werde als selbständig gebliebene lokale Bank mit dem einheimischen
Namen bessere Geschäfte machen, als wenn sie zur bloßen Filiale der Dissonto-Gesellschaft
 herabsinke. In der Tat ist die verantwortliche Volllirektion
 mit dem, wenigstens teilweise aus einheimischen Persönlichkeiten
z;estehenden Aufsichtsrate hinter sich in autoritativer Beziehung etwas ganz
anderes als der Filialvorstand einer in Berlin domizilierenden Großbank.
Den Weg des Aktienaustausches zur Erzielung einer Inter-3ssengemeinschaft
 wählte mehrfach die Deutsche Bank, zuerst (1897)
gegenüber den Aktionären der Bergisch-Märkischen Bank in Elberfeld
and des Schlesischen Bankvereins in Breslau, hauptsächlich wohl, um in
len Hauptindustriebezirken festen Fuß zu fassen. Hören wir die Deutsche
Bank (Geschäftsbericht für 1897) selbst hierüber:
„Die fortschreitende Konzentration des Bankgeschäfts in Berlin, welche bereits
ne Reihe von Provinzialinstituten zur Errichtung von Filialen in Berlin veranlaßt
 hat, ließ es notwendig erscheinen, unsere Verbindungen mit der Provinz
{ester zu knüpfen. Wir machten daher den Aktionären der Bergisch-Märkischen
Bank und des Schlesischen Bankvereins, welche die gleichen Geschäftsgebiete mit
ans kultivieren und das gleiche Programm verfolgen, den Vorschlag eines Um-1)
 „Diese Transaktion bildete den formellen Abschluß einer schon seit Jahren
bestehenden, durch die Ausdehnung der gemeinsamen überseeischen Unternehmungen
verstärkten Interessengemeinschaft.“ (Geschäftsbericht der Disconto-Gesellschaft
für 1895.)

1950