4. Expansionspolitik der Großbanken.

Die Großbanken verhielten sich dem Konzentrationsprozeß gegenüber
sehr verschieden. Die Berliner Handels-Gesellschaft und die Nationalbank
‘bis zu ihrer Fusion) sind davon unberührt geblieben. Die Begründung
Jer Freundschafts- und Interessengemeinschafts- Verhältnisse erfolgt, wie
28 in den offiziellen Communiqu6s in der Regel heißt, „zur Erweiterung
Jer Interessensphäre“, und die Provinzbank begründet diese Angliederung
mit den Worten: „Wir erhielten dadurch die wertvolle Anlehnung an eine
erste Berliner Bank“. Betrachten wir Richtung und Formen der Expansion
 bei den anderen Großbanken, so finden wir, bei wesentlicher Übersinstimmung
 in den Grundzügen, große Verschiedenheit in den Formen
der Organisation !).
1. Deutsche Bank: Bald nach ihrer Gründung errichtete sie Filialen
 — zunächst an den deutschen Zentralplätzen für den überseeischen
Handel: Bremen, ITamburg, London —, die nicht durch Übernahme anderer
 Banken bereits Kundschaft besitzen, sondern diese sich erst erobern
müssen. Weiter errichtete sie Depositenkassen. 1897 erfolgte Angliederung
der beiden. großen Provinzbanken im Rheinland und in Schlesien, unter
Belassung der formellen Selbständigkeit, durch freiwilligen Aktienumtausch.
 Sie erweitert dauernd ihre Beziehungen durch Interessengemeinschaften
 (Aktienbesitz) und Abschluß von Freundschaftsverträgen. Sie
nahm 1917 die Bergisch-Märkische Bank und den Schlesischen Bankverein,
 1920 die Hannoversche Bank, die Braunschweigische Bank und
lie Privatbank zu Gotha auf. 1922 erfolgte die Angliederung der Pfälzischen
 Bank, die durch Devisenspekulationen eines ihrer Direktoren in
arge Schwierigkeiten geraten war. 1924 fand die Fusion mit der Württembergischen
 Vereinsbank, 1925 mit der Essener Creditanstalt, sowie
mit der Siegener Bank für Handel und Gewerbe statt, 1928 wurden die
Hildesheimer Bank und die Osnabrücker Bank übernommen. 1929 fusioaierte
 sich die Deutsche Bank mit der Disconto-Gesellschaft, und die neue
Bank (Dedi-Bank) nahm in sich die Süddeutsche Disconto-Gesellschaft
und die Rheinische Creditbank auf.
9. Disconto-Gesellschaft: Sie hat bis 1900, also fast 50 Jahre
lang, abgesehen von kommanditarischer Beteiligung, grundsätzlich an
1) S.Jeidels,a.a. 0.5.79. Riesser,a.a. 0.5. 385, W.Strauß,a.a.O.
5. 75 ff.
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