Außreiche Personen aus der Industrie für den Aufsichtsrat gewinnen
möchten. Die Tantieme bietet natürlich einen gewissen Anreiz. Ob aber
den Interessen der Industrie-Gesellschaft, die auf diese Weise fester mit
der Bank verbunden ist, ohne dadurch direkte Vorteile zu erlangen,
unbedingt gedient ist, kann nicht ohne weiteres bejaht werden.
Das Verhältnis zwischen Bank und Industrie ist ein Machtverhältnis
und wie jedes Verhältnis im Lauf der Zeit Schwankungen unterworfen.
In. der Inflation erfolgte eine Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen
 Industrie und Banken. Das ziffernmäßige Anwachsen der Depositen
 begünstigte zunächst die Macht der Banken, und sie waren in der
Lage, die starke Nachfrage nach Kredit zu befriedigen. Aus dem Erlös
neuer Aktienemissionen wurden die Kredite abgedeckt. Bei Übernahme
der Aktien stellten die Banken Forderungen an die Industriegesellschaften,
 und ihre Erfüllung verstärkte wesentlich ihren Einfluß auf
diese Unternehmungen.
Mit zunehmender Geldentwertung änderte sich das Verhältnis zwischen
Industrie und Banken !). Die Industriegesellschaften verwässerten mehr
und mehr ihr Kapital und brachten die neuen Aktien oft direkt ans
Publikum, d. h. unter Umgehung der Banken, Einige Konzerne gingen
zur Gründung eigener Banken über. Da das Gesetz die Errichtung neuer
Banken mit dem für sie wichtigen Recht, Depot- und Depositengeschäfte
zu betreiben, verbot, suchte die Industrie sich Banken dienstbar zu machen,
indem sie den Aktienmantel kaufte und nachher meist eine Umbenennung
vornahm, So erwarb z. B. der Konzern „Wintershall“ den Aktienmantel
der Thüringer Kreditanstalt, die in „Kalibank“ umgetauft wurde.
Es betrugen in Deutschland die Gesamtmittel [in Milliarden M?)]:
1918 1923 1924
ler Industrie 16,8 20,1 28,5
der Kreditbanken 16,3 8.8 7.8

ziehungen ‚auch nach außen hin kundzugeben, und der Ausdruck des Wunsches
der Industrie, in bezug auf die Industriepolitik der Banken, soweit tunlich,
ine Übereinstimmung der Ansichten und Ziele herbeizuführen.“ Riesser,
a. a. O0. 8. 303,
1) Der Geschäftsbericht des Centralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes
 fürs Jahr 1923 stellt fest, daß Deutschlands Industrie und Handel wesentlich
mit Hilfe des Bankgewerbes „unmittelbar nach dem Kriege in der Lage
zewesen ist, ihre Substanz nicht nur zu erhalten, sondern in beträchtlichem Maße zu
vermehren“,
2) Wirtschaft und Statistik 1926. S, 366 £. und 937 £,

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