die Zeichner oder Käufer ein wohlberechtigtes Interesse, daß die Papiere
möglichst bald zum Börsenhandel zugelassen werden (s. hierüber und über
den Prospekt Ba. IS. 525 £.).
Die Bedeutung der Börse als Organ der Kapitalbeschaffun z
ist mehr und mehr zurückgegangen. Diese Erscheinung gilt nicht nur für
Deutschland, sondern ist auch im Auslande festzustellen !). In der Zeit
von etwa 1850—1890 wurde der größte Teil der Beträge, die die Industrie
(einschließlich der Eisenbahnen) benötigte, durch die Börse und über die
Börse aufgebracht. Ein Unternehmer interessierte einen oder mehrere
Bankiers für seine Unternehmung; die Bankiers wiesen in einem „Pro-3pekt“
 auf die Aktien des neu gegründeten „chancenreichen“ Unternehmens
 hin und brachten sie zur Börse, wo sie von Börsenbesuchern oder
deren Kunden gekauft wurden, Der Kreis derer, die anlagebedürftiges
Kapital der Börse zuführten, war groß. Daneben eine breite Schicht
dotenter Spekulanten und kluger, erfahrener Bankiers, Die Börse
brachte die Interessenten für die neu geschaffenen Aktien zusammen.
Mit dem Erstarken der Depositenbanken in Deutschland, Frankreich,
Österreich-Ungarn usw. ändert sich das Bild. Eine direkte Verbindung
zwischen ‚neu emittierten Werten und den Kunden der Bank wird geschaffen:
 Eine oder mehrere Banken erlassen eine Zeichnun gsauf-“orderung
 und bringen diese insbesondere zur Kenntnis ihrer Kunden,
 die ihre Bankguthaben und andere Gelder in diesen neuen Effekten
anlegen. Sie versprechen, einen. Antrag auf Zulassung dieser Papiere zum
Börsenhandel zu stellen, und einige Zeit später erfolgt dann meist diese
Zulassung, die dem Erwerber die Möglichkeit gibt, die Kursbewegung zu
beobachten und, wenn er will, das Papier zu veräußern.
Die Kapitalbeschaffung vollzieht sich also heute mehr und mehr außerhalb
 der Börse. Die Banken treten an diejenigen, die Einkommensüberschüsse
 anzulegen haben, direkt heran. Die Unterbringung neuer
Werte vollzieht sich im persönlichen Verkehr zwischen den Angestellten
der Bank und dem Kunden. Die Bank kann auf Grund ihrer Kundenzahl
und der bei ihr angelegten Ersparnisse schätzen, welche Beträge ihre
Kundschaft von einer Neuemission mit einer bestimmten Verzinsung
übernehmen wird, und dementsprechend wird sie bei Unterbringung von

' S.H.Hirschstein, Bedeutungswandel der Börse, im Magazin der Wirtschaft
(929 Nr. 32. W. Prion, Strukturwandel der Börse, im Magazin der Wirtschaft 1930
Nr. 2. A, Hesse, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 12. Aufl. Jena 1927, Adolf
Weber, Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 8, Aufl. München 1980.

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