dehnt —, richtet sich nach den jeweiligen Verhältnissen und wird von Fall
zu Fall verabredet, Eine wichtige Frage ist z. B.: Soll nur ein weiterer
Rückgang verhütet, oder soll durch Interventionen eine Haussebewegung
inszeniert werden? Die Banken suchen im persönlichen Verkehr und
durch ihre Börsenberichte beruhigend zu wirken und kommen dem Kunden
 auch hinsichtlich der Deckung entgegen, soweit es die Sicherheit
irgend gestattet.

Eine sehr wichtige Frage für die Banken ist: Was wirdaus der
Interventionsware? Das Halten großer Effektenbestände gehört
nicht zum gewöhnlichen Geschäftsbetrieb der Banken, und die Bankbilanzen
 werden durch eingefrorene Interventionseffekten nicht gerade
verschönt.

Kurz vor dem Bilanzstichtag, am 30. Dezember 1929, beschloß das Konsortium, das
zur Aufnahme und Kursstützung von Effekten, die infolge der Kreditkrisis im Sommer
 1929 auf den Markt geworfen worden waren, sich gebildet hatte, seine Bestände
von rund 60 Millionen RM mit Wirkung per Ende 1929 auf die Bank für
[ndustriewerte A.-G, zu übertragen. Das im Jahre 1919 als Interventionsbank
nit 2 Millionen M errichtete Unternehmen wurde später zur Holding-Gesellschaft für
Vorzugs- und noch nicht emissionsreife Aktien von 4 Großbanken umgebildet und ist
aunmehr wieder ein „Auffangs-Institut‘“ („Abladeplatz‘“) geworden. Materiell
ändert sich dadurch für die Banken nichts. Nur eine Verschönerung der
Bankbilanzen ist hiermit erzielt worden: Die Effektenbestände verringern sich,
während die Debitoren sich um die Höhe der Forderung an die Bank für Industriewerte
vergrößern. Der Umwandlung der Bank in einen Investment-Trust (s. S. 569),
der sich Kapital durch Obligationenausgabe beschaffen könnte. stehen steuerliche
Schwierigkeiten entgegen.

3, Börsenkredite !).
Das Problem der Börsenkredite ist in den letzten Jahren in
Deutschland mehrfach erörtert worden. Durch die Stellungnahme des
amerikanischen Bundesreserveamts gegenüber der New Yorker Börse sind
die Beziehungen zwischen der Kapitalversorgung der Wirtschaft und dem
Börsenverkehr in den Mittelpunkt internationaler Diskussion gerückt.
Insbesondere hat auch Gustav Cassel in mehreren Aufsätzen Stellung
 zu der Frage genommen, ob und inwiefern die Effektenbörse Kapital-1)

 Richard Reisch, Über das Wesen und die Wirkung der Börsenkredite, im
Bank-Archiv, XXVIII, 9, Leopold Merzbach, Die Börsenkredite, im Bank-Archiv,
 XXVII, 10. Berthold Joseph y, Kapitalversorgung und Börse, in Wirtschaftsdienst,
 XIV, 22.

36 Obst, BG IL.

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