und diese durch Übernahme neuer Bankaufträge, die ihm aus Wohlwollen
 oder als Wohltätigkeit gegeben werden, „abarbeiten“ muß, Daher der
Ruf nach Bereinigung der Maklerschaft. Die Verringerung der Geschäfte
 ist bedingt durch den Kapitalmangel Deutschlands und
durch die infolge der Konzentration immer häufiger werdenden Komipensationen
 der Aufträge bei den Banken.
Für die Bürokratisierung und Schematisierung der Termingeschäfte
wird die Liquidationskasse verantwortlich gemacht, da sie alle
Börsenkreditverhältnisse versachlicht; an Stelle des Personalkredits setzt
sie einen rein dinglichen Kredit, und sie übernimmt die Garantie für
die Kreditwürdigkeit der Börsenkontrahenten. Durch die Einschüsse erhöht
 sie die Sicherheit des Termingeschäfts, und sie wirkt wie eine Art
Versicherungsgesellschaft gegen Kursverluste. Diese erhöhte Sicherheit
hat zur Beteiligung breiter Kreise an der Terminspekulation geführt (die
Liquidationskasse zählt rund 500 Mitglieder) und mithin zur Übersetzung
des Börsenapparats beigetragen. Durch Abschaffung der L.K würde die
Zahl der am Terminhandel Beteiligten eine erhebliche Einschränkung
erfahren, denn dann würde es nur auf die eigene Kredit- und Zahlungsfähigkeit
 ankommen. Die Danatbank (lies: Jacob Goldschmidt)
sieht (in dem Bericht für September 1929) den Schwerpunkt der Börsenreform
 darin, „die individuelle, vom gegenseitigen persönlichen Vertrauen
getragene Arbeitsgrundlage“ für die Börse zurückzugewinnen, die auf die
Dauer durch „schematische Regelung“ nicht erreicht werden könne. ;
Daß die Beseitigung der L.K. die Unternehmungslust anfachen wird,
scheint mir doch sehr zweifelhaft. Tatsache ist jedenfalls, daß die L.K.
als Garantin sehr gute Dienste geleistet und viele Zusammenbrüche verhindert
 hat. Börsenumsatzsteuer-Senkung durch Besteuerung der Kompensationen
 (s, S. 558) dürfte weit eher zu einer Belebung des Börsengeschäftes
 beitragen.
Gesündigt ist an vielen Stellen. Der „Aktienmüdigkeit“ ist
eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen. Die Aktionäre sind von
vielen Verwaltungen derart behandelt worden, daß sie das Gefühl hatten,
mit der Leistung ihres „Mitgliedsbeitrages“ (Preis für die gezahlte
Aktie) seien alle ihre Rechte erloschen, und jedes Prozent Dividende
müßten sie als Gnadengeschenk betrachten.
Fehlt schon an der Berliner Börse eine breite Marktbildung, .so
noch viel mehr in der Provinz, die in starker Abhängigkeit von der „Berliner
 Tendenz“ steht. Eine Kulisse, d. h. ein selbständiges Spekulanten-367

