Dadurch, daß die Großbanken selbst in hohem Maße aus ihren reichen
Mitteln Kredit gewähren, ist ihre Macht auf dem Geldmarkt gestiegen,
ist der Einfluß der Reichsbank für den größten Teil des Jahres, nämlich
bei normalen Zeiten, sehr gering geworden. Nur an den Quartals- und
zeitweise auch an den Monatsenden, wenn größere Zahlungen (Gehälter,
Mieten, Hypothekenzinsen, Kupons usw.) bewerkstelligt werden müssen
und die Mittel auch der großen Banken, die viele Zahlungen an Kunden,
Filialen, Konzernbanken zu leisten haben, nicht ausreichen, nehmen diese
lie Reichsbank durch Wechseldiskontierungen und Lombarddarlehen mehr
der weniger in Anspruch.
Die Marokkokrisis zeigte der Reichsbank und auch der anderen Bankwelt,
 die sehen wollte, in welcher Gefahr sich unser Bankwesen befand,
wie illiquide wir im Grunde genommen waren. Daß es so gekommen war,
veruhte auf dem Anwachsen der fremden Gelder und der immer stärkeren
Konzentration des Kapitals in den Banken. Die Banken waren dadurch
in der Lage, unsere wirtschaftliche Entwicklung ganz außerordentlich zu
fördern, sie haben aber auch viel Kapital dauernd festgelegt und sind
deshalb zeitweise genötigt, die Reichsbank in außerordentlich hohem
Maße in Anspruch zu nehmen, So wünschenswert auch die immer weitere
Förderung der Bargeld sparenden Zahlungsmethoden ist, so hat doch
gerade die Ersetzung der baren Zahlung durch Giro- und Scheckverkehr
und andere Bargeld sparende Methoden in hohem Maße mit dazu beigeiragen,
 daß die Betriebsreserven so stark vermindert worden sind und
daß zeitweise mit so überaus hohen Summen auf die letzte Instanz, die
Reichsbank, zurückgegriffen werden mußte. Vermehrung der Bankkonten
und die Zunahme der Kassenführung durch die Banken hat zu einer verminderten
 Kassenhaltung des einzelnen und einer verminderten Vorsorge
für die Terminzahlungen geführt. Jede Bank muß ihren Kunden — und
da die Banken selbst nur eine geringe Kasse halten, schließlich die Reichsbank
 den anderen Banken — die Gelder zur Verfügung stellen, die früher
jede Einzelwirtschaft allmählich aufsparte und bis zur Verwendung im
Schreibtisch oder Portemonnaie liegen ließ.
Die Bankdirektoren und Bankiers selbst haben ihre Überzeugung
von der Notwendigkeit einer Verbesserung der Kassenliquidität und dementsprechend
 Vermeidung einer übermäßigen Ausdehnung der Kredityewährung
 im Herbst 1912 auf dem Münchner Bankiertage in einer einstimmig
 angenommenen Resolution zum Ausdruck gebracht. Es wurde
„empfohlen, eine Verbesserung der Kassenliquidität und dementsprechend

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