serve halten und nicht mehr so knapp wie bisher disponieren, Sie
hielten nur eine Han dkasse, d. h. Schaltergeld für den laufenden Auszahlungsbedarf.
 Nicht gehalten wurde eine Terminhkasse für voraussichtlich
 später notwendige Zahlungen, nicht gehalten wurde eine Sicherheitskasse
 für außergewöhnlichen Bedarf.
Direktor Mommsen von der Mitteldeutschen Kreditbank bringt dies
in der Bankenquete von 1908 (S, 186) zum Ausdruck: „Die Theoretiker
sehen in der Barreserve etwas anderes als die Praktiker. Für uns ist
das Bargeld, das wir haben, gar nicht die eigentliche Reserve; für uns
ist es lediglich dasjenige, was wir notwendig haben, um jeweilig auf-;retenden
 Bedürfnissen nach Bargeld zu genügen. Unsere Reserve liegt
in anderen Dingen.“
Da diese Anschauungen bisher allgemein in der Praxis vertreten waren
— und ich gestehe, daß ich selbst in dieser Weise verfahren bin, zum
Leidwesen meines Hauptkassierers, der immer viel lieber aus dem Vollen
wirtschaftete —, lag für den einzelnen Bankdirektor, dessen Streben doch
dahin gehen mußte, die Mittel der Bank möglichst nutzbringend anzulegen,
 keine Veranlassung vor, große Barreserven anzusammeln. Vom
privatwirtschaftlichen Gesichtspunkt bedeutet ja jede Kassenerhöhung
eine Gewinnminderung. Wurde mehr Geld gebraucht als vorhanden war,
80 suchte man sich dieses zu dem billigst möglichen Zinssatz zu beschaffen;
 zunächst am offenen Markt als tägliches Geld, oder fest für
einige Tage, oder durch Verkauf von Privatdiskonten, durch Lombardierungen
 bei der Seehandlung bzw. Reichsbank, durch Rediskontierung bei
der Reichsbank oder einer anderen Notenbank usw.
Wegen Mangel an Bargeld ist noch keine deutsche Bank zugrunde
gegangen, wenn sie nur sonst andere liquide Mittel besaß, um sich bares
Geld zu beschaffen. Weil die Banken wußten, daß sie in letzter Linie
eine Hilfsquelle bei der Reichsbank hatten, waren sie der Verpflichtung,
dare Reserven zu halten, enthoben. Nun aber kommt die Reichsregierung
und erklärt durch die Reichsbank: Ihr Banken solltet etwas selbständiger
werden hinsichtlich Eurer Gelddispositionen. Ihr müßt eine größere Kasse
wie bisher halten, damit Ihr bei einem größeren Ansturm wenigstens im
arsten Augenblick so gewappnet seid, daß Ihr nicht sofort die Hilfe der
Reichsbank in Anspruch zu nehmen braucht. Ihr müßt insofern umlernen,
als Ihr, wie die Theoretiker es ja schon lange gefordert haben, in Zukunft
in der baren Kasse auch eine Liquiditätsreserve erblickt. Wir,
lie Reichsregierung, halten es für notwendig, daß die Reichsbankleitung

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