nicht nur über ihre eigene Liquidität wacht, sondern auch über die der
anderen Banken, von denen sie, besonders an den Quartalen und in kritischen
 Zeiten, dauernd in Anspruch genommen wird. Wir hatten im
übrigen gehofft, daß die Zweimonatsbilanzen, die Ihr bisher veröffentlicht
habt, Euch stumme Mahner sein würden.
Die Frage der Barliquidität der Banken (prozentuales Verhältnis
 von Kasse und Guthaben zu fremden Mitteln) wurde dann wieder
aingehend bei der Bank-Enquete 19271) erörtert.
Havenstein stand 1914 auf dem Standpunkt, die Liquidität der
Banken im einzelnen ginge ihn nichts an; er hat die Liquidität der
Banken aber dadurch zu erhöhen versucht, daß er von den Banken höhere
Guthaben auf Girokonto (s. o.) gefordert hat. Schacht strebte dasselbe
an. In einer Sitzung der Stempelvereinigung (11. Mai 1927) teilte er den
Banken mit, daß in Zukunft bei Bemessung der den Banken einzuräumenden
 Diskontkredite das Verhältnis ihrer Kassenbestände und Giroguthaben
 zu ihren Gesamtverpflichtungen als Maßstab gelten werde.
Schacht formulierte die in dieser Mitteilung enthaltene Forderung an
die Banken vor dem Enquete-Ausschuß wie folgt: „Wenn die Einreichungen
 der Banken einen ungewöhnlichen Umfang erreichen — verschuldet
durch die anderweitige Verwendung der Bankgelder außerhalb der Warenwechsel
 und des legitimen Warengeschäftes —, dann sind der Reichsbank
Grenzen für ihre gesamte Kreditgewährung gezogen, denen sie Rechnung
tragen muß.“

Die Schaffung der geforderten höheren Barliquidität, die bei den
7 Großbanken Ende Februar 1927 2,1 °% Ende April 2,8%, betragen
hatte, war den Banken nur durch Liquidation bestimmter Anlagen möglich,
 und es wurde ihnen empfohlen, eine Einschränkung der Börsenkredite
 vorzunehmen, 2 Tage später kam dann das bekannte Communiqu&amp;6
der Stempelvereinigung ?) heraus, das so einschneidende Folgen gehabt
hat. Es war die Hauptursache des Börsenkrachs am „Schwarzen Freitag“
im Wonnemonat Mai. Daß bei einer in etwas ruhigere Bahnen gelenkten

1) Verhandlungen und Berichte des Unterausschusses für Geld-, Kredit- und Finanzwesen
 (V. Unterausschuß). Berlin 1929,
2?) Sein Wortlaut war: „Die Mitglieder der Vereinigung von Berliner Banken und
Bankiers (Stempelvereinigung) sind gestern untereinander übereingekommen,
 die zu Report- und Lombardzwecken und zur sonstigen Beleihung von Effekten
gewährten Gelder allmählich, aber erheblich herabzusetzen. Sie werden deshalb
zunächst die börsenmäßige Report- und Termingeldhergabe bis zur Medio-Juni-576

