Politik die Börsenpanik sehr wohl hätte vermieden werden können, steht
heute wohl außer Zweifel1),
Infolge der großen Kursstürze mußten die Banken, um Schlimmeres zu
verhüten, große Posten Ware aufnehmen. Da überdies noch kurzfristige
Auslandsgelder zurückzuzahlen waren, trat der vom Reichsbankpräsidenten
 erhoffte Erfolg: Verbesserung der Gesamtliquidität der Banken,
nicht ein. Dagegen verminderte sich der Gold- und Devisenbestand der
Reichsbank bis zur Jahresmitte zusehends, und im Diskontkreditgeschäft
wurde die Reichsbank in der Folgezeit besonders stark in Anspruch genommen,

Im Jahresdurchschnitt betrug die Barliquidität der 7 großen Berliner
 Banken 1927: 3,93 0/0, 1928: 8,66%. Die schlechteste Barliquidität
wies 1928 die Commerz- und Privatbank mit 2,74 0/0, die beste die Disconto-Gesellschaft
 mit 5,09 29 auf,
An und für sich ist das Streben der Reichsbank, die Banken zu veranlassen,
 ihre Barliquidität zu erhöhen, wohl berechtigt. Das hauptsächliche
 Mittel der Banken, auch in kritischen Zeiten zahlungsbereit zu
bleiben, ist die Einreichung von Wechseldiskonten; damit ist die Reichsbank
 Liquiditätsgarantin. Sie kann aber nicht in beliebigen
Mengen Wechsel diskontieren, sondern sie muß darauf achten, daß ihre
Noten genügend gedeckt sind und daß ihre Mittel ihr gestatten, die Funktionen
 auszuüben, zu deren Erfüllung sie durch das Bankgesetz verpfßlichtet
 ist.

2. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich !).
Der „Neue Plan“ ist in Gang gesetzt. Die Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich hat sich konstituiert und (Mitte Mai 1930) ihre Tätig-Liquidation
 um 25 %9 vermindern und an den darauf folgenden Terminen weitere
Einschränkungen vornehmen. Der Kundschaft gegenüber wird im gleichen Sinne verfahren
 werden, Der Anschluß außerhalb der genannten Vereinigung stehender Geldgeber
 wird erwartet.‘
') Adolf Weber (Hat Schacht Recht?, München 1928) schreibt (8, 11): „Das
Eingreifen des Reichsbankpräsidenten und seine weithin spürbaren Folgen haben
im Inlande und im Auslande den Eindruck aufkommen lassen, daß die Börse in
Deutschland kein freier Markt mehr ist, daß der Elfektenpreis bei uns vielmehr
abhängig ist von der berechtigten oder unberechtigten Stimmung und dem darauf
folgenden Machtspruch irgendwelcher heimischer Götter.“
?) S. E. Welter u, a., Die Reparationsbank, Frankfurt a. M, 1929 Die Aufsätze
von G. Co1m, Magazin der Wirtschaft, V, 39. T, E. Gregory, The Bank for Inter-37

 Obst. BG IL

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