I. Kartoffelstärkeindustrie. Einleitung. Die im Sommer des Jahres 1926 in Angriff genommene Untersuchung über lie Organisation der Kartoffelverwertung stand unter dem Eindruck der großen Kartoffelernte von 1925 und der bei ihrer Verwertung zutage getretenen Mißstände. Die Stärkeindustrie hatte sich in genanntem Jahr an der Aufnahme der großen Kartoffelüberschüsse nicht in einem ihrer Leistungsfähigkeit antsprechenden Maße zu beteiligen vermocht. Über die Ursachen dieser Erscheiaung und über die Mittel zu ihrer Behebung erbat der Unterausschuß für Landwirtschaft zunächst schriftliche Gutachten von Sachverständigen aus den Kreisen der Stärkeindustrie. Am 22. April 1927 fand eine mündliche Vernehmung von Sachverständigen‘) statt, die der weiteren Klärung dieser Fragen diente und sich außerdem mit den inzwischen bei der Mißernte von 1926 zutage getretenen Mängeln in der Rohstoffversorgung beschäftigte. Bei der Bearbeitung des so gewonnenen Materials stellten sich Lücken in der Kenntnis der gegenwärtigen Verhältnisse der Kartoffelstärkeindustrie und der Bedeutung, welche ihr nach dem Kriege als Faktor der Kartoffelverwertung zukommt, heraus. Die ersten zuverlässigen Angaben über die Zahl der Fabriken enthält das im Jahre 1897 von Saare auf Grund der Angaben der Landratsämter aufgestellte Verzeichnis der Stärkefabriken. Neuausgaben dieses Verzeichnisses von 1905 und 1915) und eine von der Trockenkartoffel-Verwertungs-Gesellschaft 'm Oktober 1918 herausgegebene Zusammenstellung zeigen die Wandlungen bezüglich der Zahl und des Standorts der Fabriken bis zum Ende des Krieges. Was die jährliche Erzeugung von Stärke und Stärkefabrikaten betrifft, geben über die Stärkezucker-, Stärkesirup- und Kulörerzeugung die seit 1872 fortlaufend erfolgenden Anschreibungen der Steuerbehörden Auskunft; dagegen sind über die Erzeuzung von Kartoffelstärke und Dextrin nur dreimal, und zwar in den Betriebsjahren 1897/98, 1901/02—1903/04 (Durchschnitt) und 1910/11, vom Reichsamt des Innern Erhebungen vorgenommen worden. Zur Ergänzung dieses Materials auf Jen gegenwärtigen Stand und zur Feststellung weiterer für die Beurteilung der Lage der Industrie wichtiger Tatsachen richtete der Unterausschuß für Landwirtschaft im Januar 1928 einen im Einvernehmen mit Sachverständigen der Stärkeindustrie aufgestellten Fragebogen an sämtliche im Verzeichnis von 1915°) aufgeführten Kartoffelstärkefabriken, soweit sie noch im Reichsgebiete lagen und ') Die Namen der Sachverständigen befinden sich in Band 5 S. 90. N ?) Das Verzeichnis von 1915 bezieht sich im wesentlichen auf die Verhältnisse von 1914. }) Ergänzt durch Angaben des Wirtschaftlichen Beirats der Deutschen Kartoffelstärke-[ndustrie.