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        <title>Kartoffelstärkeindustrie und Kartoffelbrennerei</title>
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        <pb n="1" />
        Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs»
und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft
—"  (Enquete-Ausschuß)“

Die Verwertung

der deutschen Kartoffelernten

Zweiter Teil:

Kartoffelstärkeindustrie "und
Kartoffelbrennerei

Verhandlungen und Berichte

des. Unterausschusses’ für Landwirtschaft
(IL. Unterausschuß)

Band

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Verlegt bei ES Miftler &amp;amp; Schn in: Berlin

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        Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungsund
 Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft
(Enquete:Ausschuß)

Die Verwertung

der deutschen Kartoffelernten

Zweiter Teil:

Kartoffelstärkeindustrie und

Kartoffelbfennerei

Verhandlungen und Berichte

des Unterausschusses für Landwirtschaft

(II. Unterausschuß)

Band 6

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Verlegt bei E.S. Mittler &amp;amp; Sohn in Berlin
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        Vorbemerkung.

In Band 5 seiner Verhandlungen und Berichte hat der. Unterausschuß für
Landwirtschaft die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Verwertung der
Jeutschen Kartoffelernten, soweit sie sich auf Speisekartoffeln, Futterkartoffeln und
Kartoffeltrocknung beziehen, veröffentlicht. Als Abschluß dieses Problemkreises
erfolgt in vorliegendem Band die Veröffentlichung der Untersuchungen über die
Verhältnisse der Kartoffelstärkeindustrie und der Kartoffelbrennerei.
Der Bericht beruht auf den eingeholten schriftlichen Gutachten, den münd-‚ichen
 Vernehmungen und den allgemeinen statistischen Materialien. Er wurde
von dem ständigen Sachverständigen Dr. Vogel entworfen und nach eingehender
Beratung durch die zuständige Arbeitsgruppe, bestehend aus den Mitgliedern des
Znquete-Ausschusses Dr. Baade, v. Dewitz, Dr. Hermes, Graf Keyserlingk,
Prof. Lang, Frh. v. Richthofen und Geheimrat Sering, vom Unterausschuß für
"‚andwirtschaft genehmigt.

Berlin, im Juni 1930.
        <pb n="7" />
        Zusammensetzung
des
Unterausschusses für Landwirtschaft.

Vorsitzender: Dr. A, Hermes, Reichsminister a. D., M. d. R., M. d. R.W.R.
Stellvertretender Vorsitzender: Frhr. v. Richthofen, Rittergutsbesitzer, M. d. R..
M. d. R. W. R. ;
Wissenschaftlicher Sekretär: Dr. Mehrens, Regierungsrat z. D. (Ab 1. Mai 1927).
Mitglieder:
Dr. Baade, Berlin, '
Bazlen, Oberlandwirtschaftsrat, Leiter der betriebswirtschafitlichen Abteilung
 der Landwirtschaftskammer für Württemberg, Stuttgart,
Dr. Beckmann, Professor der Volkswirtschaftslehre an der Landwirtschaftlichen
 Hochschule in Bonn,
v. Dewitz, Major a. D., Berlin,
Drewitz, Bäckermeister, M. d. R., Berlin,
Dr. Hermes, Reichsminister a. D., M. d. R.. M. a. R. W. R., Berlin (seit
11. März 1927 Vorsitzender),
Dr. Graf v. Keyserlingk, Rittergutsbesitzer, M. d. Pr. Staatsrats.
Cammerau (Schlesien),
Dr. Lang, Professor der landwirtschaftlichen Betriebslehre an der Universität
 Königsberg, ;
Rauch, Dipl.-Ing., Oberstadtbaurat, M. d. R., München,
vr. Raumer, Reichsminister a. D., M. d. R., Berlin,
Freiherr v. Richthoien, Rittergutsbesitzer, M. d. R.. M. d. R. W. R.,
Boguslawitz (Schlesien),
vr. Saucken, Regierungsassessor a, D., Rittergutsbesitzer, Berlin,
Dr. Sering, Geh. Regierungsrat, Professor der Volkswirtschaftslehre an
der Universität Berlin, Mitglied der Preußischen Akademie der
Wissenschaften.
Ständige Sachverständige:
Ir. Hansen, Geh. Regierungsrat, emer. Professor der Tierzuchtlehre an der
Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin,
Ir. Hirsch, Staatssekretär z. D., Professor der Betriebswirtschaftslehre
an der Handelshochschule und der Universität Berlin,
Hofer, Leiter der wirtschafts- und sozialpolitischen Abteilung des Zentralverbandes
 der Landarbeiter, Berlin,
Keiser, Ökonomierat, stellvertretender Direktor der Preußischen Hauntlandwirtschaftskammer,
 Berlin,
&amp;lt;erp, Generalsekretär des‘ Rheinischen Bauernvereins, M. d. R.,
Dr. Mendelson, Direktor der Landwirtschaftskammer für die Provinz
Brandenburg und für Berlin, Berlin,
Dr. Neumann, Schlachthofdirektor, Professor der Tierzuchtlehre an der
Universität Hamburg,
Schlittenbauer, Professor, Mitglied des bayerischen Landtags,
München,
Dr. Vogel, Dobrilugk (Niederlausitz),
Dr. Wilmanns, Professor der landwirtschaftlichen Betriebslehre an. der
Universität Jena (bis 1. Mai 1927 wissenschaftlicher Sekretär).

Dr.
        <pb n="8" />
        Inhaltsverzeichnis.

Vorbemerkung . . 0.0000
Zusammensetzung des Unterausschusses für Landwirtschaft .

{(. Kartoffelstärkeindustrie.
Äinleitung . 0.010000 8
A, Herstellungsverfahren. . .
B. Betriebsiormen . .. . . .. _- .
1. Stärkefabriken als Nebenbetriebe der Landwirtschaft
2. Genossenschaftliche Stärkefabriken .
8, Gewerbliche Stärkefabriken .
0. Umfang der Industrie , . .. ..
1. Zahl und Standort der Betriebe
2. Leistungsfähigkeit der Betriebe
3. Zahl der Beschäftigten . . .
t. Alter der Betriebe. . . .
D. Umfang und Wert der Erzeugung .
1. Verarbeitete Stoffe . .
2. Erzeugte Fabrikate. .
a) Haupterzeugnisse
b) Nebenerzeugnisse
Wert der Erzeugung .
6, Herstellungskosten . . .
1. Höhe der Kosten . .
2. Gründe der Steigerung . . .
a) Ausnutzung der Leistungsfähigkeit. , . .
b) Beschaffenheit des Rohstoffs (Stärkegehalt)
c) Arbeitsverhältnisse ,‚ . . . ..
I) Kapitalverhältnisse . . . . ..
3) Preise der Betriebsmaterialien .
f) Frachten . . .. .
F. Rohstoffversorgung ... .....
1. Wandlungen der Rohstoffbasis
2. Einfuhr von Kartoffeln . . .
3. Versorgungsmöglichkeit
3. Absatzlage . . 0.000000
I. Umfang und Wandlungen des Inlandabsatzes
a) Glukosen . . 2.2... 0...
aa) Verbrauch . . ..
bb) Beeinflussung durch die Maisglukosen .
sc) Möglichkeiten zur Verhbrauchssteigerung
») Trockenstärke . . .. . -
aa) Verbrauch . . . .
bb) Beeinflussung durch Konkurrenzerzeugnisse
cc) Möglichkeiten zur Verbrauchssteigerung .
&amp;gt;») Dextrin -

KO Seite
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20
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40
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        - VI

Umfang und Wandlungen des Auslandsabsatzes
a) Glukosen . . ...
») Trockenstärke . . ..
3) Dextrin. 20.0.0000
I) Zusammenfassung . . . ...
3. Preisgestaltung . . 2.0.0200
4. Organisation des Absatzes . Wa
a) Verbände der Erzeuger.
b) Handel. 2 2
5. Die wirtschaftspolitischen Interessenvertretungen .

(I. Kartoffelbrennerei,
Einleitung . 2. 0.000000
1. Methode der Untersuchung... 2.2... 0...
2. Umfang der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennerei .
A. Bedeutung der Brennerei für die Kartoffelverwertung .
L. Technische Eignung . .....
2. Kartoffelverbrauch der Brennereien. .......
3. Einwirkung auf die allgemeine Absatzlage für Kartoffeln .
t. Einwirkung auf die Absatzlage der Brennereigüter .
5, Die Absatzlage für Spiritus . . .
a) Allgemeines . 2. 0.0.0000...
9) Spiritusherstellung aus anderen Rohstoffen . .
©) Ausfuhr 20.0.0000...
1) Trinkverbrauch. ., 2.2.0...
») Technischer Verbrauch. . .. ....
aa) Gewerblicher Spiritus, .... ..
5b) Motorspiritus . . 2. 0.0.0.000000000 4
3. Bedeutung der Brennerei für die Ackerkultur . .
1. Allgemeines . .
2. Gruppierung der Brennereigüter nach ihren agronomischen Verhältnissen . . .
Anlage I: Ausfuhr von Kartoffelstärke und Derivaten. . . 2. 0.0.0.0.
HI: Fragebogen der Brennereierhebung . .... RS Mor + m box m a
IIl: Sachverständigen-Gutachten betr. Motorspiritus . , ..0.0.00000000 0
IV: Einordnung der Brennereigüter in Boden- und Wiesenklassen. . . . ....

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        <pb n="10" />
        I. Kartoffelstärkeindustrie.

Einleitung.

Die im Sommer des Jahres 1926 in Angriff genommene Untersuchung über
lie Organisation der Kartoffelverwertung stand unter dem Eindruck der großen
Kartoffelernte von 1925 und der bei ihrer Verwertung zutage getretenen Mißstände.
 Die Stärkeindustrie hatte sich in genanntem Jahr an der Aufnahme
 der großen Kartoffelüberschüsse nicht in einem ihrer Leistungsfähigkeit
antsprechenden Maße zu beteiligen vermocht. Über die Ursachen dieser Erscheiaung
 und über die Mittel zu ihrer Behebung erbat der Unterausschuß für Landwirtschaft
 zunächst schriftliche Gutachten von Sachverständigen aus den Kreisen der
Stärkeindustrie. Am 22. April 1927 fand eine mündliche Vernehmung von Sachverständigen‘)
 statt, die der weiteren Klärung dieser Fragen diente und sich
außerdem mit den inzwischen bei der Mißernte von 1926 zutage getretenen Mängeln
in der Rohstoffversorgung beschäftigte.
Bei der Bearbeitung des so gewonnenen Materials stellten sich Lücken in
der Kenntnis der gegenwärtigen Verhältnisse der Kartoffelstärkeindustrie und der
Bedeutung, welche ihr nach dem Kriege als Faktor der Kartoffelverwertung zukommt,
 heraus. Die ersten zuverlässigen Angaben über die Zahl der Fabriken
enthält das im Jahre 1897 von Saare auf Grund der Angaben der Landratsämter
aufgestellte Verzeichnis der Stärkefabriken. Neuausgaben dieses Verzeichnisses
von 1905 und 1915) und eine von der Trockenkartoffel-Verwertungs-Gesellschaft
'm Oktober 1918 herausgegebene Zusammenstellung zeigen die Wandlungen bezüglich
 der Zahl und des Standorts der Fabriken bis zum Ende des Krieges. Was
die jährliche Erzeugung von Stärke und Stärkefabrikaten betrifft, geben über die
Stärkezucker-, Stärkesirup- und Kulörerzeugung die seit 1872 fortlaufend erfolgenden
 Anschreibungen der Steuerbehörden Auskunft; dagegen sind über die Erzeuzung
 von Kartoffelstärke und Dextrin nur dreimal, und zwar in den Betriebsjahren
1897/98, 1901/02—1903/04 (Durchschnitt) und 1910/11, vom Reichsamt des
Innern Erhebungen vorgenommen worden. Zur Ergänzung dieses Materials auf
Jen gegenwärtigen Stand und zur Feststellung weiterer für die Beurteilung der
Lage der Industrie wichtiger Tatsachen richtete der Unterausschuß für Landwirtschaft
 im Januar 1928 einen im Einvernehmen mit Sachverständigen der Stärkeindustrie
 aufgestellten Fragebogen an sämtliche im Verzeichnis von 1915°)
aufgeführten Kartoffelstärkefabriken, soweit sie noch im Reichsgebiete lagen und

') Die Namen der Sachverständigen befinden sich in Band 5 S. 90. N
?) Das Verzeichnis von 1915 bezieht sich im wesentlichen auf die Verhältnisse von 1914.
}) Ergänzt durch Angaben des Wirtschaftlichen Beirats der Deutschen Kartoffelstärke-[ndustrie.
        <pb n="11" />
        nicht als inzwischen erloschen bekannt waren. Besondere Schwierigkeiten machte
naturgemäß die Erfassung der kleinen landwirtechaftlichen Feuchtstärkefabriken.
Hier konnte erst durch zahlreiche Rückfragen Klarheit über die Verhältnisse geschaffen
 werden. Von den ausgesandten 336 Fragebogen blieben nur 6 (von 3 landwirtschaftlichen
 Feuchtstärkefabriken, 1 landwirtschaftlichen Trockenstärkefabrik
and 2 gewerblichen Fabriken) unbeantwortet, so daß der Zweck der Erhebung,
 ein vollständiges Bild vom gegenwärtigen Stande
der Kartoffelstärkeindustrie zu erlangen, als erreicht angesehen
werden kann.
Im Oktober 1928 erging nochmals eine Umfrage an die Stärkefabriken,
Jurch die die gesamte Erzeugung des Betriebsjahres 1927/28, von der bisher nur
die Hauptkampagne erfaßt worden war, festgestellt wurde.
Der auf Grund der Erhebungen ausgearbeitete Berichtsentwurf wurde in
einer Sitzung vom 4, Oktober 1929 mit Vertretern der Kartoffelstärkeindustrie und
Jes Stärkehandels eingehend beraten.

A. Herstellungsverfahren.
1. Feuchtstärke,
Durch Zerreiben der Kartoffeln werden die in den Zellen des Kartoffel-Heisches
 befindlichen Stärkekörner bloßgelegt. Aus dem so entstandenen Reibsel
werden durch Siebe die Faserbestandteile und die unzerriebenen Kartoffelzellen, die
Pülpe, abgesondert. Es verbleibt ein Gemisch von Stärkekörnern und Fruchtwasser,
 die Rohstärkemilch, die in Absatzbottiche oder Rinnen geleitet wird, wo
sich die spezifisch schwereren Stärkekörner als Feuchtstärke niederschlagen. Nach
Ableitung des Fruchtwassers in die Abwässer wird sie ausgestochen.
In den landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken bricht der Produktionsgang
vei diesem Stadium der Herstellung ab. Die Feuchtstärke wird von den großen
gewerblichen und genossenschaftlichen Fabriken zur Weiterverarbeitung (namentlich
 auf Glukose) angekauft, die Rückstände werden von der chemischen Industrie
aufgenommen.
Zur Herstellung eines Zentners Feuchtstärke sind bei guter Arbeit er-(orderlich!)
 :

4,9 Ztr. Kartoffeln von 14%
4,1 ” »” .. 16 %
3,5 3 ” at 18 %
3,1 ”„ » „9 20 %
2,7 7 . „ 22%

Stärkegehalt

35

3%
Ju

Die Feuchtstärke enthält, je nach der Güte der Arbeit, 80—94 °/, Primastärke,
4—18 °/, Schlammstärke, 2—9 °/, Schlamm.

2. Trockenstärke,
Die Trockenstärkefabriken verarbeiten die Kartoffeln zunächst in derselben
Weise wie die Feuchtstärkefabriken, setzen aber den Produktionsgang bis zur Erzeugung
 von Trockenstärke bzw. Kartoffelmehl fort. Durch Zentrifugierung wird
ler etwa 50%, betragende Wassergehalt der Feuchtstärke auf 36—44 °/ herab-)

 Parow, Handbuch der Stärkefabrikation, 2, Aufl., S. 509.
        <pb n="12" />
        gedrückt, und durch verschiedenartige Nachtrocknungsverfahren wird schließlich
eine Ware mit dem handelsüblichen Wassergehalt von 20°, erzielt. 1 Zentner
Feuchtstärke ergibt sonach etwa 0.6 Zentner Trockenstärke.
Zur Herstellung eines Zentners Trockenstärke sind bei guter Arbeit erforderlich:


8,0 Ztr. Kartoffeln von 14% Stärkegehalt
ö,7 ” 5. ”„ 16 % ”
5,8 „ ”„ ”„ 18 % »
5,1 »” ” 3” 20 % »”
16 5% „ 22%

Auch hier schwankt, je nach der Güte der Arbeit, das Verhältnis zwischen Erstund
 Nachprodukt außerordentlich. Im Handel werden unterschieden: Hochfeine
Spezialmarken, Superior und Prima. Ausschlaggebend für die Güte des Endjrodukts
 ist namentlich die Freiheit des Wassers von Eisen. Die Anlagen zur
Enteisenung erfordern oft große Summen. „So einfach der Fabrikationsgang bei
der Gewinnung der Stärke aus der Kartoffel auch ist, so bedarf es doch großer
Sorgfalt in der Arbeitsführung und in der Konstruktion der zu verwendenden
Apparate, wenn ein gutes, allen Ansprüchen genügendes Fabrikat erzielt werden
3011‘).

3. Derivate,

Die Feuchtstärke und ein Teil der Trockenstärke wird in einigen Fabriken
zu Derivaten (Dextrin, Stärkezucker, Stärkesirup und Zuckerfarbe) weiter verarbeitet.


a) Dextrin. Die Trockenstärke wird mit Säure durchsetzt und in Röstöfen
 unter fortwährendem Rühren so lange einer Temperatur von 150—180 Grad
ausgesetzt, bis sie in Dextrin übergegangen ist. Als Ausbeute aus 100 Teilen
Trockenstärke rechnet man etwa 85 Teile Dextrin. Gehandelt werden 2 Qualitäten:
Superior und Prima.
b) Stärkezucker, Stärkesirup, Zuckerfarbe. Die Stärke
wird durch Kochen im Konverter und durch Säurezusatz in. Traubenzucker-Dünnsaft
 übergeführt, der in Vakuumapparaten eingedickt und entweder zur Kristallisation
 gebracht (Stärkezucker) oder unter Verhinderung der Kristallisation zu
Sirup verarbeitet wird. 100 Teile Feuchtstärke ergeben etwa 63 Teile Zucker bzw.
Sirup, 100 Teile Trockenstärke ergeben etwa 100 Teile Zucker bzw. Sirup. Beim
Sirup werden der Güte nach unterschieden: Bonbonsirup, Kapillärsirup und halbweißer
 Sirup. In einigen Fabriken findet eine Weiterverarbeitung des Stärkezuckers
 durch Brennen zu Zuckerfarbe (Kulör) statt.

Der nachfolgenden Betrachtung wird nicht die technische Einteilung in
Feuchtstärke-, Trockenstärke- und Derivatefabriken, sondern die wirtschaftliche
Gliederung in Stärkefabriken als Nebenbetriebe der Landwirtschaft, genossenschaftliche
 Fabriken und gewerbliche Fabriken zugrunde gelegt.

) Parow, a. a. O., S. 8309.
        <pb n="13" />
        B. Betriebsformen.

1. Stärkefabriken als Nebenbetriebe der Landwirtschaft.
Die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Nebenbetriebe verarbeitet die Karvoffeln
 nur auf Feuchtstärke; eine kleinere Zahl setzt den Herstellungsprozeß bis
zur Trockenstärke fort. Die reine Feuchtstärkefabrik eignet sich wegen
der Billigkeit der Anlage‘) und wegen der Einfachheit des Produktionsganges als
landwirtschaftlicher Nebenbetrieb. Sie bietet, ähnlich wie die Brennerei, in weitem
Maße die Möglichkeit zur Rettung anbrüchiger Kartoffeln, denn Fäulnis und sonstige
 Krankheiten machen erst dann die Kartoffeln für die Stärkeherstellung untauglich,
 wenn sie weit vorgeschritten und zur Beschädigung der Stärkekörner ge-‚ührt
 haben. Wieviel gesunde Kartoffeln darüber hinaus auf Stärke verarbeitet
werden, ist eine reine Kalkulationsfrage, im Gegensatz zur Brennerei, wo der auf
eine gewisse Schlempemenge eingestellte Viehstapel zum Abbrennen einer bestimmten
 Kartoffelmenge — ohne Rücksicht auf den Spirituspreis — zwingt. Der
Futterwert der Stärkepülpe erreicht nämlich nicht denjenigen der bei der Spiritusbrennerei
 anfallenden Kartoffelschlempe, denn die Pülpe ist ein eiweißarmes Futtermittel;
 die wertvollen Eiweißstoffe gehen bei der Stärkeherstellung in die Abwässer
 und finden höchstens als Dungstoffe Verwertung (vgl. S. 19). Aus diesem
Grunde, und weil Ersatzstoffe (Mais) für die Feuchtstärkefabriken aus technischen
Gründen nicht in Frage kommen, unterliegt die Zahl der arbeitenden landwirtschaftlichen
 Stärkefabriken größeren jährlichen Schwankungen als die Zahl der
arbeitenden Brennereien.
In 88 Fällen stellt die Feucht- oder Trockenstärkefabrik den einzigen technischen
 Nebenbetrieb des betreffenden Gutes dar; auf 28 Gütern befindet sich
außerdem eine Spiritusbrennerei, auf 13 eine Kartoffeltrocknung. Bei den Feuchtstärkefabriken
 findet ein Zukauf fremder Kartoffeln so gut wie nicht statt”), die
Fabriken sind also reine Spitzenverwertungsbetriebe der zugehörigen Wirtschaften.
Die in der Erhöhung der Versendbarkeit und Haltbarkeit der Kartoffeln
liegende Hauptaufgabe jeder technischen Kartoffelverwertung vermag die Feuchtstärkefabrik
 nur in beschränktem Maße zu erfüllen. Zwar wird durch die Umwandlung
 in Feuchtstärke das ursprüngliche Gewicht der Rohkartoffel etwa in
demselben Umfange wie bei der Kartoffeltrocknung, nämlich auf ungefähr */.,
herabgedrückt (bei der Brennerei auf etwa */,), aber die Haltbarkeit der Kar-;offel
 wird, ganz im Gegensatz zu den beiden anderen Verwertungsarten, nicht, verzrößert,
 denn Feuchtstärke hält sich nur eine begrenzte Zeit. Sie muß möglichst
5ald abgesetzt und weiterverarbeitet werden.
Eine tatsächliche Konservierung der Kartoffeln auf unbegrenzte Zeit wird
erst in der landwirtschaftlichen Trockenstärkefabrik erzielt, außerdem
wird das ursprüngliche Gewicht der Kartoffeln auf etwa ?!/; herabgedrückt. Hierbei
werden jedoch, wenn Trockenstärke höchster Qualität erzielt werden soll, die Anlagekosten
 so hoch und der Produktionsgang so schwierig, daß ein lohnender Betrieb
 nur dann möglich ist, wenn er nicht, wie bei den reinen Feuchtstärkefabriken,
lediglich der Verwertung von Kartoffelüberschüssen des einzelnen Gutes dient,
sondern zur höheren Ausnutzung der Kapazität Kartoffeln aus der Nachbarschaft
zukauft. Ein großer Teil der Fabriken verfährt s8o und verarbeitet. mehr fremde

*) Die Anlagekosten einer typischen landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabrik mit einer jährlichen
 Verarbeitungsfähigkeit von etwa 10000 dz Kartoffeln betrugen vor dem Kriege rund
20 000 M, zur Zeit werden sie auf etwa 50000 RM geschätzt.
2) 1927/28: 7000 dz.
        <pb n="14" />
        Kartoffeln als eigene. Er läßt auf diese Weise die umliegenden .Kartoffelerzeuger
an den Vorteilen des Spitzenverwertungsbetriebes teilnehmen. Die Grenze zwischen
landwirtschaftlichem Nebenbetrieb und gewerblichem Betrieb ist dadurch stellenweise
 stark verwischt. Im Betriebsjahr 1927/28 haben von den 31 arbeitenden landwirtschaftlichen
 Trockenstärkefabriken 15 fremde Kartoffeln zugekauft in Mengen,
die 49 °), der Gesamtverarbeitung aller landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken
zusmachten. Die durchschnittliche Entfernung, aus der diese Kartoffeln bezogen
wurden, betrug 20 km, die höchste Entfernung 200 km. — Mit der Herstellung
zon Derivaten befaßt sich keine dieser Fabriken. ;
Die landwirtschaftlichen Stärkefabriken befinden sich fast ausschließlich auf
zroßen Gütern, und zwar befinden sich

auf Güte Feuchtstärke- Trockenstärkeul
 \TrUtern von Fabriken Fabriken

L00—199 ha. . .
200—299 „+.
300—399 „.
100—499 „.
500—999 „. . 2.
000 und mehr ha .

12
„

Die Kartoffelanbaufläche dieser Güter betrug im Jahre 1927:
Arenzmark Posen-Westpreußen . 1131 ha
Provinz Pommern . .. . .: 68714
Brandenburg . . . . 4055,
Niederschlesien. . . . 1584
Mecklenburg . . . . 125 ,,
Sachsen . . . ._. 482
14251 ha

2. Genossenschaftliche Stärkefabriken.
Unter dem Begriff „genossenschaftliche Stärkefabriken“ sind hier, ohne Rücksicht
 darauf, ob die Rechtsform des Zusammenschlusses die genossenschaftliche ist,
diejenigen Unternehmungen zusammengefaßt, bei denen Landwirte sich zum Betriebe
 von Stärkefabriken zusammengeschlossen haben. Von den in Frage komnenden
 28 Betrieben sind
15 eingetragene Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht,
3 eingetragene Genossenschaften mit unbeschränkter Nachschußpflicht,
3 Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht,
5 Aktiengesellschaften.
3 Fabriken stellen nur Feuchtstärke her, die übrigen Trockenstärke bzw. Mehl,
4 davon außerdem Glukosen, eine auch Dextrin. Von diesen 28 Fabriken sind 3 an
Genossenschaftsbrennereien angegliedert, 5 befassen sich gleichzeitig mit der Herstellung
 von Kartoffelflocken.
Es handelt sich zum Teil um bedeutende Unternehmungen, die bezüglich der
maschinellen Einrichtung und der Absatzgestaltung völlig den gewerblichen Fabriken
 gleichen und sich von ihnen nur dadurch unterscheiden, daß ihre Leitung in
der Hand von Landwirten liegt und daß die Belieferung mit Rohstoffen auf Grund
genossenschaftlicher Bindungen erfolgt. Aber auch in letzterer Beziehung lassen
sich keine scharfen Grenzen ziehen. denn nur 8 Genossenschaften beschränken
        <pb n="15" />
        sich darauf, die Kartoffeln der Genossen zu verarbeiten; die anderen kaufen Kartoffeln
 und Feuchtstärke von Nichtgenossen hinzu und sind mit Bezug auf diese
Mengen als rein gewerbliche Betriebe anzusehen. Von den insgesamt in den ge-Nossenschaftlichen
 Fabriken verarbeiteten Kartoffelmengen entfielen auf zugekaufte
 Kartoffeln:
1924/25: 21,9%; 1925/26: 20%; 1926/27: 10,9%; 1927/28: 27,8%.
Die Gesamtzahl der Genossen betrug:
1913 1925 1926 1927
1449 1549 1648 1656
Die große Mehrzahl der Genossenschaften weist gegenüber 1913 keine oder ganz
geringfügige Veränderungen in der Zahl der Genossen auf; nur 5 zeigen eine
starke Steigerung.
Nach Standort und Größe der Güter verteilen sich die Genossen
wie folgt (Stand von 1927)*) :
5—19 ha | 20—99 ha |100—499 ha | 500 u. mehr ha | keine Landwirte

„EEE

2 ] 41 27 | 19
15 57 174 54
— | 21° | 89 | 4%
468 569 71 86
Zusammen \ 480 | 688 | 361 l 158
In Mitteldeutschland sind die Genossen überwiegend bäuerliche Betriebe, deren
Kartoffelflächen für die Errichtung einer eigenen Stärkefabrik zu klein sind; östlich
der Elbe sind es im wesentlichen Großbetriebe®). Die beteiligten Nichtlandwirte,
deren Zahl an sich schon gering ist, werden in ihrer Bedeutung noch dadurch
herabgemindert, daß sie sich in der Hauptsache in den Aktiengesellschaften
Mitteldeutschlands finden, deren Leistungsfähigkeit nur etwa 3° der Gesamtleistungsfähigkeit
 der genossenschaftlichen Betriebe ausmacht. — Das Gebiet, in
dem die Güter der Genossen liegen, erstreckt sich bei fast allen Genossenschaften
über mehrere der Fabrik benachbarte Kreise. Die durchschnittlichen Entfernungen
der Genossen von der Fabrik steigen naturgemäß mit der Größe der Genossenschaft.
 Sie schwanken zwischen 13 und 60 km.
Mit Ausnahme von zwei pommerschen Genossenschaften und drei hannoverschen
 genossenschaftsähnlichen: Betrieben, die keine Lieferpflicht haben, sind
alle Betriebe auf dem Prinzip aufgebaut, daß die Genossen sich zur Lieferung bestimmter
 Kartoffelmengen verpflichten‘). Die Festsetzung dieser Mengen wird sehr
verschieden gehandhabt. Bei 3 Betrieben erfolgt sie jährlich in der Generalversammlung
 individuell nach dem Ausfall der Ernte jedes Genossen, Bei 2 Betrieben
ist die Lieferpflicht nach der Kartoffelanbaufläche abgestuft, bei dem einen in der
Weise, daß die Genossen verpflichtet sind, eine bestimmte Fläche mit Kartoffeln
zu bestellen und vom Ertrage mindestens 50 Zentner je Morgen zu liefern, bei dem
andern sind von einer bestimmten Morgenzahl alle Kartoffeln, abzüglich 15 Ztr.
je Morgen, zu liefern. An dem Ertrage einer bestimmten darüber hinausgehenden

Grenzmark . . .
Pommern. .. ..
Brandenburg . . .
Jbriges Deutschland?)

*) Es fehlen die Angaben je einer Genossenschaft in der Grenzmark, in Pommern und
Braunschweig,
2) Provinz Sachsen, Hannover, Braunschweig, Niederschlesien, Mecklenburg, .
°) Eine Statistik der gesamten Kartoffelanbauflächen der Genossen ließ sich nicht durchführen,
 da diese Flächen den Genossenschaftsleitungen z. T. nicht bekannt sind.
4) Über die Sonderstellung, welche die Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Altdamm e. G.m.b. 4.
einnimmt, vgl. S. 51,
        <pb n="16" />
        Morgenzahl hat die Genossenschaft das Vorkaufsrecht. Eine Genossenschaft fordert
vom Morgen Gesamtackerfläche 34 Ztr. als Pflichtlieferung. Bei allen übrigen
Betrieben erfolgt die Abstufung der Pflichtmenge nach Geschäftsanteilen, wobei
einige eine Mindest- und eine Höchstmenge festsetzen. Die durchschnittlich auf
den Genossen entfallende Mindestmenge schwankt im Osten zwischen 700 und
7000 Ztrn., in der Provinz Sachsen zwischen 125 und 215 Ztrn. je Geschäftsanteil.
Die Erfüllung der Lieferpflicht ist durch Konventionalstrafen gesichert, doch
werden fast überall bei Mißernten Nachlässe im Verhältnis zum Minderertrag gewährt,
 die 1926/27 in den meisten Fällen gegen 50 °/, in einigen Fällen bis 100 %,
betrugen. Bei 10 Betrieben, bei denen eine Nachprüfung möglich war, betrug insgesamt
 die Mindestlieferpflicht der Genossen 635320 dz und die tatsächliche Anlieferung

in den Jahren 1924/25 1925/26 1926/27
870610 1035672 464 434 dz.

Die Mindestlieferpflicht wurde sonach in guten Kartoffeljahren erheblich überschritten,
 im Mißerntejahre 1926/27 blieb sie jedoch zu etwa 27°, unerfüllt.
Die Bezahlung der Genossen erfolgt durch Abschlagszahlungen im Lauf
der Kampagne und durch Ausschüttung des erzielten Gewinnes am Schluß der
Kampagne nach Maßgabe der angelieferten Mengen, berechnet in Stärkeprozenten.
Hieraus erwächst den Genossenschaften ein Vorteil gegenüber den gewerblichen
Fabriken, die ihren Rohstoff nur gegen sofortige Zahlung beziehen können. Die
Preise, zu denen die Genossen ihre Kartoffeln nach endgültiger Abrechnung verwerten,
 sind bei den einzelnen Genossenschaften sehr verschieden, weil sie abhängig
 sind von dem im Wirtschaftsiahre erzielten Gesamterlös. Infolge der ungünstigen
 Geschäftslage der Stärkeindustrie waren sie nach dem Kriege im Durchschnitt
 etwas niedriger als die im freien Verkauf erzielten Preise. Der endgültige
Erlös betrug (unter Hinzurechnung von 5 Pfg. für die zurückgelieferte Pülpe) je
Zentner Kartoffeln:
1909/14 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
1,64 M 1,85 RM 1,27 RM 2,14 RM 2,38 RM
In den gewerblichen Fabriken wurden frei Wäsche!) durchschnittlich gezahlt:
1.51 M 1,98 RM 160RM 233RM 2,63 RM?)

3. Gewerbliche Stärke- und Derivatefabriken.
Als Rechtsform der Betriebe findet sich in ; a
9 Fällen die Einzelfirma, Ci
19 Offene Handelsgesellschaft,
* Aktiengesellschaft,
„ Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

25 Betriebe befassen sich nur mit. der Herstellung von Trockenstärke bzw.
Stärkemehl, 10 stellen außerdem noch Derivate her, 4 sind reine Dextrinfabriken.

1) Die Preise „frei Wäsche“ liegen wegen der Fracht und der sonstigen Spesen im Durch-Schnitt
 20—25 Pig, höher als die Preise ab Station des Erzeugers.
2) Der Unterschied zwischen den Preisen der gewerblichen Fabriken und der Verwertungshöhe
 in den genossenschaftlichen Fabriken erklärt‘sich außer durch die obengenannten Tatsachen
auch dadurch, daß sich die Frachtbelastung bei der Belieferung der aus weiterem Umkreis
beziehenden gewerblichen Fabriken durchschnittlich höher stellt als bei der Anlieferung an die
yenossenschaftlichen Fabriken. \
        <pb n="17" />
        Als angeschlossene Betriebszweige finden sich in 2 Fällen Kartoffeltrocknung, je
eine Faßfabrik, Haferflockenfabrik, Schneidemühle, Getreidemühle, Zuckerfabrik,
Flachsröste.
Einer weitgehenden technischen Konzentration der Betriebe widerstrebt die
Natur des Rohstoffs. Je größer die Fabrik wird, desto entferntere Gebiete muß
sie für die Belieferung heranziehen, und desto höher wird der Anteil der Frachten
an den Rohstoffkosten. Bei einem so schwer transportierbaren Rohstoff, wie die
Kartoffel, wird die Grenze der Wirtschaftlichkeit. bald erreicht. Die größten
Fabriken haben dem Rechnung getragen, indem sie in den Kartoffelüberschußgebieten
 Filialbetriebe errichteten, die die Kartoffeln zu Halbfabrikaten verarbeiten.
 So stellen 10 von den bestehenden 39 Betrieben Filial- bzw. Pachtvetriebe
 der 3 größten Fabriken dar. Im allgemeinen schwankt die durchschnittche
 Entfernung, aus der inländische Kartoffeln bezogen werden, je nach der
Größe der Fabrik zwischen 5 und 100 km und liegt im Mittel bei 37 km. Die
weiteste Entfernung schwankt bei den kleinen Fabriken zwischen 10 und 100 km,
bei den großen steigt sie bis 500 km. Die Anfuhr der Kartoffeln erfolgt bei den
gJleinsten Fabriken ausschließlich oder größtenteils per Achse, im übrigen zum
weitaus größten Teil mit der Eisenbahn; 6 Fabriken erhalten zwischen 5 und
34 °/ ihrer Kartoffeln auf dem Wasserwege. Die Abfuhr der Fabrikate erfolgt
antweder mit der Eisenbahn oder zu Wasser, doch spielt hier der Wasserweg eine
zrößere Rolle als bei der Anfuhr der Rohstoffe: 11 Fabriken befördern zwischen
10 und 65 % ihrer Erzeugung auf diesem Wege. Nach der Binnenschiffahrtsstatistik
yurde 1927 etwa 14 der verfrachteten Stärke und Derivate auf den Binnenwasserstraßen
 befördert.

C. Umfang der Industrie.
i. Zahl und Standort der Betriebe*).
Nach den Verzeichnissen der Stärkefabriken von 1897, 1905, 1915 und 1918
ınd nach dem Ergebnis der Erhebung des Unterausschusses für Landwirtschaft
argibt sich bezüglich der Zahl der vorhandenen Fäbriken folgendes Bild der Entwicklung:


Jstpreußen . .
Westpreußen
&amp;gt;osen . .
&amp;gt;ommern . .
3randenburg. .
Schlesien‘... +.
Mecklenburg . : . -
Pr. Sachsen . . . .
Hannover, . .
Anhalt, Braunschweig
Ubriges Deutschland .

1897

905

‘'kel
—- B$ A DA
S &amp;lt;a &amp;amp;
© © 8 | 0/50
3 SCHERE
38 |58 | @S| 5 138 23 |58
On m AR x oO m A

12
15
71
88
Ce
=

2
7
23 | 8
12 7
DC

‚E
3
97
PP

E
26
52
76
&amp;gt;

14

1

F
f

4

3 | gae 1 ang:

150 |

4
35
77
86
162

a | ein!

10915

B S}
6 m 58 &amp;amp;
SE SE2E 8
28 8 Zr 5
38 |3s Hm ©
Br. 0 A ES $
zn rs

283 7 80
80 | 18, 6 , 54
92 | 8| 8 | 108
64! 20 18 | 97
7 99 ßR an

2920

131 |

5
2992

') Vgl. auch die nachstehende, von der Reichsforschungsstelle- für landwirtschaftliches
Marktwesen angefertigte Karte.
        <pb n="18" />
        )stpreußen. . . .
jrenzmark . . .
2ommern . . . .
Brandenburg. . .
Schlesien . . +. 2...
Mecklenburg. . . ..
Pr. Sachsen . . . ..
Hannover. . . . ..
Anhalt, Braunschweig .
briges Deutschland. .

1918

Feucht- Fo Stärke | Gen
. Ü un zamtstärke
 | stärke PD Derivate zahl

8
6

7
9
19
&amp;gt;

€

7
36°
69

Pe

a5 I

1927

Peucht- nn
stärke | stärke

Stärke | Geund
 samt-Derivate!
 zahl

i

m

AN

59
29

24
19

2
„7

68
60
24.
2
20
2?
2
9

3
1
9

1

31

3 | 901

Gestrichen wurden alle Fabriken, die abmontiert oder sonstwie zerstört
worden sind, außerdem die wegen Verfalls der maschinellen Einrichtung als „nicht
mehr betriebsfähig‘““ gemeldeten. Aufgeführt wurden sonach außer denen, die im
jetzten Betriebsjahr gearbeitet hatten, alle diejenigen, die nur aus wirtschaftlichen
Gründen stilliegen, deren Anlagen aber noch betriebsfähig sind.
AELUTSCHEN STARKEFABRIKEN

“IPWENERKLÄRUNG:
4. FEUCHTSTÄRKEFABRIKEN
TROCKENSTÄRKE FABRIKEN
‚ENSCH. FABRIKEN UNTER 100 dz tägl. ERZEUGLINT +
. 100-500 +
ww , ÜBER SOD *
” WUCHE - UNTER 100 +
. 120-500 « *
- - ÜBER 500» = &amp;amp; -
. GENOSSENSCH. BZW. GEWERBLICHE TROCKENSTÄRKE — UND
DERIVATFABRIKEN
“REINE DEXTRINFABRIKEN

ha ferschangsstalle Tür Vandwirtschafliches Marktwesen
        <pb n="19" />
        10

Die Zahl der Fabriken ging in den letzten 30 Jahren, auch wenn man die an
Polen abgetretenen 12 Feuchtstärke-, 11 Trockenstärke- und 3 Derivatefabriken
außer Betracht 1äßt, ständig zurück. Der Rückgang betrug
bei den Feuchtstärkefabriken. . . 69%
„ »„ MTrockenstärkefabriken . . 55%
Derivatefabriken ... . . 28%.

In Ostpreußen war die Kartoffelstärkeindustrie bereits bei Kriegsbeginn erloschen,
auch in Süd- und Westdeutschland verschwand sie bis auf geringe Reste, so daß
zur Zeit nur der nähere Osten und die Provinz Sachsen in Frage kommen. Es zeigt
sich hier die letzte Auswirkung der seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts
wirksamen Tendenz zur Abwanderung der Kartoffelstärkeindustrie aus den Verbrauchsgebieten
 des Fabrikate (Industriegebieten) nach den Erzeugungsgebieten
des Rohstoffs (östlichen Kartoffelüberschußgebieten). ;
Aus der Erhebung des Unterausschusses für Landwirtschaft läßt sich für die
letzten Jahrzehnte auch die Entwicklung innerhalb der wirtschaftlichen Betriebsgruppen
 (landwirtschaftliche, genossenschaftliche und gewerbliche Fabriken) verfolgen
 und namentlich auch feststellen, welche Fabriken in den einzelnen Jahren
tatsächlich gearbeitet haben. Danach eregibt sich:

Es waren vorhanden
1915 | 1918 | 1927

Es haben gearbeitet
1924/25 | 1925/26 ı 1926/27 | 1927/28

Landwirtschaftliche Frucht-“tärkefabriken:
Grenzmark. . . 241) 18 il 6 6
Pommern . . 90 72 56 46 53
Brandenburg . . 64 43 29 22 24.
Niederschlesien . - 4 2 —
Mecklenburg . .
Insgesamt | 189 | 138 | 98 | 74
‘‚andwirtsecha’' liche Trockenstärkefabriken:
Grenzmark. . . 42) 8 | 3 8 3 8
Pommern . . + 4 4 4 4 4
Brandenburg . . 5 7 3: | 3 3
Niederschlesien , 29 | 16 15 7 13
Vockenn . R
Drovinz Sachsen . 1
Insgesamt | 50 | 55 | 40 1 82 | 85 | 29

41
15

84 | 68 | 66

7

| 82

Genossen” chaftliche. Fabriken: .
Grenzmark. . .| 14 4 A: |
Pommern . . . 10 10 an
En KW 5 5 .
Übr. Deutschland * 15 15 be
Insgesamt I 34 | 84 | £3 1

4 | 4 4 4
8 8 7 6
5 5 5
10 15 44

98 | 7 l

R 1 9%

Gewerbliche Fabriken:
Grenzmark., . 24) 1 c
Pommern . .,. 1
Brandenburg‘. . €
Niederschlesien .
Provinz Sachsen .
Übr. Deutschland
Insgesamt | 61 | 89 | 89 |

€

2
10

| 36 | 26

31

1) Nach Ab: Polen verlorengegangenen 123 Feuchtstärkefabriken. .
$ O n de " AB # 6°8 Ja 8 landwirtsch. Trockenstärkefabriken.
’) Im abgetretenen Gebiet befand sich keine. . -
%*) Nach Konug der an Polen verlorengegangenen 6 gewerblichen Fabriken (drei Trocken- -
 .  stärke- und drei Derivatefabriken).
        <pb n="20" />
        .

Bemerkenswert ist bei den beiden landwirtschaftlichen Gruppen der außersrdentlich
 hohe Prozentsatz der jeweile stilliegenden Fabriken.

2 Leistungsfähigykeit der Betriebe.

Verarbeitungsfähigkeit der Feuchtstärkefabriken: In
Jen landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken wird durchgängig nur in einer
Schicht von 8—10 Stunden Dauer gearbeitet. Bei dieser Arbeitsdauer beträgt die
tägliche Verarbeitungsfähigkeit der vorhandenen Fabriken in
der Grenzmark etwal) . . 1155 dz Kartoffeln,
Pommern „=... 8100, 8
Brandenburg + &amp;amp; 3820 ., 5
Niederschlesien „ . . . 125. „
Insgesamt 13 200 dz Kartoffeln.

Hiervon entfallen
1380 dz = 10.5 % auf 22 Kleinbetriebe unter 100 dz;
Einheitswert?) 8 000—30 000 RM.
3700 „ = 73,5 ,, . 68 Mittelbetriebe von 100—199 dz;
Einheitswert 30 000—60 000 ‘,,
2120 ,„, = 16,0 ,, ‚ 8 größere Betriebe von 200-—400 dz;
Einheitswert 60000—100000 ..

Das Schwergewicht liegt bei den Mittelbetrieben. Solche Fabriken verarbeiten bei
normaler Ausnutzung in der Kampagne ungefähr 10 000 dz Kartoffeln.
Die Leistungsfähigkeit der Trockenstärkefabriken beirägt
 je Tag (24 Stunden) in
der Grenzmark . . . 160 dz Trockenstärke,
Pommern . . . 365 ..
Brandenburg . . . . 330 an
Niederschlesien . . . 770 ,, ”
Mecklenburg . . 0.0. 75
Provinz Sachsen . . 244 , „
Insgesamt 1944 dz Trockenstärke.

Hiervon entfallen
1529 dz = 79 % auf 37 Betriebe unter 100 dz;
Einheitswert 30 000—80 000 RM.
415, =21% „ 3 von 100—200 dz; .
KEinheitswert 8S0000—1920000 ..

Die Leistungsfähigkeit der genossenschaftlichen Fabriken®)
 beträgt je Tag (24 Stunden):

‘) Die Angaben wurden vielfach schätzungsweise gemacht.
?) Finanzamtlicher Einheitswert der Gebäude und Maschinen.
% Bei den drei nur Feuchtstärke herstellenden Genossenschaften wurde die Leistungsähigkeit
 auf Trockenstärke umgerechnet.
Anquete-Ausschuß. II. Band 6.
        <pb n="21" />
        12

Trockenstärke Glukosen Dextrin
dz iz dz
Grenzmark . . . . . 605 160 —
Pommern. . . . . . 1880 250 —
Brandenburg .:. . . 1800 300 „
Übriges Deutschland!) . 1330 400 125
Insgesamt 5615 1110 125
Hiervon entfallen .
855 dz = 13 % auf 13 Kleinbetriebe unter 100 dz;
Einheitswert 30 000—100 000 RM.
2165 .. =32% „ 10 Mittelbetriebe von 100—499 dz;
Einheitswert 100000—400000 „
3730 .. =55% „5 Großbetriebe von 500—1200 dz;
Einheitswert 400000—1 Million ..

Die Leistungsfähigkeit der gewerblichen Fabriken be-:rägt
 je Tag (24 Stunden) :

Trockenstärke Glukosen Dextrin
dz dz dz
Grenzmark . . . 440 145 _
Pommern. . . . . . 823 50
Brandenburg . . . . 4075 590
Niederschlesien. . . . 2785 215
Provinz Sachsen . . . 550 70
Übriges Deutschland? _. _200 - 100
Insgesamt 6873 2280 1325

Von den Betriebsstätten sind
11 Kleinbetriebe unter 100 dz Leistungsfähigkeit;
; Einheitswert 20 000—100 000 RM-23
 Mittelbetriebe mit 100—600 dz Leistungsfähigkeit;
Einheitswert 100000—500000 „
5 Großbetriebe , 600—2000 dz Leistungsfähigkeit;
Einheitswert 500000—1200000 ..

Wenn man nicht nach Betriebsstätten gliedert, sondern die Haupt- und Filialoetriebe
 als Einheiten zusammenfaßt, so entfallen von der gesamten Leistungs-Fähigkeit
 der gewerblichen Fabriken

460 dz = 4,4 % auf 9 Kleinbetriebe,
2773 „=262% „ 17 Mittelbetriebe,
7245 . =694% .„. 3 Großbetriebe.

Bei den genossenschaftlichen Fabriken und in noch höherem Maße bei den gewerbiichen
 Fabriken liegt demnach das Schwergewicht durchaus bei den Großbetrieben.
Welche Änderungen der Leistungesfähigkeit gegenüber . der
Vorkriegszeit eingetreten sind, ließ sich zahlenmäßig nicht feststellen. Mit den an
Polen abgetretenen Gebieten ging etwa ein Fünftel der Gesamtkapazität verloren.
Anzunehmen ist, daß in der landwirtschaftlichen Feucht- und Trockenstärke-!)

 Provinz Sachsen, Hannover, Niederschlesien, Mecklenburg.
2) Anhalt, Braunschweig, Rheinprovinz.
        <pb n="22" />
        IS —

industrie die Leistungsfähigkeit entsprechend der Zahl der Fabriken gesunken ist,
oei den genossenschaftlichen und gewerblichen Fabriken aber das Absinken der
Zahl durch Erweiterung und Verbesserung bestehender Anlagen etwa auszeglichen
 wurde.

3. Zahl der Beschäftigten.
Die Herstellung der Feucht- und Trockenstärke ist Saisonbetrieb. Die Hauptkampagne
 vollzieht sich im wesentlichen in der Zeit vom Beginn der Kartoffelernte
is Ende Dezember. Ergeben sich beim Öffnen der Mieten im Frühjahr Kartoffeliberschüsse,
 so findet eine Nachkampagne statt, die etwa einen Monat dauert. Den
Rest des Jahres liegen die reinen Feucht- und Trockenstärkefabriken still; die
ibrigen Fabriken halten ihre Betriebe in eingeschränktem Umfang aufrecht, indem
zie Stärke weiter auf Derivate verarbeiten. Infolgedessen beschränkt sich der
Arbeiterbedarf der landwirtschaftlichen: Fabriken auf die Zeit.der Kampagne. In
der Mehrzahl der Feuchtstärkefabriken werden außer einem Facharbeiter 2 oder
3 landwirtschaftliche Arbeiter laufend beschäftigt. Daneben werden gelegentlich,
je nach Bedarf, sonstige landwirtschaftliche Arbeiter herangezogen. Die kleineren
landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken behelfen‘ sich gleichfalls mit nichtständigen,
 landwirtschaftlichen Arbeitskräften; in den größeren finden sich aber
zereite ständige Arbeiter. 5

Insgesamt wurden im Betriebsjahr 1927/28 beschäftigt

ıur während der Kampagne N
beschäftigte Arbeiter

ständige
Arbeiter

durch- ws
schnittlich | Höchstzahl

2

[n den landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken
 . . . ..
landw. Trockenstärkefabr. .
genossenschaftl. Fabriken . |
gewerblichen Fabriken

Bei den genossenschaftlichen und gewerblichen Fabriken ergab sich folgende
Z3ewegung der Arbeiterzahl seit der Vorkriegsezeit:

— 387 887
97 326 * 862
364 998 1285
1054 | 1579 | 2860
Insgesamt | 1515 | 3285 | 4844

1909/14

Q94

1925/26 | 1926/27 | 1927/28

Ständige Arbeitskräfte: .
Genossenschaften . . . . 437 | 558 | 587 887 364
Gewerbliche Fabriken . . 1274 1126 1167 997 1054
Insgesamt | 1711 | 1679 | 1704 | 18384 ; 1418
l 1
Nur während der Kampagne beschäftigte Arbeitskräfte:
durchschnittlich:
Genossenschaften . . . | 942 | 1249 | 1108 | 892 | 998
Gewerbliche Fabriken ._. 1841 15835 | 1480 936 1579
Insgesamt | 27838 | 9784 | 2583 | 1828 | 2572
Höchstzahl:
Genossenschaften . . . - | 1292 1529 | 1481 | 1234 1285
Gewerbliche Fabriken... „2545 2446 2521 1482 2360
Insgesamt | 8837 | 8975 | 4002 | 2716 | 8645
        <pb n="23" />
        4. Alter der Fabriken.

Es stammen (soweit Angaben vorliegen) aus den Jahren

Landwirtschaft- | Genossenschaft-' Gewerbliche
liche Fabriken | liche Fabriken Fabriken

1840. . .
1858... :
[860--69
1870—79 .
1880—89 . .
1890—99 ;
1900—11 . 1}
1920—28 &amp;gt;

13
15
25
21
32
Q2

|

4
9

Li

4
s

D. Umfang und Wert der Erzeugung.
1. Verarbeitete Stoffe.
a) Kartoffeln.

Von den landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken
waren über die verarbeiteten Kartoffelmengen und die erzeugte Feuchtstärke für
die früheren Betriebsjahre nur sehr lückenhafte und auch für das letzte Betriebsjahr
 1927/28 nicht ganz vollständige Angaben zu erlangen. Die Zahlen mußten
deshalb auf anderem Wege ermittelt werden. Da die Feuchtstärke nahezu restlos*)
 von den genossenschaftlichen und gewerblichen Fabriken aufgenommen wird,
lassen die Angaben dieser Fabriken über die von ihnen zugekaufte bzw. bei ihnen
angelieferte Feuchtstärke einen Rückschluß zu auf die in allen Feuchtstärkefabriken
und — nach Abzug der Produktion der 3 nur Feuchtstärke herstellenden Genossenschaften
 — auf die in den landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken erzeugten
Mengen”). Sie sind deshalb den folgenden Berechnungen zugrunde gelegt worden.
Die verarbeiteten Kartoffelmengen sind auf Grund des jeweiligen durchschnittlichen
Stärkegehalts (S. 25) errechnet worden, wonach sich folgende Kartoffelverarbeitung
 ergab:

1) In den beiden letzten Kampagnen mit Ausnahme von etwa 15000 dz, die an die Sago-[abriken
 gingen.

2) Berechnung der Feuchtstärkeerzeugung:

1924/25 |
dz

1925/26

1926/27 | 1927/28
dz

Zugekauft bzw. angeliefert... . ..
An Sagofabriken abgegeben * X ® 4

dz

169229 |

227 388

92509 | 106389
15.000 15 000
107 509 121 889

Erzeugung der drei genossenschaftlichen
Feuchtstärkefabriken . . . . - “— 9500 | 9880
Bleiben als Erzeugung der landwirtschaft- |
lichen Feuchtstärkefabsiken . SUR

169229 ı 2278838 |

6339

4

5 569

159 729 217 458 | 101 170 | 115 820
        <pb n="24" />
        — 315

1924/25 1925/26 1926/27 1927/28!)
750 726 dz 1043 798 dz 445 148 dz 474 862 dz

In den landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken
wurden an Kartoffeln verarbeitet:

Grenzmark . .. .
Pommern . oo. 0.000000.
Brandenburg. . . .
Niederschlesien . . . . . .
Provinz Sachsen und Mecklenburg .
Insgesamt

1924/25 | 1925/26 | 1926/27
dz

1927/28

dz

dz

dz

64 100 74 800 16 800 45 462
197 500 | 262 290 208 790 245 577
42 378 46 886 15 007 39 640
116 297 209 659 106 203 160 598
93 900 117372 61 705 148 527
524 775 | 710507 . | 424 705 | 639 804

Angaben für 1909/14 haben nur 26 von den 32 im Betrieb befindlichen Fabriken
 gemacht. Um einen Vergleich mit der Vorkriegsverarbeitung zu ermöglichen,
sind die Verarbeitungszahlen dieser Betriebe gegenübergestellt worden, wonach
sich ergaben 1909/14: 540 535 dz, 1925/26: 524 521 dz. Die Verarbeitung hat also
bei dieser Gruppe den Vorkriegsstand ungefähr wieder erreicht.

In den genossenschaftlichen Fabriken wurden an Kartoffeln

verarbeitet:

1909/14

1924/25 | 1925/26
dz

1926/27 | 1927/28
„&amp;gt;
dz

dz

Grenzmark . . 2... 0...
Pommern . . 0.00.0000 4
Brandenburg . . 0.0...
Provinz Sachsen Be
Übriges Deutschland?) ‚_. .

298769 246118 | 284418, 62307 | 275 514
892828 992214 1076548 451809' 510621
953 790 2982634 1020395 554986 109573839
258384 122426 | 1837117 70 223 | 183 760
8208871 288168! 361370' 122090' 269738
[nsgesamt ‚2724158 | 2681 560 | 2 879 848 | 1 260 915 | 2 285 372

In den gewerblichen Fabriken wurden an Kartoffeln verarbeitet:

1909/14 ' 1924/25 |] 1925/26
dz dz

1926/27 ' 1927/28

dz

dz

Grenzmark , . ..... . 468897. A 211760 34030| 3888460
Pommern .. . ...... 917265 808920| 176892 115986 125237
Brandenburg . ..... . 2964530,2297612, ; 784539 897013, 1768716
Niederschlesien . . . ... 725 628 | 416 838 | 469753 25 430| 705 572
Provinz Sachsen . „2. 297781! 186451! 149106 9119! 47645
Insgesamt‘ |4 674 101 | 3 682 726 | 2 792 050 | 881578 | 2 985 6380

1) Für 1927/28 ergaben die Angaben der landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken:
Verarbeitete Erzeugte
Kartoffeln Feuchtstärke
dz dz
29 564 78332
236 792 60 807
142 061 35 614
Insgesamt 408 417 103 258
*) Hannover, Braunschweig, Niederschlesien, Mecklenburg.
        <pb n="25" />
        6

DieGesamtmengeder vonder Stärkeindustrie verarbeiieten
 Kartoffeln betrug demnach:

[897/98 . 2.0.0.0.
1901/02.bis 1903/04 .
(910/11 .
(924/25: .
1925/26
1926/27’
1927/28

Stärkezartoffeln


dz

2 480 000%
3 880 000%,
3 289 647%)
7 529 277
7 426 203
3 012 346
3 905 668

Kartoffelarnte


"Yionen dz7

a?
'4pP
4%
04.

P

as

375

Die Stärkekartoffeln
machten aus von der Ernte
Deutsch- | des näheren
lands © Ostens*)

If

%

“5

i

5
„8
4,6
27
EA

)
7

An der Gesamtverarbeitung von Kartoffeln waren beteiligt die
1924/25 | 1925/26 | 1926/27 1927/28
% | % | % | %_

'andwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken . 10 14 15 7
» Trockenstärkefabriken 7 9 14 10
yenossenschaftlichen Fabriken. . . .. 35 839 . 42 36
gewerblichen Fabriken : . 2.0... 48 38 | 29 47
| 100 1 100 | 100 1 100

Auf die in den Händ ender Landwirtschaft befindlichen Fabriken
(landwirtschaftliche Nebenbetriebe und genossenschaftliche Fabriken) entfielen
lemnach von den verarbeiteten Kartoffeln
1924/25 1925/26 1926/27 ° 1927/28
52% 62% 11% 53 %
Yon den verarbeiteten Kartoffeln stammmten aus dem Auslande
1910/11 ; 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
374371 dz 805686 dz 1500 dz 29222 dz 1422938 dz
=27% =106% — =0,9% =222%
Die Kartoffelverarbeitung von 1927/28 verteiltesich auf die einzelnen
 Gebiete wie folgt:

Gesamt- |
verarbeitung.

«dz

Davon Bleiben
Auslands- | Inlandszartoffeln
 kartoffeln
iz:

Von der
ärnte der
Provinz
%

3renzmark . v7 ; % yo
Pommern. .0.00000000400
Brandenburg 2 2.0.0...
Niederschlesien. .'. . . ..
NEE vn ,
Provinz Sachsen . . . a
Hannover und Braunschweig‘ .
Insgesamt | 6385 668 | 14229838 | 4952780
1) Errechnet aus der vom Reichsamt des Innern ermittelten Erzeugung von Stärke und
Stärkefabrikaten. :
?) Nach der Erhebung des Reichsamts des Innern.
*) Wegen Änderung der Erhebungsmethode umgerechnete Zahl.
*) Grenzmark (vor dem Kriege Posen ‚und Westpreußen), Pommern, Brandenburg, Niederschlesien,
 beide Mecklenburg.
        <pb n="26" />
        .m

Sieht man von der durch die besonderen Verhältnisse des Betriebsjahres
1927/28 begründeten Einfuhr (vgl. S. 29) ab, so würde sich normalerweise in den
östlichen Provinzen der auf die Stärkeindustrie entfallende Anteil am Kartoffelverbrauch
 1927/28!) gestellt haben in

ler Grenzmark . . auf 8,5 % der Ernte der Provinz
Pommern, . 2.0 ve
Brandenburg. . .
Niederschlesien . .
veiden Mecklenburg _, N „
im Durchschnitt auf 5.4 % der Ernte der 5 Landesteile.

b) Sonstige Rohstoffe,
An Mais wurden innerhalb der Kartoffelstärkeindustrie im Betriebsiahr
1927/28 49 864 'dz verarbeitet.
An Maisstärke wurden verarbeitet:

1925/26. . . 6 009 dz
1926/27. . . 124673 dz
1927/98. .. . 147108 dz

An ausländischem Kartoffelmehl wurden verarbeitet:

1924/25 .. . . 1600 dz
1925/26 . . 2737 Az
1926/27 . . . 36821 dz
1927/98 2. . . 1092924 dz.

2, Erzeugte Fabrikate.
a) Haupterzeugnisse,
{nsgesamt wurden von der Kartoffelstärkeindustrie erzeugt:

897/982) .
1901/02 |
 SOEN4 17 *
„910/113 .
1924/25.
1925/26 .
1926/27
1927/98

Feuchtstärke

dz

Trocken- Üextrin
stärke
a dz

dz

556140 | ! 1265483)!
595565 ' 1184629
570048 787866
‚69229 1027404
227 888 910 750
107 509 | 448157 |
191889 | 1020409

189 588
276 487
240 009
162 642
124 840
134 950
{82 23Q9

Sirup und |
Zucker Kulör
dz

dz

119 754
347 871
726 489 *
»75 582
278898 |
240 1154)
289 5625) |

48 113
47 555
43 877
19 126
19538
24. 798
30275

1) Über die Aufnahmemöglichkeit von Kartoffeln bei voller Kapazitätsausnutzung vgl. 5. 25,
2) Die Vorkriegszahlen beruhen auf den drei vom Reichsamt des Innern veranstalteten
Produktionserhebungen. Über die Art der Errechnung der Nachkriegszahlen für Feucht-;tärke
 vgl. S. 14. Beim Dextrin fehlen die Angaben einer westdeutschen Fabrik. .
3) Die Produktionserhebung von 1897/98 gibt bei Trockenstärke 778 543 dz an. Da hierin
ffenbar nicht die für Dextrin, Stärkezucker und Kulör verbrauchten Mengen enthalten sind,
vurden diese in Höhe von 348 000 dz hinzugezählt.
4) Davon etwa 160000 dz = 60 % aus. Maisstärke.
5 170000 dz = 683 %
        <pb n="27" />
        iR

Auf die einzelnen Gruppen verteilt sich die Produktion von Trockenstärke
and Derivaten im Betriebsiahr 1927/28 wie folgt:

Landwirtschaftliche Trockenstärkefabriken
Jenossenschalftliche Fabriken . . . . .
}ewerbliche Fabriken. .. 2.0...

Trocken- „1 Sirup
stärke | Dextrin und Zucker

Kulör

dz

dr

Am

UA

107 960 — — ;
376 140 12 524 45 570 —
586 309 170 865 193 992 30275

Bezüglich der Produktion des Wirtschaftsjahres 1928/29 liegen genaue Zahlen
nur für die steuerstatistisch erfaßte Glukose vor; die Zahlen für Stärke und Dextrin
beruhen auf Schätzungen der Fachverbände. Danach betrug die Erzeugung von
Kartoffelstärke und Mehl . ..... + 1200000 dz
Dextrin. . .0.00.00000.00.00.0. 0.0 + + 200000 ,,
Sirup und Zucker (aus Kartoffeln). . . . 253800 ‚,
Zulör 2000000000004 29647
Die von der Stärkeindustrie verbrauchte Kartoffelmenge kann demnach auf
7,48 Millionen dz — 1,8 °% der Ernte geschätzt werden. .
b) Nebenerzeugnisse,
1. Pülpe.
Die beim Absieben der zerriebenen Kartoffeln zurückbleibende Pülpe hat
xinen Wassergehalt von etwa 94°, der sich beim Einmieten infolge von Versickerung
 auf etwa 60°, vermindern kann. Durch künstliche Trocknung wird
Trockenpülpe mit einem handelsüblichen Wassergehalt von etwa 12 °% hergestellt.
Von 100 kg Kartoffeln fallen durchschnittlich 75 kg Feuchtpülpe mit 4,5 kg Trockensubstanz
 oder 3—4 kg Trockenpülpe mit einem Wassergehalt von etwa 12°%, an.
Die gesamte bei der Stärkeherstellung angefallene Menge an Pülpe kann danach,
in Trockenpülpe umgerechnet, geschätzt werden auf
1910/11 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
455 000 262 000 259 000 105 000 220 000 dz

Die Pülpe wird von den landwirtschaftlichen Stärkefabriken in der eigenen
Wirtschaft verfüttert, und zwar frisch, gedämpft oder eingesäuert. Die genossenschaftlichen
 Fabriken liefern sie den Genossen teils feucht, teils getrocknet zurück.
Die gewerblichen Fabriken verkaufen sie zu Futterzwecken gleichfalls in beiden
Formen.
Die Kartoffelpülpe stellt, im Gegensatz zu der bei der Kartoffelbrennerei an-‘allenden
 Kartoffelschlempe, ‚ein eiweißarmes Futtermittel dar; die Eiweiß und
Zucker enthaltenden Bestandteile der Kartoffeln gehen in die Abwässer. An Nährstoffen
 enthalten die beiden Futtermittel:

Rohmnrotein | Rohfett '

0%

0/

stickstoffreie |
Fxtraktstoffe Rohfaser

O7

o/

Trockenpülpel) . . .. | 8,6 | 0,2 | 69,8 ' 12,2
Trockenschlemwe . . 283.81 1,27 52.21 10,52

') Parow: Handbuch der Stärkefabrikation S, 248.
’) Völtz: Die Bedeutung der Kartoffelschlempe als Futtermittel, Berlin 1928,
        <pb n="28" />
        "3

Der Wert der den Landwirten verbleibenden Pülpe wurde von den Sachverstän-Jigen
 auf 10 Pfennig je Doppelzentner verarbeitete Rohkartoffeln geschätzt‘).
1910/11 wurden 126121 dz Trockenpülpe hergestellt. In den letzten
Jahren wurde Trockenpülpe in 8 genossenschaftlichen und 3 gewerblichen Be-;rieben
 erzeugt, und zwar:

A

In genossenschaftlichen Fabriken .
[n gewerblichen Fabriken. . . .

1924/25 | 1925/26 = 1926/27 | 1927/28
dz | dz dz dz

60027 54.138 32 006 47 624
46 432 26 591 18.477 31 693
| 106 459 | 80729 | 45488 | 79817

2. Abwässer.
Durch den Fabrikationsprozess wird der Kartoffel nur die Stärke entzogen;
alle übrigen Bestandteile, wie Zucker, Eiweiß, Kali, Phosphorsäure, gehen in die
Abwässer. Eine Verwertung erfolgte bisher lediglich für Dungzwecke in der Form
Jer Berieselung oder durch Verspritzen. Die bei der Verarbeitung eines Doppelzentners
 Kartoffeln anfallenden Dungstoffe betragen im Mittel nach Saare 0,256 kg
Stickstoff, 0,483 kg Kali und 0,138 kg Phosphorsäure*). Das entsprach im Betriebsjahr
 1925/26 19010 dz Stickstoff, 35 867 dz Kali, 10 247 dz Phosphorsäure.
In weitaus den meisten Fällen werden die Abwässer zur Berieselung von
Wiesen verwendet, seltener zur Düngung von Weiden und Ackerland. Nach Saare
wurde auf einer Rieselwiese der Hektarertrag, der bis dahin 48 Ztr. betragen hatte,
.m ersten Jahr der Berieselung auf 80 Ztr., im zweiten Jahr auf 100 Ztr. Heu von
besserer Beschaffenheit gehoben. Die Kosten der Rieselanlagen werden auf 600 bis
1000 RM. je Hektar geschätzt). Die Verwendbarkeit der Abwässer wird jedoch
Jadurch eingeschränkt, daß die Berieselung nur in frostireien Zeiten erfolgen darf.
Der in den Abwässern liegende Wert wird von den Sachverständigen auf etwa
2 Pfg. je Doppelzentner verarbeitete Kartoffeln beziffert, wobei jedoch die Kosten,
Jie durch die Unschädlichmachung nicht verwerteter Ahwässer entstehen würden,
nicht in Rechnung gestellt sind.
Unverwertet blieben im Betriebsijahr 1925/26 die Abwässer von

‚9 landwirtschaftlichen Fabriken
8 genossenschaftlichen *
3 gewerblichen %

Verarbeitung

| von der a aller
Fabriken der betr. Grunne

150 000 dz Kartoffeln |
257873 dz
i 776 069 dz -

71%

20 -

29,0% der Gesamtverarbeitung

Die Menge der ungenutzten Abwässer ist natürlich bei den gewerblichen
Fabriken am größten, weil diesen vielfach die Möglichkeit zur Berieselung fehlt.
Versuche, das Eiweiß aus den Abwässern zu gewinnen, sind gemacht worden.
Jedoch ist in größerem Ausmaße eine Nutzbarmachung bisher nicht erfolgt, und
aß gehen noch erhebliche Werte an Eiweiß und Dungstoffen ungenutzt verloren.

1) Die Erhebung im Reichsamt des Innern von 1910/11 setzte einen Preis von 11,8 Plg.
ür den dz Kartoffeln ein.
2) Parow: Handbuch der Stärkefabrikation, S. 499.
3 Kalender für die landwirtschaftlichen Gewerbe 1928.
        <pb n="29" />
        20

3. Wert der Erzeugung.
DerGesamtwertder Erzeugung der Kartoffelstärkeindustrie innerhalb
 eines Betriebsjahres ist durch Multiplikation der angegebenen Produktionsmengen
 mit den Jahresdurchschnittspreisen nicht zu ermitteln, denn ein großer
Teil der Erzeugnisse stellt Halbfabrikate dar, die im Bereich der Stärkeindustrie
selbst weiter verarbeitet werden. Für die Errechnung des Produktionswertes können
aber nur diejenigen Mengen in Frage kommen, die — sei es als Endprodukt, sei es
als Halbfabrikat — aus dem Bereich der Stärkeindustrie herausgehen. Dextrin
und Glukosen stellen in vollem Umfang solche Endprodukte dar, nicht dagegen
Feucht- und Trockenstärke.
Die Feuchtstärke wird zum weit überwiegenden Teil, und zwar innerhalb der
Stärkeindustrie selbst, auf Glukose weiter verarbeitet. Aus dem Bereich der Stärkeindustrie
 hinaus gingen in den beiden letzten Betriebsjahren nur gewisse der Sagoherstellung
 dienende Mengen und die von der chemischen Industrie aufgenommene
Schlammstärke. Diese Mengen sind nur schätzungsweise zu ermitteln und werden
auf 15 000 dz. Feuchtstärke und 13 000 dz Schlammstärke angegeben.
Die trockene Kartoffelstärke wird teils. als solche verkauft, teils wird sie
zusammen mit der hinzugekauften Maisstärke und dem eingeführten Kartoffelmehl
auf Dextrin oder (namentlich in abfallenden Qualitäten) auf Glukose verarbeitet.
Die in Form von Trockenstärke aus dem Bereich der Kartoffelstärkeindustrie hinausgehenden
 Mengen können daher nur so festgestellt werden, daß von der erzeugten
 trockenen Kartoffelstärke, der hinzugekauften Maisstärke und dem verarbeiteten
 ausländischen Kartoffelmehl die für Glukose und Dextrin verbrauchten
Mengen abgezogen werden. Man erhält danach für das Betriebsjahr 1927/28:
Erzeugte trockene Kartoffelstärke . ... . . ..
„ „ Maisstärke. . 0. 0.0.0..00.0.
Hinzugekaufte Maisstärke . . .. .... .
Hinzugekauftes ausländisches Kartoffelmehl . . . . .

1020409 dz
29900 dz
147108 dz
10224 dz
1207 641 dz

Davon wurden verbraucht:

für Glukosen!) ...0.0.0..... . 180000 dz
„ 183389 dz Dextrin bei 85%, Ausbeute 215750 dz 395750 dz
In Form von Trockenstärke oder Mehl verkauft 3811891 dz

Der Wert der Gesamtproduktion der Kartoffelstärkeindustrie läßt sich nunmehr
 unter Benutzung der in der Tabelle auf S. 50 zusammengestellten Jahresdurchschnittspreise
 für das Betriebsjahr 1927/28?) wie folgt berechnen:
37 347000 RM

Trockenstärke: 811 891 dz, Preis 46 RM . . .
Glukose:
An Sirup und Zucker wurden hergestellt 239 562 dz, davon
entfielen schätzungsweise
80% = 191 650 dz auf Bonbonsirup und Traubenzucker,
Preis 47,25 RM. . 00005000... . 9055000
20% = 38330 dz auf Kapillärsirup, Preis 45,75 RM. .. 1754000 ,Ä
An Kulör wurden hergestellt 30275 dz, Preis 59 RM. .. 1786000 „
Summe 49942 000 RM

1) Nach der amtlichen Statistik der Stärkezuckererzeugung.
') Zu beachten ist, daß es sich um ein Jahr besonders hoher Preise handelt.
        <pb n="30" />
        21

Übertrag 49942 000 RM

Dextrin:
Hergestellt wurden 183389 dz, davon entfielen schätzungsweise
90% = 165050 dz auf Superior, Preis 61,90 RM. . .
10% = 183838 dz auf Prima- und lösliche Stärke, Preis
60,50 RM. . . . .
Feuchtstärke: ;
An Sagofabriken abgegeben 15000. dz, Preis 20 RM . .
Schlammstärke . .. 0... 0... SR
Pülpe: ;
Geschätzter Wert auf den dz verarbeiteter Kartoffeln 10 .Pf., .
ergibt bei 6 285 668 dz verarbeiteten Kartoffeln . . . 638 000°
Abwässer:
Verwertet wurden die Abwässer von 4 200 000 dz Kartoffeln,
geschätzter Wert 2 Pf. je dz Kartoffeln. ...... 84000
Gesamtwert 62 440 000 RM

Der Wertder Rohstoffe, die hierzu verbraucht wurden, errechnet sich
wie folgt: ; ;
Kartoffeln: Verarbeitet 6 385 376 dz von durchschnittlich 17,11%
Stärkegehalt, Preis 14,08?) Pf. je Stärkeprozent im Zentner
ergibt RM 4,818 je dz Kartoffeln. ..... + . . .= RM 30763 000
Fracht auf die gekauften Kartoffeln (5584000 dz) == 30Pf. je dz  „. 1675 000
RM 32 438 000
Mais: Verarbeitet 49 864 dz, Preis und Fracht RM. 21,50 .„ . „- 1072000
Maisstärke: Verarbeitet 147 108 dz, Preis und Fracht RM.32,50 „ 4781 000
Ausländisches Kartoffelmehl:: Verarbeitet 10 224 üz, Preis RM. 46: „ 470 000
RM 38 761 000
Vom Gesamtwert der Erzeugung der Stärkeindustrie entfielen demnach 1927/28

rund 40 Millionen RM = 63% auf Rohstoffe,
923 RM = 37% auf die Veredelung.

E. Herstellungskosten.
1. Höhe der Kosten.

Von den landwirtschaftlichen Fabriken waren nur wenige
brauchbare Angaben über die Verarbeitungskosten zu erhalten. In den meisten
Fällen waren für die Stärkefabrik keine von der Buchführung des landwirtschaftlichen
 Betriebes getrennten Aufzeichnungen vorhanden. Die 30 Betriebe, die Angaben
 machten, zeigen eine gewisse Übereinstimmung nur mit Bezug auf die
unmittelbaren Unkosten (Kohle, Kraft, Betriebsmaterialien, Löhne einschl. Sozial-Jasten,
 Frachten und Spannleistungen, Reparaturen), die in der Mehrzahl der Fälle
zwischen 15 und 25 Pfg. je Zentner Rohkartoffeln liegen. Die Streuung beträgt
5—7 Pig.
1) Für das Betriebsjahr 1910/11 wurde der Produktionswert vom Reichsamt des Innern
mit 57 551 000 errechnet. .
2) Da eine Frühjahrskampagne in diesem Jahre nicht stattgefunden hat, sind die Kartoffeln
nahezu ausschließlich im Herbst 1927 angekauft worden. Es wurde deshalb nicht der Jahresdurchschnittspreis,
 sondern der Durchschnittspreis der Monate Oktober bis Dezember eingesetzt.
        <pb n="31" />
        99

Noch weit unsicherer sind die Angaben über die Generalunkosten (Abschreibungen,
 Zinsen, Steuern, anteilige Gutslasten). In den meisten Fällen hielten sie
sich unter den unmittelbaren Verarbeitungskosten, offenbar, weil bei dem hohen
Alter der Anlagen (vgl. S. 14) Zins- und Tilgungskosten des Anlagekapitals nicht
mehr in Ansatz gebracht worden waren. In den wenigen Fällen, wo diese Posten
in voller Höhe eingesetzt wurden, überstiegen sie die gesamten unmittelbaren Unkosten
 erheblich.
11 Fabriken, die in ihren Unkostenangaben sich am wenigsten weit vom
Durchschnitt entfernen und die genaue Angaben über den für ihre Feuchtstärke erzielten
 Preis machen, haben den Zentner Kartoffeln durchschnittlich verwertet
(unter Hinzurechnung von 5 Pfg. für die ihnen verbleibende Pülpe und 1 Pfg. für
Jie Abwässer) mit
1909/14 1924/25 1925/26 1926/27 1)
1.46 M 1,69 RM 0,96 RM 1.86 RM

Von den landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken sind aus dem oben erwähnten
 Grunde brauchbare Angaben überhaupt nicht beigebracht worden.
Eine Berechnung der Herstellungskosten aus den Angaben der genossenschaftlichen
 und gewerblichen Fabriken stieß gerade bei den wichtigsten Betrieben auf
Schwierigkeiten, weil diese gleichzeitig Stärke und Derivate herstellen und weil eine
Trennung der bis zur Herstellung der einzelnen Fabrikate entstehenden Kosten nicht
durchführbar war. Diese Fabriken umfassen aber auch den wichtigsten Teil der
Trockenstärkeherstellung, so daß auch eine Berechnung aus den von den reinen
Trockenstärkefabriken angegebenen Unkosten keinen zutreffenden Durchschnitt ergeben
 konnte“). Dagegen ließ sich aus den S. 49 angegebenen Einstandspreisen für
den Rohstoff und den S. 50 angegebenen durchechnittlichen Trockenstärkepreisen
auf dem Wege über die mittleren Ausbeutesätze der Anteilder Rohstoffkosten
 und der Veredelungskosten am Verkaufspreise der
Trockenstärke berechnen. Danach ergab sich:

‚909/14 .
924/25 .
1925/26 .
1926/27 .
1927/98

Einstandsjreis
 für 1 dz
Kartoffeln
VM/RM

+02
3,96
3,20
4,66
5.26

Stärkegehalt


0
u

if, n4
16,55
17.11

Für 1 dz?)
Trockenstärke
gebraucht
17 Kartoffeln

5.56

Rohstoffkosten

M/RPM

15,79
24.04
19,74
27,18
24/95

Verkaufspreis

"rockenstärke

3M ie dr

24,10
85,67
28,66
46,71
46 —

a
Veredelungsspanne

M/RM

©
| % des
' Verkaufs-Dreises


8,81
1,63
#92
19,53
16.75

85
88
31
42
36

Feststellen ließen sich auch die Steigerungen, die nach den Angaben
der Fabriken die Herstellungskosten eines Doppelzentners Endprodukt gegen-!)

 Der Unterschied gegenüber den S. 7 angegebenen Kartoffelpreisen der genossenschaftlichen
 und gewerblichen Fabriken erklärt sich teils aus den Frachtkosten, teils daraus, daß die
Feuchtstärkefabriken wegen mangelhafter technischer Einrichtung oder auch absichtlich zur
Erhöhung des Nährstoffgehalts der Pülpe den Stärkegehalt der Kartoffeln nicht völlig als
Feuchtstärke ausnutzen.
?) Erkennen ließ sich aus den vorliegenden Angaben, daß die durchschnittlichen Herstellungskosten
 der genossenschaftlichen Fabriken nicht unwesentlich höher liegen als die der gewerblichen
 Fabriken (bei Trockenstärke um etwa 50 % bei Glukosen um etwa 70 %).
%) Mittelsatz aus den Ausbeutetabellen von Parow und Sprockhoff,
*) Die Veredelungsspanne enthält außer den Herstellungskosten auch den Gewinn bzw.
Verlust; sie läßt also nur sehr allgemeine Schlüsse auf die Höhe der Herstellungskosten zu.
        <pb n="32" />
        23

über dem Durchschnitt der Jahre 1909/14 erfahren hatten. Setzt man diesen Durchschnitt
 gleich 100, so betrugen im Jahre 1925/26 die Kosten für

Kohle und Kraft. . .
Betriebsmaterialien .
Reparaturen. . . . .
Löhne und Gehälter einschl.
Soziallasten . . . . 306
Gesamtunkosten . . 2833.

Abschreibungen . . . . 79
Zinsen . .... . . 294
Steuern . . . . . . . 1100
Allgemeine Unkosten . . 295

2. Gründe der Steigerung.

a) Ausnutzung der Leistungsfähigkeit.
Die oben festgestellte ungewöhnlich starke Steigerung der Herstellungskosten
gegenüber der Vorkriegszeit erklärt sich in erster Linie aus dem Rückgang der
Kapazitätsausnutzung. Solcher Rückgang muß sich bei einer Industrie, deren
saisongewerblicher Charakter selbst bei voller Ausnutzung der Kapazität eine zusätzliche
 Belastung mit Zins- und Tilgungskosten des Anlagekapitals bedingt, besonders
 schwer auswirken, In den letzten Jahren ergab sich folgende Ausnutzung:

aa) Landwirtschaftliche Stärkefabriken.
Von 55 Feuchtstärkefabriken, die über die Arbeitsdauer berichteten.
 haben gearbeitet

160—180 Tage
120—159 ,
80 —119
40—79
weniger als 40

1925/26 1926/27
6 Fabriken 3 Fabriken
” 8
wo A » ı
5 N

Die tägliche Arbeitszeit lag meistens zwischen 8 und 12 Stunden.
Von 23 berichtenden landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken
haben gearbeitet

120—200 Tage .
80—119
40—79
weniger als 40

1925/26 1926/27
. 6 Fabriken 4 Fabriken
8 ” 4 ”
6 ” 10 %
. 3 N 5 N

Die normale Arbeitsdauer beträgt etwa 100 Arbeitstage. Als im günstigsten
Falle zu leistende Höchstarbeitsdauer wird man 200 Tage (bei -Feuchtstärkefabriken
mit 12stündiger, bei Trockenstärkefabriken mit 24stündiger Arbeitszeit) annehmen
können. Unter dieser Voraussetzung würde, da die tägliche Verarbeitungsfähigkeit
der Feuchtstärkefabriken oben (S. 11) auf 13200 dz Kartoffeln und die tägliche
Leistungsfähigkeit der Trockenstärkefabriken auf 1944 dz Trockenstärke festgestellt
 wurde, die jährliche Gesamtverarbeitungsfähigkeit der Feuchtstärkefabriken
2 660 000 dz Kartoffeln, die Leistungsfähigkeit der Trockenstärkefabriken 388 800 dz
Trockenstärke (wozu etwa 2300000 dz Kartoffeln gebraucht würden) betragen.
Bei Gegenüberstellung der tatsächlich. verarbeiteten Mengen ergibt sich sonach
folgende Ausnutzung der Kapazität:
        <pb n="33" />
        4

1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
% % % %
in Feuchtstärkeiabriken , 28 44 0° 17 219
in Trockenstärkefabriken . 21 29 18 28

bb) Genossenschaftliche Betriebe.
Von 20 berichtenden Betrieben haben gearbeitet

1925/26 1926/27
über 200 Tage. . . 5 Fabriken — Fabriken
150—199 „ 222. 5 x Lo
100—149 „ . . + 5 5 5 »
50—99 „0004004 50, 12 2
weniger als 50 . 22

12 Fabriken hatten eine Arbeitszeit von 24 Stunden, die übrigen von 8&amp;amp;—12 Stunden,
Die tägliche (24stündige) Leistungsfähigkeit beträgt 5615 dz Stärke, 1110 dz’ Glukosen,
 125 dz Dextrin. Nimmt man für die Trockenstärkeherstellung eine höchstmögliche
 Arbeitsdauer von 200 Tagen und für die Glukose- und Dextrinherstellung
eine solche von 300 Tagen an, so würden diese Fabriken bei höchster Ausnutzung
ihrer Anlagen
1123 000 dz Trockenstärke und
333 000 dz Glukosen,
37 500 dz Dextrin

herstellen können. Bei Gegenüberstellung der tatsächlich erzeugten Mengen’ ergibt
sich eine Ausnutzung der Leistungsfähigkeit von .
1909/141) 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
% % % % %
Trockenstärke 44 38 40 20 ‚33
Glukosen. . 51 24 25 15 14
Dextrin . . 77 36 25 30 33

cc) Gewerbliche Betriebe.
Von 29 berichtenden Fabriken haben gearbeite*

200 und mehr Tr»
150—199
100—14£
50—99
weniger als 50
“

:nex
men

1926/27
&amp;gt; Fabriken

Die tägliche Arbeitszeit betrug 1925/26 bei 19 Fabriken 24 Stunden, bei den
übrigen 8—12 Stunden. Die tägliche (24stündige) Leistungsfähigkeit beträgt an
Trockenstärke 6873 dz, an Glukosen 2280 dz, an Dextrin 1325 dz. Nimmt man für
die Herstellung von Trockenstärke eine höchstmögliche Arbeitsdauer von 200 Tagen
und für die Herstellung von Derivaten eine solche von 300 Tagen an; so würden

1) Die Zahlen von 1909/14 können zum Vergleich herangezogen werden, weil sich seitdem
die Gesamtleistungsfähigkeit nur unwesentlich geändert hat.
        <pb n="34" />
        — 95

die gewerblichen Fabriken bei höchster Ausnutzung ihrer Anlagen jährlich herstellen
 können:

1374 600 dz Trockenstärke
684 000 dz. Glukosen
397 500 dz Dezxtrin.

Ausgenutzt wurde die Leistungsfähigkeit bei
1909/14 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
m 0” % LU %
Sn 2 0 _ oo ‚x DO
Trockenstärke mit 5 37 25 „1 39
Glukosen » 60 38 29 28 33
Dextrin N 50 ‘89 30 31 43

dd) Zusammenfassung.
Insgesamt ist die Leistungsfähigkeit aller Anlagen ausgenutzt worden
1910/11 1924/25 1925/26 1926/27 1927/28
2% %_ % % %
bei Trockenstärke 61 37 32 16 37
„ Glukosen 75 29 29 26 27
Dextrin 55 37 29 31 42

Die Ausnutzung der Kapazität ist demnach bei Trockenstärke um nahezu die
Hälfte, bei Glukosen um zwei Drittel und bei Dextrin um ein Viertel zurückgegangen.

Bei voller Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit könnte die Stärkeindustrie
an Endprodukten?)
etwa 2 323 000 dz Trockenstärke
»„ 1017000., Glukosen
- 435000 „ Dextrin‘

erzeugen, wozu rund 2,31 Millionen Tonnen Kartoffeln von 18°, Stärkegehalt
gebraucht würden. Sie würde in diesem, allerdings unter den bestehenden und in
absehbarer Zeit zu erwartenden Absatzverhältnissen unwahrscheinlichen Fall in
normalen Erntejahren von der Gesamternte des Reichs?) 5,8 °%, von der Ernte
der für die Versorgung der Stärkeindustrie in Frage kommenden Gebiete*) 13,5 °%
aufnehmen können.

b) Beschaffenheit des Rohstoffs (Stärkegehalt).
Zu einem Zentner Trockenstärke werden bei guter Arbeit gebraucht
8 Zentner Kartoffeln von 14 % Stärkegehalt oder
5.1 ”„ %„ ”„ 20 % ”

Die Höhe des Stärkegehalts bedingt mithin ganz bedeutende Unterschiede in der
zur Erzielung einer bestimmten Fabrikatmenge benötigten Rohstoffmenge, und es
erwachsen bei Verwendung niedrigprozentiger Kartoffeln erstens die höheren Frachtkosten
 der überflüssigen Wassermenge, zweitens die durch Verarbeitung eines

1) Außer Ansatz bleibt hierbei die zu Glukose benötigte Feuchtstärke und die für Dextrin
benötigte Trockenstärke.
2) 40 Millionen Tonnen.
3) 17 Millionen Tonnen.
        <pb n="35" />
        26 —

größeren Volumens in den beiden ersten Fabrikationsgängen, der Reinigung und
Zerkleinerung der Kartoffeln, bedingten größeren Arbeitskosten. Der Rückgang
des Stärkegehalts gegenüber der Vorkriegszeit mußte sich also in der Richtung
ainer Verteuerung der Herstellungskosten auswirken.
Zur Berechnung des durchschnittlichen Stärkegehalts der verarbeiteten Kartoffeln
 wurden die Angaben der genossenechaftlichen Fabriken (für Schlesien auch
lie der landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken) und der gewerblichen Fabriken?)
verwendet. Danach ergab sich folgender Stärkegehalt:

- A

1909/14.

1924

1925 ;

1926 | 1927
u—

%

a

ürenzmark, . .....
Pommern .. 0...
Brandenburg . . . . +.
Niederschlesien , . .
Provinz Sachsen

L

‚9
a2
48
"1
i

16,40
15,90
15,98
16,67

15,22
16,20
15,49
15,85
+ QQ

6,52 ]
16,94
16,54
16,88
1. Q0Q

17,17
17,26
17,10
17,82
16.70

Durchschnitt ) 18,10 | 15,82 | 15,54 | 1655 | 1741

Die Tabelle zeigt das starke Zurückgehen des Stärkegehalts gegenüber der
Vorkriegszeit mit dem Tiefstand im Jahre 1925 und zugleich den kräftigen Wiederanstieg,
 in den Jahren 1926 und 1927. Dabei weisen die östlichen Kartoffeln einen
etwas höheren Gehalt auf als diejenigen der Provinz Sachsen. In der Ernte von
1927 steht der Stärkegehalt allerdings immer noch um ein volles Prozent gegen
den Vorkriegsdurchschnitt zurück; er stieg jedoch in den Jahren 1928 und 1929
infolge besonders günstiger Witterung auf etwa 19 bis 20°%°).
Das große Interesse, das alle drei technischen Verwertungszweige der Kartoffel
 an einem hohen Stärkegehalt haben, veranlaßte die Kartoffelbaugesellschaft,
im April 1928 einen Preis von 30 000 RM. auszuschreiben „für die Züchtung einer
krebsfesten Massenkartoffel mit höchsten Stärke- und Knollenerträgen zum Ersatz
ler älteren stärkereichen Kartoffelgorten“‘

c) Arbeitsverhältnisse,
Die Arbeitsverhältnisse in der Stärkeindustrie sind dadurch gekennzeichnet,
daß außer den Kampagnearbeitern, die nur während der Kampagne im Betriebe
sind und deren Zahl sich der zu verarbeitenden Rohstoffmenge anpassen kann, eine
größere Zahl von ständigen Arbeitern und Angestellten gehalten wird, die ziemlich
konstant ist, und deren Entlohnung den Betrieb unabhängig von der Dauer der
Kampagne und der verarbeiteten Rohstoffmenge belastet. Der Anteil der Löhne
und Gehälter an den Herstellungskosten erhöht sich dadurch in Jahren schlechter
Kapazitätsausnutzung,
d) Kapitalverhältnisse.
Für eine Schätzung des. Anlagekapitals lassen sich Anhaltspunkte
aus den Feuerversicherungssummen gewinnen. Diese betragen bei den Trockenstärke-
 und Derivatefabriken rund 50 Millionen RM. für Gebäude und Maschinen,
die im Freien befindlichen Anlagen (Gleisanschlüsse, Bassins usw.) werden auf
atwa 8 Millionen RM. geschätzt, für den Grundbesitz liegen keine Schätzungen vor.

') Für 1927 nur insoweit deren Angaben sich auf deutsche Kartoffeln bezogen, da die
ausländischen in diesem Jahre einen erheblich höheren Stärkegehalt aufwiesen.
%) Nach den Angaben einer der größten Fabriken betrug der durchschnittliche Stärkegehalt
der von ihr verarbeiteten Kartoffeln 1928/29 19.13 %/.. 1929/30 19.85 %..
        <pb n="36" />
        27 —

Nimmt man den Wert der etwa 100 betriebsfähigen landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken
 durchschnittlich mit je 20 000 RM. an, so wird man den Anlagewert
dieser Gruppe mit 2 Millionen RM. einsetzen können. Der Anlagewert der gesamten
 Stärkeindustrie (außer Grundbesitz) würde sich danach auf etwa 60 Millionen
 RM. belaufen.
Bezeichnend für die Stärkeindustrie ist, daß sie ein großes Betriebskapital
 erfordert, und daß dessen Umsatzgeschwindigkeit gering ist. Ein mehrmaliger
 Umschlag des Betriebskapitals verbietet sich bei der Trockenstärke- und
größtenteils auch bei der Glukosenindustrie durch die Einkaufsmöglichkeiten des
Rohstoffs. Die Fabriken müssen sich bei Beginn der Kampagne mit ihrem gesamten
Rohstoff eindecken. Anlieferung und Bezahlung der Kartoffeln erfolgt in den
Herbstmonaten, während der Verkauf der daraus gewonnenen Fabrikate sich über
das ganze Jahr verteilt. Dieser gleichzeitige Einkauf des gesamten Rohstoffs erfordert
 ein unverhältniemäßig großes Betriebskapital. Nur sofern eine Nachkampagne
 stattfindet, können die Kartoffelankäufe des Frühjahrs aus vorhergehenden
 Fabrikaterlösen finanziert werden. Etwas günstiger liegt es bei der
Dextrinindustrie. Ihr Rohstoff, die Trockenstärke, erfordert nicht unter allen
Umständen volle Eindeckung: und Bezahlung bei Beginn der Kampagne.

e) Preise der Betriebsmaterialien,
Die Einstandspreise der Betriebsmaterialien weisen folgende Steigerungen
auf (frei Fabrik Küstrin in M. bzw. RM.):

Seidengaze Nr.9 . ,. . . jem
Phosphorbronzegewebe . . „
Borsten. ... 2... + „Pfd.
Schwefelsäure . . . . . „dz
Säcke (Köper) . . . .-. Stk,
Steinkohle . .... . 4 dz
Knochenkohle .... . „»
Preßtücher und Hordenleinen „ m
Bindfaden. . ... . . „ kg
Schlemmkreide. . . ., „ dz.

1918/14.

5,30
5,40
16,65
6,97
0,92
1,52
25,40
0,64
2,—
2.94

1928/29

12,28
7,96
21,—
9,46
1,45
2,50
87,67
2,12
3,63
5,71

Steigerung
19183 = 100

F31
48
22
36
158
165
48
175
182
165

f) Frachten.

aa) Rohstoffrachten.

Kartoffeln wurden 1913 nach Ausnahmetarif II und werden seit 1926
nach Ausnahmetarif XVIa befördert zu folgenden Sätzen (je 100 kg in Pfg.):

km

100 * 150

200

800

400 ! 500

60N

Zt

800 ! 900 | 1000

1918 1 40, 51 | 78 | % +49 | 182 147 , 161 | 175
1928 ._. 47 59 79) „18 “5 ' 147 | 160
Index | 122 | 121 | 118 | 116 | 108 | 107 | 106 | 105 | 101 | 97 | 9ı | 86

Die Frachten liegen also bei Entfernungen über 700 km unter der Friedensnominalfracht,
 und auch bei den kürzeren Entfernungen halten sie sich, bei Berücksichtigung
der Geldentwertung, unter den Vorkriegssätzen.
Enquete-Ausschuß. II. Band 6.
        <pb n="37" />
        28

bb) Fabrikatfrachten?) (mindestens 15 000 kg).
Feuchtstärke:

m

50 | 100 | 200 | 800 | 400 | 500 | 600 | 700 | 800 | 800 | 1000

1918 (Sp. T.1ID) . } 19° 84 | 38 , 38 | 100 | 122 | 144 | 168 188 | 210 | 282
1929 (F). ._. .._32 | 58 | 91 | 124 | 153 | 178 | 199 | 214 | 226 | 235 240
Index | 169 | 156 | 168 | 159 | 153 | 146 | 138 | 129 | 120 | 112 | 108

Dem tatsächlichen Geldwert nach liegen die Frachten bei Entfernungen bis zu
500 km über den Vorkriegssätzen, bei größeren Entfernungen darunter. Da jedoch
der Versand des größten Teils der Feuchtstärke über mittlere Entfernungen (etwa
300 km) nicht hinausreicht, kommen ihr die niedrigeren Sätze nicht zugute.

Trockenstärke, Glukosen, Dextrin:

I
1918 (Sp. T.D2 . | 29 fr 10% 167
1929 (C) . ._..|_ 58 | _S°0_ 17° " 288
Index | 183 | 182 | 169 | 160 | 1:

km

50 | 100 ! 2r2 ! 800

400

"E90

600 ' 700 ! 800 | 900 | 2000

109
cn

ad
a
AA

417 | 462
455 | 464
-40 | 187 | 1.8 | 109 | 100

Auch hier liegen die Frachten bei Entfernungen bis 500 km nicht unweeentlich
über, bei weiteren Entfernungen ebensoviel unter den Friedensrealfrachten.
Über Ausfuhrtarife vgl. S. 46.

F. Rohstoffversorgung.
1. Wandlungen der Rohstoffbasis.

Abgesehen von den wenigen Jahren völliger Mißernten (1891, 1904, 1911)
war vor dem Kriege weniger die Rohstoffversorgung Gegenstand der Sorge für die
Stärkeindustrie als die Absatzlage. Nur diese entschied in der Regel über die
Höhe der Kapazitätsausnutzung. Sie war der Grund, daß auch in sehr günstigen
Erntejahren die Kapazität häufig kaum über 50 °/, ausgenutzt wurde. Die Absatzlage
 ist, wie das Beispiel des Jahres 1925/26 zeigt, auch nach dem Kriege von
antscheidender Bedeutung geblieben. Trotzdem damals der Rohstoff in unbegrenzter
Menge und zu einem Preise zur Verfügung stand, der um 1,25 Pfg. je Stärkeprozent
ınter dem Durchschnitt des letzten Jahrfünfts vor dem Kriege lag, konnte infolge
ler gedrückten Absatzlage die Leistungsfähigkeit der Trockenstärke- und Derivate-’abriken
 nur zu einem Drittel ausgenutzt werden. Auch die Feuchtstärkefabriken
zonnten nur 44 °/, ihrer Leistungsfähigkeit ausnutzen, weil der damals einsetzende
Preiskampf mit der Maisglukose den Feuchtstärkepreis auf zwei Drittel des
Friedenspreises drückte und die Herstellung unlohnend machte.

*) Soweit die Beförderung in bedeckten Wagen in Frage kommt — und.das dürfte bei
liesen Gütern durchweg der Fall sein —, wurde in der Vorkriegszeit kein besonderer Zuschlag
derechnet, während zur Zeit für Benutzung bedeckter Wagen ein Zuschlag von 5% des frachtpflichtigen
 Gewichts zur Frachtberechnung mit herangezogen wird.
?) 1918 bestand außerdem der Ausnahmetarif S. 4 mit starken Ermäßigungen für Sendungen,
 die von preußischen Versandstationen nach den Seehäfen verfrachtet wurden, um über
len Seeweg zollinländischen Verbrauchsplätzen zugeführt zu werden.
        <pb n="38" />
        29 —

Die Lage der Rohstoffversorgung hat sich nach dem Kriege insofern verschoben,
 als die Rohstoffbasis durch die Abtretung der wichtigen Kartoffelüberschußprovinzen
 Posen und Westpreußen eine starke Einengung erfuhr. Die
Kartoffelbilanz dieser beiden Provinzen zeigte im Erntejahr 1910, dessen Ernte ungefähr
 dem Durchschnitt des letzten Vorkriegsjahrzehnts entsprach, folgende Zahlen
in 1000 t:
Ernte 1910. . 0.0.0.0...
davon ab für
Aussaat. . . .
Schwund .
Speisekartoffeln (Eigenverbrauch) .
» (Versandüberschuß) .
Futterkartoffeln (8 dz je Schwein). .
Brennerei... 0.0.0.0...
Blieben verfügbar für Stärke bzw.
Trocknung . . . . 2509

Ein Vergleich mit der Tabelle auf S. 31 ergibt, daß die beiden Provinzen neben
Pommern und Brandenburg die wichtigsten Kartoffelüberschußgebiete Deutschlands
darstellten. Die neue Grenze durchschnitt im besonderen das Rohstoffgebiet von
12 in ihrer Nähe auf deutscher Seite gelegenen Fabriken (Landsberg, Kranz,
Küstrin, Schneidemühl, Nechlau, Zielenzig, Glogau usw.), die ungefähr drei Viertel
der Gesamtkapazität der gewerblichen Fabriken ausmachten. Von den 3 580 012 dz
Kartoffeln, die diese Fabriken im Durchschnitt der Kampagnen 1909/14 verarbeiteten,
 stammten 1759398 dz, also fast genau die Hälfte, aus Posen und West:
preußen‘).
Solange mit Polen normale Zollverhältnisse bestanden, funktionierte diese
Verbindung auch nach dem Kriege weiter, und noch 1924/25 kamen die gesamten
von der Stärkeindustrie eingeführten 805 680 dz Kartoffeln aus den an Polen abgetretenen
 Gebieten. Durch den am 1. Juli 1925 in Kraft tretenden Kampfzoll
von 2 RM. je Doppelzentner Kartoffeln (der inzwischen zum allgemeinen Zoll geworden
 ist), wurden diese Bezugsmöglichkeiten völlig abgeschnitten. Die außergewöhnlich
 gute Ernte von 1925 machte den Ausfall vorerst wenig fühlbar; mit
aller Schärfe zeigte er sich erst bei der deutschen Mißernte von 1926. Da gleich:
zeitig auch das Ausland eine Mißernte zu verzeichnen hatte, kam eine nennenswerte
 Einfuhr trotz der hohen deutschen Preise in dieser Kampagne nicht zustande.

2. Einfuhr von Kartoffeln.
Diese schlechten Erfahrungen und die durch die ungünstige Witterung im
September und Oktober 1927 verursachte mehrwöchige Verzögerung der deutschen
Ernte, verbunden mit den unklaren Preisverhältnissen auf dem deutschen Kartoffelmarkt,
 zwangen die Stärkeindustrie im Herbst 1927 zu Eindeckungen im Ausland.
 Wie sich später herausstellte, hätten diese Mengen auch aus der deutschen
Ernte zur Verfügung gestellt werden können (vgl. die. Tabelle S. 31), denn die
Ernte der für die Versorgung der Stärkeindustrie in Betracht kommenden Gebiete
entsprach 1927 etwa dem Durchschnitt der letzten vier Ernten. . Entgegen kam
dem Deckungsbestreben der deutschen Stärkeindustrie die Tatsache, daß Rußland
und Polen eine gute, die Tschechoslowakei eine vorzügliche Ernte zu verzeichnen

1) Nach Feststellungen: des: Wirtschaftlichen Beirats der Deutschen: Kartoffelstärke-Industrie.
        <pb n="39" />
        20

hatten, die nach Verwertung im Auslande drängte. Die inzwischen weiter gestiegenen
 Fabrikatpreise machten sogar ein Überspringen der’ polnischen Kampfzölle
 lohnend. Die von der Stärkeindustrie im Ausland eingekaufte Gesamtmenge
stieg auf 1 422 938 dz, blieb aber damit immer noch unter der vor dem Kriege aus
den nachmals abgetretenen Gebieten bezogenen Kartoffelmenge.
Über die von der Stärkeindustrie in den letzten Jahren verarbeiteten
ausländischen Kartoffelmengen und über deren Herkunft gibt die
folgende Zusammenstellung Aufschluß:

1924/25') | 1925/26 | 1926/27 | 1927/28
.dz dz

Kartoffeln, eingeführt von:
landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken
 .. . . +.
genossenschaftlichen Fabriken .
gewerblichen Fabriken . . ..
Insgesamt | 3805 686 1500 29222 1 422 938
7027 83582 46 146 10.224

9 000
122 785
| 291 158

Kartoffelmehl .

Im Betriebsjahr 1927/28 kamen

von der gesamten
Kartoffeleinfuhr

em

von der Kartoffeleinfuhr
 der Stärkeindustrie

dz

aus Westpolen. ..... 448 242
„ Polnisch-Oberschlesien . | 72 589 259 653
„ Ostpolen ...... 83930 |
„ Rußland. ..... 638 517 1 620 798
„ der Tschechoslowakei. . 730 877 542 487 -
Insgesamt | 1889105 | 1422988

Die Stärkeindustrie nahm sonach die in diesem Betriebsjahre aus Rußland eingeführten
 Kartoffeln nahezu restlos, die tschechoslowakischen zu etwa */,, und die
polnischen, die fast nur aus den abgetretenen Gebieten kamen, etwa zur Hälfte auf,

3. Versorgungsmöglichkeit,
Ohne Zweifel hat sich die Rohstoffversorgung durch die Gebietsabtretungen
an Polen verschlechtert. Ihre Basis ist dadureh schmaler und die Möglichkeit des
Zintritts einer Rohstoffknappheit etwas größer geworden. Wenn man ein Bild
zewinnen will von den Kartoffelmengen, die in den letzten Jahren aus den deutschen
Ernten für die Stärkeindustrie zur Verfügung gestanden haben, so muß man von
der Ernte der einzig in Betracht kommenden Provinzen Grenzmark, Pommern,
Brandenburg, Niederschlesien, Sachsen und der beiden Mecklenburg zunächst die
konstanten und die zahlenmäßig feststehenden Posten (Aussaat, Schwund, Speiseverbrauch,
 Versand, Brennereiverbrauch) abziehen. Man erhält dann diejenigen
Kartoffelmengen, die für die übrigen Zwecke, nämlich Fütterung, Stärke und Trocknung,
 verfügbar waren. Setzt man hiervon eine nach dem heutigen Stande der
Fütterungslehre als rationell angesehene Kartoffelgabe von 8 dz je Schwein ab,
so erhält man diejenigen Kartoffelmengen, die normalerweise jährlich für Stärke
und Trocknung zur Verfügung gestellt werden könnten. Tatsächlich haben sie
#2) 1910/11 (mittlere Ernte) wurden von der Stärkeindustrie eingeführt 374371 dz
Kartoffeln.
        <pb n="40" />
        31

nicht in dem Umfange zur Verfügung gestanden, denn die sehr elastische Verfütterung
 nimmt in guten Erntejahren, wo sie sich nicht nur auf die Schweine beschränkt,
 erheblich größere Kartoffelmengen auf. In der nachstehenden Tabelle
ist eine solche Kartoffelbilanz für die erwähnten Gebiete aufgestellt worden.

1000 +

Gjrenzmark
1924/25
1925/26 .
1926/27 .
1927/28 .

.

Pommern
1924/25 . 2...
1925/26 . .
1926/27 .
1927/28 . .
Brandenburg ohne
Berlin
1924/25 .
1925/26 . .
1926/27 . .
1927/28 . ;

Niederschlesien
1924/25 . . .
1925/26 . . .
1926/27 . . +
1927/28 . . .

Provinz Sachsen
1924/25 .
1925/26 . .
1926/27 . .
1927/28 . :

Mecklenburg
1924/25 ‚2.
1925/26 . .
1926/27 .
1927/28

Zusammen:
1924/25
1925/26
1926/27
1927/98

Speiseverbrauch Futter- _ lieben ver-|
 Aus- A ji Ver- ‘ kartoffeln Brenne fügbar Tür
Ernte suat [Schwund Selbst sand?) 8 dz je ar K bzw.
; ; N „Setbet | Städte ! Schwein kartoffeln | Trocknung

014{ 186 101
977/ 181 98
ö91| 134 69 |
814! 136 81

63 20 ) 241 158
63 21 180 148
63 22 | 174 174
63 23 1834 205

dl

205
536
55
172

8 733' 491 373
3 9083| 465 390
3 089] 475 / 304
3901! 484 290

299 : 155 421
299 157 379
299 | 159 402
299 161 251

861
861
1084 |
1158

334
390
208
877

|
F

799
970
158
— 117)

4864| 641 486 ‚,
5201] 618 520
3694| 624 369
142929] 680 422

392
392
392 |
392

228
298
238
938 |

707 912
666 844
669 955 |
495 | 1110

842 1161
407 1527
198’ | 262
871 564

2537| 412
3374| 405
1894| 403
2 9056| 410

254
837
189
296

452
452
452 |
452

8 4
283
286
RO

62
140 |.
102
Q4.

619 | 126
810 201
724 | 71
801 196

380
946
- 388°)
428

3730| 437
3260| 428
2731| 430 |
3367| 436

373
326
273
837

398 | 220 ||
398 | 225
8398 | 280
398 | 2835 I

401 |
817 |
800 |
893

1181
1018
1122
1325

74
99
837
98

696
454
— 59°)
150

„074
146
945
974

159}
156
165
164

107 |
115
94
97

123
128
123
123 |

65
66
67
68

176
164
181
136

403
363
425
5292

18 | 28
27 138
‘5  —12219
— 1601)

‚6 952| 2276
7 861] 2208
9 994| 2231
5 9324! 929260

NS 1727
1727
“200 | 1727
1525 1727

968
980
‚997
3014

8)
L799
569
Eü4

1084
080

894
194
F£3

3504
4626
200
1913

44

‚230

Afe

‚u

Von den danach verbleibenden Ernteüberschüssen hat die Stärkeindustrie
zerbraucht:

1924/25
1925/26
1926/27
1997/98

187%
' R7 ”

‚3

1) Fehlbetrag. — ?) Die in den Brennereien der Grenzmark verarbeiteten Kartoffeln werden
bei den Landesfinanzämtern Brandenburg und Stettin angeschrieben, sind also in den Zahlen
von Brandenburg und Pommern enthalten. — % Nach der Statistik des Güterverkehrs auf den
deutschen Eisenbahnen. Eine unvermeidliche Ungenauigkeit entsteht dadurch, daß diese Statistik
sich nicht auf Wirtschaftsjahre, sondern auf Kalenderiahre bezieht. — 4) Nach Abzug des Versandes
 zwischen den oben aufgeführten Provinzen.
        <pb n="41" />
        32

Eine wirkliche Rohstoffknappheit kann danach nur in den höchst seltenen
Fällen völliger Mißernte eintreten. Solche Fälle sind dann aber jedesmal von
den vernichtendsten Folgen für die Stärkeindustrie gewesen. 1891/92 versetzten
sie dem Auslandsabsatz einen entscheidenden Stoß, und 1926/27 erschütterten sie
die durch die Konkurrenz der Maisstärke an sich schon bedrohte Stellung auf dem
Inlandsmarkt. Trotzdem in letztgenanntem Jahr der Bedarf dringend war und
nur zur Hälfte befriedigt werden konnte, und trotzdem die Fabrikatpreise auf das
Doppelte des Vorkriegsdurchschnitts stiegen, konnte bei einer Verarbeitung von
300 000 t Kartoffeln die Leistungsfähigkeit der Trockenstärkefabriken nur zu etwa
16° ausgenutzt werden, und das war auch nur dadurch möglich, daß starke
Abstriche bei dem einzigen labilen Verwertungsfaktor, der Verfütterung, gemacht
wurden. Diese hätten noch größer sein und zu voller Deckung des Bedarfs der
Stärkeindustrie führen können, wenn die östlichen Schweinehalter geneigt wären,
sich in der Art der Fütterung mehr den jeweiligen Ernte- und Konijunkturverhältnissen
 anzupassen. .
In. normalen Erntejahren reichen dagegen die in den Stärkeprovinzen vorhandenen
 Kartoffelüberschüsse aus, um die Stärkeindustrie zu versorgen. Allerdings
 ist diese Versorgung für die wichtigsten Fabriken mit größeren Schwierigkeiten
 und Frachtkosten verknüpft als die frühere Eindeckung aus den jetzt abgetretenen
 östlichen Gebieten. In Frage kommen natürlich nur diejenigen Kartoffelmengen,
 die von den Stärkefabriken. über den Eigenanbau und die Anlieferung
 der Genossen hinaus im freien Markt gekauft werden müssen. Das waren
im Betriebsjahr 1927/28 bei den
landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken . 314000 dz
genossenschaftlichen Fabriken. . . . . . 596574 ,,
gewerblichen N ... . . 2985630 ,
. 3896 204 dz
= 61% der Gesamtverarbeitung.

Die Schwierigkeiten, die die Beschaffung dieser Kartoffelmenge in den Jahren 1926
und 1927 machte, ließen den Gedanken des gemeinsamen Einkaufs durch eine Einkaufsorganisation
 auftauchen. Dieser auch von der Regierung unterstützte Plan
ließ sich, da der organisierten Käuferschaft keine entsprechende Organisation der
Verkäufer gegenüberstand, nicht verwirklichen. Was erreicht wurde, war der
Zusammentritt einer zur Hälfte aus Vertretern der Kartoffelerzeuger und zur Hälfte
aus Vertretern der drei Kartoffeln verarbeitenden Gewerbe bestehenden Kommission
 mit der Aufgabe, in gewissen Zeitabschnitten Preise festzusetzen, die, wenn
sie auch nicht obligatorisch sein konnten, doch als Richtpreise bei Geschäfteabschlüssen
 in Fabrikkartoffeln dienen sollten. Der zum erstenmal am 7.9.28
auf 13 Pfg. je Stärkeprozent im Zentner festgesetzte Richtpreis erwies sich schon
nach kurzer Zeit als den tatsächlichen Erntemengen nicht entsprechend und konnte
deshalb, außer in den ersten Tagen, keinerlei Einfluß auf die Preisbildung ausüben.
Die sehr reiche Kartoffelernte von 1928, die mit ihren 41,2 Millionen Tonnen
der Ernte von 1925 kaum nachstand (sie an Stärkewert sogar erheblich übertraf),
und die den Stärkefabriken eine reibungslose Deckung ihres Rohstoffbedarfs ohne
Zuhilfenahme ausländischer Zufuhren ermöglichte, ließ das Interesse an einer
Einkaufsorganisation vorläufig in den Hintergrund treten. Trotzdem aber bleibt
die Sicherung der Rohstoffbasis auch weiterhin ein wichtiges Problem der Stärkeindustrie,
 denn diese wird in ihrem scharfen Konkurrenzkampf auf dem Inlandswie
 auf dem Auslandsmarkt durch nichts stärker beeinträchtigt als durch die
Schwankungen in der verfügbaren Menge und der Preislage ihres Rohstoffes. Die
        <pb n="42" />
        kartoffelbauende Landwirtschaft, der wegen der Verwertung ihrer Kartoffeln an
einer leistungsfähigen Kartoffelstärkeindustrie gelegen sein muß, handelt daher
in eigenem Interesse, wenn sie sie auch in Jahren knapper Kartoffelernten möglichst
 gleichmäßig und zu Preisen beliefert, die ihre Konkurrenzfähigkeit nicht
erschüttern. Die Rohstoffversorgung wird eine Erleichterung erfahren, wenn die
bestehenden. Tendenzen zur Arbeitsteilung innerhalb des Kartoffelanbaues (verstärkter
 Anbau stärkereicher Fabrikkartoffeln in den östlichen Provinzen auf
Kosten des Speisekartoffelanbaues) zur Auswirkung gelangen.

G. Absatzlage.
lL. Umfang und Wandlungen des Inlandabsatzes.
a) Glukosen.
aa) Verbrauch.

1891/95 . .
1896/1900
1906/05 .
1901/10 .
1911/14 .
1922/28
1928/24
1924/25
1925/26
1926/27 .
1927/28

Erzeugung
(abzüglich Ausfuhr)
1000 t

31,8
42,9
52,6
61,4
69,4
54,9
26.1
“7:6
49,4
56,2
62,0

‚Verbrauch je Kopi

ke

2,48
0,78
0,83
7,94
0,98
0,40
0,86
0,77
0,71
0,88
0.97

Vom Gesamtverbrauch entfallen etwa 90°, auf Nahrungs- und etwa 10%
auf technische Zwecke. Eine von Lanz (Küstrin) eingereichte Aufstellung nennt
folgende Verwendungeszwecke für Glukosen:
Sirup. .
 Nahrungszwecke: Herstellung von Zuckerwaren und Konfekt (Bonbons,
Fondants, Marzipan, Karamellen, Geleewaren), Keks und Lebkuchen, Pumpernickel,
 Kunsthonig, Speisesirup, Obstkonserven (Marmeladen, Gelees, Pasten, Kompotte,
 James, Apfelkraut, kandierte Früchte, Fruchtsäfte), Liköre und Punschessenzen,
 Medizinalkunstwein, Limonaden, Kandieren von Korn- und Malzkaffee,
Zusatz für Zichorien- und Feigenkaffee, Zusatz bei der Bierherstellung.
Technische Zwecke: Herstellung von Klebestoffen, flüssigen Leimen, Kunstseide,
 Appreturmitteln, Tinten, Buntpapier, Abziehbildern, Stiefelwichse, kosmetischen
 Mitteln, ferner zur Lederglättung und zum Versüßen von Kantabaken.
Traubenzucker.
Nahrungszwecke: Zucker- und Konditorwaren, Speiseschokolade, Kunsthonig,
Nahrungsmitteldauerwaren, Keks und Lebkuchen, Pumpernickel, obergärige Biere,
Porter, Süßbiere, Obstwein, Mostrich, kohlensaure (Gjetränke, Glasieren und Kanlieren
 von Kaffeebohnen, Mundpastillen.
Technische Zwecke: Verdickungsmittel für Appretur und Schlichte (Appretur
von Seide), Zusatz zu Dextrinleim, Herstellung von Pergamentpapier, Kopiertinte.
 Milchsäure. rauchlosem Pulver, ferner zur Lederfabrikation.
        <pb n="43" />
        31

Zuckerkulör.
Färben von Bier, Likören, Rum, Essig, Saucen, Seifen, Zusatz für Kaffee-Ersatzestoffe.

Saisonmäßig schwankt der Glukoseabsatz entsprechend den Schwankungen
des Verbrauchs an Zuckerwaren. Die Absatzkurve erreicht demnach in den
Wochen vor dem Weihnachts- und Osterfest ihre Höhepunkte. Von Einfluß ist
auch der Beginn der Kampagne in der Obstkonservenindustrie. Eine merkliche
Abwanderung des Verbrauchs von der Glukose zum Zucker ist regelmäßig dann
zu beobachten, wenn der Glukosepreis über den sehr stabilen Zuckerpreis steigt.
Soweit die Glukose Hilfsstoff der Industrie ist, unterliegt ihr Absatz den Konjunkturen
 der Industrie und dem Einfluß struktureller Wandlungen, die ihre
Ursache haben können in Geschmacksänderungen der Verbraucher, in dem Aufkommen
 von Konkurrenzstoffen und in technischen Umstellungen. In diesem Zusammenhang
 ist zu erwähnen, daß der ziemlich starke Bedarf der Kunstseidenindustrie
 infolge Auffindens eines Ersatzetoffes völlig geschwunden ist. Ähnlich
liegt es in der Pergamentpapierindustrie, Andererseits ist die Verwendungsmöglichkeit
 für Glukosen in der Bonbonindustrie infolge verhesserter technischer Einrichtungen
 gestiegen.

bb) Beeinflussung durch die Maisglukosen.
Die Tabelle auf S. 33 zeigt, daß die Glukoseindustrie, trotzdem ihr seit
1891 der Auslandsabsatz fast völlig verlorengegangen war, ihre Erzeugung bis
zum Kriege sehr gleichmäßig und stark steigern konnte. Ermöglicht wurde ihr
lies durch das Anwachsen der Bevölkerung (1891—1914 um etwa 36°%), besonders
 aber durch Steigerung des Verbrauchs je Kopf (um etwa 100°). Nach
dem Kriege zeigt sich ein ähnliches Bild: Erzeugung und Verbrauch streben
mit raschen Schritten der Vorkriegshöhe zu. Die Erzeugung hat jedoch jetzt ein
wesentlich anderes Gesicht. Während vor dem Kriege die Glukosen lediglich aus
Kartoffeln hergestellt wurden, bildet jetzt in wachsendem Umfang der Mais das
Rohmaterial. Es wurden für die Glukoseherstellung verwendet:

Kartoffelstärke!)


Maisstärke | Ant des
Ta

911/14 .
‚922/28
‚928/24 .
1924/25 .
1925:26 .
1926/27 .
1927/28 .
1928/29 .
Die Gegenüberstellung veranschaulicht die nächst dem Verlust der Ausfuhr bemerkenswerteste
 Strukturwandlung, die sich in der Stärkeindustrie gegenüber der
Vorkriegszeit vollzogen hat.
Auch vor dem Kriege bestand bereits in Deutschland eine Maisstärkeindustrie.
 Nach der vom Reichsamt des Innern veranstalteten Erhebung bestanden
 im Jahre 1911 15 Maisstärkefabriken, die in genanntem Jahre 247 808 dz
Mais verarbeiteten und 141 642 dz Maisstärke, Puder und gebrannte Maisstärke
neben 98 165 dz Maiesrückständen herstellten. Diese inländische Maisstärke bildete

39 400 —
22.263 1 601 6,7
20817 2677 11,4
26 764 24 410 48
28 818 19 947 41
10559 42351 ° | 80
9055 45 747 83,5
93 879 927 1839 58

%

1) Um den Vergleich mit der Maisstärke zu ermöglichen, wurden die Feuchtstärkemengen
auf Trockenstärke umgerechnet.
        <pb n="44" />
        35

aber keine fühlbare Konkurrenz für die Kartoffelstärke, weil ihr Preis durchschnittlich
 um ein Drittel höher lag. Den Wettbewerb der mächtigen ausländischen
 (amerikanischen) Maisstärkeindustrie unterband der deutsche Zoll. Das
änderte sich völlig, als im Jahre 1923 die Deutsche Maizena-Gesellschaft A.-G.
(Hamburg) in Barby an der Elbe mit einem. Aktienkapital von 7 Millionen RM.
unter Ausnutzung der in Amerika erworbenen technischen Erfahrungen in der
Maisverarbeitung eine Maisstärkefabrik großen Stils errichtete. Die Gesellschaft
ist eine Tochtergesellschaft der Corn Produets Refining Company (New York),
die mit einem Aktienkapital von 80 Millionen Dollars und 40 Millionen Dollars
Reserven etwa 60°%, der amerikanischen Maisstärkeerzeugung umfaßt. Die
Maizena-Gesellschaft*) erwarb nach und nach 5 von den 7 nach dem Kriege noch
vorhandenen deutschen Maisstärkefabriken. Eine Fabrik ging im Jahre 1928 ein,
30 daß neben der Maizena-Gesellschaft nur noch eine Fabrik besteht, die im Jahre
etwa 8000 dz Maisstärke herstellt. Darüber hinaus kontrolliert die Maizena-Gesellschaft
 auch eine große gewerbliche Kartoffelstärkefabrik.
Ihr Einfluß auf die Kartoffelstärkeindustrie machte sich zunächst und am
stärksten auf dem Gebiet der Glukose geltend, wo ihre Konkurrenz, wie die Tabelle
5.33 zeigt, eine völlige Umgestaltung der Produktionsverhältnisse herbeiführte.
Es kam 1925 zu einem heftigen Konkurrenzkampf mit der Kartoffelglukose, der
zum Abschluß einer Konvention zwischen der Kartoffelglukose- und der
Maisglukoseindustrie durch Gründung der Vereinigung Deutscher
Glukosefabrikanten E. V., führte. Der Glukoseabsatz wurde kontingentiert
 in der Weise, daß 51°%, der Kartoffelstärkeindustrie, 49 °/, der Maisstärkeindustrie
 zufällt. Die Satzung bindet alle Hersteller an gleiche Preise, gleiche
Lieferungs- und Zahlungsbedingungen.
Die Konvention, die am 1.1.1926 in Kraft trat und deren Dauer bis 1932
festgesetzt ist, schränkt die Verwendungsmöglichkeit der Kartoffeln für die Glukoseherstellung
 auf etwa die Hälfte ein, das bedeutet zur Zeit bei einer jährlichen
Gesamtproduktion an Glukosen von rund 60000 t einen Minderverbrauch
an Kartoffeln von etwa 190000 t* und eine Einengung der Kartoffelglukosenfabrikation
 auf etwa ein Viertel ihrer Leistungsfähigkeit.
Wenn in den Betriebsjahren 1926/27 und 1927/28 der Anteil des Maises an
der Glukoseherstellung ganz wesentlich über den durch die Konvention festgesetzten
 Anteil von 49° hinausging, so lag dies teils am Kartoffelmangel, teils
1927/28 an der Preispolitik der Glukosevereinigung. Während nämlich der
Glukosepreis vor dem Kriege, entsprechend den höheren Hersteilungskosten, stets
4-—5 M. über dem Trockenstärkepreis lag, folgte er nach Inkrafttreten der Konvention
 den starken Preisschwankungen der Kartoffelstärke nicht mehr, sondern
zeigte eine gleichmäßigere Gestaltung und lag seit Dezember 1926 zeitweise sogar
erheblich unter den Preisen für trockene Kartoffelstärke (vgl. die Kurven auf S. 48).
Die Herstellung von Glukosen aus Kartoffeln wurde dadurch bei den bestehenden
Kartoffelpreisen unrentabel, und die Kartoffelstärkefabriken mußten, wollten sie
ihre Fabrikation überhaupt in Gang erhalten und wenigstens das ihnen zustehende
Kontingent erfüllen, zur Maisstärke als Rohstoff greifen. Sie taten dies in dem
Umfang, daß sie 1926/27 etwa 60°, 1927/28 etwa 63°, ihrer Glukosen aus
Maisstärke, die sie von der Maizena-Gesellschaft bezogen, herstellten”).

1) Jetzt „Deutsche Maizena-Werke A. G.“
2) Die Maisstärkeverwendung findet sich fast nur in den gewerblichen Glukosefabriken,
wo 1926/27 etwa 77% und 1927/28 etwa 78% der Erzeugung anf ihr beruhten. Die genossenschaftlichen
 Glukosefabriken, die an die Kartoffeln als Rohstoff vertraglich gebunden waren,
stellten nach wie vor Kartoffelglukosen her.
        <pb n="45" />
        36

Diese über den in der Konvention festgesetzten Prozentsatz hinausgehende
Beteiligung des Maises an der Glukoseherstellung fiel in der Kampagne 1928/29
fort: der Anteil des Maises sank von 83,5 °/, auf 53%. Das heißt, die Kartoffelstärkeindustrie
 stellte ihr Glukosenkontingent nur aus Kartoffeln und nicht mehr,
wie in den beiden Vorjahren, teilweise aus Maisstärke her. Der Grund war ein
doppelter: Auf der einen Seite brachte die reiche Kartoffelernte von 1928, die der
Rekordernte von 1925 kaum nachstand und wegen ihres hohen Stärkegehalts für
die Stärkeherstellung besonders günstig war, Rohstoffpreise, die bis auf 10,5 Pfg.
je Stärkeprozent herabgingen; auf der anderen Seite lag der Maispreis — infolge
der Steigerung des Weltmarktpreises und der am 1.3.28 in Kraft tretenden Erhöhung
 des Industriemaiszolles — um etwa 8 RM. ie Doppelzentner höher als im
Jahre 1927.
Das Preisverhältnis zwischen den beiden Rohstoffen, Mais und Kartoffeln,
stellte sich bei der Glukoseherstellung im Betriebsjahr 1928/29 nach Angabe der
Maizena-Gesellschaft und der Sachverständigen der Kartoffelstärkeindustrie wie
folgt dar:
a) Mais: Für einen Doppelzentner Glukose werden 166 kg Mais gebraucht. Bei
einem durchschnittlichen Maispreis (einschließlich Fracht und erhöhtem
Zoll) von 24 RM. kosten diese 39,84 RM. Der Wert der Schalen und Keime,
die auf Futtermittel und Öle weiterverarbeitet werden, wurde mit 6,64 Pfg.
je Kilogramm Mais, zusammen also mit 11,02 RM. beziffert. Als Rohstoffkosten
 für die Glukose verbleiben demnach 28,82 RM.
Kartoffeln: Für einen Doppelzentner Glukose werden 12,4 Zentner Kartoffeln
 mit einem Stärkegehalt von 17 °% gebraucht. Diese kosten bei einem
Preis von 10,5 Pfg. für das Stärkeprozent 22,14 RM. Nach Hinzurechnung
der Fracht (15 Pfg. je Zentner) mit 1,86 RM. und nach Abzug von 62 Pfg.
für den Pülpewert (5 Pfg. je Zentner Kartoffeln) verbleibt als Rohstoffpreis
 24 RM. Ein Pfennig Preisunterschied beim Stärkeprozent wirkt sich
auf den Glukosepreis mit etwa 2,10 RM. aus.
Diesem damals für die Kartoffelglukosen vorteilhaften Rohstoff-Preisverhältnis
 steht das weniger günstige Verhältnis der Herstellungskosten gegenüber.
Sie werden bei den Maisglukosen mit 5,60 RM. je Doppelzentner beziffert, während
sie bei der Kartoffelglukose wesentlich höher sind. Die Gründe für diese Überlegenheit
 der Maisstärkeindustrie liegen |
1. in der technischen und wirtschaftlichen Überlegenheit eines mit den
modernsten Errungenschaften ausgestatteten, einheitlich geleiteten und sehr
kapitalkräftigen Großbetriebs. Konnte doch die Maizena-Gesellschaft trotz gesteigerter
 Produktion die Zahl ihrer Arbeitskräfte (Arbeiter und Angestellte) von
605 im Jahre 1925 auf 528 im Jahre 1928 vermindern, so daß die auf die Arbeitskraft
 entfallende Leistung an verarbeitetem Mais 1925 1184 dz, 1928 2105 dz
betrug. Entsprechend konnten die reinen Fabrikationskosten im gleichen Zeitraum
 bei Stärke um 36 °/, bei Glukosen um 24 °/, gesenkt werden;
2. in der durch keinen Rohstoffmangel bedrohten Ausnutzungsmöglichkeit
der Kapazität. Die Maizena-Gesellschaft verarbeitete
1925 in 280tägiger Arbeitsdauer . . . 716255 dz Mais
1926 „, 280 n ... 818838 „
1927 „, 300 4% .„.. 1213911 2 =
1928 „, 290 . 1111399 „

Bei höchster Ausnutzung der Anlagen hätte sie etwa 1350000 dz verarbeiten
können; sie nutzte ihre Kapazität mithin zu etwa 90°, aus.
        <pb n="46" />
        87

Bei niedrigem Maispreis kann daher die Kartoffelglukosenindustrie in ihrer
jetzigen Organisation nur dann mit der Maisglukosenindustrie konkurrieren, wenn
ihre höheren Fabrikationskosten durch ‘ Billigkeit des Rohstoffs ausgeglichen
werden. Selbst die mit den billigsten Herstellungskosten arbeitenden Kartoffelglukosefabriken
 hätten demnach noch eine starke Unkostendifferenz auf die Kartoffeln
 abzuwälzen. Verbesserungen der technischen und organisatorischen Ausgestaltung
 der Kartoffelstärkeindustrie kommen also letzten Endes der kartoffelbauenden
 Landwirtschaft zugute.
Von der Konkurrenz der Maisglukosen wurden am stärksten die Feuchtstärkefabriken,
 deren Erzeugnisse nur für die Glukoseherstellung verwendet
werden können*), in Mitleidenschaft gezogen; aber auch die Trockenstärkefabriken
wurden beeinträchtigt, insofern, als ihnen der Absatz ihrer sonst für die Glukoseherstellung
 verkauften minderen Qualitäten erschwert wurde?). Die Produktion
der landwirtschaftlichen Feuchtstärkefabriken ging stark zurück. Aus der von
ihnen gelieferten Feuchtstärke konnten
1910/11 20.0.0. 47° 1926/27 2.0.0.0. 11,9%
1924/25 .... 20% 1927/28 . . 0... 12,2%
1925/26 . 0.0.0. 238%
der überhaupt erzeugten Glukosen hergestellt werden.
Der besonders starke Rückgang in den letzten beiden Jahren ist auch auf die
Konkurrenz der anderen Kartoffelverwertungsarten zurückzuführen. Im Jahre
1926/27 zog der Speisekartoffelmarkt die Kartoffeln an sich, 1927/28 wurden sie
wegen der besseren Verwertung und der gleichzeitigen Erhöhung des Jahresbrennrechts
 auf 100 %, in erster Linie der Brennerei zugeführt?). Aus diesen Gründen
wurde die Beeinträchtigung, die die Verwertung der Kartoffel in der Stärkeindustrie
 erfuhr, von den Feuchtstärkeherstellern in diesen beiden Jahren nicht
so drückend empfunden wie in den beiden vorhergehenden Jahren.

cc) Möglichkeiten zur- Verbrauchssteigerung.
Die Glukoseindustrie erblickt Möglichkeiten zur Steigerung des Verbrauchs
in erster Linie auf dem Gebiete des Verbrauchs zu Nahrungszwecken. Für die
Herstellung von Süßwaren (Bonbons usw.) findet. der Stärkesirup schon heute uneingeschränkte
 Verwendung. Etwa 80°/, des Stärkesirups werden von dieser Industrie
 aufgenommen. Hemmungen liegen dagegen vor bei der Verwendung zu
Marmeladen und Gelees. Stärkesirup darf zu Marmeladen nur bis zu
25°, und zu Gelees nur bis zu 10°%, zugesetzt werden und nur unter der Be-1)

 Eine Verarbeitung der in den Feuchtstärkefabriken hergestellten Feuchtstärke seitens
der Derivatefabriken auf Trockenstärke kommt aus technischen Gründen nicht in Frage, weil
auf diese Weise höchstens Primastärken, keinesfalls aber die im Preise etwa 2 bis 4 RM höher
stehenden Superior- und Spezialmarken zu erzielen sind.
?) Die zur Verarbeitung auf Glukose angekauften Trockenstärkemengen betrugen
1924/25 . . .. . . 28220 dz 1927/28 . . . . . 416 dz
1925/26 . ... .. 4681, 1928/29 , .. . . 8078 2
1926/27 . 0.0.0.0. —
3) In den Provinzen Grenzmark, Pommern, Brandenburg und Niederschlesien wurden an
Kartoffeln verbraucht in 1000 t

in den in den
Stärkefabriken Brennereien
0 693 802
678 998
275 478
587 1044

1924/25 .
1925/26... 0.0.00
1926/27 + 0.000004
1927/28 . en
        <pb n="47" />
        AR

dingung, daß der Zusatz ausdrücklich auf der Umhüllung deklariert wird. Diese
zurücksetzende Behandlung wird teils auf eine gewisse ernährungsphysiologische
Minderwertigkeit des Stärkesirups zurückgeführt, teile darauf, daß man glaubt, den
Käufer, der im allgemeinen Rübenzuckerzusatz erwarte, vor der Belieferung mit
Glukose schützen zu müssen. Die Glukoseindustrie behauptet demgegenüber, daß
der erste Grund infolge der wesentlich vervollkommneten Reinheit des Fabrikats
nicht mehr zutreffe und daß bei dem jetzigen Preisverhältnis zwischen. Zucker und
Glukosen kaum noch ein Anreiz zu einer Täuschung des Verbrauchers vorliege.
Wohl aber vermöge die Glukose infolge ihrer geringen Süßkraft und infolge der
Fähigkeit, das Auskristallisieren des Zuckers zu verhüten, viel zur Verbesserung
der Marmeladen beizutragen. .
Diese Eigenschaften haben bisher schon trotz der Deklarationspflicht zu
ainem auf 15 000 dz geschätzten Verbrauch der Glukose in der Marmeladenindustrie
geführt‘), während der Verbrauch an Rübenzucker für Marmeladen und Gelees
mit etwa 350000 dz beziffert wird. Nach Wegfall des manchen Fabrikanten abschreckenden
 Deklarationszwanges wird die Aufnahmefähigkeit der Marmeladenund
 Geleeindustrie an Glukosen auf etwa 80 000 dz, also auf mehr als das Fünffache
 des jetzigen Verbrauchs geschätzt’). Die Glukoseindustrie fordert deshalb
Freigabe einer deklarationsfreien Beimischung von Stärkesirup bis zu 12° % zu
Marmeladen und Gelees, darüber hinaus bis zu 25° mit Deklaration; höherer
Zusatz als 25 °% soll verboten sein. — Wie die Verhältnisse in den Vereinigten
Staaten zeigen, wo der Prokopfverbrauch etwa das Fünffache des deutschen beträgt,
 sind die Möglichkeiten der Absatzeteigerung auf diesem Gebiete groß.

b) Trockenstärke.
aa) Verbrauch.
Der Verbrauch von trockener Kartoffelstärke bzw. Kartoffelmehl für
Nahrungs- und industrielle Zwecke ergibt sich aus der Erzeugung zuzüglich der
Einfuhr, abzüglich der Ausfuhr und der auf Dextrin und Glukose weiterverarbeiteten
 Mengen.

1897/98. . 0.0.0...
1901/02 bis 1908/04 . .
1910/11. . .
1924/25 .
1925/26 .
1926/27. .
1997/98 _

Erzeugung |

Dextri .
Einfuhr®) | Ausfuhr [Zn Dezxtrinuew.| Verbrauch

dz

Am

Az

dz

1 126 543
1 184 629
‘737 366 &amp;gt;
' 027 404 126 559
810 750 47.786
448 157 | 232 884
1 9020 409 53 992

242 618
290 000
588 786
183 906
130.182
25 085
99 310

223 000
325 300
282 500
191 344
146 520
158 760
9215 750

660 925
569 329
866 080
778 713
681 834
497 196
898 441

Von der Trockenstärke wurden schätzungsweise */, für Nahrungszwecke
und %/, für technische Zwecke verbraucht. Als Verwendungszwecke
kommen in Betracht:
Nahrungszwecke: Zusatz zu Kuchen, Torten, Kremen, Keks und Zwieback,
Nudeln und Makkaroni, Puddingpulver, Puderschokolade; im Haushalt für Mehlspeisen,
 Tunken, Suppenmehle, Milch- und Fruchtsuppen, Gemüse, ferner zur Herstellung
 von Lakritzen. Maltose (Nährpräparate), Kartoffelzraunen und Sago

') Nach Angabe der Wirtschaftlichen Vereinigung der Deutschen Konservenindustrie,
') Nach Angabe des Verbandes der Deutschen Maisstärke verarbeitenden Industrie,
3) Die Vorkriegseinfuhr ist als gänzlich belanglos unberücksichtigt geblieben
        <pb n="48" />
        39 —

Technische Zwecke: Herstellung von Kleister, Pflanzenleim, Kaltleimpräparaten,
Schlichten und Appretieren von Textilwaren im Zeugdruck zur Steifung und Verdickung
 von Farb- und Drucklösungen, Teppichherstellung, Leimen von Papierlaser
 im Holländer, Zusatz zur Papiermasse (zur Erzeugung besonderer Glätte),
Papierfüllmittel, im Haushalt für Stärken von Wäsche, Herstellung von Glanzstärke,
 flüssigem Stärkeglanz, pharmazeutischen Erzeugnissen (Pillen, Salben
Kleisterverbände), kosmetischen Mitteln (Streupuder, Schampoonpulver, Schweißpuder,
 Riechpulver, Pasten für Enthaarungsmittel), Füllung von Seifen, Wärmeschutzmassen,
 Herstellung künstlicher Blumen, Photographien, Brikettherstellung,
Formen von Eisengießereien, Sprengmittel, rauchloses Pulver.
Entsprechend dem Überwiegen des Verbrauchs der trockenen Kartoffelstärke
für Textilzwecke reagiert der Trockenstärkeabsatz besönders empfindlich auf alle
Konjunkturschwankungen und strukturellen Wandlungen in dieser Industrie. Er
ist hier auch den Einflüssen der Mode unterworfen, die bald mehr, bald weniger
appretierte Stoffe bevorzugt.

bb) Beeinflussung durch Konkurrenzerzeugnisse.
Die Reisstärke und Weizenstärke werden ihrer besonderen Verwendungszwecke
und ihrer Preislage wegen von der Kartoffelstärkeindustrie nicht als Konkurrenz
empfunden. Aus der Maisstärke werden außer Glukosen in der Hauptsache Nährmittel
 (Maizena,  Mondamin, Gustin usw.), Back-, Pudding- und Speisepulver,
Wasch- und Wäschestärke hergestellt. In Ländern, die keine Kartoffelstärke herstellen,
 findet sie auch in weitem Umfang Verwendung in der Textilindustrie. In
Deutschland ist sie — außer für einige Spezialzwecke, z. B. Appretur von starren
Gardinenstoffen — als Textilstärke bis 1926 kaum verwendet worden. In den Jahren
1926 und 1927 waren die Aussichten für ein Eindringen der Maisstärke auch in
die deutsche Textilindustrie besonders günstig. Durch deutsche Kartoffelstärke
konnte 1926/27 nur etwa */ des Bedarfs gedeckt werden, außerdem lag der Maisstärkepreis
 zeitweise 10 RM. je Doppelzentner unter dem Kartoffelstärkepreis !).
Es gelang der Maisstärkeindustrie jedoch trotz lebhafter Bemühungen nicht, die
Textilindustrie in nennenswertem Umfang zur Änderung ihrer seit Jahrzehnten auf
Kartoffelstärke zugeschnittenen Fabrikationsweise zu bewegen. Die Maizena-Werke
 verkauften an die deutsche Textilindustrie 1926: 1451 t, 1927: 874 t, 1928:
1218 t, 1929: 495 t. Verglichen mit dem zwischen 70000 und 80000 t liegenden
Bedarf fallen diese Posten wenig ins Gewicht. Die für Kartoffelstärke besonders
günstigen Verhältnisse des Betriebsjahres 1928/29, die eine völlige Umkehrung der
Preislage von 1926/27 brachten, ermöglichten es der Kartoffelstärkeindustrie, das
wenige verlorene Terrain wiederzugewinnen.
Auch auf dem Gebiet der Trockenstärke besteht, wie bei der Glukose, eine
starke technische und wirtschaftliche Überlegenheit der Maisstärkeindustrie,
welche die. Kartoffelstärkefabriken nur durch entsprechenden Druck auf die Preise
ihres Rohstoffs ausgleichen können. Dazu kommt, daß der Maispreis im allgemeinen
 stabiler ist als der Kartoffelpreis und deshalb eine gleichmäßigere
Gestaltung der Maisstärkepreise ermöglicht. Die heftigen Preisschwankungen,
wie sie bei der Kartoffelstärke infolge der Schwankungen ihres Rohstoffpreises

1) Die Jahresdurchschnittspreise beider Stärkearten betrugen in RM je dz
Kartoffelstärke Maisstärke
1925/26 . . . 28.66 834.70
1926/27 . . . 46.71 39.10
1927/28 . . . 46.— 42.30
1928/29 . . . 85.64 44.80
        <pb n="49" />
        AM

ınvermeidlich sind, mußten vor dem Kriege — wenn auch widerwillig — von den
Abnehmern in Kauf genommen werden, weil das Fabrikat im Inlande unersetzlich
war. Die Änderung dieser Sachlage nach dem Kriege hat bereitg bei der Kartoffelzlukose
 zu empfindlichen Einbußen geführt und stellt auch für die Kartoffeletärke
eine Gefahr dar, die trotz der ausnahmsweise günstigen Kartoffellage der letzten
Betriebsjahre nicht unterschätzt werden darf.

cc) Möglichkeiten zur Verbrauchssteigerung.
Ähnlich wie für die Glukosen werden auch für Trockenstärke in der Verwendung
 zu Nahrungszwecken besondere Möglichkeiten zur Verbrauchssteigerung
gesehen, indem der Kartoffelstärke Eingang in das bisher der Maisstärke überlassene
 Gebiet der Nährmittel verschafft und indem die Verwendung des Kartoffelmehls
 als Zusatz zu Backwaren erleichtert wird. In letzterer Hinsicht
bestehen insofern Beschränkungen, als der Zusatz von Stärkemehl zu Gebäck nur
mit Deklaration gestattet ist. Solange aber die abschreckende Erinnerung an
las im Übermaß mit geringwertigem Kartoffelmehl gestreckte Kriegsbrot besteht,
kommt der Deklarationszwang nahezu dem Verbot.gleich.
Die Forderung der Kartoffelstärkeindustrie geht dahin, einen Zusatz von
Kartoffelmehl zu Weizengebäck aller Art bis zu 5° kennzeichnungsfrei zu lassen.
Ein Anreiz für die Bäcker, einen derartigen Zusatz vorzunehmen, wird nur in
Zeiten vorliegen, wo das Kartoffelmehl billiger ist als das Weizenmehl. Aber
selbst mit solcher zeitweisen Verwendung wäre .der Kartoffelstärkeindustrie
gedient, weil sie den Markt gerade in Zeiten des Überflusses entlasten würde. Der
zu erwartende Mehrverbrauch an Kartoffelmehl wird von der Stärkeindustrie auf
etwa 300 000 dz geschätzt.
€) Dextrin und lösliche Stärke.

1897/98... 2...
1901/02 bis 1908/04 .
1910/11. 2.0.0000
(924/25... 0.0...
1925/26. . 0...
1926/27. .
1927/28

Erzeugung

Yinfouhr

189 588
276 487
240 009 -
62642 2 00F
124. 840 1384
134 950 ] 21 881
183 389 98 A451

" Ausfuhr

98 465
128 000
152 540
35 865
23 652
23 257
OR 7920

Verbrauch

91123
148 487
87 469
128 782
102 572
133 524
183 111

Als Verwendungszwecke kommen in Betracht:
Dextrin: Herstellung von Dextrinleim, Pflanzengummi, Kaltleim,
Kristallgummi, Pasten, Tinten, Schuhwichse, Zündhölzern, Wärmeschutzmassen,
Schießpulver, kosmetischen Mitteln; Appretur von Leinenstoffen und Baumwollwaren;
 Verdicken und Verteilen von Farbstoffen, Herstellung von Aufbürstfarben,
Eierfarben, Stempelfarben, Stempelpasten, Signiertusche: Gummieren von Papier;
Hilfsstoff für Lederbearbeitung.
LöslicheStärke: Für feinere Veredelungszwecke in der Textilindustrie,
Oblatenherstellung.
Von der Konkurrenz des Maisdextrins wird der Kartoffeldextrin weniger
bedroht, weil er gewisse technische Eigenschaften mit Bezug auf Löslichkeit und
&amp;lt;lebefähigkeit besitzt, die dem Maisdextrin abgehen!). Die Maisstärkeindustrie
stellt deswegen auch nur unwesentliche Mengen an Dextrin her. Die Deckung

1) Nur wenn die Preisdifferenz, wie 1927 und 1928, erheblich wird, findet eine teilweise
Abwanderung zum Maisdextrin statt.
        <pb n="50" />
        41

des Inlandbedarfs beschäftigt die Dextrinindustrie nur mit etwa einem Drittel
ihrer Leistungsfähigkeit. Höhere Ausnutzung könnte nur durch Steigerung der
Ausfuhr ermöglicht werden.

2. Umfang und Wandlungen des Auslandabsatzes.
Die Stärkeindustrie war seit jeher in hohem Maße auf die Ausfuhr ihrer
Erzeugnisse angewiesen. Auf dem Auslandsgeschäft beruhte der große Aufschwung,
 den die Industrie in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
nahm, Wie die nachstehenden Kurven zeigen, weist. die Ausfuhr in allen drei
Erzeugnissen der Stärkeindustrie während der siebziger und achtziger Jahre eine
sehr gleichmäßige und kräftige Steigerung auf. In jenen Jahren wurde von der
Erzeugung an Trockenstärke und Glukose etwa ein Drittel und vom Dextrin
aahezu die Hälfte ausgeführt.

500 000 0—

dz

Ausfuhr von Harlbofebstärke U Denvah.

500000 +

VO7000

F SE
Trockens tat!

300 000°

200 000

20 000

Mit Beginn der neunziger Jahre tritt eine durchgreifende Änderung der
Sachlage ein, die zum Teil auf die Erhöhung der Zölle wichtiger Einfuhrländer 2),
in der Hauptsache aber auf den wachsenden Wettbewerb der ausländischen
Stärkeindustrie zurückzuführen war. ,
a) Den deutschen Glukosen erwuchs in der amerikanischen Maisstärkeindustrie
 eine mächtige Gegnerschaft, die sich im Beginn der neunziger
 Jahre zum ersten Male voll auf dem Weltmarkt auswirkte. Die amerikanische
 Ausfuhr an Glukosen betrug

1882/86
1887/91
1892/96
1897/01 .
1902/06
1907/11

2029t 1912/16
12558 t 1924
56 960 £ 225
94929 t 1926
70244 t 1927
65772 t 19928

83 054 t
64 000 t
62052 t
75116 t
62754 £
B23133t

Diesem lebhaften Anstieg der amerikanischen steht das ebenso rasche Absinken
 der. deutschen Ausfuhr an Glukosen?) gegenüber. Sie betrug inr Durchschnitt
 der Jahre

!) Frankreich und die Vereinigten Staaten verdoppelten 1891 ihre Einfuhrzölle auf Stärke
and Mehl. , ; ,
2) Pos. 177a: Stärkezucker, Fruchtzucker und andere gärungsfähige Zuckerarten, Dextrinsirup,
 gebrannter Zucker.
        <pb n="51" />
        42

1886/90 rund 20000 t = 33% der Erzeugung
1891,00 „ 3000t= 8% » »
1910/14 „ 1900t= 3% ,,
1925/28 .„ 1680t= 3% m

Die überragende Bedeutung der amerikanischen Konkurrenz tritt noch deutlicher
 hervor, wenn man der amerikanischen Ausfuhr die Ausfuhrzahlen der für
die Glukoseerzeugung noch in Betracht kommenden Länder Deutschland, Holland,
Polen und Tschechoslowakei gegenüberstellt:

1924
1925 . .
1926 . .
1927 . .
1928 .

Deutschland Holland

3674 889
1420 1135
1740 1082
250 758
8330 1298

Tschecho-Polen
 | slowakei

813 150
304 194
709 8373
— | 248
104 697

Erzeugt wurden an Gilukosen:

in den Niederlanden 1926/27 . . . . 26500 t
„„ Polen 1927 . 9706 t

Es wurde also von diesen Ländern, ähnlich wie von Deutschland, nur ein kleiner
Bruchteil der Erzeugung ausgeführt.
Der Wettkampf zwischen der deutschen und der amerikanischen Glukose
spielte sich in der Hauptsache auf dem englischen Markte ab, der damals den
größten Teil der deutschen Erzeugung aufnahm. Heute ist die deutsche Ausfuhr
nach England ‘bedeutungslos, während von der amerikanischen Ausfuhr 1928
52,7° dorthin gingen. KErleichtert wurde der amerikanischen Glukose die
Eroberung des Weltmarkts durch die deutsche Mißernte von 1891, welche die
deutsche Glukosenindustrie für ein Jahr außer Gefecht setzte!). Der Verlust
war endgültig; es gelang auch in der Folge nicht, die verlorenen Märkte zurückzugewinnen,
 ein Beweis, daß die Überlegenheit der Maisstärkeindustrie nicht
allein auf den Rohstoffpreisen, sondern auch auf den Herstellungskosten. beruhte
(vgl. S. 36).
b) Bei der Trockenstärke hat, wie die Kurve zeigt, die anfänglich
sehr stetige Aufwärtsentwicklung der Ausfuhr seit Beginn der neunziger Jahre einem
außerordentlich heftigen Schwanken Platz gemacht. Deutlich tritt hier der Einfluß
der erstarkenden Auslandskonkurrenz zutage: während der Bedarf vor 1890 ohne
Rücksicht auf die Preislage näch dem deutschen Erzeugnis greifen mußte, tat
er dies später nur noch dann, wenn die deutsche Stärke besonders billig angeboten
werden konnte, nämlich nach großen Kartoffelernten. In solchen Jahren (1893,
1901, 1909) ist immer noch eine große Ausfuhr an Trockenstärke erzielt und der
deutsche Kartoffelmarkt fühlbar entlastet worden. In den Jahren 1900 bis 1913

1) In den kritischen Jahren bestand folgendes Preisverhältnis zwischen amerikanischen
und deutschen Glukosen (M je dz):
amerikanische
20,95
22,48
22,02
20,32
        <pb n="52" />
        .. 43

übertrafen die in Form von Stärkefabrikaten ausgeführten Kartoffelmengen in
allen Jahren die in Gestalt von Spiritus oder Speisekartoffeln ausgeführten
Mengen. In jenen Jahren wurden durchschnittlich jährlich ausgeführt
in Form von Stärke und Derivaten . . 238000 t Kartoffeln,
„ „ Speisekartoffeln . . . . 202000 t w
- „ Spiritus. . 0. 0... 105000t -

Eine Gegenüberstellung der Ausfuhr an Kartoffelstärke bzw. -mehl der in
Betracht kommenden Länder

. hecho-Deutschland!
 Holland | Polen | [m

„924 .
1925. .
1926 .
927
928

7990 | 87514
15 460 75 243
10850 94 012
1 680 96 913
2580 88 590

15728
14111
23 621
11870
9g 8388

216
152
159
283
480

zeigt, daß der Hauptkonkurrent auf diesem Gebiete Holland ist. Die hollän-Jlische
 Erzeugung an Kartoffelmehl betrug?)
1913 . ... . 140000 t 1925/26 . .. . . 167600 t
1924/25 .. ... . 100000t 1926/27 .. . . . 141300 t

Sie kam also 1924/25 der deutschen nahezu gleich; 1925/26 dagegen betrug sie
fast das doppelte und 1926/27 das dreifache der deutschen. Da der Eigenverbrauch
gering ist, muß der größte Teil der Erzeugung auswärts Unterkunft suchen.
Bereits um die Jahrhundertwende überflügelte die holländische Ausfuhr die
deutsche, und im Durchschnitt der Jahre 1925/27 betrug sie 87310 t gegenüber
einem deutschen Durchschnitt von 9330 t. Sie verdrängte die deutsche Ausfuhr
namentlich vom englischen, belgischen, spanischen, italienischen und nordamerikanischen
 Markt?). Von der holländischen Ausfuhr gingen nach

Deutschland ;
Belgien. . . ..
üngland . . .7.
Frankreich
italien. . . 2...
den Vereinigten Staaten ,

1927 1928
28363 € 6616 t
8 600 t 11623 t
8293 10222 t
5827 t 10768 t
‚0815 t 13199 t
10658t . 6003t

Die holländischen Preise für Kartoffelmehl (vgl. die Tabelle S. 49) lagen
im Sommer 1927 und 1928 etwa 20 RM. je Doppelzentner unter den deutschen,
so daß trotz des Zolles®) eine namhafte Ausfuhr nach Deutschland stattfinden
konnte.

1) Nach den Angaben des holländischen Zentralbüros für die Statistik.
2) Über die Höhe der deutschen Ausfuhr näch diesen. Ländern gibt die Tabelle S. 95
Auskunft.
5 Die deutschen Zollsätze betrugen je dz
bis 15. 4. 80 seitdem
Kartoffelmehl . . .... .:16RM : 24 RM
Dextrin . - . rm 035. MS 36:04
Glukose . 20 U

Anquete-Ausschuß. II. Band 6.
        <pb n="53" />
        AA

Die Überlegenheit der holländischen Kartoffelstärkeindustrie beruht vor
allem auf der gesicherten Rohetoffversorgung und der dadurch ermöglichten gleichmäßigeren
 Ausnutzung der Kapazität und gleichmäßigeren Belieferung der ausländischen
 Märkte. Der Rohstoffbezug gründet sich auf die in den Veenkolonien
der Provinzen Groningen und Drenthe speziell für Industriezwecke angebauten
Kartoffeln, die zwar im Stärkegehalt den deutschen etwas nachstehen, aber außerordentlich
 hohe und wegen der günstigen Grundwasserverhältnisse geringeren
Schwankungen unterworfene Erträge?) liefern. Diese sind, da die Konkurrenz
anderer Verwertungsarten kaum in Frage kommt, stets für die Stärkeherstellung
verfügbar. Die Stärkeindustrie kann sich, was in Deutschland nicht möglich ist,
bereits im Frühjahr für die kommende Kampagne eindecken und kann auf dieser
gesicherten Basis bereits Auslandsabschlüsse machen zu einer Zeit, wo die deutsche
Stärkeindustrie über die Höhe ihres Rohstoffpreises noch völlig im unklaren ist.
Ein natürlicher Vorsprung Hollands liegt ferner in seiner günstigeren Verkehrslage
 zu den Haupteinfuhrländern und in der außerordentlichen Gunst der
binnenländischen Verkehrsverhältnisse (Kanäle). Die holländischen Fabriken
haben im Durchschnitt eine Frachtbelastung von 12 Pfg. für den Doppelzentner
Kartoffeln, ein Satz, mit dem in Deutschland günstigstenfalle kleine genossenschaftliche
 Fabriken auskommen, während die größeren Fabriken mit etwa 30 Pf.
rechnen?).
Die holländische Kartoffelstärkeindustrie hat im Durchschnitt der Jahre 1924
bis 1927 jährlich 751000 t Kartoffeln verarbeitet, also ungefähr ebensoviel wie
die deutsche Kartoffelstärkeindustrie in normalen Nachkriegsjahren. Die holländische
 Verarbeitung verteilte sich jedoch auf nur 37 Fabriken, während an der
deutschen — ganz abgesehen von den Feuchtstärkefabriken — 89 Trockenstärkeand
 Derivatefabriken beteiligt waren. In Holland?) betrug
die pro Kopf
die Arbeiterzahl verarbeitete Rohstoflmenge
1925/26 . . . 3621 2463 dz
1926/27 . . . 3592 2084

In neuerer Zeit ist durch P olen ein neuer Wettbewerber auf dem Auslandsmarkt
 erstanden. Die polnische Kartoffelernte betrug im Durchschnitt der Jahre
1922 bis 1926 etwa 77° der deutschen Ernte, die Einwohnerzahl dagegen nur
44 °/, und die Schweinezahl nur 33 °/, der deutschen. Der Drang zur Ausfuhr von
Kartoffeln und Kartoffelfabrikaten muß deshalb außerordentlich stark sein. Nach
einer auf das Jahr 1927 bezüglichen polnischen Produktionserhebung betrug die
Zahl der Kartoffelstärkefabriken und Kartoffeltrocknungen 96, von denen 85 im
Betrieb waren. Hiervon entfielen 44 (39) auf die zentralen, 4 (3) auf die östlichen
und 48 (43) auf die ehemals preußischen und österreichischen Gebiete. Sie beschäftigten
 im April 1927 1012 Arbeiter, im Dezember 1927 1721 Arbeiter. Die

1 An Fabrikkartoffeln wurden in Holland geerntet
1922 auf 28 015 her 372 755 1
1923 „29850 832 182 „
1924 „ 82777 709 754 „
1925 „ 85081 , 390 680
1926 „ 85841 822.092
1927 „ 86240 048518 „
1928 „ 37666 „. . . 1155398
Hektarertrag im Durchschnitt 236 dz.
?) Sachverständigenvernehmung vom 22, 4, 1927.
') Die deutschen Zahlen siehe S. 18.
        <pb n="54" />
        - 45 —

tägliche Verarbeitungsfähigkeit aller Betriebe betrug 4053 t Kartoffeln, wovon
2977, also ungefähr drei Viertel auf die ehemals deutschen Gebiete und Galizien
ontfallen. Die Erzeugung betrug 1927:
Kartoffelstärke bzw. -mehl . . 23012t
Nasse Stärke. ... . .. 814 |
Glukosen . . ... 1... 9706t
Dextrin. ...0.0..0.0... 1173
Trockenkartoffeln ... . . . 10982t

Es wurden danach rund 200 000 t Kartoffeln (also ungefähr ein Drittel der deutschen
 Verarbeitung im Durchschnitt der Jahre 1924/28) auf Stärke verarbeitet.
Die durch die billigeren Rohstoffpreise*) und Löhne verstärkte Konkurrenzfähigkeit
 hat sich auf dem ausländischen Stärkemarkt bereits fühlbar gemacht:
Polen vermochte 1926 nicht nur bei weitem die deutschen, sondern sogar die holländischen
 Fabriken zu unterbieten?). Die polnische Ausfuhr an Kartoffelstärke
(vgl. die Tabelle auf S. 43) ist nach dem im Jahre 1926 erreichten Höhepunkt
stark zurückgegangen, liegt aber immer noch erheblich über der deutschen. Die
Ausfuhr an Glukosen und Dextrin ist belanglos.
Im Vergleich mit den beiden genannten Ländern ist die Ausfuhr der Tschez:hoslowakei
 (S.43) geringfügig. Es befanden sich dort 1927/28 93 Kartoffelstärke-
 und 8 Dextrinfabriken im Betrieb, die 193 745 t Kartoffeln von durchschnittlich
 17,78 °/, Stärkegehalt verarbeiteten und daraus 43 442 t Trockenstärke
nebst 2606 t Dextrin herstellten.
Auch die ausländische Maisstärke tritt naturgemäß auf dem Auslandsmarkt
 in Wettbewerb mit der deutschen Kartoffelstärke. Die Gefahr ist jedoch
nicht so groß wie bei der Glukose, denn während Mais- und Kartoffelglukose vom
Konsum als gleichwertig angesehen werden, sind die Ansichten darüber, ob die
Maisstärke die Kartoffelstärke in der Textil- und Papierindustrie vollwertig zu
ersetzen vermag, geteilt. Immerhin hat der billigere Preis und die gleichmäßigere
Lieferungsfähigkeit der Maisstärke die ausländischen Verbraucher zu Umstellungen
veranlaßt, die den Absatz der Kartoffelstärke nachteilig beeinflußt haben.
c) Die deutsche Ausfuhr von Dextrin hielt sich bis zum Kriege auf ziemlich
gleicher Höhe. Im Durchschnitt der Jahre 1909/13 betrug sie 9870 t. Nach dem
Kriege gestaltete sich die Ausfuhr der in Betracht kommenden Länder wie folgt:
Tschechoslowakei

Deutschland Niederlande

Polen

L L
1924 3450 126 15
1925 3240 330 196
1926 2330 626 851
1927 2400 17 246 719
1928 2760 19 665 304

132
30
44
23
1:7

Der Hauptkonkurrent ist demnach auch auf diesem Gebiete Holland. Seine Ausfuhr
 erreichte die deutsche bereits im Jahre 1923 und ließ sie in den letzten Jahren
mit ununterbrochen steigenden Ziffern weit hinter sich. Namentlich der englische
Markt wird durchaus von Holland beherrscht.

1) Nach Angabe der Kartoffelbaugesellschaft betrug der durchschnittliche Fabrikkartoffelpreis
 in Berlin Polen
1925/26 . . 1,24 RM 0,57 RM
1926/27 . . 289 „ 1,57
®) Sachverständigenvernehmung vom 22, 4, 1927.
        <pb n="55" />
        12

d) Zusammenfassung. Bei so scharf umstrittenem Auslandsmarkt
mußte die durch den Krieg und das in den folgenden Jahren bestehende Ausfuhrverbot
 verursachte langjährige Absperrung vom Weltmarkte für die deutsche Ausfuhr
vernichtend wirken. Die Wiedergewinnung der inzwischen an die Fabrikate der
Konkurrenzländer gewöhnten Abnehmer machte Schwierigkeiten. Der verheißungsvolle
 Wiederanstieg, den die außergewöhnlich niedrigen Rohstoffpreise von 1925
ermöglichten, ging durch die Ungunst des folgenden Jahres wieder völlig verloren.
Transportvergünstigungen, die die Reichsbahn im Frühjahr 1926 durch den Ausaahmetarif
 106 für die Ausfuhr von Kartoffelstärkefabrikaten schuf!), blieben
&amp;gt;hne Wirkung. Eine Ausfuhr findet in den letzten Jahren überwiegend nur noch
im Veredelungsverkehr statt. . Aber selbst in diesem Fall stellen sich die deutschen
Erzeugnisse höher als die holländischen und polnischen. Zur Ausfuhr können
leshalb nur bestimmte Marken gelangen, die ihrer anerkannten Güte wegen vom
Auslande besonders gesucht und höher bewertet werden. Der Grund der manzelnden
 Konkurrenzfähigkeit ist nicht etwa in technischer Rückständigkeit der
deutschen Fabriken zu suchen. Nach dem Urteil der Sachverständigen entspricht
die technische Einrichtung der größeren genossenschaftlichen und gewerblichen
Fabriken durchaus allen Anforderungen der Neuzeit und steht der des konkurrierenden
 Auslands in keiner Hinsicht nach. Ursache sind vielmehr die höheren
Rohstoffkosten und die mangelnde Ausnutzungsmöglichkeit der Anlagen.
Auch das Betriebsjahr 1928/29 hat trotz günstigerer Rohstofflage und trotz
der durch den hohen Maispreis bedingten Minderung der Konkurrenzfähigkeit der
Maisstärkeindustrie keine nennenswerte Belebung der Ausfuhr gebracht. Sie
betrug

Stärke Glukosen Dextrin
dz dz dz
1927/28 . . 25310 8481 27017
1928/29 . . . . 29851 5108 31 782
lavon im Veredlungsyerkehr (22230) sn (14 415)

Es lassen sich sonach drei Stadien der Entwicklung der deutschen Ausfuhr
ınterscheiden:
Bis 1890 monopolartige Stellung der deutschen Kartoffelstärkefabrikate auf
lem Auslandsmarkt. Ein Drittel der Erzeugung wird ausgeführt.

1) Der Ausnahmetarif 106 sieht eine 35prozentige Ermäßigung der‘ Hauptklasse C und der
Nebenklassen C 10 und C 5 vor. Diese gegenüber den vor 1926 geltenden Sätzen ziemlich starke
Ermäßigung erschien der Reichsbahn deshalb tragbar, weil wegen der bisher geringen Verfrachzung
 ein Einnahmeausfall nicht befürchtet zu werden brauchte. Im Jahre 1918 galt für die
Ausfuhr über die Seehäfen der Ausnahmetarif S 4a; dagegen war für die Ausfuhr über die
;rockene Grenze keine Ermäßigung vorgesehen. Der Unterschied in der Frachtlage für die
Ausfuhr gegenüber 1918 stellt sich demnach so dar (in Pfennig je 100 kg):
km 50 100 200 300 400 500 600° * 700 800 900 1000
Ausfuhr über die Seehäfen
1913 18 29 51° 73 91 105 119 188 147 161 175
1929 84 64 112 151 190 92929 9249 270 986 9206 2092:

Ausfuhr über die trockene Grenze
1913 29 54 102 147 192 2837 282 827 8372 417 462
1929 34 64 112. 151 190 222 . 249 270 286 296 302
Hinzu tritt bei den jetzt geltenden Sätzen ein Zuschlag. von 5% des frachtpflichtigen Gewichts
jei Beförderung in bedeckten Wagen.
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        47

Von 1891 bis zum Kriege heftiger Kampf um den Auslandsmarkt, der beı
ülukose sofort zu einer fast völligen und dauernden Verdrängung des deutschen
Fabrikats führt, den Dextrin kaum beeinträchtigt und bei Kartoffelstärkei heftige
Schwankungen verursacht.
Nach dem Kriege Absinken der Ausfuhr zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit‘).
Die Stärkeindustrie ist seitdem so gut wie ganz auf den Inlandsabsatz angewiesen.
Der kann ihr zwar — sofern sie ihn zu behaupten versteht — mit wachsender
Bevölkerung und mit steigendem Industrieverbrauch einen allmählichen, dem durchschnittlichen
 Anwachsen der Kartoffelernten etwa angepaßten Zuwachs an Beschäftigung
 gewährleisten, kann ihr aber nicht. wie der Auslandsabsatz, iene

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a
Vorkrregspreise für Stärke und Derivate

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Elastizität verleihen, die zur Verwertung der Überschüsse besonders guter Erntejahre
 befähigt.

3. Die Preisgestaltung.

Die obenstehenden Preiskurven zeigen — namentlich bei der freien Preiszestaltung
 der Vorkriegszeit — die völlige Abhängigkeit der Preise vom Ausfall

) Vgl. die Ausfuhrtabelle in der Anlage I, S. 95.
        <pb n="57" />
        48

der Kartoffelernten. Diese Abhängigkeit ist so unbedingt, daß ihr gegenüber
andere Momente, wie Konjunkturschwankungen der verbrauchenden Industrie,
Kaufkraft der Verbraucher usw., in den Hintergrund treten. Nach dem Kriege
macht sich seit 1926 bei Glukosen der Einfluß der Preiskonvention geltend: die
Preise nehmen nicht mehr in gleichem Ausmaße an den Schwankungen der übrigen
Fabrikate teil, sondern verharren auf einer mittleren Linie, die 1927 unter, 1928
und 1929 aber erheblich über den Trockenstärkepreisen lag.
Die folgenden beiden Tabellen (S.49 und 50) bringen a) die Preise seit
1924 für Fabrikkartoffeln und Kartoffelstärkefabrikate, für Mais und Maisstärke
und den Weltmarktpreis für Maisstärke und Kartoffelmehl in monatlichen Durchschnitten,
 b) eine Gegenüberstellung der Jahresdurchschnittspreise in den letzten
6 Vorkriegsiahren und seit 1924.

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Vergleicht man die Preise in Jahren normaler Ernten vor dem Kriege
(1908/09 — 1910/11) mit denen von 1924/25, 1928/29 und 1929/30, so ergibt sich
eine durchschnittliche Preissteigerung bei Feuchtstärke um etwa 43 %, bei Trockenstärke
 um etwa 52%. bei Glukosen um etwa 63% und bei Dextrin um etwa
83 %.
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        158
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a) Monatsdurchschnittspreise für Fabrikkartoffeln‘ und Kartoffelstärkefabrikate,
Mais und Maisstärke seit 1924.21)

Monat
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Jahr

Fabrik- Kartoffelstärke?) ‚Kartoffelkar-
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39/76
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23,52
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23,52
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46
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44,50 |
44,50
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48
50
50
50

Anmerkungen siehe nächste Seite.
        <pb n="59" />
        50

») Kartoffelernten und Jahresdurchschnittspreise.

003 ‚Kaurtoffel-} Fabrik-Betriebsjahre
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Feuchtstärke

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0,30
16,29

15,87 |
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14.00

Trocken-" Bonbon- |
stärke ı Sirup
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21,42
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19.56

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27,67
27,42
38,60
38,—
26.40

35,67
28,66
46,71
16,—
35,64
30.00

39,02
37,79
:6,40
17,25
14,80
44.50

19,58
15,75
30,58
31,91
54,18
30.00

4. Organisation des Absatzes.
a) Verbände der Erzeuger,
Schon einmal (1920 bis 1924) war die Stärkeindustrie im Stärke-3yndikat
 zur Regelung der Rohstoffbeschaffung, des Vertriebs und der
Preisbildung der Fabrikate einheitlich und straff zusammengeschlossen. Der
zußerordentliche Druck, den die behördliche Drosselung der Rohstoffbeschaffung
ınd die völlig ungeregelten Preis- und Absatzverhältnisse der Inflationszeit auf
Jas Gewerbe ausübten, erzwang damals den Zusammenschluß. Beteiligt waren
92 °% der Gesamtkapazität, und zwar alle gewerblichen Fabriken, 88° der
genossenschaftlichen Fabriken, 72 bis 80°, der landwirtschaftlichen Fabriken.
Der Einkauf der Rohstoffe und der Verkauf der Fabrikate erfolgte durch das
Syndikat für gemeinsame Rechnung. Die Produktion wurde kontingentiert nach
Maßgabe der in den drei besten Kampagnen der Betriebsjahre 1908/09 — 1913/14
zerarbeiteten Mengen. ;
Das Syndikat löste sich im Frühjahr 1924 auf, und die Stärkeindustrie trat
zus der Inflation in geschäftlicher Beziehung völlig unorganisiert heraus. Sogleich
aber bildeten sich bei den einzelnen Gruppen der Industrie Ansätze zur Organisation
 des Absatzes und der Preisbildung, die auf manchen Gebieten schon weit
gediehen sind und anscheinend die Tendenz zu weiterem Zusammenschluß in sich

') Fabrikkartoffeln: Erzeugerpreis ab märkischer Station nach Feststellung der Landwirtschaftskammer
 Berlin in Pfg. je % Stärke im Zentner. — Feuchte Kartoffelstärke: Nach Mit-‚eilung
 des Rohstärkeverbandes G. m. b. H. — Trockene Kartoffelstärke und Derivate: Nach den
Marktberichten des Verbandes der gewerblichen Kartoffelstärkeindustrien. — Mais: Statistisches
Jahrbuch für das Deutsche Reich. — Maisstärke (Inland- und Weltmarktpreise): Nach Mitteilung
les Verbandes Deutscher Maisstärke verarbeitenden Industrien. — Holländisches Kartoffelmehl:
Marktberichte von Jan Bosscher, Groningen.
?) Ab Fabrik in Ladungen.
®) Bonbonsirup, ausschl. Faß und Steuer. ab Fabrik. seit 1926 frachtfrei jeder deutschen
/ollbahnstation,
') In Ladungen frachtfrei Berlin.
*) Hamburg, verzollt (Zoll 1908/13: 8 M. ab 1914 zollfrei, Zoll ab 1. 7. 1925: 2,20 RM, ab
.- 8. 1926: 3,20 RM, ab 1. 3. 1928: 5 RM).
’) Ab Fabrik, seit März 1928 frachtfrei jeder deutschen Vollbahnstation.
’) Nach dem 1. 1, 1926 umfaßt die Notiz auch Maisglukose.
3) Amerikanische Ware cif Rotterdam
») Superior ab holländischer Fabrik.
9) Hauptkampagne.
        <pb n="60" />
        — 51

iragen. Ob sie freilich zu einer so weitgehenden Vereinheitlichung führen werden,
wie sie das Stärkesyndikat ‚darstellte, erscheint zweifelhaft. Die Verhältnisse
liegen auf dem Gebiet der Rohstoffversorgung' doch völlig anders als zur Zeit der
Zwangswirtschaft, und ebenso haben sich auf dem Gebiet des Absatzes die Machtverhältnisse
 durch das Aufkommen einer starken inländischen Maisstärkeindustrie
wesentlich verschoben.
Zur Zeit bestehen für den Vertrieb und die Preisbildung der Fabrikate*)
folgende Organisationen: ;
Feuchtstärke. Als Abnehmer für Feuchtstärke kommen im wesentlichen
 regelmäßig nur 8 Fabriken, die die Feuchtstärke auf Glukose bzw. auf
Trockenstärke weiterverarbeiten, und gelegentlich einige Sagofabriken. in Frage.
Bei so geringer Abnehmerzahl liegen Preisabreden stets im Bereich der Möglichkeit.
 In der Tat bestand Ende der achtziger Jahre vorübergehend eine Preiskonvention
 der gewerblichen Glukosefabrikanten über den Einkauf von Feuchtstärke.
 Die pommerschen Feuchtstärkefabriken, die sich hierdurch bedroht fühlten,
schlossen sich damals zu eigener Verwertung ihrer Feuchtstärke zusammen und
sründeten die Kartoffelmehl- und Sirupfabrik Altdamm e.G.m.b. H. Deren
Mitglieder sind demnach nicht Kartoffeln liefernde Landwirte, sondern Besitzer
von Feuchtstärkefabriken, die verpflichtet sind, ihre gesamte Feuchtetärke (mindestens
 aber 1,5 Ztr. je Morgen Acker unter dem Pfluge) zu liefern. Die Zahl‘ der
Genossen beträgt 45. Der Berechnung der Pflichtstärkemengen sind 89 220 Morgen
unter dem Pfluge zugrunde gelegt. Etwa 41 °/, der gesamten Feuchtstärkeerzeugung
wird auf diese Weise dem Feuchtstärkemarkt entzogen. Von den restlichen im
Betriebsjahr 1927/28 in den Verkehr gelangenden rund 72000 dz Feuchtstärke
nahmen auf

4 genossenschaftliche Fabriken . . 26%
4 gewerbliche Fabriken. . . . . 54%
die Sagofabriken .. “20%.

Im Jahre 1924 hat sich ein Teil der Feuchtstärkehersteller zur gemeinsamen
Verwertung ihrer Erzeugnisse im Rohstärkeverband zusammengeschlossen.
Der Verband umfaßt 45 Feuchtstärkefabriken, die verpflichtet sind, ihm ihre gesamte
 Produktion anzudienen. Änderungen in der Zusammensetzung des Verbandes
haben seit der Gründung nicht stattgefunden. Im Betriebsjahr 1927/28 stellten die
Mitglieder des Verbandes 65 °/, der in den Verkehr gelangenden Feuchtstärke her.
Etwa 6°% wurden von den Mitgliedern der Deutschen Stärke-Verkaufsgenossenschaft
 hergestellt und durch diese verwertet. Der verhältnismäßig geringe Rest
wird von den Produzenten direkt an die Derivatefabriken verkauft.
Wenn auch organisierte Preisbindungen nicht bestehen, so kann doch bei so
beschränktem Markte von freier Preisbildung kaum die Rede sein. Die Preise
werden von den Hauptabnehmern nach Maßgabe der Verwertungsmöglichkeit für
Glukose festgesetzt.
Trockenstärke. Auf Seite 20 sind für 1927/28 diejenigen Trockenstärkemengen,
 die — nach Abzug der innerhalb der Stärkeindustrie auf Dextrin und
Glukose weiterverarbeiteten Mengen — aus dem Bereich der Stärkeindustrie
herausgingen, mit 811 891 dz errechnet worden. Um zu den tatsächlich umgesetzten
Mengen zu gelangen, wird man auch die innerhalb der Stärkeindustrie umgesetzte
Stärke berücksichtigen müssen, d.h. man wird der obengenannten Menge die von
den Derivatefabriken angekauften 116 654 dz hinzuzählen müssen. . Man erhält
danach für 1927/28 als umgesetzte Trockenstärkemenge rund 928 000 dz.

1) Betreffs Rohstoffbeschaffung vgl. S. 82
        <pb n="61" />
        “- B2 —

Der Umsatz erfolgt zu etwa einem Drittel durch den Stärkefachgroßhandel,
im übrigen teils direkt durch die gut ausgebildeten Verkaufsorganisationen der
großen gewerblichen Fabriken, teils durch die Deutsche Stärke-Verkaufsgenossenschaft
 e.G.m.b.H. Sie ist ein Verkaufssyndikat, das die
Erzeugnisse der Mitglieder entweder bestmöglichst im eigenen Namen, jedoch für
Rechnung des betreffenden Genossen und unter Vorschußleistung verkauft oder zum
Zwecke der Weiterverwertung selbst übernimmt. Die Genossen sind verpflichtet,
'hre gesamten Erzeugnisse ausschließlich durch die Genossenschaft zu verwerten.
Die Deutsche Stärke-Verkaufsgenossenschaft wurde im Jahre 1901 gegründet im
wesentlichen von den genossenschaftlichen und den landwirtschaftlichen Trockenstärkefabriken.
 Zur Zeit gehören ihr von den tatsächlich im Betrieb befindlichen
Fabriken an
LO genossenschaftliche Fabriken = 67% der Kapazität aller genossensch. Fabriken
16 landw. Trockenstärkefabriken = 31% „ w » landw. Trockenstärkefabriken

4 gewerbliche Fabriken. . = 4% ,„ ” „ gewerblichen Fabriken
4 Feuchtstärkefabriken . . = 4% N Feuchtstärkefabriken.

Von der Gesamtkapazität der Stärkeindustrie umfaßt sie demnach bei Trockenstärke
 etwa 30 °/%, bei Glukosen etwa 33 °%. Von der im Betriebsjahr 1927/28 in
den Verkehr gelangten Trockenstärke gingen etwa 280000 dz — 30 °/„ von den
Glukosen 46 000 dz = 19°/ durch die Hand der Genossenschaft. Sie stellt somit
len stärksten Faktor auf dem deutschen Stärkemarkt dar‘).
Ein Preiskartell für Trockenstärke bestand bisher — abgesehen von dem
kurzlebigen Stärkesyndikat (s. o.) — nicht. Erst zu Beginn des Jahres 1929 hat
ler Druck des starken Preisrückgangs der Fabrikate und die Notwendigkeit, eine
Irganisation für die nutzbringende Verwendung der im landwirtschaftlichen Notprogramm
 vorgesehenen Mitel zur Förderung des Absatzes der kartoffelverarbeitenden
 Gewerbe zu schaffen, unter Führung der Deutschen Stärke-Verkaufsgenossenschaft
 und der größten gewerblichen Fabrik zur Bildung der „Interessenzemeinschaft
 deutscher Kartoffelstärke-Industrien G. m.
9. H.“ geführt. Der Aufgabenkreis beschränkt sich zunächst auf die Festsetzung
ler Preise und Lieferungsbedingungen für Trockenstärke; eine Kontingentierung
ler Produktion und eine Einflußnahme auf die Rohstoffbeschaffung sind nicht vorzesehen.

Der Vertrieb der Glukosgsen ist wie der der Trockenstärke nur insoweit
&amp;gt;rganisiert, als er sich auf die von den Mitgliedern der Deutschen Stärke-Verkaufsgenossenschaft
 angedienten Mengen bezieht. Im übrigen vollzieht er sich entweder
lirekt vom Fabrikanten zum Verbraucher oder durch Vermittlung des Großhandels.
Diesem letzteren fällt etwa ein Drittel der umgesetzten Menge zu.
Dagegen besteht bei Glukosen bereits seit 1925 in der Vereinigung
Deutscher Glukosefabrikanten G.m.b.H. ein straffes Kartell, das
sich zwar nicht auf den Vertrieb, aber auf die Festsetzung der Preise und Liefecungsbedingungen
 und auf die Kontingentierung der Produktion erstreckt, indem
8 51° der Erzeugung der Kartoffelstärkeindustrie und 49°/. der Maisstärke-1)

 Die im Jahre 1907 gegründeten beiden Verkaufsvereinigungen „Verwertungsverband
ür Kartoffelfabrikate“ und „Vereinigte deutsche Stärkefabriken, Vertriebsgesellschaft m. b. E.*,
lie in der Hauptsache landwirtschaitliche Stärkefabriken umfassen und ähnliche Ziele wie die
Jeutsche Stärke-Verkaufsgenossenschaft verfolgten, bestanden nach dem Kriege nur noch formell
ınd führten keine Geschäfte mehr ans, Die letztgenannte Vereinigung wurde im Avril 19380
auficelöst.
        <pb n="62" />
        — 53

industrie zuweist (vgl. S. 35). Auch der Handel wird, um Unterbietungen zu verhindern,
 beim Weiterverkauf scharf an die festgesetzten Preise und Lieferungsbedingungen
 gebunden.
Für Dextrin besteht keine gemeinsame Verkaufsorganisation, wohl aber
ein Preis- und Konditionskartell, dem die im „Verband der Dextrinfabriken in
Deutschland‘ (s. unten) zusammengeschlossenen Fabriken angehören.

b) Handel.

Die großen Stärkefabriken vertreiben, wie oben dargelegt, ihre Erzeugnisse
zum überwiegenden Teil selbst, die kleineren durch ihre gemeinschaftlichen Verkaufsorganisationen;
 für den Vertrieb durch den eigentlichen Stärkegroßhandel verbleibt
 etwa ein Drittel der Erzeugung. Firmen, die lediglich den Stärkegroßhandel
betreiben, gibt es nur 8, darunter 3 Großfirmen. Im übrigen werden Kartoffelmehl
und Dextrin, die in jedem Kolonialwarenladen vertreten sind, von denjenigen Großhandelsfirmen
 geführt, die den Einzelhandel mit Kolonialwaren beliefern. Diese
Firmen beziehen die Ware teils von den Fabriken und deren Organisationen, teils
von den oben genannten 8 Fachgroßhandlungen. Kartoffelglukose wird im Kleinhandel
 nicht gehandelt, sie findet nur im Gewerbe Verwendung. Mit dem Verkauf
an das Großgewerbe befassen sich etwa 75 Firmen, die die Glukose neben anderen
Waren führen.
Der An- und Verkauf des Großhandels erfolgte vor dem Kriege beim Kartoffelmehl
 gegen Kasse, bei Glukose mit 30 Tagen Ziel bzw. 1*/ °/, Skonto. In der
Nachkriegszeit muß der Fachgroßhandel vielfach bei den kleineren und kapitalschwachen
 Fabriken durch Bevorschussung die Produktion finanzieren und
auf der anderen Seite den Abnehmern lange Kreditfristen einräumen. Die Kapitalaufwendung
 ist demgemäß trotz geringeren Umsatzes eine größere geworden. Das
früher bedeutende Ausfuhrgeschäft des Handels ist gänzlich fortgefallen; die Ausfuhr
 erfolgt lediglich durch die Fabriken, denen ein Veredelungsverkehr bewilligt
ist, und deren Spitzenmarken im Auslande verlangt werden.
Bei Glukosen und. Dextrin, deren Preisfestsetzung durch Konvention erfolgt,
ist die dem Großhandel für seine Verteilungsarbeit zustehende Provision auf 2 °%
festgesetzt. Für große Umsätze wird außerdem jährlich eine Umsatzprämie gewährt.
 Beim Kartoffelmehl liegen die Verdienstmöglichkeiten des Handels in der
yeschicekten Ausnutzung der Koniunktur.

5. Die wirtschaftspolitischen Interessenvertretungen,
Neben den geschäftlichen Organisationen, teilweise auch verquickt mit ihnen,
stehen die Verbände zur Vertretung der wirtschaftspolitischen Interessen der
Stärkeindustrie. Diese Interessen bewegen sich, je nach den verschiedenen Betriehsformen
 und Fabrikationszweigen, in sehr verschiedener Richtung.
Die Feuchtstärkefabriken, die als landwirtschaftliche Betriebe gleichzeitig
Lieferanten von Rohstoffen (Kartoffeln) und Halbfabrikaten (Feuchtstärke) sind,
haben ein Interesse an möglichst guten Kartoffel- und Feuchtstärkepreisen und be-Snden
 sich damit in einem gewissen Gegensatz zu ihren Abnehmern, den gewerblichen
 Trockenstärke- und Derivatefabriken. Auch deren Bemühungen um eine vervesserte
 Organisation der Rohstoffbeschaffung stehen sie, da ihnen der Rohstoff
unmittelbar zur Verfügung steht, teils unbeteiligt, teils — soweit es sich um Einiuhrerleichterungen
 handelt — ablehnend gegenüber. Unterschiede finden sich aber
zuch in diesem Lager: die etwa 40°, die ihre Feuchtstärke durch Altdamm ge-
        <pb n="63" />
        A

nossenschaftlich verwerten, haben an dem Feuchtstärkepreis kein unmittelbares
Interesse.
Noch weniger einfach liegen die Verhältnisse bei den landwirtechaftlichen
Trockenstärkefabriken. Sie erwerben etwa die Hälfte der verarbeiteten Kartoffeln
zäuflich. Bei ihnen steht also neben dem landwirtschaftlichen das gewerbliche
Interesse an möglichst billigem und leichtem Rohstoffeinkauf. In dieser Hinsicht
ähneln sie den genossenschaftlichen Fabriken: auch diese kaufen Kartoffeln hinzu
‚etwa ein Viertel der verarbeiteten Menge) und haben mit Bezug darauf rein geverbliche
 Interessen. Im großen und ganzen ist aber doch die landwirtschaftliche
Gruppe der Stärkeindustrie (landwirtschaftliche und genossenschaftliche Fabriken),
die rund die Hälfte aller Kartoffeln verarbeitet, weit weniger an der Erleichterung
der Rohstoffbeschaffung interessiert als die gewerbliche Gruppe. Gelingt es ihr
doch auf Grund ihrer gesicherteren Rohstoffbasis, ihren Anteil an der Gesamtverarbeitung
 gerade in knappen Jahren auf Kosten der gewerblichen Gruppe auszudehnen
 (vgl. S. 15).
Auf der Seite des Fabrikate besteht ein Interessengegensatz zwischen den
veinen Trockenstärkefabriken und den die Trockenstärke als Rohmaterial kaufenden
reinen Dextrinfabriken, zu denen sich auch die gemischten Fabriken gesellen, aber
nur insoweit sie Trockenstärke zur Verarbeitung auf Dextrin hinzukaufen. Aus
diesem Grunde ist z.B. die Stellung gegenüber dem Zoll auf Trockenstärke bei
allen drei Gruppen eine ganz verschiedene.
Diese so außerordentlich verschiedenartige Lagerung der Interessen innernalb
 der Industrie spiegelt sich in der Organisation ihrer politischen Interessenzertretung:
 jede kleine Gruppe ist zunächst für sich organisiert. So umfaßt der
Verband der gewerblichen Kartoffelstärke-Industrien im
vesentlichen die großen gewerblichen Stärke- und Derivatefabriken. Diese wieder
zehören, soweit sie sich mit der Dextrinherstellung befassen, gleichzeitig zum
Verband der Dextrinfabriken in Deutschland und, soweit sie
ülukosen herstellen, zum Vereinder Deutschen Stärkezucker- und
Sirupindustrie, der außerdem auch die vier großen genossenschaftlichen
Slukosefabriken umfaßt. Dieser gut durchgebildeten Organisation der Derivate-‘abriken
 standen zunächst keine wirtschaftspolitischen Verbände der‘ übrigen
äaruppen gegenüber; nur in geschäftlicher Beziehung waren Teile von ihnen in
ler Deutschen Stärke-Verkaufsgenossenschaft und im Rohstärkeverband
 (s. o.) zusammengeschlossen.
Diese fünf Einzelorganisationen schufen sich im Jahre 1924 im Wirtschaftlichen
 Beirat der Deutschen Kartoffelstärke-Industrie
 ein Organ für die Vertretung der gemeinsamen politischen Interessen. Im
Dezember 1926 schied wegen. Meinungsverschiedenheiten in der Zollfrage ein Teil
ler reinen Trockenstärkefabriken (15 landwirtschaftliche, 13 genossenschaftliche,
5 gewerbliche) aus und bildete im Vereinder Stärkefabrikanten eine
gene Interessenvertretung:
        <pb n="64" />
        35

II. Kartoffelbrennerei.

Einleitung.
1. Methode der Untersuchung.
Während der Anteil der Kartoffeltrocknungs- und Stärkeindustrie an der
Verwertung der Kartoffelernten nur durch direkte Erhebungen bei den einzelnen
Zetrieben festgestellt werden konnte, begegnete die Untersuchung des Umfanges
ler Kartoffelverwertung in der Brennerei keinen besonderen Schwierigkeiten. In
len Statistiken der Zollverwaltung und später der Reichsmonopolverwaltung für
Branntwein stehen einwandfreie Unterlagen zur Verfügung, aus denen die zeitiichen
 Wandlungen und die örtlichen Verschiedenheiten des Kartoffelverbrauchs der
Zrennereien zu erkennen sind. Auch über die Ursachen und Auswirkungen der

Verteilung des regelmäßigen Brennrechts der landwirtschaftlichen
 Kartoffelbrennereien
nach dem Stande vom 15.Mai 1926.
Über 400 hl Brennrecht

L‚andesfinanzamt

Königsberg .. . . .
Stettin 5 %* ı ® os 8 ®
Brandenburg mit Berlin .ı
3reslau 0.000000
Oberschlesien . . . ..
Mecklenburg . . ..

Ystdeutschland zusammen

Magdeburg, Hannover und
Thüringen + 02
Jresden und Leipzig .
München, Nürnberg und
Würzburg . Wi |
Stuttgart ©. 0.0.0.0.
Xarlsruhe . . ..
Darmstadt . . 0...
&amp;lt;assel, Köln, Düsseldorf ;
Schleswig - Holstein und '
Oldenburg 2080.08

Unter 400 hl
insgesamt | Brennrecht

Davon genossenschaft].
 landw. Kartoffelbrennereien‘)


Be- ı Brenn- | pa. | Brennriebe|
 T9Cht iebe recht
nl] hl

Be- | Brenn- B
triebe! recht | Be- TE
triebe recht
hl] hl

210 151991 19 14322 161 137669 8 8 751
561 583480 26 8.757 335 | 574 678 54 75126
306 614305 | 47 | 13940 | 559 | 600 365 18 | 18 222
304 306217 | 66 17957 | 328 | 288 260 14 | 18 408
7 | 168 244 14 | 4546 | 157 | 163 698 | 5 7 960
29 43 596 1 278 88 43 318 5 6474

981 |1 867 788

203 | 39800 ! 1778 [1807983 | 99 | 1834941

99 25754 177
355 81111 783
398 ı 178763 560 50914 | 138
285 53 199. | 257 29 762 28
32 | 16658) 14 2.102 18
65 16922 - -50 7937 15

276
4928

154 938
44 903

10

8 409

127 849
23 437
14 556
8851

27

836 031

66 ! 925876

44. | 6627

29

18888

1

21583

Ybriges Deutschland ' —_—
zusammen 1379 204207 471 ' 393417 | 388 | 46 598°
) — EN - SR RER.
Deutsches Reich . + +. | 3831 |2465 407 | 1582 | 264007 | 2249 2201400 | 197 | 181534

1) Die in dieser Spalte aufgeführten Betriebe sind den Aufzeichnungen des Verwertungsverbandes
 Deutscher Spiritusfabrikanten entnommen, da aus der Statistik der Reichsmonopolverwaltung
 .nicht zu ersehen war, inwieweit. es sich bei den landwirtschaftlichen Genossenschaftsorennereien
 um Kartoffel- oder Getreidebrennereien handelt.
        <pb n="65" />
        BG

Schwierigkeiten, mit denen die Branntweinbewirtschaftung zu kämpfen hat, konnte
aus den Veröffentlichungen der Reichsmonopolverwaltung und aus der vorhandenen
Literatur Klarheit gewonnen werden.
Dagegen bestehen mit Bezug auf die agronomischen und betriebswirtschaftlichen
 Verhältnisse der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien eine Reihe von
Streitfragen, die die Öffentlichkeit seit langem bewegen, und die nur durch Untersuchung
 der einzelnen Brennereigüter der Klärung nähergebracht werden können.
Der Unterausschuß für Landwirtschaft beschloß deshalb im Herbst 1927, eine
solche Erhebung vorzunehmen und stellte hierfür in Zusammenarbeit mit Vertretern
 der landwirtschaftlichen Brennereien und mit der Reichsmonopolverwaltung
 den in der Anlage S. 96 beigefügten Fragebogen auf.
Um den Kreis der zu befragenden Betriebe abstecken zu können, ist es nötig,
sich ein Bild von der Verteilung des Brennrechts zu machen (vgl. die Tabelle
auf S. 55).
Das Schwergewicht der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennerei liegt durchaus
in Ost- und Mitteldeutschland: es befinden sich hier rund 70 % des regelmäßigen
Brennrechts. Hier überwiegen auch durchaus die großen Brennereien, die 96%,
des Brennrechts in der Hand haben. Anders in den übrigen Landesteilen, wo.
sich 43° , des Brennrechts im Besitze der Brennereien unter 400 hl Brennrecht
’efinden.
Aus den vorhandenen 3831 landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereibetrieben
wurden, um die Untersuchung nicht durch Einbeziehung zahlreicher kleiner, wenig
wichtiger Betriebe zu erschweren, zunächst die 1582 kleinen Brennereien mit einem
‚egelmäßigen Brennrecht von weniger als 400hl, die zusammen nur etwa 10%,
üjes gesamten Brennrechts innehaben, ausgeschieden. Von den verbleibenden
2249 Betrieben mit über 400 hl Brennrecht wurden ferner ausgeschieden 137 genossenschaftliche
 Brennereien, deren Brennrecht etwa 8°/ des gesamten Brennrechts
 ausmacht, weil von ihnen Auskünfte über betriebswirtschaftliche Verhältnisse
 der angeschlossenen Wirtschaften nicht zu erwarten waren. Befragt wurden
sonach 2098 Brennereien mit einem regelmäßigen Brennrecht von zusammen’ rund
2 Millionen Hektoliter. Außerdem wurde die Reichsmonopolverwaltung für
Branntwein mit Bezug auf jeden Betrieb um Auskunft gebeten über die Höhe des
regelmäßigen Brennrechts sowie der aus Kartoffeln, Korn oder Mais hergestellten
Weingeistmengen und über Veränderungen des Brennrechts seit dem Bestehen der
Reichsmonopolverwaltung (30. September 1919). -
Auswertbare Antworten gingen ein von 1871 Brennereien mit einem regelmäßigen
 Brennrecht von zusammen 1818 808 hl, also von 89° der befragten
Betriebe und 90°, des gesamten Brennrechts der Brennereien über 400hl. Die
nicht auswertbaren Antworten stammten zum großen Teil von Gütern, die wegen
Siedlung oder aus sonstigen Gründen in der Aufteilung begriffen waren, deren
Brennrechtsverhältnisse also ohnehin für die Zwecke der Erhebung keine Bedeuung
 mehr hatten, Die folgende Tabelle enthält die Zahl der in den einzelnen
Landesteilen erfaßten Betriebe, die Summe ihres Brennrechts und ihr Verhältnis
zu allen landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien über 400 hl und zur (Gesamtheit
der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien.
Die Erhebung hat demnach 74°, des gesamten landwirtschaftlichen Karsoffelbrennrechts
 aller Betriebe in Deutschland erfaßt. Einen hohen Grad der
Vollständigkeit weist sie in Ost- und Mitteldeutschland auf, umfaßt sie doch in
diesen für die Kartoffelbrennerei wichtigsten Gebieten 91° des Brennrechts der
jandwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien über 400hl und damit 81° des gesamten
 landwirtschaftlichen Brennrechts dieser Gebiete. Wenn demgegenüber im
        <pb n="66" />
        57

Von der Erhebung wurden erfaßt:

' Zahl

Regel- % % %
mäßiges aller Betriebe Vo Te es Bo zamten
Brennrecht | über brennrechts | Kartoffel-400
 h1lN über 400 hI1\ hrennrechtes

Istpreußen 2... .0... 1
?ommern, Brandenburg, Grenzmark?)
Schlesien 2.00.
Aecklenburg . . 0.0.0.0...
Vitteldeutschland?) . . ..
Ist-u. Mitteldeutschland zusammen

180
339
392
30

115 6832 ‘ 90
004 505 92 98
364 701 84 86
33 436 | 88 91
1835 347 na vr

|

Die
84
77
77

‚646

: 653621 | aß

Wi

Freistaat Sachsen ...... | 78 46 150
Süddeutschland % 5 &amp;amp; © km 146 118 712
Westdeutschland!) . . .... 6 5325
„1871| 1818808 ı

100 100
85 82
29 39

587
| 43
91

Deutsches Reich .

QQ

an

"74

übrigen Deutschland durchschnittlich nur 40°, des gesamten landwirtschaftlichen
Kartoffelbrennrechts erfaßt wurden, so liegt das daran, daß dort die nicht
befragten Brennereien unter 400hl fast die Hälfte des Brennrechte innehaben.
Die Prüfung der Zuverlässigkeit des Materials mußte sich, da die Buchstellen
 der Kosten wegen nicht eingeschaltet werden konnten, darauf beschränken,
lie verschiedenen Angaben innerhalb der Fragebogen (Gesamtfläche und Anbauverhältnis,
 Anbaufläche und Ernteertrag, Erntemenge und KEinzelverwertung,
Viehstand und Milchertrag usw.) auf ihr Zusammenstimmen zu prüfen und Unstimmigkeiten
 durch Rückfragen zu beseitigen. Durch solche eingehende, in
Zusammenarbeit mit dem Verwertungsverband deutscher Spiritusfabrikanten er-(olgte
 Nachprüfung wurde erreicht, daß die eingruppierten Fragebogen rechnerisch
ım großen und ganzen richtig und wahrscheinlich sind.
Daneben erbat der Unterausschuß für Landwirtschaft von sämtlichen Landwirtschaftskammern
 Gutachten über die betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche
 Bedeutung des Brennereiwesens für ihren Bezirk.
2. Umfang der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennerei.
In der gewerblichen Brennerei werden Kartoffeln in nennenswertem Umfang
nicht verarbeitet (1927/28 etwa 550t); die Untersuchung konnte sich deshalb
auf die landwirtschaftliche Brennerei beschränken. Bei dieser liegt auch unbe-Jingt
 das Schwergewicht der gesamten Spirituserzeugung. In den vier Betriebsjahren.
 1924/25 bis 1927/28 betrug die gesamte Weingeisterzeugzung im Jahreslurchschnitt
 2186615 hl. Hiervon entfielen auf
landwirtschaftliche Brennereien . . . 1552547 bhl= 710 %,
gewerbliche „ ‚0.0. 367837 b
Monopol- „ „0.0. 227881 }
Öbst- u. dgl. N Ve 38350

1) Ohne Genossenschaften,
?) Die Zusammenfassung der drei Provinzen ist geboten, weil die Brennrechtsstatistik nach
Landesfinanzamtsbezirken gegliedert ist. Hierbei ist die Provinz Grenzmark mit Ausnahme des
südlichsten Zipfels (Kreis Fraustadt), der zum Landesfinanzamtsbezirk Breslau gehört. den
Landesfinanzamtsbezirken Stettin und Brandenburg zugeteilt.
?) Provinz Sachsen, Anhalt, Braunschweig, Thüringen.
‘7 Rheinprovinz, Hessen-Nassan, Schleswig-Holstein.
        <pb n="67" />
        AS

Dagegen stehen bezüglich der Zahl der Betriebe die kleinen Obstbrennereien
weitaus an der Spitze. Es bestanden im Jahre 1926

36 850 Obstbrennereien,
6679 landwirtschaftliche Kornbrennereien,
6576 landwirtschaftliche Kartoffelbrennereien (darunter 214 gemischte
Betriebe),
3181 gewerbliche Brennereien.

Unter den 6576 landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien befanden sich
2745 Klein- und Abfindungsbrennereien, so daß die Zahl der mit Brennrecht auszestatteten
 landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien sich auf 3821 belief. Hiervon
3ind 137 genossenschaftliche Betriebe, deren Genossenzahl meistens zwischen
2 und 20 schwankt. Nimmt man sie durchschnittlich mit 10 an, so würden am
j‚andwirtschaftlichen Kartoffelbrennrecht insgesamt etwa 5000 Betriebe interessiert
sein. Gegenüber der Gesamtzahl aller landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands
ist das ein verschwindender Prozentsatz. Anschaulicher wird das Verhältnis,
wenn man die mit einem regelmäßigen Brennrecht von 400 und mehr Hektoliter
ausgestatteten Brennereigüter, also den weitaus wichtigsten Teil der landwirtschaftlichen
 Brennerei, mit der Gesamtheit der Güter gleicher Größenklassen vergleicht.
 In Ost- und Mitteldeutschland sind dies die Güter mit über 200 ha landwirtschaftlicher
 Nutzfläche). Der Vergleich ergibt folgendes:

Betriebe über 200 ha landwirtschaftl.
 Nutzfläche

Zahl

ha.

Ostpreußen ....
ürenzmark 2. 0.000000
Brandenburg . . . 0...
Pommern . .. % @
Schlesien .
Mecklenburg . .
Mitteldeutschland. .
Dst- und Mitteldeutschland . | : 8726 ] 3619048 |

1664 | 704 586
3324 1 493 153
1511 511 415
‘208 533 493
1Qq 276 401

Davon entfallen auf Brennereibetriebe
mit über 400 hl Brennrecht

92243 = 13,1%
607 218 = 40,6 %
240 208 = 47,0%
24885 = 43%
93 900 = 24,7%
1839 = 21.0% | 1057754 = 29.2 %

Zahl

na

1) Von den erfaßten Brennereien über 400 hl Brennrecht befinden sich auf Gütern mit
einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von ha

inter
100

100
bis
D0N

200
bis
200

300
bis
400

400
bis
00

500 600 ! 700 | 800 ! 900 1000|
bis | bis bis ' bis | bis | bis aee
600 ! 700 800 ı ann !ınnn | annn | 2000

)stpreußen . . .
Jrenzmark . . 0...
Dommern. +. 0.0.00.
3randenburg . . .
Schlesien‘. . 0.0. 00.
Mecklenburg * FE
Mitteldentze land

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32 | 77
6a | 6°

831° 21!
8 1
68 || 52
98 °F

15 F
10 1°
5° | 4%
€” 47

81101 44
5 4 8
35 | 25 , 49
35 | 25 | 39
+1 9 26
25°

3
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11

Sachsen . 2... —
Bayern. 2.0.0.1. f 7
Württemberg . . .| 14
Baden . „0
Hessen. . „a i
Übriges Deutschland . | 88 69 61 | 97 | 17 4

ak
7 | A
        <pb n="68" />
        — 59

in den . wichtigsten Brennereigebieten (Grenzmark, Pommern, Brandenburg,
Schlesien) ist nahezu jeder dritte Großbetrieb mit Brennerei ausgestattet. Im
äbrigen Deutschland liegen die Brennereien mit über 400 hl Brennrecht im wesent-‚ichen
 auf Gütern von 50 bis 300 ha. Eine entsprechende Gegenüberstellung, wie
sie oben für Ost- und Mitteldeutschland gegeben wurde, würde hier jedoch wegen
ler weit überwiegenden Zahl der nicht erfaßten kleineren Brennereien ein schiefes
Bild ergeben.
Für die in der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennerei investierten Anlagewerte
 lassen sich Anhaltspunkte aus den Feuerversicherungswerten
der einzelnen Brennereien gewinnen. Der durchschnittliche Feuerversicherungswert
ainer Brennerei mit über 400 hl regelmäßigem Brennrecht beträgt in

Inventar Gebäude Zusammen
Ost- und Mitteldeutschland . . . . . 36000 35 000 71000 RM.
Süddeutschland . . . 27 600 30 800 58 400 RM.
[m Durchschnitt entfallen auf eine Brennerei in Ost- und Mitteldeutschland rund
1000 hl, in Süddeutschland rund 810 hl regelmäßiges Brennrecht. Auf 1 hl ent-'allen
 demnach
in Ost- und Mitteldeutschland . . . . . 71 RM. |
ın Süddeutschland . . . .. . 72 RM. Anlagewert.
Der gesamte Feuerversicherungswert aller Brennereien über 400 bl Brennrecht
beträgt sonach
bei den 2028 ost- und mitteldeutschen Brennereien . 144 Mill. RM.
221 süddeutschen ” .. 13
Zusammen 157 Mill. RM-A.

 Bedeutung der Brennerei für die Kartoffelverwertung.
1. Technische Eignung.
Die Untersuchungen des Unterausschusses für Landwirtschaft über die Kar-:offelverwertung
 im allgemeinen haben ergeben, daß die Eignung einer bestimmten
Verarbeitungsform der Kartoffeln für die Kartoffelverwertung überhaupt — abzesehen
 von der Frage der Verarbeitungskosten — danach zu bewerten ist, inwieweit
 sie zur Überwindung des Transportwiderstandes der. Kartoffeln und zu ihrer
Konservierung beizutragen vermag, und inwieweit sie elastisch genug ist. sich den
jährlichen Schwankungen der Ernten anzupassen.
Die Kartoffelbrennerei leistet in dieser: Beziehung rein technisch {olzendes:
 sie verringert das Gewicht des Rohprodukts auf etwa ein Neuntel, trägt
also in höherem Maße zur Überwindung des Transportwiderstandes*) bei als die
Stärkeindustrie und die Kartoffeltrocknung, die nur Verringerungen des Rohstoffzewichts
 auf ein Siebentel bzw. ein Viertel erzielen. Desgleichen übertrifft sie die
letzteren. beiden. Verarbeitungsformen mit Bezug auf die Haltbarkeit und Lagerungsfähigkeit
 ihres Erzeugnisses. Auch kann sie in der Verwertung minderwertiger
 Kartoffeln noch weiter gehen als die Stärkeindustrie.
Dem Auftreten großer Kartoffelüberschüsse vermag sie sich weniger durch
Verlängerung der Kampagnedauer —, dieser sind durch die mangelnde Haltbarkeit
der Kartoffeln Grenzen gesetzt — als vielmehr durch Vermehrung der täglichen

1) In Spiritus umgewandelte Kartoffeln erfordern danach nur 17,25 % des Frachtaufwandes
ür Rohkartoffeln.
Enauete-Ausschuß, II. Band 6.
        <pb n="69" />
        60

Einmaischungen anzupassen. Jede Einmaischung nimmt etwa 4 Stunden in Anspruch.
 In den meisten Brennereien werden entsprechend der Arbeitszeit im
landwirtschaftlichen Betriebe täglich zwei Einmaischungen vorgenommen. Sie
xönnen auf vier ausgedehnt werden, ohne daß es dazu, abgesehen von einer unschwer
 zu bewerkstelligenden Erweiterung des Gärraumes, besonderer maschineller
Einrichtungen bedarf, Die Aufnahmefähigkeit der landwirtschaftlichen
Kartoffelbrennereien könnte dadurch nahezu auf das Doppelte der heute verarbeiteten
Kartoffelmengen gesteigert werden. Nicht geringer ist die Anpassungsfähigkeit
an schlechte Ernten. Auch in solchen Jahren steht den Kartoffelbrennereien, da
die maschinellen Einrichtungen ohne weiteres auch das Brennen von Getreide gestatten,
 stets ein Ersatzstoff zur Verfügung, der die Ausnutzung der Anlagen
zewährleistet. Die Brennereien haben in der Zeit der Kartoffelzwangswirtschaft
und im kartoffelarmen Jahre 1926/27 in weitestem Umfang von dieser Möglichkeit
Gebrauch gemacht, indem sie an Stelle von Kartoffeln Mais gebrannt haben (vgl.
die Tabelle auf S. 68). Sie eind in dieser Hinsicht weit günstiger gestellt als die
Stärke- und Flockenfabriken, die aus technischen Gründen Ersatzstoffe nicht verarbeiten
 können und daher bei Kartoffelmangel zum Stillstand verurteilt sind.
Als Rückstand verbleibt beim Brennen ein hochwertiges Futtermittel, die
Schlempe. Durch den Fabrikationsprozeß wird lediglich die Stärke der Kar-;offel
 in Spiritus verwandelt, die stickstoffhaltigen Bestandteile. bleiben zurück.
In der Kartoffel bestehen diese nach den Untersuchungen von Behrend und Morgen
zu 54,76 °/ aus Eiweiß und zu 45,24 °/, aus den im Nährwert niedriger stehenden
Amiden. Durch den Gärungsprozeß werden die Amide zum Teil in Eiweiß umgewandelt,
 so daß in der Schlempe der Stickstoff aus 72 Teilen Eiweiß und
28 Teilen Amiden besteht. Der tatsächliche Gehalt der Schlempe an verdaulichem
Eiweiß hängt ab vom Stärkegehalt der Kartoffeln, von der Höhe des Malzzusatzes
und von der Art des Fabrikationsganges, Er ist deshalb außerordentlich wechselnd
und schwankt nach Maercker-Delbrück zwischen 0,3 bis 1,1 °%, (Mittel 0,5)%). Da
der Stärkewert 2,6 beträgt, ist das Nährstoffverhältnis ein sehr enges, so daß die
Schlempe, die nebenbei auch anregend auf die Freßlust wirkt, die Beifütterung
erheblicher Mengen von den reichlicher zur Verfügung stehenden Kohlehydraten
gestattet und damit eine betriebswirtschaftlich vorteilhafte Ausnutzung des
Eiweißes der Kartoffel ermöglicht. Dazu kommt, daß Menge und Güte der
Schlempe, im Gegensatz zum Heu, von Witterungsverhältnissen unabhängig sind.?)
% Völtz und Zuntz (Landwirtschaftliche Jahrbücher 1912) gelangen zu dem wesentlch
ıöheren Mittelwert von 0,9 %. .
?) Außer der Schlempe fallen beim Brennereiprozeß Abwässer in Gestalt des entzeisteten
 Lutters, der neben Faserstoffen Spuren von Eiweiß und Salzen enthält, und des beim
Reinigen der Gärgefäße abfließenden Waschwassers an. Umfang und Gehalt dieser Abwässer sind
mit der Verbesserung des Brennverfahrens immer geringer geworden, weil alle nutzbaren Stoffe
möglichst der Schlempe zugeführt werden. Ein Teil der Brennereigüter verwendet die Abwässer
zur Berieselung von Wiesen und Weiden. Es. kann dies natürlich nur dort geschehen, wo
solche Grünlandflächen in der Nähe der Brennereien liegen und wo die Höhenlage eine
Berieselung ermöglicht. Exakte Untersuchungen über den Dungwert der Abwässer
iegen nicht vor. Wohl zu unterscheiden von diesen technischen Abwässern ist das beim
Waschen der Kartoffeln abfließende Wasser, das keinen spezifischen Abfall des Brennereibetriebes
 darstellt, fällt es doch bei jeder Art der Verarbeitung und Verfütterung der Kartoffeln
in gleicher Weise an. Die darin enthaltenen festen Bestandteile (Erde und Teile verfaulter und
zerschlagener Kartoffeln) werden in Schlammgruben abgesetzt und dienen als Kompost. Aus
den Antworten der nach der Verwendung der Abwässer befragten Brennereien geht nicht in
ıllen Fällen klar hervor, um welche von beiden Arten der Abwässer es sich handelt. Etwa
11% aller Betriebe verwerten die technischen Abwässer; etwa die Hälfte davon gibt an, daß
lie Wirkung gut war. Der Umfang der berieselten Flächen schwankt zwischen 1 und 5 ha
Zwölf Betriebe leiten die Abwässer in die Fischteiche.
        <pb n="70" />
        — 61

mi

2, Kartoffelverbrauch der Brennereien,
a) Zeitliche Wandlungen.

Die vorzügliche technische Eignung bewirkte, daß die Brennerei sich in den
achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu einem wichtigen Verwertungsfaktor
jer Kartoffelernten entwickelte. Wie sich ihre Bedeutung in der Folgezeit gewandelt
 hat, zeigt die folgende Zusammenstellung:

‚881/82—1885/86
‚887/88—1891/92
‚892/93—1896/97
‚897/98— 1901/02
‘902/08—1906/07
‚907/08—1912/18
‚924/25 .
1925/26 .
926/27 .
927/28 .
‚9928/29

Durchschnitt]. | Davon zu Spiritus
Kartoffelernte verarbeitet
Mill. Tonnen

‘411 Tonnen! % der Ernte

28,421)
27,232)
35 401)
10765
15,78
12,08
36,40
1,72
3008
37,55
11.27

&amp;gt;85
78

1A

FE

587

Danach war in den achtziger Jahren der Anteil der Brennerei.an der Verwertung
 der Kartoffelernten über doppelt so groß als in der Nachkriegszeit. Der
Kartoffelverbrauch der Brennereien hat seitdem in keiner Weise dem Steigen der
Ernteerträge angepaßt werden können. Er ist seit jener Zeit sowohl absolut wie im
Verhältnis zur Ernte zurückgegangen. Zwei Ursachen waren es, die die Ausnutzung
der Möglichkeiten dieser an sich vorteilhaften Verwertungsform der Kartoffel hinderten:
 die begrenzte Absatzmöglichkeit für Spiritus und das Aufkommen von
Konkurrenzstoffen für die Spiritusherstellung. Beide werden weiter unten (S. 69 ff.)
näher untersucht werden.

b) Jetziger Verbrauch.
In den Betriebsjahren 1924/25 bis 1928/29 hat die Brennerei durchsehnittlich
 jährlich 1,31 Millionen Tonnen Kartoffeln == 3,4 °% der Ernte verbraucht.
Hiervon entfielen auf Ostdeutschland etwa 1 Million Tonnen == 6° der Ernte.
Von dem nach Abzug der übrigen Verwertungsformen (Aussaat, Schwund, Speiseverbrauch
 der Selbstversorger und der Städte; Versand nach außerhalb, Stärke,
Verfütterung an Schweine) verbleibenden Ernteüberschuß wurden in Ostdeutschland
von der Brennerei durchschnittlich etwa 35 °% aufgenommen (vgl. auch die Tabelle
auf S. 64). Wie sich der Verbrauch auf die einzelnen Gebiete des Reichs verteilte,
zeigen die umstehende, aus den Statistiken der Reichsmonopolverwaltung zusammengestellte
 Tabelle und die von der Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches
 Marktwesen auf Grund der Statistiken der Hauntzollamtsbezirke
angefertigten Karten.

3. Einwirkung auf die allgemeine Absatzlage für Kartoffeln,
Wie jede Kartoffeln verarbeitende Industrie, so trägt auch die Brennerei
zur Erleichterung der Absatzlage für Kartoffeln bei. Dieser Umstand verleiht ihr
iber die privatwirtschaftlichen Interessen des beschränkten Personenkreises der
Brenner hinaus Bedeutung auch für die übrige Kartoffeln bauende Landwirtschaft.
1) Die Erntezahlen vor 1898 (Änderung der Erhebungsweise) wurden nach der im Jahrbuch
Jjer Spiritusfabrikanten von 1914 S. 406 angegebenen Methode vergleichbar gemacht.
..
        <pb n="71" />
        N

Kartoffelverbrauch der Brennereien 7927/28
7 Punkt= 50€ Kartafein

k
+

Reichsforschungssielle Tür landwirkschaffliches Marktweser

Hartoffelverbrauch der Brennereien 1927/28
1 Pynkt= 50 Kortohein

„rn

&amp;gt;
m
veichslorschungsstelle Tür tandwirtschaflliches Marktwesen » /

FR

fx



m

{
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        63

Kartoffelverbrauch der Brennereien im Verhältnis
zur Kartoffelernte:

9924/25

1925/26

1926/27

1927/28

1928/29

Durchschnitt

1924/
28

%der|
Ernte

t

| %der
Ernte

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* | %der
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 der
Ernte

Dstpreußen ... .
?ommern!) . ..
3randenburg!) . .
jrenzmark!) . . .
Niederschlesien .
Yberschlesien ®&amp;amp; .
Mecklenburg .
Ostdeutschland zus.

62455| 2,9 | 530 8,8.
677 251 7,0 | 800.085| 7,9
126 463 5,0 | 201 518| 6,0
52828| 5,0 98586| 7,1
18018| 1,8 27182) 2,6
{2126383 66

49858| 2,4
407 ger] 5,5 |
71427| 3,8
37628) 4,1
11842 18

85945| 3,9 ) 116 2834| 4,6
749.049) 9,4 It 002 854| 10,8)
196 021| 6,6 ! 287 228| .8,9
108 301 7% 181406! 9.4
93 129 37067 3.0
1524789| 88

3,5
7.9

6,0
6,6
22
63

936515) 5,7

578 642 4,3

162 445| 7,5

Aitteldeutschland?) .
Treistaat Sachsen .
3Zayern. . . ..
Württemberg. . .
Baden . . . . .}
dessen. . . ..
Westdeutschland?) ,
Mäittel-, Süd-u, Westdeutschland
 zus, , *

76 279| 1,1
17 343| 3,0
25.172) 0,7
1887| 9°
1115
L 854/
1 ARd

103 849| 1,5
78 214| 4,7
87767 1,5
7270| 0,8
2738 0,3
200| 0,8
9747

38 028| 0,7
17890| 1,9
16832/ 0,6
588| 0,1
5386| 0,1
2095| 0,3
1178)

96191] 1,5
68807 4,0
101 6201 2.0
4604! 9
? 9683
504!
2 15R'

127 700
79 878
120 458
767
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1,€
5,2
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1,3
8,8
1,5
0,5
0,2
05

Ja

154784) 0,8 1 290980! 1.4
Deutsches Reich . |1091269) 3.0 h 503618| 3,6 | 655784) 2,2 Iı 448 810] 3,9

351 124| 1,5! 1,8
1875913 451 35

Eine direkte Beeinflussung der Absatzlage erfolgt dadurch, daß die Brennereien
 Kartoffeln zur Verarbeitung aufkaufen. Solcher Brennkartoffelzukauf“*)
 hat in den untersuchten Brennereigütern im folgenden Umfang stattzefunden:


Ostpreußen . . . 0. 0...
zrenzmark . . .....
2ommern 20200
3randenburg . . . . + -
Schlesien . 2.0.0.0 0.
Mitteldeutschland .
Mecklenburg .

PU

Freistaat Sachsen . . ..
Bayern .0.0.000000..00 4
Württemberg . . . . ..
Zaden. . . . 4
dessen .

"sammen

Wirtschaftsjahr 1925/26
Brennkartotffel- | % der
zukauf Wararhaitnyer

5617 °5
1494 | RO
5.863 X
1061 3,4
4.767 6,9
7712 10,8

48 830

1894
5115
206
650
Ana

88
147
45,0
200

10.771 | 15.9

Wirtschaftsiahr 1926/27

Brennkartoffel- | % der
zukauf Verarbeitung

1305
689
2559
2 701
2.394
2538
AAN

1
1,6
28
SA

19 491

8

184 2,5
149 | 7,5

+

AR l
6 0

N) Landesfinanzamtsbezirke Stettin, Brandenburg, Berlin.
N) „ P Magdeburg, Thüringen, Hannover. ,
9 % „ % Schleswig-Holstein, Oldenburg, Münster, Düsseldorf, Köln, Kassel.
*) Den vor dem 1. September 1902 betriebsfähig hergerichteten Brennereien, also der
großen Masse der Brennereien, ist solcher Zukauf ohne weiteres erlaubt; den später errichteten
ist er von .Jahr zu Jahr durch hesondere Verordnung gestattet worden.
        <pb n="73" />
        Im Gegensatz zur Stärkeindustrie, die in größerem Umfang Käufer fremder
Kartoffeln als Verarbeiter eigener Kartoffeln ist (die hinzugekauften Kartoffeln
machen hier rd, 60°, der Gesamtverarbeitung aus), versorgt sich die Kartoffelbrennerei
 im Osten bis auf geringe Mengen (etwa 3 bis 5 °%) aus der eigenen Wirtschaft.
 In Süddeutschland ist der Prozentsatz der zugekauften Kartoffeln größer,
weil die Brennereigüter mit ihren oft minimalen Kartoffelflächen den Brennereibedarf
 nicht decken können*?).
Ungleich wichtiger ist der indirekte Einfluß, den die Brennereien dadurch
auf die allgemeine Absatzlage für Kartoffeln ausüben, daß sie jährlich etwa 11% bis
2 Millionen Tonnen Kartoffeln vom Markte fernhalten. Der Einfluß
dieser Tatsache auf die Absatzlage ist in den einzelnen Landesteilen jedoch völlig
verschieden, In West- und Südwestdeutschland ist wegen der Geringfügigkeit der verarbeiteten
 Mengen die Brennerei für die Kartoffelverwertung bedeutung&amp;amp;los. Selbst
in reichen Kartoffeljahren wird hier der größte Teil des Jahresbrennrechte durch
Maisbrand ausgenutzt (vgl. die Tabelle auf S. 68). Für die übrigen Gebiete ist
in der nachstehenden Übersicht versucht worden, die Bedeutung der landwirtschaftlichen
 Kartoffelbrennerei im Rahmen der gesamten Kartoffelverwertung an
Hand einer Kartoffelbilanz zahlenmäßig darzustellen.
Verwertung der Kartoffelernten im Durchschnitt der Wirtschafitsjahre
1924/25. bis 1927/28 in 1000 t

Speiseverbrauch -

Schweinebestand


Ernte

Ausangt


Schwund Iee]bhst- Ver:
| ver- |Städte
3orger sand

” Überschuß

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1000 Aufnahme--
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Bayern . ..
Freist. Sachsen
Mecklenburg .
Istpreußen . .
Prov. Sachsen,
Thüringen,
Braunschweig,
Anhalt. ..
jrenzmark, nn
Pommern, 1,8768
Brandenburg?) /
Schlesien . 3885 }

764
310
‚61
363

402
148
108
219

954
299
128
114

536
575
67
156

58
10
L64
68

‘998
678
535
1160

1598
542
428
928

— —293 58
&amp;gt; - "20| 53
18 |- 29] 20
— 1, 40°! "Zi

650

4738

BER

444.

268

9972 ! 1818 1 99 |. 9871 78

1241 876 754 ! 420 | 1080 | 2681 | 2105 | 458 [00] 657
‘601 | 388 | 652 | 409 | 78 | 1215 on | 54 1+ 7311 297
i { ) ı | ' \ ı
Hierbei wurden für den Durchschnitt der vier Betriebsiahre 1924/25 bis
1927/28 der Ernte gegenübergestellt: der Abgang durch Schwund, der Verbrauch
an Saatgut, für Speisezwecke und Stärkeerzeugung und die Aufnahmefähigkeit des
Schweinebestandes. Letztere Ist unter der Voraussetzung, daß der Schweinebestand
ainmal im Jahre umgesetzt wird, nach den Normen von Lehmann (Göttingen)
mit 8 dz je Schwein angenommen worden. Bei solcher sich im wesentlichen auf
Kartoffeln stützenden Fütterung würden sich, wie die Tabelle zeigt, in den Ländern
 Bayern und Sachsen namhafte Fehlbeträge an Kartoffeln ergehen. Auch

') In den untersuchten Brennereigütern entfallen auf 1 ha Kartoffelfläche an Brennrecht in
Istpreußen . . . . 104hl Mecklenburg. . . . 91h Bayern. . . . . . 2832hl
Grenzmark . ... 87, Schlesien. . . 2... 1°/ „Württemberg . . . 85,0
Pommern. . ., . 9,2, Mitteldeutschland , . 14,0, Baden. .... . 515,
Brandenburg . ‚ . 101, Freistaat Sachsen. . 18,6 ,„ Hessen. . 18,7
Zur Erleichterung des Kartoffelzukaufs ist im Herbst 1929 von den süddeutschen Brennereien
eine „Kinkaufsgenossenschaft süddeutscher Brennereien e. G.m. b.H.“in Karlsruhe gegründet worden.
2) Ohne Berlin.
        <pb n="74" />
        Mecklenburg weist einen, allerdings wesentlich geringeren, Fehlbetrag auf. In Ostoreußen
 zeigt sich bereits ein Überschuß von etwa 40 000t, dem ein Bedarf der
Brennereien von 71000 t gegenübersteht. Ungleich größer sind auf Grund dieser
Berechnungen die Kartoffelüberschüsse in Mitteldeutschland und namentlich in
Norddeutschland und Schlesien. Sie betrugen im Durchschnitt in
Mitteldeutschland . . . . . 287 000 t
Norddeutschland . . . . . 1834000t
Schlesien. . . . 731 000 t£
Am wenigsten gefährlich erscheinen die Überschüsse in Mitteldeutschland,
da es sich hier um ein. Gebiet mit günstiger Absatzlage zu den drei Hauptzentren
Ruhrgebiet, Berlin und Freistaat Sachsen handelt, Doch bleibt auch hier zu beachten,
 daß der Bedarf des Marktes für Speisekartoffeln und für Industriezwecke
nur beschränkt ausdehnungsfähig ist. Sehr schwierig erscheint dagegen die Unterbringung
 der großen Überschüsse in Norddeutschland und Schlesien. Die Brenneveien
 nahmen hiervon im Durchschnitt in Norddeutschland 36°, in Schlesien
41°, auf. Sie haben also wesentlich zur Entlastung des Kartoffelmarktes beigetragen.
 Die Erhaltung der Brennerei gewinnt demnach hier den Charakter einer
Stützungsaktion für den Kartoffelpreis. Eine gewisse Entspannung könnte davon
&amp;gt;rwartet werden, daß der Kartoffelanbau der Brennereigüter bei einer Reduzierung
 des Brennrechts auf den Durchschnitt der übrigen Güter zurücksinken
würde. Jedoch darf dieses Moment nicht überschätzt werden, denn, wie die Tabelle
auf S. 82 zeigt, überragt in den wichtigen Brennereigebieten Brandenburg und
Grenzmark der Kartoffelanbau der Brennereigüter nicht wesentlich den Durchschnitt
 aller Betriebe gleicher Größenklasse.

4. Einwirkung auf die Absatzlage der Brennereigüter,
Nachdem im Vorstehenden der Anteil der Brennerei an der Verwertung der
zesamten Kartoffelernten des Reiches und der einzelnen Provinzen dargestellt
wurde, bleibt nunmehr die Einwirkung zu ‚erörtern, die die Brennerei auf die Karjoffelabsatzlage
 der Brennereigüter selbst ausübt. Befragt wurde jeder Betrieb
aach den erzeugten Kartoffelmengen und nach deren Verwendung im einzelnen.
 Bei der Auswertung der Antworten sind die Angaben über die Erntemengen.
 mit einigem Vorbehalt aufzunehmen, denn diese werden bei Kartoffeln, im
Gegensatz zum Getreide, nur selten durch exaktes Verwiegen, vielmehr meistens
Jurch Schätzung auf Grund. von Stichproben ermittelt. Dagegen konnten die Anzaben
 über die zu Spiritus verarbeiteten Kartoffeln wirksam kontrolliert werden
durch die jedem Fragebogen beigefügten Zahlen der Reichsmonopolverwaltung
äber die in den einzelnen Betrieben erzeugten Weingeistmengen*). Die Frage nach
den verkauften Mengen war dort, wo Bücher geführt wurden, verhältnismäßig
leicht zu beantworten. Ob der Verkauf zu Speise-, Saat- oder Industriezwecken
3rfolgt war, konnte dagegen in den meisten Fällen nicht angegeben werden. Als
undurchführbar erwies sich auch eine Trennung der für den eigenen Speisebedarf,
für Deputat- und für Futterzwecke verbrauchten Kartoffeln.

1) Die für 1hl Weingeist durchschnittlich gebrauchte Kartoffelmenge ließ sich für das
Jahr 1925/26 in den östlichen Provinzen, die in diesem Jahr lediglich Kartoffeln gebrannt
aatten, aus der Branntweinstatistik der Reichsmonopolverwaltung einwandfrei feststellen; nicht
Jagegen für das Jahr 1926/27, weil hier in großem Umfange Mais gebrannt wurde und aller
Branntwein derjenigen Brennereien, die überwiegend Kartoffeln verarbeitet haben, in der Statistik
als „aus Kartoffeln hergestellt“ aufgeführt wird. Für dieses Jahr wurden daher die verbrannten
Kartoffelmengen errechnet unter Zugrundelegung es von der Stärkeindustrie ermittelten Stärkegehalts
 (S. 26) und der im Kalender für die landwirtschaftlichen Gewerhe veröffentlichten Ausseutesätze.
        <pb n="75" />
        — 66

Die untersuchten Betriebe verwerteten ihre Kartoffeln in folgender Weise:
Kartoffelverwertung in den untersuchten Brennereiwirtschaften.


Ernteertrag . .
Brennereil) , .
Verkauf. . ..
Trocknung? , .
Stärke®) . . ..
Saat4). . 0.0...
Futter, Deputat usw. .

...

Wirtschaftsjahr 1925/26
Menge | . N
in  Tomen % der Ernte

Wirtschaftsjahr 1926/27

M.
in Tosnen % der Ernte

Brandenburg (461 Betriebe)
857 395

315 742
191 949
34 091
78983 ;
89 300
218 420

695 460
37,0 162 345
22,4 189680
4,2 ' 18 080
0,9 6.088
104 88 800
5 935 517

|

23,2
27,2
1,9
0,9
12,7
34.1

100,0

100,0

Grenzmark (85 Betriebe)

Ernteertrag ,
Brennerei . .
Verkauf. . .
Trocknung .
Stärke .
Saat . . 2. .
Futter, Deputat usw

165 444

56 646
36 062
11 510
8 706
19 000
38 520

34,2
| 21,8
| 7,0
2,2
11,5
922

100.0

133 601
26 660 20,0
33 190 25,0
3.169 2,4
3 498 2,6
18 800 14,0
48 984 236.0

100.0

Pommern (359 Betriebe)

Ernteertrag .
Brennerei .
Verkauf... .
Trocknung . . .
Stärke . ..
Saat . . 0.0...
Futter, Deputat usw.

Ernteertrag .
Brennerei . ;
Verkauf. . . ..
Trocknung . . . .
Stärke ....
Saat . 0.0.0.0
Futter, Deputat usw.

683 062
259 089 38,0
89 741 13,3
34694 | 5,1
24.059 3,5
81 700 41,0
193 779 &amp;gt;

(00.0

Ostpreußen (122 Betriebe)
152 169
60 328 39,6
17 902 11,8
1257 0,8
20 432 13,4
52 955 D4 A

100,0

| 568 331
141 269
100 982
26 019
14 752
82 000
208 300

25,0
17,8
4,6
2,6
14,4
rn

100,0

142 896
37379 26,1
22210 15,6
1082 0,7
20 575 14,3
61 700 43,3
| 100,0

(Die Fußnoten 1—4 gelten für sämtliche Provinzen.)
1) Nach Abzug der hinzugekauften Brennereikartoffeln.
?) In eigener oder genossenschaftlicher Trocknerei.
3) % ” Stärkefabrik.
*) Nach Abzug der hinzugekauften Saatkartoffeln. Der Zukauf an Saatkartoffeln
betrug in % der Aussaat

1925/26 1926/27
Grenzmark . . 2. 2... 5,0 5,8
Pommern . 2.0.0.0. 5,0 4,6
Brandenburg ., .. .. 10,7 11,2
Schlesien . 10,0 7,7

1925/26 1926/27
Mitteldeutschland . . . 36,7 38,4
Ostpreußen . . . - . 6,8 6,1
Mecklenburg . . .'. - 6,8 4,6
Freistaat Sachsen . . 36,2 35,4
        <pb n="76" />
        A

Wirtschaftsjahr 1925/26
ge | % der Ernte

Wirtschaftsjahr 1926/27

Menge N
in Tonnen | % der Ernte

Ernteertrag .
Brennerei .
Verkauf. . .
Trocknung . .
Stärke 2... .
Saat . 0. 0.0.0404
7utter, Devutat usw.

Schlesien (371 Betriebe)
477 308
200 729
88 411
14 435
1017
56 600
116 116

358 540

42,0
185 1
82
02 |
11,8

81 552
102 709
7076
1189
58 100 |
107 923

22,8
28,8
2,0
0,3
16,1
260

100.0

100.0

Mitteldeutschland (147 Betriebe)
„1 163 088

Ernteertrag .
3rennerei
Verkauf . .
Trocknung .
Stärke . .
Saat . 0. 0. 0. 4.
Futter. Deputat usw.

143 261
27 697 19,8
54 605 38,0
2707 1,9
258 0,2
12 600 * €*
A5 904 a4

61 602
36 960
3 621
307 |
12 600
47 908

&amp;gt;n

100.0

Mecklenburg (25 Betriebe)
37781
14 809
4708
772
63
532

Ernteertrag

33 183

Brennerei
Verkauf . .
Trocknung .
Stärke . .
Saat . . .
AyYtter usw...

89,1
12,4
2,2
0,2
14,6
941

9 641
6 666
802
19
“ 661
+N 204

29,0
20,1
2,4
17,1
31,4
100.0

; |
Freistaat Sachsen (63 Betriebe)
50314
36.185
"374
2.159

100.0

Ernteertrag
Brennerei
Verkauf, .
Irocknung .
Stärke . .
Saat . .
Futter usw. .

36 039
7189
8 855
796
4 294
4.905

40 4,
14,4
4,8
8,8
100.0

20,0
24,6
2,2
11,8
41,4
100.0

Ost-., Mit.

‚aeuischland und Freistaat Sachsen (zusammen 1633 Betriebe)
Menge in 1000 t Menge in 1000 t
2586,1 2111,1
498,5
318,7
54,5
958
nn +
“no’n

Ernteertrag
Brennerei
Verkauf .
Frocknung
Stärke .
Saat . .
Antter usSsW. -

988,8
472,7
02,1
3E&amp;lt;
289.‘
QOR *

28,4
24,5
2,6
1,2
13,8
34,5
1000

100.0

Die Aufstellungen zeigen, daß im guten Erntejahr 1925/26, trotzdem nur
70%, des regelmäßigen Brennrechts als Jahresbrennrecht freigegeben waren, die
Brennerei von allen Verwertungsformen die weitaus größten Kartoffelmengen aufnahm.
 Im Durchschnitt der untersuchten Betriebe Ost- und Mitteldeutschlands
ınd des Freistaates Sachsen waren es 38.4 °/. der geernteten Kartoffeln. Zwischen
        <pb n="77" />
        — 68

den einzelnen Betrieben schwankt der Prozentsatz stark wegen des sehr verschiedenen
 Verhältnisses der Brennrechtshöhe zur landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Im Mißerntejahr 1926/27 sank der Kartoffelverbrauch der Brennereien, trotzdem
 das Jahresbrennrecht nur um 5° auf 65 °% ermäßigt worden war, fast genau
auf die Hälfte des Vorjahres oder 23,4 °/, der Ernte. Der Fehlbetrag wurde durch
Mais gedeckt, jedoch nur zum Teil, 29% des Jahresbrennrechts blieben, wie die
folgende Tabelle zeigt, ungenutzt.

Ausgenutzt wurden in Prozent des Tahresbrennrechts:
Wirtschaftsjahr 1926/27
durch | durch | zu-Kartoffeln
 Mais sammen

Ostpreußen ......
Grenzmark ......
Pommern . .. 2.0...
Brandenburg . .. ...
Schlesien . .. 2...
Mitteldeutschland . .
Freistaat Sachsen .
Mecklenburg . . .
Durchschnitt
Bayern . . 0.0.0.0
Württemberg. . .. ..
Baden . . .. ; .
Hessen . . .» +
Durchschnitt |

89 - 89
96 Vi 96
97 — 97
94 — 4
90,7 0,38 4
78,3 0,7 a
80 0,6 276
Ann

FE

F1
60
Kg
1
3

45 73
19 &amp;gt; 70
13 73
18 70
“ m
»$ ;
5 €4

92

a2

a

4

1

82 11 93 18 54 67
24 39 63 6 45 51
34 832 66 5 48 58
7 7 KQB OQ 16 74
63

|
Der starke Rückgang des Brennkartoffelverbrauchs 1926/27 erklärt sich
einmal daraus, daß der gegenüber 1925/26 um 13° höhere Schweinebestand
größere Kartoffelmengen beanspruchte, vor allem aber daraus, daß die Kartoffeln
auf dem Speisekartoffelmarkt lohnendere Verwendung fanden. Der Speisekärtoffelverkauf
 der untersuchten Güter war 1926/27 um 46 000 t höher als im Vorjahre
und übertraf sogar den Brennkartoffelverbrauch. Hierbei zeigen sich in den einzelnen
 Provinzen, je nach der Gunst der Lage zu den großen Absatzgebieten
(Ruhrgebiet, Berlin, Freistaat Sachsen), bemerkenswerte Unterschiede: die mitteldeutschen
 Betriebe konnten infolge ihrer günstigeren Lage 38°, der Ernte als
Speisekartoffeln absetzen; Schlesien, Brandenburg und Grenzmark standen mit
28,8, 27,2 und 25° erheblich zurück, wenngleich auch hier der Verkauf den
Brennereiverbrauch übertraf; am wenigsten konnte die Koniunktur in Ostpreußen
und Pommern ausgenutzt werden, wo der Verkauf mit 15,6 bzw. 17,8 ° der Ernte
wesentlich hinter dem Brennereiverbrauch zurückblieb.
Der Verbrauch für Trockenkartoffeln und Stärke machte nur ein
Siebentel des Brennereiverbrauchs aus. Über Zahl und Kapazität der auf den
untersuchten Gütern befindlichen Kartoffeltrocknungen und Stärkefabriken unterrichtet
 die Tabelle auf S. 69.
Danach hätten die Brennereigüter Ost- und Mitteldeutschlands bei voller
Ausnutzung der Kapazität ihrer Trocknungsanlagen etwa 900000t Kartoffeln
trocknen. können, eine Menge, die den 1925/26 in die Brennerei gewanderten Kartoffeln
 (1016 655 t) ziemlich nahegekommen wäre.
Der Ausnutzung der Stärkefabriken sind enge Grenzen gezogen durch die
beschränkten Absatzmöglichkeiten für Stärke und deren Derivate. Die höhere
Ausnutzung der Stärkefabriken in Pommern ist darauf zurückzuführen, daß hier
die Feuchtstärkeherstellung weitgehend auf Grund genossenschaftlicher Lieferungsverträge
 erfolgt.

AR

| 18

86 |
        <pb n="78" />
        69

Jstpreußen . . . s
jrenzmark . . . . “4
DOoMMern.. . 0. 0.00 04
3randenburg . . . +.
Schlesien. . .. 0... + -
Mitteldeutschland . -
Mecklenburg, ...
Ist- und Mitteldeutschland

Kartoffeltrocknung

Betriebsfähige
Anlagen
lin v.H. der
Zahl {untersuchten
Betriebe

27
26
37
d4
67
5

21
30
24
20
17

820 | 19,5

Tägliche
Verarbeitungs-



278,8
336,7
1817,2
1804,7
10117
217,6
44.

4510,9

V erarbeitungs-


'n 200 Tagen
in 1000 £

Tatsächliche
Ausnutzung
1925/26 1926/27
% | %

55,6 1,5 1,9
67,3 17,0 4,7
263,4 | 18,2 10,0
261,0 18,0 5,0
202,8. 8 2,8
13,5 4,0
8,0 €

902,0

10,8 | 5,5

Stärke
ärenzmark . . .... 4 98,0 19,6
”ommern., 0. 0.00.40. 16 340,5 68,1
3randenburg . . . + 14 ] 242,5 48,5
Schlesien... . 0. +. 3 37,0 7,4
Mäitteldeutschland_ ._. . 80,0 | 6,0
Dst- und Mitteldeutschland | 88 ! 2,8 | 748,0 | 149,6 24,0 | 17,0
Sehr wenig Gebrauch ist von der Einsäuerung gemacht worden. Einyesäuert
 haben von den untersuchten Betrieben in:

| Wirtschaftsjahr 1925/26 ! Wirtschaftsjahr 1926/27

Istpreußen . . .
jrenzmark. . . ..
&amp;gt;ommern . . 2...
3Zrandenburg . . .
Schlesien . . . ..
Witteldeutschland .
Mecklenburg . .
Sachsen. . . .

20 Betriebe 1441 t
5 350 t
76 5517 t
7 2141 t
2239 t
582 ;
210
nn

“&amp;gt; Betriebe 1683 t
410 t
4399 t
2128 %
2027 t
205 t
190 %
327

| 165 Betriebe 12820 t | 158 Betriebe 11814 +

[n den süddeutschen Betrieben fand die Einsäuerung keine Anwendung; die
ost- und mitteldeutschen Betriebe säuerten in den beiden untersuchten Jahren etwa
7,5 °% ihrer Ernten ein.
5. Die Absatzlage für Spiritus.
a) Allgemeines.
Drei Hauptformen des Absatzes sind zu unterscheiden: die Ausfuhr, der Absatz
 für Trinkzwecke und der Absatz für technische Zwecke. Wie sie sich im
Laufe der Jahre gestaltet haben, zeigt folgende Übersicht:
Der Spiritusverbrauch (Mengen in 1000 hl).

Jahres-Iurehschnitt


Trinkrzerhrauch


1883—E7
888—92
893—97
‚898-—02
‚908—07
908 —192

2850
2186
2223
2365
2809
2159

1924/25 598
1925/26 652
1926/27 835
1927/28 819
998/929 872

“echnischer
Zerhbrauch

Ausfuhr

Gesamtverbrauch


140
482
| 788
1087
1877
1RQN

760
309
121
174
168
4

3750
2977
3077
8576
3854
2754

1152 280 2030
1227 587 2417
1571 83 2481
1773 24 2616
1960 29 2861
        <pb n="79" />
        !(

Mengen in
1000 hi. |

Ausfuhr
Technischer
Verbrauch

Trink =
verbrauch

4 000
3500

3000
2500

2000
1500

1000
500

1883
Yo 1660

€
7 186084, N

2

z
D
2

5

A

A

£
8

&amp;amp;
z93

Zum Verständnis der Absatzlage ist ein kurzer Rückblick auf die Ent-Wicklung
 der Spiritusbewirtschaftung nötig. Bis zum Jahre 1887
war die Spiritusindustrie, von einigen steuerlichen Bindungen abgesehen, in der Regelung
 ihrer Erzeugung und ihres Absatzes keinen Beschränkungen unterworfen. Sie
hatte sich, ähnlich wie die Stärkeindustrie, in hohem Maße zu einer Ausfuhrindustrie
 entwickelt. Von der von Jahr zu Jahr wachsenden Erzeugung ging ungefähr
ein Fünftel zu lohnenden Preisen in das Ausland. Das änderte sich Ende der 80er
Jahre mit einem Schlage durch das Aufkommen der russischen Konkurrenz. Rußland
 steigerte durch Prämiengewährung seine Ausfuhr, die in den ersten Jahren
des Jahrzehnts durchschnittlich rd. 250 000 hl betragen hatte, im Jahre 1886 auf
757000 hl. Auch im Jahrfünft 1887/91 führte es durchschnittlich 590 000 hl aus,
also fast doppelt soviel wie Deutschland, und unterbot den deutschen Sprit auf
allen Märkten. Die Folge war Überangebot und Preissturz auf dem deutschen
Binnenmarkt). ;
Namentlich die landwirtschaftlichen Brennereien gerieten in eine gefährdete
Lage, und die Sorge für ihre Erhaltung, die im Interesse der Kultur der ärmeren
Böden geboten erschien, wurde seitdem zum Ausgangspunkt fast aller Maßnahmen
auf dem Gebiete der Branntweinbewirtschaftung. Nach dem Verlust ihrer Konkurrenzfähigkeit
 auf dem Auslandsmarkt war ihre Existenzfähigkeit ständig von
zwei Faktoren bedroht: von der Überproduktion im eigenen Lager und von der
Konkurrenz der mit wohlfeileren Rohstoffen und mit billigeren Gestehungskosten
arbeitenden großen gewerblichen Brennereien. Man schränkte daher zunächst die
Erzeugung ein, indem man die Errichtung neuer Brennereien erschwerte und die
über ein bestimmtes Kontingent hinaus erzeugten Mengen mit schärferer Besteuerung
 bzw. mit empfindlichen Minderpreisen bestrafte. Hierbei wurde die Konkurrenz
 der gewerblichen Brennereien durch Benachteiligung bei der Bemessung
des Kontingents und durch steuerliche Sonderbelastung beschnitten. Diese Produktionsbeschränkungen
 nahmen im Laufe der Zeit in der Festsetzung des Durchschhittsbrandes
 und schließlich des regelmäßigen Brennrechts immer starrere

*) Der Jahresdurchschnittspreis (in Berlin für 100 hl ohne Faß, aber einschl. rd. 13,— M
Maischraumsteuer) betrug:
1880 . . . . 60,70 M
1883 ‚ . ; . 58,40 M
1885 . . . 41,60 M
        <pb n="80" />
        71

Formen an und entwerteten die Brennerei als Verwertungsfaktor der Kartoffelarnten
 immer mehr, indem sie ihr die Anpassungsfähigkeit an den Ausfall der
Kartoffelernten völlig raubten, und indem. sie das Entstehen von Brennereien in
den brennereibedürftigen Betrieben hinderten. Nicht mehr nach der Menge der
iberschüssigen Kartoffeln richtete sich die Ausnutzung der Brennerei, sondern
nach der Festsetzung des Jahresbrennrechts, dessen Höhe lediglich von der Absatzmöglichkeit
 des Spiritus abhing.
Der Absatz mußte daher, sollte die Drosselung der Erzeugung ein gewisses
Maß nicht überschreiten und nicht zu einer gar zu schweren Benachteiligung der
lJandwirtschaftlichen Brennereien führen, mit allen Mitteln gehoben werden. Beim
Trinkbranntwein zwar war die allgemein rückläufige Tendenz nicht aufzuhalten;
beim technischen Branntwein dagegen gelang es, durch künstliche Verbilligung
len Absatz so zu steigern, daß dadurch der Rückgang der Ausfuhr und des Trinkbranntweinverbrauchs
 mengenmäßig ausgeglichen wurde. Diese um die Jahrhundertwende
 von der Spirituszentrale begonnene Preispolitik wurde nach Überzang
 der Branntweinbewirtschaftung an das Reich von der Monopolverwaltung
mit größerer Konsequenz und unter Einsatz wachsender Zubußen fortgesetzt. Die
Jer Reichsmonopolverwaltung aus der Differenz zwischen dem durchechnittlichen
Einstandspreis und dem Verkaufspreis erwachsenen Mindereinnahmen beliefen
sich in den letzten vier Jahren auf ungefähr 70 Mill. RM. jährlich. Hiervon entfielen
 1928/29 rd. 77° auf technischen Spiritus, 20 °%, auf Motorspiritus und je
L,5°% auf Essigspiritus und auf die Ausfuhr.
Nach 8 85 des Branntweinmonopolgesetzes hat die Monopolverwaltung die
Verwertung des Branntweins so einzurichten, daß sie nach Abführung der Steuern
‘Hektolitereinnahme) ohne Verlust abschneidet, Damit sind ihr in ihrer Preisbemessung
 bestimmte Grenzen gesetzt: sie kann die Absatzförderung durch Ver-'ustpreise
 nur so weit ausdehnen bzw: den Wünschen auf Heraufsetzung der Überaahmepreise
 und Erweiterung des Brennrechts nur so weit Rechnung tragen, als
eg die Rücksicht auf die Bilanzierung ihres Etats gestattet. Die oben genannten
Verluste werden gedeckt vor allem.durch die über die Hektolitereinnahme hinauszehenden
 Einnahmen aus dem Trinkbranntwein*). Sie setzen sich zusammen aus
len Einnahmen für den ablieferungspflichtigen, den ablieferungsfreien (sogenannten
Branntweinaufschlag) und den eingeführten Branntwein (sogenannten Monopolzusgleich).
 Ein bescheidener Teil des Überschusses (etwa 4°) ergibt sich ferner
aus dem Verkauf des Branntweins für pharmazeutische und kosmetische Zwecke.
Die Reineinnahme ist, soweit sie nicht für Betriebsmittel oder sonstige Verwal-:ungszwecke
 zurückzubehalten ist, an das Reich abzuführen. In dem Maße, wie der
Trinkbranntwein zur Verlustdeckung herangezogen wird, vermindert sich seine
steuerliche Tragfähigkeit. Die Finanzierung der künstlichen Absatzerweiterung
erfolgt demnach letzten Endes aus öffentlichen Mitteln, indem der Staat auf über
die Hektolitereinnahme hinausgehende Reineinnahmen aus dem Spiritusmonopol
verzichtet. Wie stark sich das Verhältnis zwischen Gewinn- und Verlustabsatz
gegenüber der Vorkriegszeit gewandelt hat, zeigt das Schaubild auf 5. 70. Von
Jahr zu Jahr sinkt der Anteil des einzigen nennenswerten Gewinnpostens, des
Trinkbranntweins, am Gesamtabsatz.
Über die Entwicklung und die Aussichten der einzelnen Absatzzweige und
über die Konkurrenz der anderen Rohstoffe ist folgendes zu bemerken:

1) Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis des Trinkbranntweins und der Hektolitereinnahme
betrug ab 1925 150 RM, ab 1.6.1927 170 RM, ab 1.6. 1929 200 RM je hl.
        <pb n="81" />
        72
b) Spiritusherstellung aus anderen Rohstoffen.
Neben der Kartoffel dienen als Rohstoff für die Spiritusherstellung Getreide
aller Art, Obst, Traubenwein, Melasse und seit dem Kriege auch Sulfitablaugen
der Zellstoffabriken, Karbid und Holz. Die verschiedenen Rohstoffe waren an
der Gesamterzeugung von Weingeist in folgendem Verhältnis beteiligt:

| Kartoffeln | Getreidel) ı Melasse | Obst u. dgl.] Sulfit
% % % % %

1887/88—1896/97
1897/98-—1906/07
1907/08—1912/18

78
76
"0

a.
20 8
17,2 2,8
11,3 14,2 1,7
8,2 11,5 1,8
24,5 16,1 2,4
136 } 144 19
144 14 1.8

1924/25 . ..
1925/26...
1926/27...
1927/28
1924/25 —1927/28
Gegenüber der Vorkriegszeit ist der Anteil der Kartoffeln im Durchschnitt
der letzten vier Betriebsjahre um 20°, zurückgegangen. Die Lücke ist durch die
Melasse und die Sulfitablaugen ausgefüllt worden.
Die starke Zunahme des Melassgespiritus erklärt sich daraus, daß viele
Hefebrennereien in der Zeit der Getreidezwangswirtschaft von der Getreide- zur
Melasseverarbeitung übergegangen sind und diesen Rohstoff auch weiter beibehalten
haben. Die Melassebrennereien verarbeiten die Melasse vollkommen zu Spiritus,
die Hefebrennereien gewinnen daraus unter Verminderung der Spiritusausbeute
gleichzeitig Hefe?). Im Betriebsjahr 1927/28 stellten die Melassebrennereien
127278 hl Weingeist, die Hefebrennereien 280 870 hl Weingeist und 580093 dz
Preßhefe her. Der Melasseverbrauch für Brennzwecke ist sowohl gegenüber der
Vorkriegszeit wie auch im Verlaufe der letzten Jahre stark gestiegen. Er betrug

10,8
9
14
9,1
10.7

1913
1924/25
1925/26
1926/27
1927/28
1928/29 .

52293 €
143.017 €
146 431 €
164 506 €
196 351 t
199 434 1

Von der durchschnittlichen jährlichen Erzeugung von etwa 400000 t Melasse
nehmen demnach die Brennereien ungefähr die Hälfte auf), so daß die Höhe ihres
Bedarfs den Melassepreis stark beeinflussen muß. Die Preisgestaltung in den
letzten Jahren läßt dies auch erkennen. Der Jahresdurchschnittspreis für Rohzuckermelasse
 (ab Fabrik, amtliche Notierung) betrug:
1926 . . . . 1,91 RM je Ztr.*)
1927 .0.0.0. 8,75 4 9
1) Korn, Mais und anderes Getreide.
2) Das Ausbeuteverhältnis schwankte zwischen 1,55 und 15,25 kg Hefe auf 1 Liter Weingeist,
5) Entzuckert werden etwa 70000 t, verfüttert und für industrielle Zwecke verbraucht der
Rest von 134 000 t.
‘) Die Vorkriegspreise betrugen:
1908 . . . . 251 M je Ztr.
1904 . 0.0.00 3,7% nn
1905 . . . . 3868 „ m mn
1906 . . . 2,49 mn
{907 2... 953 1
        <pb n="82" />
        bi,

1928 5,82 RM je Ztr.
1929 1,19 ’” ” ”
Januar 1929 2,65 „
Tebruar 1930) ‚000 BDO u om
März 1930 . 225

Frei Brennerei stellte sich die Melasse im Jahre 1929 durchschnittlich auf
;twa 4,50 bis 5 RM., im März 1930 auf etwa 2,70 RM. je Zentner. Bei einer Ausjeute
 von 15 Liter Weingeist aus dem Zentner Melasse beliefen sich demnach die
Rohstoffkosten für 1 hl Weingeist in den Melassebrennereien 1929 auf etwa 30 RM
m März 1930 auf etwa 18 RM. Während sie also im vergangenen Jahre hinter
den Rohstoffkosten des Kartoffelspiritus (etwa 35 RM.) nicht erheblich zurückstanden,
 liegen sie heute wesentlich niedriger. In den Hefebrennereien stellen
sich die Erzeugungskosten insofern noch günstiger, als. die Ausbeute je nach der
Preislage stärker auf Hefe oder auf Spiritus abgestellt werden kann. Der in den
Hefebrennereien gewonnene Spiritus ist allerdings nur für technische Zwecke verwendbar.
 Die Monopolverwaltung trägt dieser Sachlage dadurch Rechnung, daß
sie für den aus Melasse hergestellten Spiritus Preisabschläge macht. So liegt zur
Zeit der Übernahmepreis bei den Melassebrennereien 2 RM., bei den Hefebrenne-‚eien
 9 RM. unter dem Grundpreis,
Eine neue und gefährlichere Konkurrenz ist den Kartoffeln durch die im
Kriege aufgenommene Gewinnung von Branntwein aus den Sulfitablaugen
erwachsen. Diese bis zu 2,5 °/ gärfähigen Zucker enthaltenden Ablaugen wurden
bis dahin in die Abwässer geleitet, stellen also einen kostenlosen Rohstoff dar,
und der Preis des daraus hergestellten Spiritus wird lediglich durch die Verarbei-‚ungskosten
 bestimmt, deren Höhe durch die zur Errichtung der Anlagen gegebenen
zinslosen staatlichen Darlehen beeinflußt wird. Der Übernahmepreis liegt etwa
25 RM. je Hektoliter unter dem des Kartoffelspiritus. Die Kapazität der zur Zeit
bestehenden 19 Fabriken wird auf etwa 330 000 hl jährlich geschätzt. Unter der
Voraussetzung, daß sämtliche in Deutschland anfallenden Sulfitlaugen zu Spiritus
verarbeitet werden, wird die auf diese Weise zu erzielende Spiritusmenge auf
300 000 bis 600 000 hl im Jahr veranschlagt. Zu bedenken ist jedoch, daß hierbei
die kleineren Zellstoffabriken ausscheiden müssen, weil die geringen anfallenden
Laugenmengen die kostspielige Anlage einer Brennerei nicht lohnen würden.
Der synthetische Branntwein aus Karbid kann zwar in unbegrenzten
Mengen hergestellt werden, jedoch boten die Erzeugungskosten, die sich um etwa
55 RM. je Hektoliter bewegten, bisher keine ins Gewicht fallenden Vorteile. Die
höchste erreichte Erzeugung waren 16 200 hl im Jahre 1923/24; 1927/28 wurden
nur noch 5664 hl hergestellt. Die gleichfalls im Kriege aufgenommene Herstellung
von Branntwein aus Holzabfällen ist 1921 wegen Unrentabilität‘) wieder
aufgegeben worden. Es wird jedoch an diesem Problem stark gearbeitet, und Versuche
 größeren Ausmaßes sind eingeleitet, so daß Überraschungen von dieser Seite
nicht ausgeschlossen sind.
Die Monopolverwaltung befindet sich‘ allen neuen Verfahren gegenüber in
einer schwierigen Stellung. Einerseits fordert die Sorge um den Bestand der landwirtschaftlichen
 Brennereien die möglichste Unterbindung von Konkurrenzunteraehmungen,
 andererseits gebietet ihr die eigene finanzielle Lage die Förderung von
Verfahren, die ihr den Spiritus billiger liefern können als die Jandwirtschaftlichen
Brennereien. Die geltende Gesetzgebung stellt einen Kompromiß zwischen beiden

1) Es wurden nur Ausbeuten von 6—7 1 Weingeist von 1 dz lufttrockenen Holzes erzielt,
während theoretisch 25 }] zu erreichen wären.
        <pb n="83" />
        74

Forderungen dar: der Anteil der Laugen-, Karbid- usw. Brennereien (Monopolbrennereien)
 an der Spiritusherstellung wird auf ein Zehntel der im vorhergehenden
Betriebsjahre erzeugten Gesamtmenge beschränkt, jedoch dürfen auf alle Fälle
250 000 hl hergestellt werden. Steigt der gesamte Jahresbedarf an Branntwein
iber 2,5 Millionen Hektoliter,. so kann ihnen auch noch die Hälfte der darüber
ıinausgehenden Menge zur Herstellung überwiesen werden.

c) Die Ausfuhr.
Die deutsche Ausfuhr erlitt, nachdem ihr durch die russische Konkurrenz
jereits der größte Teil des Auslandsmarktes genommen war (vgl. S. 70) im
Jahre 1892 eine weitere empfindliche Beeinträchtigung durch die Prohibitivzölle,
Jie das für sie wichtigste Einfuhrland Spanien nach Ablauf des deutsch-spanischen
Handelsvertrages einführte. Die deutsche Ausfuhr sank infolgedessen von durchschnittlich
 10,4 °/, der Jahreserzeugung im Jahrfünft 1887/91 auf 3,9°%, im Jahrfünft
 1892/96. Seit 1896 gibt es überhaupt keine natürliche, d.h. einen Preiszorteil
 bietende Ausfuhr mehr. Sie war seitdem nur noch Notventil zur Entlastung
 des Binnenmarktes vom Druck übergroßer Bestände, eine Entlastung,
die durch Gewährung von Prämien bzw. durch Einräumung von Verlustpreisen
rkauft werden mußte, lag doch der auf dem Auslandsmarkt zu erzielende Preis
in den letzten Jahren kaum über der Hälfte des deutschen Einstandspreises.
Der Gesamtbedarf des Weltmarktes an Spiritus ist nicht groß. Wittelshöfer
schätzt ihn im Jahre 1900 auf 500000 bis 600000 hl"), eine Zahl, die nach den
Ausfuhrstatistiken der letzten Jahre auch jetzt noch wahrscheinlich ist. An seiner
Befriedigung sind außer Deutschland im wesentlichen beteiligt die Niederlande
einschließlich Java), die Tschechoslowakei, Ungarn und Polen. Da auch in
diesen Ländern die Ausfuhr eine zur Entlastung der Binnenmärkte künstlich ge-‘örderte
 ist, schwanken die ausgeführten Mengen je nach dem Entlastungsbedürfnis
außerordentlich, und die Weltmarktpreise stehen ständig unter dem Druck dieser
Notverkäufe. Irgendwelche Hoffnungen bezüglich einer Verbesserung der Absatzage
 können daher auf die Ausfuhr nicht gesetzt werden, es sei denn, daß die aus-Ändischen
 Likörfabriken geneigt wären, für den anerkannt hochwertigen deutschen
Kartoffelspiritus einen die Herstellungskosten deckenden Preis anzulegen. Aber
auch dann könnte es sich nur um geringe Mengen handeln, die zu einer wesentlichen
Erleichterung der Absatzlage nicht führen würden.

d) Der Trinkverbrauch.
Der Verkauf als Trinkbranntwein ist die einzige einen Gewinn abwerfende
Verwertungsform des Spiritus, weil für seine Preisbemessung die beim technischen
Spiritus vorliegenden Hemmungen nicht in Frage kommen. Er bildet demnach das
finanzielle Rückgrat der Branntweinbewirtschaftung und die Voraussetzung für die
Absatzgestaltung des übrigen Spiritus.
Für Trinkzwecke wurden verbraucht je Kopf der Bevölkerung:
Liter Weingeist
1908/09 . 3,7
1909/10 . 2,8
1910/11 . 2,9
1911/12 . 2,9
{912/13 . 2,8
1913/14 2.6

1) Handwörterbuch der Staatswissenschaften. 2. Aufl., Bd. 2, 8. 1094.
        <pb n="84" />
        ia —

Vor dem Kriege zeigt sich seit 1887 ein ununterbrochenes, ziemlich gleichmäßiges
 Absinken des Verbrauchs. Auf steuerliche Mehrbelastung reagiert er
jedesmal mit schärferen Rückgängen (vgl. die Jahre 1887/88 und 1909/10). Daß
die Steuererhöhung aber nicht der einzige Grund des Rückgangs war, beweist das
xontinuierliche Absinken auch in Jahren gleichbleibender Preise, Die Hauptursache
 dieser auch im Auslande zu beobachtenden Erscheinung kann nur in tiefzreifenden
 und noch fortwirkenden Umstellungen in den Lebensgewohnheiten der
Verbraucher gesucht werden).
Nach dem Kriege führte die Verteuerung des Trinkbranntweins (1913:
185 M., 1924: 480 RM., 1927: 500 RM., 1929: 600 RM. je Hektoliter) naturgemäß
zu einem weiteren starken Verbrauchsrückgang. Er erscheint jedoch größer, als
er tatsächlich war, weil die Statistik die infolge der Ruhrbesetzung unkontrolliert
eingeführten und die durch ausgedehnte Schwarzbrennerei erzeugten Mengen nicht
erfaßte. Die Steigerung der Verbrauchskurve in den Jahren seit der Stabilisierung
ist also weniger auf tatsächlichen Mehrverbrauch als vielmehr auf eine immer
vollkommenere Kontrolle des Trinkverbrauchs durch die Monopolverwaltung
zurückzuführen. Diese kann zwar, insbesondere auch durch die wünschenswerte
Erfassung der in den aufgespritteten Südweinen- bisher unversteuert eingehenden
Spritmengen, noch weiter verschärft werden und kann dadurch ein weiteres Absinken
 des steuerlich erfaßten Verbrauchs einige Zeit verhindern, kann aber an der
ückläufigen Grundtendenz des Trinkverbrauchs nichts ändern?).

e) Der technische Verbrauch,
Für technische Zwecke wird die gesamte nach Abzug des Trinkverbrauchs und
ler Ausfuhr verbleibende Spiritusmenge verwendet. Wie die Tabelle auf S. 69
zeigt, ist der durchschnittliche Jahresverbrauch an technischem Branntwein seit
1883 bis zum Kriege von Jahrfünft zu Jahrfünft sehr gleichmäßig um annähernd
300 000 hl gestiegen. Nach dem Kriege zeigt sich dieselbe Erscheinung: bereits
1926 wurde der Verbrauch des letzten Vorkriegsjahrfünfts erreicht und in den
aächsten beiden Jahren um je rund 200 000 hl überschritten. Die gesamte Steigerung
 des Spiritusverbrauchs in den letzten drei Jahren entfällt lediglich auf den
technischen Spiritus.

1) Der Trinkverbrauch betrug je Kopf der Bevölkerung

1913 | 1925 | 1926 ! 1927
Rückgang

Jie

Liter

%

Deutschland . . 2,60 1,05 1,35 1,32 49
Prankreich ... . 4,21 2,62 2,54 2,33 45
}roßbritannien . 1,86 0,82 0,72 0,78 58
euerliche Ralastuneoa ia H Rranntwein betrne fin MM Varlriegskaufkraft)
1913 | 1925 | 1926 | 1927 ' Steige-Y%,


1A

Deutschland . . 114,55 ‚196,04 216,36 | 219,70 98
Frankreich . . - 220,00 305,00 268,00 316,00 44
Großbritannien . 576,00 | 1644,00 | 1710,00 | 1778,00 209
?) Ganz ungewöhnlich scharfe Formen nahm der Rückgang im laufenden Betriebsjahr 1929/30
an. In den ersten drei Vierteljahren wurden fast genau 50 % weniger Trinkbranntwein abgesetzt
als in der entsprechenden Zeit des Voriahres.
Enquete-Ausschuß. II. Band 6.
        <pb n="85" />
        76

Zum Teil lassen sich aus den Branntweinstatistiken auch die Wandlungen
n den einzelnen Formen des technischen Verbrauchs erkennen. So sind auszegliedert
 die für die Essigfabrikation und die für Motorbetrieb verwendeten
Mengen. Ferner ist anzunehmen, daß der vollständig vergällt in Flaschen und
Kannen abgegebene Spiritus größtenteils in den Haushaltungen für Brenn- und
Beleuchtungszwecke, zum kleineren Teil im Kleingewerbe verwendet wird. Aller
übrige technische Branntwein wird von der Industrie, in erster Linie von der
Farben-, Film-, Zelluloid- und Lackindustrie, aber auch von der Textil-, Heilmittelund
 kosmetischen Industrie verbraucht. Danach ergibt sich folgende Entwicklung:

Haushalt
and Kleingewerbe


: | &amp;amp; | Motor- |
Industrie Essig Epirikus

Zusammen

Mengen in 1000 hl

L888— 1892
‚893—1897
‚898—1902
‚903—1907
1908—1912

1024/1925
‚9025/1926
‚0926/1927
1927/1928
1998/1929

216
120
256
an

‚28
66
17
161
357

"9

505
450
665 652
670 | 787
748 805

m

B6

k

5
189 «
144 167
2 140 | 179
{38 947

482
733
1037
1877
IA90

1152
1228
1572
„1776
1968

Mit Ausnahme des Verbrauchs für die Essigherstellung, der fast vollständig stabil
ist, weisen alle Verwendungsformen eine lebhafte Steigerung des Verbrauchs auf.
Sehr gleichmäßig verläuft sie beim Verbrauch im Haushalt und Kleingewerbe.
Stärker, allerdings wegen der Abhängigkeit von der Konjunktur mit gelegentlichen
Rückschlägen, stieg der Verbrauch der Industrie.

aa) Gewerblicher Spiritus. Die Preisgestaltung des gewerblichen
Spiritus ist. wegen der überragenden und noch ständig steigenden Rolle, die diese
Verwendungsform innerhalb des gesamten Branntweinabsatzes spielt, von größter
Bedeutung für den Etat der Monopolverwaltung. Die spiritusverarbeitende In-Juestrie
 hat ein Interesse daran, den Spiritus nicht teurer zu bezahlen als die konkurrierende
 ausländische Industrie. Der Weltmarktpreis bildet deshalb die Richtlinie
 der Preisbemessung, wobei allerdings zu beachten ist, daß größere Eindeckungen
 zu diesem niedrigen Preise nicht würden erfolgen können, weil wegen
Jer geringen auf dem Weltmarkte befindlichen Mengen der Preis bei größerer Nachfrage
 sofort zu steigen pflegt. Bei Brennspiritus ist die Konkurrenz der sonstigen
Heiz- und Beleuchtungsmittel‘ in Betracht zu ziehen. Die Reichsmonopolverwaltung
 gab den gewerblichen Spiritus (mit Ausnahme des für die Essigherstellung
and des für Heil- und kosmetische Zwecke verbrauchten, für den höhere Preise festgesetzt
 sind) seit dem 1. Oktober 1924 mit 30 Rpf. je Liter, also etwa 50 Rpf.
unter ihrem Einstandspreis, ab*). Am 1. April 1928 wurde der Preis auf 40 Rpf.
arhöht, ohne daß eine merkliche Verminderung der Verbrauchssteigerung eintrat.
Die Preiserhöhung erschien geboten, weil nur durch diese Herabdrückung der
Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis von 50 auf 43 RM. die infolge des
wachsenden Verbrauchs stark ansteigenden Mindereinnahmen der Reichsmonopol-T

 1) Der Vorkriegspreis für unvollständig vergällten Spiritus betrug 46,50 bis 51,50 Pig.
'e Liter. '
        <pb n="86" />
        MT

verwaltung“) etwas eingedämmt werden konnten. Bereits im Januar 1930 mußte,
um die sinkenden Einnahmen aus dem Trinkbranntwein auszugleichen, eine weitere
Erhöhung der Preise für technischen Sprit erfolgen. Es wurde der hauptsächlich
von der Industrie aufgenommene unvollständig vergällte Branntwein auf 45 Rpf,,
der vollständig vergällte auf 50 Rpf. je Liter erhöht. Gleichzeitig wurde der Preis
des Essigbranntweins von 70 auf 85 Rpf. heraufgesetzt. Um die durch die Preiserhöhung
 für Industriesprit bedingte Beeinträchtigung der Konkurrenzfähigkeit
auf dem Auslandsmarkt zu mildern, wurde durch Verordnung vom 10. März 1930
der Industrie eine Ausfuhrvergütung in Höhe des Preisunterschiedes zwischen
unvollständig vergälltem Branntwein (45 Rpf.) und Ausfuhrpreis (38 Rpf.) gewährt.
Nach den Erfahrungen aller früheren Jahre ist mit einer weiteren, wenn auch
nicht gleichmäßigen, Steigerung des Verbrauchs an gewerblichem Spiritus zu
rechnen. Damit werden aber auch infolge der begrenzten Steigerungsmöglichkeit des
Verkaufspreises die Opfer, die die Branntweinwirtschaft diesem Zweige des Absatzes
bringen muß, weiter wachsen, und es wird sich in absehbarer Zeit die Notwendigkeit
 herausstellen, die Herstellungskosten des gewerblichen Branntweins in ein
weniger verlustreiches Verhältnis zu den für diesen Spiritus zu erzielenden Abgyabepreisen
 zu bringen.

bb) Motorspiritus. Mehr noch als auf die Zunahme des Verbrauchs
von gewerblichem Spiritus richten sich die Hoffnungen der Spiritusindustrie auf
die Absatzsteigerung, die von der Verwendung des Spiritus als Treibmittel für
Motoren erwartet wird. Bei dem starken Anwachsen des Kraftetoffverbrauchs auf
der ganzen Welt liegt der Gedanke nahe, daß die nur in begrenztem Umfange verfügbaren
 natürlichen Ölvorräte in absehbarer Zeit nicht mehr zur Deckung des
Bedarfs ausreichen werden, und daß andere, von diesen Vorräten nicht abhängige
Treibmittel, darunter auch der Spiritus, herangezogen und höher bewertet werden
müssen,
Der Kraftstoffbedarf Deutschlands, das in dieser Beziehung weit hinter
Amerika und England zurücksteht, wird zur Zeit auf etwa 20 Millionen Hektoliter,
darunter etwa 13 Millionen Hektoliter Benzin, geschätzt. Etwa zwei Drittel dieses
Bedarfs®) müssen zur Zeit aus dem Auslande eingeführt werden, und es wäre,
ganz abgesehen von den für die Spiritusindustrie selbst zu erwartenden Vorteilen,
nur als erwünscht zu bezeichnen, wenn Deutschland sich für den Bezug eines so
wichtigen Wirtschaftsfaktors vom Auslande unabhängig machen könnte. Um die
Aussichten hierfür abschätzen zu können, waren zwei Fragen zu prüfen: erstens
die rein technische Frage der Verwendbarkeit des Spiritus als Treibmittel für
Motore und zweitens die Frage der wirtschaftlichen Aussichten dieser Verwendung.
 Über beide Fragen hat der Unterausschuß für Landwirtschaft Gutachten
eingeholt von der Reichskraftsprit G. m. b. H. (Berlin), von Dr. Friedrich Bergius
‘Heidelberg) und von Prof. Wawrziniok (Dresden)®).
Klargestellt wurde dadurch die Frage der technischen Eignung. Alkohol
kann seiner schweren Entzündbarkeit wegen nur im Gemisch mit dem leicht entzündbaren
 Benzin als Treibmittel für Kraftwagen Verwendung finden. Ein nach

1) Diese Mindereinnahmen betrugen
‚924/25 . ?” R Millionen RM
925/26 .
1926/27 .
1927/28 .
1928/29 . .
?) Vom Benzol nur ein Drittel.
2 Die Gutachten sind in der Anlage S. 99ff abgedruckt.

”
        <pb n="87" />
        — WB —

dem Kompressionsverhältnis des Motors abgestufter Zusatz von etwa 17 bis 25°
ıbsoluten Alkohols verleiht dem Benzin erhöhte Kompressionsfestigkeit, steigert
‚erner in Motoren von höheren Verdichtungsgraden als den heute üblichen den
Wirkungsgrad des Benzins erheblich, verhindert die Ölkohlenbildung in den
Zylindern und mildert schließlich den lästigen Geruch der Auspuffgase. Der
Alkohol stellt demnach ein Treibstoffveredelungsmittel dar und hat in dieser
Beziehung ähnliche Eigenschaften wie das Benzol, das zur Zeit neben ihm als
Mittel gegen das Klopfen der Motore verwendet wird?).
Dagegen gehen die Ansichten darüber auseinander, ob es in Zukunft ohne
Zwangsmaßnahmen gelingen wird, Herstellungskosten und Abgabepreis des Motorspiritus
 in ein wirtschaftlich tragbares Verhältnis zu bringen. Bisher ist es völlig
antragbar gewesen, wie die folgende Gegenüberstellung der Einstandspreise für 1 hl
Weingeist (Übernahmepreis -+ Regiekosten -— Entwässerung) und der Verkaufspreise
 für Motorspiritus zeigt:

Durch- Durch-‚chnittl.
 Ein-|schnittl. Ver-!
standspreis | kaufspreis
RM ie hl RM ie hl

I: yasalı

(OÖNN hl!

Mindereinnahme


Mi]lionen RM

1924/25 72,66 . 14,8 54 3,12
1925/26 74,28 15,0 99 5,86
1926/27 80,09 15,0 167 10,87
1927/28 | 79,26 18,0 179 10,96
1928/29 78,842) 22,0 277 15,74

Derartige Zubußen können nur gerechtfertigt werden, wenn begründete Aussicht
 besteht, daß sie lediglich eine Übergangserscheinung bilden und in Kürze
ainem Gleichgewichtszustand Platz machen werden. Um den zu erreichen, müßten
3ich die Verkaufspreise nach oben und die Einstandspreise nach unten bewegen.
Die Hoffnungen auf eine Steigerung der Verkaufspreise gründen sich einmal
Jlarauf, daß eine Verknappung der Benzinrohstoffe auf der ganzen Welt zu einer
Steigerung des allgemeinen Niveaus der Treibstoffpreise führen werde, und
zweitens darauf, daß dem Spiritus als Treibstoffveredelungsmittel eine höhere Bewertung
 zuteil werden müsse als dem Treibstoff selbst, wie es heute beim Benzol
‚atsächlich der Fall ist. Bisher läßt die Bewegung der Benzinpreise?) nicht den

4) 1928/29 wurden 278000 hl Motorspiritus‘ neben etwa 3,5 Millionen hl Benzol verwendet.
2) Für 1929/80 berechnet die Monopolverwaltung den Einstandspreis je hl Motorspiritus
wie folgt:
Übernahmepreis des Rohspiritus . . . 61,00 RM
Kosten der Entwässerung . . .... 447
Anteilige Verwaltungskosten. . . . . 16,391 „
zusammen 81,78 RM

4?
"94
925
226
‚927
928
1929

Benzin
Berlin)

fig a
8,90
29,29
27,60
23,65
28,87
26.00

Benzol
Rerlin}

RM ie 41
“2 AO

44,00
47,00
39.00 |
38.40
14.00

Benzin
(New York)

19,85
19,35
17.90

3enzin unterlag bis zum April 1930 einem Einfuhrzoll von 6 RM je dz==5,8 Pfg. je Liter, Benzol
yurde zollfrei eingeführt. Seitdem unterliegen beide Treibmittel einem Zoll von 10 RM.
        <pb n="88" />
        7Q

Schluß zu, daß mit einer Verknappung der Ölvorräte in absehbarer Zeit gerechnet
wird. In letzter Zeit ist die Rohölgewinnung stärker gestiegen als der Konsum,
und auch die Benzinausbeute aus dem Rohöl ist durch Verbesserung des Craever-[ahrens
 weiter gesteigert worden. Ferner liegt es durchaus im Bereich der Möglichkeit,
 daß die inzwischen erzielten Fortschritte in der Herstellung des synthetischen
 Benzins aus der Kohle alle derartigen Preishoffnungen zu schanden machen.
Für die Gegenwart berechtigter erscheint die Annahme, daß der Spiritus,
;rotz seines geringeren kalorischen Wertes, sich wegen seiner Verwendbarkeit als
Veredelungsmittel im Preise dem Benzol annähern müsse. Aber auch hier ist
Zurückhaltung geboten, denn beide Veredelungsmittel haben außer mit der gegenseitigen
 Konkurrenz auch mit der anderer Chemikalien und voraussichtlich auch
nit der des synthetischen Benzins zu rechnen, das nach Ansicht von Bergius*)
gleichfalls Antiklopfmittel ist. Alle Schätzungen des in Zukunft im freien Markt
zu erzielenden Preises für Motorspiritus sind deshalb mit Vorsicht aufzunehmen.
Sie gehen weit auseinander: Bergius, der außer den genannten Faktoren noch die
vom Dieselöl zu erwartende Konkurrenz in Rechnung setzt, nimmt als zukünftigen
Höchstpreis für Motorspiritus 17 Rpf. je Liter, Haiduck (Zeitschrift für Spiritusindustrie
 1927, Nr. 9) 32 Rpf., die Reichskraftsprit G.m. b. H. 50 Rpf. an.
Bei der Prüfung der Möglichkeiten einer Senkung der Herstellungskosten des
Motorspiritus wird man nicht so sehr die Verhältnisse der großen gewerblichen
Brennereien ins Auge fassen müssen als vielmehr die ungünstiger liegenden Verhältnisse
 der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien, denn gerade deren Erhaltung
 und Kräftigung wird durch die zur Erwägung stehenden Maßnahmen angestrebt.
 Mit dieser Einschränkung stellt sich die Zusammensetzung der Kosten
des Motorspiritus wie folgt dar:
Rohstoffkosten
Kartoffeln (etwa 18 Ztr. je hl Spiritus) etwa 32 RM
Gerste » 0,30 ” ” ” » 3 ”
Herstellungskosten des Rohspiritus (ohne Rohstoffe)
Unmittelbare Unkosten } a ryr riur&amp;amp;uetwa 95 RM
eneralunkosten
Regiekosten
Überwachung und Abnahme
Reinigung und Entwässerung | Wr „20 RM
Vertrieb (Zapfstellen usw.)
Als Durchechnittssatz für die von den Brennereien angegebenen, im einzelnen
außerordentlich verschiedenen Herstellungskosten des Rohspiritus (ohne Rohstoffe)
werden bisher für Bemessung des Übernahmepreises der Reichsmonopolverwaltung
etwa 25 RM. je Hektoliter zugrunde gelegt. Die Regiekosten belaufen sich auf
Jurchschnittlich 20 RM. Sind diese Kostenbeträge richtig angesetzt, so könnten
Ersparnisse nur aus einer voraussichtlich höheren Kapazitätsausnutzung hergeleitet
 werden. In der Tat könnte, wenn der heutige deutsche Bedarf an Kraftstoffveredelungsmitteln
 durch Spiritus gedeckt werden sollte, die Ausnutzung der
Kapazität der vorhandenen Anlagen auf etwa das Doppelte, also bis an die
sußerste Grenze (vgl. S. 60), gesteigert werden?). Die hierdurch erzielten Ersnar-!)

 Wawrziniok vertritt die entgegengesetzte Ansicht.
72) Zur Beschaffung eines 20 %igen Spirituszusatzes zum heutigen Benzinverbrauch von
stwa 13 Millionen hl müßten etwa 2 Millionen hl Spiritus mehr als bisher erzeugt werden.
Voraussetzung für eine Verwendung derartiger Mengen zu Treibzwecken ist das Vorhandensein
ausreichender Anlagen zur Entwässerung des Spiritus. Zur Zeit besteht eine Herstellungsmöglichkeit
 von etwa 800000 hl wasserfreien (absoluten) Alkohols im Jahre.
        <pb n="89" />
        80

nisse könnten sich aber bei den Brennereien im wesentlichen nur auf die Generalunkosten
 (Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals, Handlungsunkosten usw.)
arstrecken, deren Beträge im günstigsten Fall auf die Hälfte herabgesetzt werden
würden, denn die Kosten für Betriebsmittel und Löhne steigen etwa proportional
der Erzeugung. Mit anderen Worten: die bestenfalls zu erwartende Ersparnis
könnte immer nur Bruchteile des oben angegebenen Kostenteiles von 25 RM. betragen.
 Dasselbe trifft auch für die Regiekosten zu; doch werden hier wegen der
unvermeidlichen Dezentralisation die Überwachungs- und Abnahmekosten immer
verhältnismäßig hoch sein müssen. Zu beachten ist schließlich, daß, wenn der
Absatz an Motorspiritus erst im großen organisiert ist, er auch in schlechten Kartoffeljahren
 mit einigermaßen stabilen Preisen durchgehalten werden muß. Ob die
Brenner aber geneigt sein würden, in solchen Jahren, wo günstigere Verwertungsmöglichkeiten
 winken, ihre Kartoffeln in billigen Motorspiritus zu verwandeln, erscheint.
 zweifelhaft.
Auch außerdeutsche Länder haben Maßnahmen ergriffen, Alkohol als Treibstoff
zur Einführung zu bringen. In Schweden, Polen und in der Tschechoslowakei wird
ein ähnliches Benzin-Alkoholgemisch wie in Deutschland in den Verkehr gebracht.
Hierbei entstehen durch die verlustreiche Abgabe des Alkohols ähnliche Schwierigkeiten
 wie in Deutschland. So sah sich die Tschechoslowakei durch die wachsenden
Verluste veranlaßt, den Absatz im vergangenen Jahre zu bremsen“). In Frankreich,
 Ungarn, Italien und Spanien besteht Beimischungszwan g. In
Frankreich müssen seit dem 28. Februar 1923 die Importeure von Benzin und
ähnlichen Stoffen 10° des Volumens der Einfuhr in Gestalt von Alkohol aus den
staatlichen Beständen entnehmen. Der Abgabepreis für 99,4 °/.igen Alkohol beträgt
 zur Zeit 180 Fr. (etwa 30 RM.) je Hektoliter. In Ungarn müssen seit dem
1. September 1929 Treibstoffe eine Beimischung von 20°, Alkohol erhalten, der
zu einem Preis von 33,5 Pengö (etwa. 24,50 RM.) abgegeben wird. Italien schreibt
seit dem 15. Februar 1930 eine Beimischung von 30°%, Alkohol zu Treibstoffen
vor, für den ein Höchstpreis von 130 Lire (etwa 28,50 RM.) festgesetzt ist. Spanien
vestimmt durch Verordnung vom 18. April 1930, daß die Importeure von Treibstoffen
 4°, der Einfuhrmenge in Gestalt von Alkohol abnehmen müssen.
In Deutschland ist durch das Mineralölzollgesetz vom 15. April 1930 die
Reichsregierung ermächtigt worden, anzuordnen, daß diejenigen, die Treibstoffe
aus dem Ausland einführen oder im Inland herstellen, einen entsprechenden Anteil
Spiritus zur Verwendung als Treibstoff beziehen, und Vorschriiten zur Sicherung
dieser Anordnung zu treffen. Macht die Regierung von dieser Ermächtigung Georauch,
 so hat sie es in der Hand, den Preis für den nunmehr zwangsweise beizumischenden
 Spiritus so hoch festzusetzen, daß die Monopolverwaltung, auch wenn
sie ihr jetziges System der Übernahmepreise beibehält, ohne Verlust abschneidet.
Sie zieht in diesem Fall die kraftstoffverbrauchenden Kreise zur Deckung der
Kosten für die Aufrechterhaltung der bisherigen Preispolitik der Monopolverwaltung
 heran, und zwar in dem Grade, wie der Zwangspreis die durch den kalorischen
Wert des Spiritus und durch die preiskonkurrierenden Veredelungsmittel gegebenen
Grenzen überschreitet.
a \ Abgesetzt wurden an Motorspiritus
Frankreich
213987 hl
255495 „
298100 „
174550 ‚
202 740 ,,
221080 „
        <pb n="90" />
        81

B. Bedeutung der Brennerei für die Ackerkultur.

1. Allgemeines,
Die im vorhergehenden Abschnitt geschilderten staatlichen Aufwendungen
zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennerei werden damit begründet,
jaß die Brennerei ein wichtiges Mittel zur intensiven Bewirtschaftung armer und
ungünstig gelegener Böden darstelle, und daß für die intensive Kultivierung dieser
Böden ein über die privaten Interessen der Besitzer hinausgehendes öffentliches
Interesse vorliege.
Die Einwirkung der Brennerei auf die Betriebsgestaltung ist eine doppelte:
ainmal erweitert ihr Vorhandensein die Verwertungsmöglichkeiten für Kartoffeln
ınd fördert dadurch den Anbau dieser Frucht, zweitens übt die Schlempe bestimmte
Einwirkungen auf den Umfang und die Zusammensetzung des Viehbestandes und
des erzielten Düngers aus, die die Vorbedingung für einen verstärkten Hackfruchtbau
 und damit für eine Steigerung der Ackererträge überhaupt bilden. Während
das erstgenannte Moment infolge seiner marktentlastenden Wirkung auch den
brennereilogen Betrieben zugute kommt, bleibt die kulturfördernde Wirkung der
Schlempefütterung auf die Brennereigüter, also auf einen vom Standpunkt der gesamten
 Landwirtschaft verhältnismäßig kleinen Teil der Betriebe beschränkt. Wieviel
 von der Acker- und Kartoffelfläche und vom Milchviehbestand Ost- und Mittel-Jeutschlands
 von diesen Vorteilen der Brennerei zur Zeit Nutzen ziehen kann, zeigt
J3ie folgende Aufstellung):

Ackerfläche | Kartoffelfläche
der Brennereigüter der Brennereigüter
von der |
Ackerfläche |
der Provinz

Über 2 Jahre alte Kühe
aufden Brannereigütern

1000 ha |

A ne) | von a
toffelfläche Bestande der
1000 ha der Provinz 1000 St. Provinz

Istpreußen . . .
ärenzmark . 2...
2ommern . . 0...
3randenburg . . . |
Schlesien‘. . . .
Mecklenburg . . .
Mitteldeutschland . . .
Ost- u. Mitteldeutschland | 1068.8 | 10.0 | 198.6 |

8,0
18,0
22,0
197

10,8
44
31,9
ar

#{
6,4
7,2
4,8
1.3

131

"4

1,Z

4,2

In welchem Umfange die Intensität der Bewirtschaftung vom Vorhandensein
der Brennerei tatsächlich beeinflußt wird, ließe sich einwandfrei nur feststellen,
wenn die untersuchten Brennereigüter mit einer hinreichend großen Zahl brennereiioser
 Güter gleicher Bodenbeschaffenheit und Lage verglichen werden könnten.
Hierfür stehen bisher lediglich die Ergebnisse der Buchführungserhebung des Unterausschusses
 für Landwirtschaft’) zur Verfügung, aus denen in den Wirtschaftsgebieten
 Norddeutschland (Brandenburg, Grenzmark, Pommern, beide Mecklenburg)
und Schlesien 111 Betriebe mit und 56 Betriebe ohne Brennerei zum Vergleich heran-1)

 Da die untersuchten Betriebe in Ost- und Mitteldeutschland nur 81 % der vorhandenen
Brennereien umfassen, mußten, um einen Annäherungswert für die Ackerflächen und Viehbestände
 aller Brennereigüter zu finden, die festgestellten Flächen und Bestände nach dem
Verhältnis des erfaßten Brennrechts (Tabelle S. 57) erhöht werden. Für das übrige Deutschland
 konnte die Gegenüberstellung nicht durchgeführt werden. weil hier nur etwa 40% des
vorhandenen Brennrechts erfaßt wurden,
2) Landwirtschaftliche Buchführungsergebnisse, I. Teil, Materialien II, Verhandlungen und
Berichte des TInterausschnsses für Landwirtschaft, Band 3.
        <pb n="91" />
        892

zezogen werden können*). Die verglichenen Betriebe sind Hackfruchtwirtschaften
zleicher Ertragswertklasse mit über 200 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, in denen
über 20 °% der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit Hackfrüchten, davon mehr als
die Hälfte Kartoffeln, bebaut wurden. Für den Durchschnitt der Jahre 1924—1927
ergeben sich aus der nachfolgenden Gegenüberstellung außer einem etwas stärkeren
Kartoffelanbau der Brennereigüter keine nennenswerten Unterschiede, weder im
[ntensitätsgrad des gesamten Anbauverhältnisses, noch im Nutzviehbestand, noch
in der Milchleistung und in den Kartoffelerträgen.

Norddeutschland

Betriebe Betriebe
mit ohne
Brennerei Brennerei

Betriebe
mit
Zrennerei

Schlesien

Betriebe
ohne
Brennerei

[ntensitätsziffer?) . . . . 128 29 „20 180
Nutzviehbestand®) . . 0.0.0.0... 24,7 25,9 80,6 830,5
Jahresmilchertrag je Kuh (Liter) . . . 2680 2479 2708 2762
Kartoffelanbau in Prozent der Ackerfläche 22,3 20,8 | 19,6 17,4
Kartoffelerträge je ha . . . 166 170 155 145
Mit Bezug auf den Umfang des Kartoffelanbaues und die Hektarerträge lassen
sich auch Vergleiche anstellen zwischen den von der vorliegenden Erhebung erfaßten
1871 Brennereibetrieben und dem Durchschnitt sämtlicher Betriebe der gleichen
arößenklasse (über 200 ha) der Provinz:
Verhältnis der Kartoffelfläche zur Ackerfläche.
Acker- Kartoffel- | Anteil der Kartoffelfläche an der Ackerfläche
fläche fläche‘) im Durchschnitt der
i „1 | Betrieb tersuchten 1871
der untersuchten Betriebe| Provinz®) |. Betrie en rennereiwirt.
schaften %

)stpreußen . . .
irenzmark , . ..
)randenburg . ..
&amp;gt;ommern . ..
Schlesien. . . ..
Mecklenbur 4
Mitteldeutschland®) .
Freistaat Sachsen .
Bayern . . 4.
Württemberg . . .
Baden . . . .
dessen. . . ..

51 613
45 371
340 772
304 481
„78 463
7356
&amp;gt; 057
669
613
575
„uJ
2186

ı 141
10.198
530 780
13 663
31 992
3.017
9 700
2 400
3214
19
£

LU
LO
145
6,4
AN

2

0)
15,7
20,6
77

Je.

901136 | 167972

i '
!) Für das übrige Deutschland läßt sich ein Vergleich nicht durchführen, weil sowohl die
Zahl der untersuchten Betriebe zu gering ist als auch erhebliche Unterschiede in den Ertragswertklassen
 vorliegen.
?) Die Intensitätsziffer ergibt sich, wenn man den prozentualen Anteil an der landwirtschaftlichen
 Nutzfläche gemäß dem verschieden hohen Arbeitsaufwand bei Getreide, Hülsen- und
Ilfrüchten mit 1, bei Zuckerrüben mit 3,5, bei Kartoffeln und sonstigen Hackfrüchten mit 8, bei
Futterpflanzen und Grünland mit 0,5, bei Brache, Gründüngung und Deputatland mit 0,25, bei
Nutzgärten mit 3 multipliziert und die Produkte addiert.
*) Umgerechnet in Stück Großvieh je 100 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche.
4) Die von den untersuchten Gütern angegebenen Kartoffelanbauflächen beziehen sich auf
las Jahr 1926, also auf ein Jahr, in dem die gesamte Kartoffelanbaufläche Deutschlands besonders
Medrig war. Sie lag mit 2759646 ha um 1,6 % unter dem Durchschnitt (2804490 ha) der
etzten 6 Jahre. Um diese 1,6 % wurden daher die angegebenen Kartnoffelflächen erhöht, um
ie für Vergleichszwecke verwendbar zu machen.
‘) Provinz Sachsen, Anhalt, Braunschweig, Thüringen,
) Bodenbenutzungserhebung von 1927,
) Landwirtschaftliche Betriebszählung von 19925.
        <pb n="92" />
        83

Abgesehen von Süddeutschland, das ein völlig ungeregeltes, von Zufälligkeiten
veeinflußtes Bild zeigt, wirkten die Brennereien allenthalben in der Richtung einer
Verstärkung des Kartoffelanbaues. Am wenigsten deutlich tritt dies in der Grenzmark
 und in Brandenburg hervor, offenbar weil hier auch die brennereilosen Güter,
gezwungen durch die Bodenverhältnisse und unterstützt durch die verhältnismäßig
zünstige Absatzlage, einen sehr ausgedehnten Kartoffelanbau haben. Gerade entgegengesetzt
 liegen die Verhältnisse in Ostpreußen und Pommern, und hier tritt der
Vorsprung, den die Brennereigüter bezüglich der Verwertungsmöglichkeit der Kartoffeln
 haben, deutlich in dem starken Überwiegen ihres Kartoffelanbaues zutage.
Eine Gegenüberstellung der durchschnittlichen Hektarerträge der
Brennereigüter mit dem Provinzdurchschnitt (Ernte von 1926) zeigt teilweise ein
starkes Übergewicht der Brennereigüter :
Durchschnittliche Hektarerträge an Kartoffeln (dz).

Provinz

Untersuchte
Brennereicüter


Jstpreußen . .
jrenzmark . .
D2ommern . ..
Brandenburg . .
Mecklenburg . .
Schlesien . . .
ea Saahean |

„15,2
105,4
180,7
19,5
99.7

46
4
136
“9
it
118
155

149.1

Da aber im Osten der Hektarertrag der Großbetriebe an sich schon über dem
Durchschnitt liegt, läßt sich nicht klar erkennen, inwieweit die höheren Erträge
Brennereigüter mit dem Provinzdurchschnitt (Ernte von 1926) zeigt teilweise ein
Ein Vergleich der Dichte des Rindviehbestandes der untersuchten
‚Brennereigüter mit dem Provinzdurchschnitt der Güter über 200 ha würde nur geringe
Aufschlüsse geben können, weil hier die Einwirkung der Brennerei von zu vielen
anderen Momenten (Boden- und Wiesenverhältnisse, Betriebsgröße, Zukauf von
Futtermitteln usw.) verdunkelt wird. Dasselbe gilt vom Milchertrag. Es werden
Jjeshalb im folgenden lediglich der Milchvieh- und Mastviehbestand
und der Jahresmilchertrag der untersuchten 1871 Brennereigüter aufzeführt:


Milchkühe | Mastrinder
a über 4 de
Paoastand am 1 1 1AO7\

Auf 100 ha landwirtschaftliche
 Nutzfäche entfallen

Jahresmilchertrag

Liter je Kuh
19926797

Milchkühe | Mastrinder

Ostpreußen .
3renzmark .
3Zrandenburg . .
&amp;gt;ommern . . «4
Schlesien =. . -
Mecklenburg . .
Mitteldeutschland
Treistaat Sachsen .
EC
Württemberg .
3aden . ..
Hessen. .

8207 3157
4191 2910
30.049 8001
26 746 3049
30.702 3082
2524 2667
11438 3088
1988 3017
5781 27836
155 2474
380 3095
106 W 3495
126885 | 21443 | 124 | 21 1] 09%

st

on
        <pb n="93" />
        — 84

Die wichtigste kulturfördernde Eigenschaft der Brennerei liegt darin, daß sie
Gütern, die infolge schlechter Wiesen- und Bodenverhältnisse Mangel an wirtschaftseigenem
 Winter-Eiweißfutter haben, dieses Futter auf dem Wege über die
Kartoffel, auf deren Anbau die geringen Böden angewiesen sind, zur Verfügung
stellt. Sie setzt dadurch diese Güter in die Lage, aus Mitteln der eigenen Wirtschaft
 einen. Rindviehstand zu halten, der den für die intensive Kultur dieser leichten
Böden besonders nötigen Rindviehdünger liefert. Wenn sich auch zweifellos ein
ähnliches Resultat durch die Verwendung gekaufter Kraftfuttermittel erreichen
ließe, so spricht doch zugunsten. der Brennerei, daß sie zur intensiven Wirtschaft
‘zwingt, denn die anfallende Schlempe muß aus fütterungstechnischen Gründen und
infolge gesetzlicher Vorschriften in der eigenen Wirtschaft verfüttert werden, ihre
Menge bestimmt also das Mindestmaß des zu haltenden Viehstandes.

2, Versuch‘ einer Gruppierung der Brennereigüter nach ihren agronomischen
Verhältnissen und ihrer Verkehrslage,
Wenn man die besondere Nützlichkeit der Brennerei für die ärmeren Böden
und die Berechtigung der Aufwendung besonderer staatlicher Mittel für die Förderung
 der Kultur dieser Böden anerkennt, läßt sich die Frage nicht umgehen, ob
denn die heutige Verteilung des Brennrechts eine derartige ist, daß es überwiegend
jenen Böden zugute kommt. Die Frage hat in allen Erörterungen über die Branntweinwirtschaft
 eine große Rolle gespielt, namentlich bei den Beratungen des Entwurfs
 eines Spiritusmonopolgesetzes im Frühjahr 1926 im Vorläufigen .Reichswirtschaftsrat.
 Dieser sprach sich dahin aus: „Die Sachverständigenvernehmungen
haben gezeigt, daß für die guten deutschen Ackerböden Brennereien weniger notwendig
 sind. Eine Untersuchung über die Verteilung der landwirtschaftlichen
Brennrechte unter Feststellung der Bodenverhältnisse ist daher dringend notwendig
und für die Rationalisierung der Spirituswirtschaft zweckmäßig.“
Die sehr umfassende Erhebung des Unterausschusses für Landwirtschaft‘) bot
die Möglichkeit zu einer derartigen Untersuchung, und ein wesentlicher Teil der
den Brennereien gestellten Fragen war der Klarstellung dieser Verhältnisse gewidmet.
 Die Auswertung der Antworten erfolgte nach folgenden

Richtlinien:
Die Bedeutung der Brennerei für einen bestimmten landwirtschaftlichen Betrieb
 erstreckt sich im wesentlichen auf zwei Gebiete: sie erweitert die Futterbasis
des Betriebs und befördert dadurch die Bodenkultur und sie schafft vermehrte
Möglichkeiten der Kartoffelverwertung.

l. Erweiterung der Futterbasis.
Es ist davon auszugehen, daß die Brennerei in der Schlempe Winter-Eiweißfutter
 liefert. Dieser Umstand wird um so schwerer ins Gewicht
fallen, je weniger das betreffende Gut seiner natürlichen Beschaffenheit nach in der
Lage ist, solches Futter auch auf andere Weise zu erzeugen. Winter-Eiweißfutter
wird hauptsächlich erzeugt im Wiesenheu, Feldheu und in Rübenblättern. Richtunggebend
 für die Gruppierung müssen daher sein:
Umfang und Güte der Wiesen und Weiden,
Umfang des für den Feldfutterbau geeigneten Bodens,
Umfang des Zuckerrübenanbaues.

1) Über die Durchführung der Erhebung vgl. S. 554f,
        <pb n="94" />
        RE

a) Wiesen und Weiden.
Der Fragebogen enthielt vier auf die Güte der Wiesen bezügliche Fragen:
Bodenart (Moorboden oder Mineralboden), Zahl der Schnitte (1—3schürig), durchschnittlich
 geerntete Heumenge, durchschnittliche Qualität des Heues. Die Antworten
 auf die beiden letzten Fragen fielen so lückenhaft aus, daß eine Klassenazinteilung
 darauf nicht gegründet werden konnte. Brauchbar waren außer der
Flächengröße nur die Angaben über die Zahl der Schnitte. Es wurde deshalb
grundsätzlich die zweischürige Wiese mit der vollen Flächengröße eingesetzt. Dagegen
 wurde die Fläche der einschürigen Wiese um ein Drittel ermäßigt, diejenige
der dreischürigen um ein Drittel erhöht. Bei ganz geringen, sumpfigen Wiesen erstreckte
 sich die Ermäßigung bis auf zwei Drittel der Fläche. Eine unterschiedliche
 Bemessung von Moorboden- und Mineralbodenwiesen erfolgte nicht. Ebenso
zonnte, um das Schema der Gruppierung nicht allzu kompliziert zu gestalten, die
Entfernung der Wiesen vom Wirtschaftshof nicht berücksichtigt werden.
Die Weiden liefern an sich kein Winterfutter; ihr Vorhandensein ermöglicht
aber eine entsprechend. größere Verwendung des Feldfutters zur Heubereitung. Sie
mußten also gleichfalls berücksichtigt werden. Der Fragebogen unterscheidet gute
und geringe Weiden. Bei der Auswertung wurden die guten Weiden voll, die geringen.
 zur Hälfte der Wiesenfläche hinzugezählt.
Die so errechneten Grünlandflächen wurden in Beziehung zur Ackerfläche gesetzt,
 und es wurden sechs Klassen gebildet:

a) Wiese: Acker = 1:0— 2
“ 1:2— 4
; 1.4— 6
1:6— 8
1 :8—10
1:über 10

b) Umfang des für den Feldfutterbau geeigneten Bodens.
Als sicherstes Kriterium wurde die Rotkleefähigkeit des Bodens angesehen,
ınd eg wurden zu deren Feststellung folgende Fragen gestellt:
Bodenart der Ackerkrume?
Umfang des rotkleefähigen Ackers?
wieviel davon für Kartoffeln ungeeignet?
Umfang des nichtrotkleefähigen Ackers?
wieviel davon Acker, der lediglich Roggen und Kartoffen noch sicher trägt?
wieviel davon Roggen-Lupinenboden (nicht kartoffelsicher)?

Da vorauszusehen war, daß die Frage nach dem Umfang des. rotkleefähigen
Ackers nicht immer mit der nötigen Genauigkeit beantwortet werden würde, wurde
zur Kontrolle gefragt nach dem Grundsteuerreinertrag und Einheitswert der
landwirtschaftlichen Fläche, nach dem Klima (Höhenlage, Regenmenge, Frostgefahr)
und nach dem Anbauverhältnis. Die Antworten auf die Frage nach dem Grundsteuerreinertrag,
 dem Einheitswert und der Ertragswertklasse der landwirtschaftlichen
 Fläche sind lückenhaft. Die zur Ergänzung herangezogenen Angaben des
Aüteradreßbuchs beziehen sich auf den Grundsteuerreinertrag der Gesamtfläche,
geben also dort, wo größere Waldbestände vorhanden sind, keinen Maßstab für
die Güte der landwirtschaftlichen Nutzfläche, Aus demselben Grunde sind die
häufiger gemachten Angaben über den Einheitswert der Gesamtfläche nur bedingt
orauchbar. Die Fragen über Höhenlage und Regenmenge sind nur teilweise beantwortet
 worden. Eine besondere Klasseneinteilung konnte darauf nicht gegründet
werden.
        <pb n="95" />
        86

Die wichtigste Kontrollmöglichkeit lag in den Angaben über das Anbauverhältnis.
 Da beim Anbauverhältnis eines einzelnen Jahres gewisse Zufälligkeiten
 eine Rolle spielen können, wäre es von Wichtigkeit gewesen, nicht nur
las Anbauverhältnis eines Jahres (1926), sondern etwa dreier Jahre oder noch
besser die jeweilige Fruchtfolge zu kennen. Aber eine derartige Spezialisierung des
Fragebogens ‚erschien praktisch unmöglich und hätte wohl auch kaum zu einem
brauchbaren Ergebnis geführt, da selbst die Angaben über das eine Jahr nur durch
zahlreiche Rückfragen vollständig erlangt werden konnten. Es mußte demnach das
Anbauverhältnis für die Ernte von 1926 als typisch zugrunde gelegt werden.
Unter der Voraussetzung, daß der angegebene Rotkleeanbau im Rahmen einer
geordneten Fruchtfolge stattfand, also frühestens in 6, häufig sogar erst in 8 Jahren
auf denselben Schlag zurückkehrt, mußte eine Multiplikation der Rotkleeanbaufläche
mit 6 das Mindestmaß der rotkleefähigen Fläche ergeben. Daneben wurde der Anbau
von Kleegrasgemischen erfragt. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, daß der
Anbau solcher Gemische, namentlich bei starker Beimischung von Gras, sich gelegentlich
 auch auf Böden erstreckt, die nicht mehr voll als rotkleefähig anzusehen
sind, wurde zur Feststellung der rotkleefähigen Mindestfläche die angegebene Kleegrasfläche
 nur mit 4 multipliziert.
Zu den anspruchsvollen Futterpflanzen zählt ferner die Luzerne. Würde
sie in. regelrechter Fruchtfolge angebaut, so müßten die mit ihr bestellten Flächen
ebenso gezählt werden wie die Rotkleeflächen. Sehr häufig wird jedoch die Luzerne
außerhalb jeder Fruchtfolge auf besonders für sie geeigneten und sonst schwer zu
jearbeitenden Stellen angebaut. Eine Multiplikation der Luzerneflächen erschien
daher nicht angebracht; wohl aber mußte ihr einfacher Betrag der errechneten kleefähigen
 Fläche hinzugezählt werden.
War die aus dem Anbauverhältnis errechnete kleefähige Fläche größer als die
vom Besitzer angegebene, so wurde die Angabe des Besitzers entsprechend berichtigt.
Die Kontrolle der kleefähigen Fläche nach dem Anbauverhältnis wird durch
zwei Umstände erschwert: 1. Die Errechnung aus dem tatsächlichen Kleeanbau wird
häufig nicht zur vollständigen Erfassung der kleefähigen Fläche führen, weil Güter
mit Brennereien gerade wegen des Bestehens der ohnehin Winteriutter liefernden
Brennerei weniger gezwungen sind, ihre gesamte kleefähige Fläche durch Kleebau
auszunutzen, als brennereilose Güter. 2. Auch unter den Brennereigütern führt die
Bewertung nach der tatsächlichen Kleeanbaufläche zu Ungleichmäßigkeiten, indem
nämlich Güter mit gutem Wiesenverhältnis in der Regel einen geringeren Kleeanbau
aufweisen werden als Güter mit wenig Wiesen. Sie kommen dadurch in eine zu
niedrige Ackerklasse, Dasselbe gilt für Güter mit starkem Zuckerrübenanbau.
In gewissen Umfang ließen sich diese Mängel dadurch ausgleichen, daß die
Weizen- und Zuckerrübenanbauflächen, die ohne weiteres als kleefähig angenommen
werden. konnten, gleichfalls für die Beurteilung herangezogen wurden. Es geschah
in der Weise, daß das Dreifache der Weizen- oder Zuckerrübenfläche dann als rotkleefähige
 Fläche eingesetzt wurde, wenn es mehr ausmachte als die vom Besitzer
angegebene oder aus dem Kleeanbau errechnete Fläche,
Die so erhaltenen Zahlen führten zur Aufstellung der folgenden Klassen nach
dem Verhältnis des kleefähigen Bodens zur Ackerfläche:
Klasse II über 75 % der Ackerfläche kleefähig
II 50—75 %
IV 30—50 %
V 20—30 %
VI 10—20 %
VII unter 10%
        <pb n="96" />
        &amp;gt;

3) Zuckerrübenanbau.
Für die Beurteilung der Stellung der Brennerei in der ausgesprochenen Zucker--übenwirtschaft
 erschien von Wichtigkeit: 1. die Tatsache, daß der Zuckerrübenbau
:n Gestalt der Blätter und Schnitzel gleichfalls Winterfutter liefert, 2. die Tatsache,
3aß ein starker Kartoffelbau neben dem Rübenbau zu ungünstiger Arbeitshäufung
#ühren kann. Um beiden Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, wurde neben einer
„otkleefähigen Mindestfläche von über 75 °/, der Ackerfläche als Kriterium gewählt
das Verhältnis der Zuckerrüben- zur Kartoffelfläche, und es wurden die folgenden
peiden Klassen gebildet:
Klasse Ia über 75% der Ackerfläche kleefähig, Zuckerrübenfläche größer
als Kartoffelfläche;
Klasse Ib über 75°, der Ackerfläche kleefähig, Zuckerrübenfläche über
50%, der Kartoffelfläche.
Da bei den ausgesprochenen Zuckerrübenwirtschaften infolge der Güte des Bodens
ınd des starken Anfalls an Blättern und Schnitzeln das Wiesenverhältnis eine geringere
 Rolle spielt als bei den übrigen Wirtschaften, wurde hier von einer Unterzruppierung
 in sechs Wiesenklassen abgesehen, und es wurden nur zwei Unterzruppen
 nach dem Wiesenverhältnis gebildet:
Ia a—d Ib a—b
e—1 c—ft

_ 2.Kartoffelverwertung (Verkehrslage).
Die Brennerei ist für ein Gut um £o wichtiger, je beschränktere Möglichkeiten
5 für den Absatz der Kartoffeln hat. Als Absatzmöglichkeit kommt in den Gebieten
 westlich der Elbe nahezu ausschließlich der Speisekartoffelverbrauch in
Frage; östlich der Elbe tritt neben diese Hauptverwertungsform der Verkauf von
Saatgut und von Kartoffeln für industrielle Zwecke (meistens Stärkeindustrie). Der
Futterkartoffelverkauf spielt demgegenüber eine geringe Rolle. Unter den Beschränkungen
 der Absatzmöglichkeit interessieren hier nur die auf die Lage des
%Autes zurückzuführenden. Sie Können teils auf allgemeiner Ungunst der Lage zum
Absatzgebiet, teils auf ungünstiger Verkehrelage zur Verladestation beruhen. Die
Lage zum Absatzgebiet blieb bei der Eingruppierung der Fragebogen unberücksichtigt,
 weil sie in der Regel nicht einzelne Güter, sondern ganze Landesteile betrifft.
Sie wird bei der Beurteilung der Ergebnisse besondere Würdigung finden müssen.
Andererseits gibt es auch Fälle, wo einzelne Güter sich in besonders günstiger
Absatzlage (Nachbarschaft einer Großstadt) befinden. Auch sie: konnten nicht
serücksichtigt werden, weil sich eine einwandfreie Abgrenzung nicht finden ließ.
Es blieb deshalb nur übrig, die Verkehrslagezur Bahnstation,
lie sich sowohl in einer Erschwerung der Abfuhr verkaufter Kartoffeln wie der
Anfuhr gekaufter Kraftfuttermittel auswirkt, zu berücksichtigen. * Das geschah
in der Weise, daß diejenigen Güter, die mehr als 5 km Landweg bzw. 10 km Kunststraße
 von der Verladestation entfernt liegen, in eine besondere Klasse eingereiht
wurden. In der nachfolgenden Gruppierung wurden Mängel in der Verkehrslage*)

‘\ Mängel in der Verkehrslage finden sich in
Istpreußen bei 11 Betrieben = 9,0 %
Dommern, Mecklenburg „ 29 =/.
Grenzmark 3 ES
3randenburg
Schlesien 7
Provinz Sachsen
Freistaat Sachsen
Jüddeutschland Bl ' Y = 3,5 %
zusammen bei 132 Betrieben = 7,5 % der erfaßten Betriebe.
        <pb n="97" />
        QR

dadurch berücksichtigt, daß die betreffenden Betriebe um eine Gruppe erniedrigt
yurden.

Die Gruppierung.
Das Ergebnis der nach dem oben dargelegten Verfahren vorgenommenen Einordnung
 der Brennereigüter in die einzelnen Boden- und: Wiesenklassen findet sich,
aufgegliedert nach den einzelnen Landesteilen und für das Deutsche Reich im ganzen,
in der Anlage IV S. 108.
Ein anschauliches Bild der Sachlage gewinnt man jedoch erst, wenn man von
diesen 48 Klassen diejenigen, deren agronomische Verhältnisse mit Bezug auf die
Möglichkeiten der Futtererzeugung als ähnlich anzusehen sind, zu Gruppen zusammenfaßt.
 Zahl und Anordnung dieser Gruppen kann naturgemäß sehr verschieden
 gewählt werden, je nachdem man der Kleefähigkeit des Ackers oder dem
Umfang des Grünlandes größere Bedeutung beimißt. Wenn man beide Gesichtspunkte
 ungefähr gleich bewertet, so ergibt sich logisch das nachstehende Schema.

la

ı 5

A

Z

13

A

14

&amp;gt;

D

Wiesenklassen
6 d

ß

\

h

6

R

10

B
nn 12

9

16

6

X

15

17

nl
br.

1
rn

IV

=
mn
W
5)
©
QQ

V

„V

| 18

4

45

de

H
47

43

f.

48
        <pb n="98" />
        BE

Es umfaßt
m di » —_ —
Gruppe A die Klassen: Ia a—d, Ib a—b | Zuckerrübenwirtschaften.
B ia e—f, Ib c-4 J
N ; nn o ]
N ae IM ab { Süter mit 30—100 % kiee
Va ; fähigem Boden und gutem
Wiesenverhältnis.

X d—e, II e—.C
IVb, Va
If, Ile, IV 6c—d
Vb, VIa
ıNf, IVe, V c-—d
VIb, VHIa,
IVf, Ve, VI c—d
VII b—e
Vf, VI e—f
VII d-—f

Übergänge mit allmählich absinkendem
 Boden- und Wiesenverhältnis


( Güter mit geringem Boden
| (0—30 % Kleefähigkeit) und
schlechtem Wiesenverhältnis.

Jede derartige Einstufung kann aus technischen Gründen nur nach wenigen,
besönders wichtigen Kriterien (in diesem Falle Güte des Bodens, Grünlandverhältnis
 und äußere Verkehrslage) vorgenommen werden. Sie muß deshalb immer etwas
Starres an sich tragen und wird in vielen Fällen den besonderen Verhältnissen des
‚etreffenden. Betriebes (Klima, innere Verkehrslage usw.) nicht gerecht werden
können. Sie bleibt aber der einzige Weg, um wenigstens in großen Umrissen Ordzung
 in die Vielgestaltigkeit der Erscheinungen zu bringen.
Das Ergebnis der Einordnung in. Gruppen zeigen die nachfolgenden Zusammenstellungen
 für das Reich und: für einzelne Landesteile. Gleichzeitig wurde
bei jeder Zusammenstellung der Anteil jeder Gruppe am gesamten erfaßten Brenn-"echt
 des betreffenden Landesteils graphisch dargestellt. Wie sich das erfaßte
Brennrecht zum Gesamtbrennrecht in den einzelnen Landesteilen verhält, ist aus
der Tabelle auf S. 57 zu ersehen.

Deutsches Reich,

Gruppel Betriebe )
AwB 281
70} 88
I 299 ;
856
F 266
G 956
Hl 80
Zus. | 1871

Regelm. Brennrecht
u
218 049 ‘+ 12

254 208

14.

299 852 | 16,5
365 945 920.1

269 957
238 249
172 548 | 9,5
1818808 | 100

48
        <pb n="99" />
        J0

Ostpreußen.

Regelm. Brennrecht
hl 1%
32 942 28,4
23 159 20
32 232 98 ,
16 861 m .
G 8 7664 | 66 |
HI 8 2774 | 241 I
Zus. | 180 115682 | 200

—

Grenzmark.

Gruppe!

Betriebe |

Au. B

4

C

4

7
E }) 18

D

F ) 15
G |
"H |
Zus. | 89 |

Regelm. Bronnrocht.
hl _ %
1154 1,8
1250 1 14
8 092 ] 9,1
15 085 17
17415 19,7
17 039 19,38
28 709 32,2
88 744 100

Pommern u. Mecklenburg.

Gruppel Betriebe |
Au. B! 8
c
D 7

Regelm, Brennrecht
hl | %
10505 2,4
75.926 | 17,5
98 338 | 22,6
120 287 | 27,8 1
52773 "121
10,8

E * 105
F ) 58
Te ;

49 47 423
H 29 29 409 | 638
Zus. 397 ' 434 661 | 100
        <pb n="100" />
        01

Brandenburg,

Gruppe] Betriebe | Regelm. Brennrecht
——_ _ A
AuBl 17 20 984 4,1
CO | 44 525
55 716
92 000
111 360

89
49
E 1 79
FI}
6 | ans 107 378
a | 82578
"Zus. | 488 | 5145386

21,6

20,8

16

100

7.

Schlesien,

Gruppe] Betriebe |
:
AwBl 69 ı
6] ww
D| =
E | 8
Fr | 56
a I u
a
zu T 39%
A

Regelm. Brennrecht
hl 1 %_
64421 l 17,6
35 474

9,8

68 957

19

78 247

21,4

49 712

13,6

7 007

19

20 59?

5,6
100

264.701

Mitteldeutschland: Prov. Sachsen,

Gruppe) Betriebe |
AuB!' 84
oc) wo
DI 8
Bl oo
Fo
ZZ
F
Zus.
br bes
Enquete-Ausschuß,. II. Band 6.

TR
Regelm. Brennrecht
hl %
79 765 | 59

6786
8158 '
18 185
15.180
6 762
3608

5

a7

if

135 347 100

Anhalt, Braunschweig, Thüringen.

ea
        <pb n="101" />
        92

Freist. Sachsen.

Gruppe‘

Betriebe

Au. BI
C

22

23
17

D

E

6

F

8

G *
H I
=
Zus. | 78

Regelm. Brennrecht
LE
14.027 80,4
12 857 28
11429 | 24,6
4325 | 94
I. 5,81
1 8”

2 712
800

46 150

| 100

Süddeutschland: Bayern, Württemberg, Baden, Hessen.

Gruppe!

Au. B

C

D

P

x

4"

— Zus. !

ba

Betriebe‘

29

62
82

‘1

Ä

*

146

Regelm. Brennrecht
hl %
24 941 | 22
48132 | 88
25541 | 224
9344
8.904
2886
2874
118712

| 8.2

I 925

| 100 .

Man wird annehmen können, daß das Brennrecht der von der Erhebung nicht
erfaßten 10°, der Brennereien über 400 hl eine den erfaßten Betrieben entsprechende
 Gruppierung aufweist. Die Verteilung des gesamten Brennrechts
 der landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien in Höhe von 2465 000 hl
gestaltet sich danach wie folgt (abgerundete Zahlen):

Genossenschaften . .
Brennereien unter 400 hl
Brennereien über 400 hl
von letzteren entfallen auf
Gruppe A -.B 12,0%
14,0 %
16,5 %
20,1 %
14,8%
13,1 %
9.5 %

— 233 000 hl
— 272000 hl
= 320 000 hl
— 390 000 hl
= 287 000 hl
= 254 000 hl
= 185000 hl

Brennrecht
272000 hl
252 000 hl
1 931 000 hl
        <pb n="102" />
        93

Untersucht wurde ferner die Frage, ob die Gruppen mit schlechteren Bodenund
 Wiesenverhältnissen ihr Brennrecht stärker ausgenutzt haben als die
Gruppen mit günstigeren Verhältnissen. Es ergab sich folgende

Ausnutzung des Jahresbrennrechts in den einzelnen
Gruppen)}).

iruppe

1925/26 1926/27
Kar- | Kar- . a
% 1% |

1925/26

1926/27 !/925/26l 1926,27
Kar- | Kar- 3 Kar- | Kar- .
toffeln E= Mais | Zus. em En Mais | Zus.
% a | % I al

Ostpreußen

OÜre a

Pammarn

A+B

D
E
F
3
FH
Yurchschnitt
 | 89 ] 58 | 15 | 78

85 | 59 | 14
8a | 60 | 18
87 | 52 | 15
92 | 55 | 19
100 | 783 | 18
100 1 7 46

73
78
67
76.
86
BR&amp;amp;

9% | 43 | 28
100 | 51 | —
100 | 55 | 17 '
99 | 51 | 14 |
100 | 66 | 21 ,
94 | 47 | 21
na A 4

66
51
72
RR
E77
68
55

90 | 50 | 22
95 | 56 | 16
100 | 65 | 18
95 | 58 | iı |
100 | 67 ! 35
96 | 5

72
72
78
69
80

oo [lm

97 | 60 | 13 | 78
Mi//aldart hland

Brr-A-n
r‘ haru

 14 Zu

|

98
36
DR
ar

ı 49
| 64
52
62
Bo

16
17
19
1°

65
78
67
72
An
3

29 34
83 | 36 |
92 87
95 4
9 ;
9

39
28
24
27
38
2
Of

73
64
71
72
76
“Ce

m
7
90
©

96
or
RB

op
35
33
97

FE
F
$
@-/
6?
75

Cr

7a

a

Durch- |
schnitt 04

s | 8 7 | la | sl |

%

62

Allgemeine Schlüsse über die Beziehungen zwischen der Ausnutzung des Jahresorennrechts
 und der agronomischen Beschaffenheit der Brennereigüter können
Janach nicht gzezogven werden.

Von den untersuchten 1871 Brennereien haben seit Errichtung der Monopolverwaltung
 (30. 9.19) bis zum Jahre 1927 187 Betriebe Brennrecht durch U b ervragung
 (Zukauf) erworben, und zwar insgesamt 45904 hl =— 2.5°% ihres
;egelmäßigen Brennrechts.
Landwirtschaftliche Brennereien bis 300 hl Brennrecht dürfen ihr Brennrecht
auf andere Brennereien der gleichen Klasse übertragen, jedoch mit der Einschrängung,
 daß die süddeutschen Brennrechte nur innerhalb Süddeutschlands, die nord-Jleutschen
 nur innerhalb Norddeutschlands übertragen werden dürfen. Eine für das
aorddeutsche Brenngebiet vorgenommene Untersuchung über die Verteilung des
übertragenen Brennrechts auf die einzelnen Bonitätsgrunpen der Brennereigüter
ergab folgendes Bild:

1) 1925/26 war die Verwendung von Mais so geringfügig, daß sie unberücksichtigt
bleiben konnte.
        <pb n="103" />
        — 94 —
Hinzugekauft wurden von 1919—1927 in den Gruppen
\+B 4593hl=24% des Brennrechts der Gruppe
3906 hl=- 1,"
5152 hl = 2,
3514 hl= 27
3895 hl = 1
5497 hl: -
2 986 hl: LE
36 543 hl1= 2,1 % des Brennrechts der Gruppe.

«y

Ein Hinwandern des Brennrechts zu den Gruppen mit geringeren Boden- und
Wiesenverhältnissen läßt sich daraus nicht erkennen. Allerdings wird das Bild
dadurch getrübt, daß sich unter den untersuchten 8 Jahren die Inflationsjahre
befinden.
        <pb n="104" />
        35

Anlage I
zu S. 47.

Ausfuhr von Kartoffelstärke und Derivaten,

1909/18 | 1925 ! 1926 | 1927 | 1928 | 1929

Kartoffelstärke und Kartoffelmehl
Gesamtausfuhr. . . . . . . in 1000 dz | 8810 ! 154,6 | 108,6
davon nach
Äroßbritannien , ‚20004. 1000 dz |
%
den Vereinigten Staaten . . . 1000 dz
Dänemark . 106 dz
Italien. . 1000 dz
%
Finnland . 10 dz
Spanien 1060 dz
%
Schweiz . L000 dz
%
Holland , L000 dz
%

16,8 | 25,8

| 98.9

Sa
FE

20
„5
„6
1,7

4,3
14,9
4,1
142

4.7
Rf

13,9
48.2

Gesamtausfuhr. .. . . . . . in 1000 dz
davon nach
Großbritannien. ... u... 1000 dz &amp;gt;
0,
Jen Vereinigten Staaten . . . 1000 az |
0/

Dextrin
! 98.7

892,4

23,3

2940

276 | 836,0

84,5 | 12,7
84,8 40,0
18,3 42,
18,5 18.1

3,1 — —
13,5 — — —
4,9 5,4 | 6.4 | 11,2
21,8 22,5 | 238 31,2

Stärkcezuc!cr und Sir-p
Gesamtausfuhr. . . . . . . in1000 Ar ea “2 AEF
davon nach
Großbritannien .
Österreich . .
Schweiz .

3

2,3

gGesamtausfuhr. .
davon nach
Großbritannien .
Brasilien. .

Fa.
.. 4. . in 1000 dz
1000

5,55 | 7,0

Ak 2,1 2,7
43,1 | 388,2 | 88,5

„.1,©
        <pb n="105" />
        36

Anlage 11
zu SS. 56

Der im Jahre 1928 an 2098 Brennereigüter mit einem regelmäßigen Brennrecht von 400
und mehr Hektolitern gesandte Fragebogen, auf den 1871 auswertbare Antworten eingingen,
lautete wie folgt:
1. Brennereigut Nr,
Besitz oder Pachtung ?
2. Verkehrslage (Entfernung und Straßenart, Verkehrsmittel usw.):
a) Entfernung von der Bahnstation km
Kleinbahn oder Vollbahn ?
Art des Weges zur Bahn?
b) Muß das Frachtgut auf der nächsten Vollbahnstation umgeladen werden ?
c) Entfernung vom nächsten Marktort km
d) Einwohnerzahl des nächsten Marktortes
e) Welcher Markt kommt für den Absatz von Speisekartoffeln in Frage?
Betriebsgröße (einschl. zugepachteter, ausschl.
Acker ......... ha
Nutzgärten. . .. a »
Wiesen. ........
Weiden ........
zus. landw, Nutzfläche

verpachteter Fläche):
Wald 2.0 .000000000000 0.04
Ödland .. 0.000.000
Wasser. ......
Sonstiges. . .. 00.000004
Gesamte Fläche .
Höhe des Grundsteuer-Reinertrags bzw. der landesüblichen
Bonitierung M je ha Gesamtfläche
# „ „= landwirtschaftl. Fläche
Einheitswert » n» „
Estragswertklasse der landwirtschaftl. Nutzfläche
Klima:
Höhenlage m
Durchschn. Jahresregenmenge mm
Frostgefahr ?
5. Bodenbeschaffenheit :
a) Bodenart der Ackerkrume?
b) Umfang des rotkleefähigen Ackers . .........
wieviel davon für Kartoffeln ungeeignet? ......
Umfang des nicht rotkleefähigen Ackers .........
wieviel davon Acker, der lediglich Roggen und Kartoffeln
noch sicher trägt? . ..0.0000.000000000000 4 Hk
wieviel davon Roggen — Lupinenboden (nicht kartoffelsicher)?
 .. 0. .000000000. 0.0.0. 0 004
c) Ist der Zuckerrübenboden rübenmüde ?

7. Klassifikation der Wiesen:

Größe Durchschnittl.
in ha Heuqualität

Durchschnitt].
Jahresertrag
an Heu je ha

Moorboden: einschürig
zweischürig
dreischürig
Mineralboden: einschürig
zweischürig
dreischürig

3, Weiden:
gute: ha
geringe %
3. Anbauverhältnis für die Ernte 1926:
Wintergetreide ...
davon Weizen . ...

ha

Roggen . . .
» Wintergerste . .
Winterölfrüchte. . .
Sommergetreide . . .
davon Weizen ....
„Roggen ....

1A
        <pb n="106" />
        97

Hafer. .... ha
Sommergerste, .
Gemenge welcher Fruchtarten
(zum Reifwerden) ha
Sommerölfrüchte .. »„
Hülsenfrüchte (als Hauptfrüchte) zum
Reifwerden. .... ha
davon Bohnen ....
„ Erbsen. ....
Wicken ....
Lupinen . ...
„ Peluschken. . .
Serradella (zum Reifwerden) »
Futterpflanzen. . .. ”
davon Rotklee .... ”
»» andere Kleearten 55

Klee-Grasgemische
Luzerne . ...
Esparsette . . .
Serradella
(als Futter). .
Gemenge (zum
Grünfuttern) . .
Hackfrüchte . ....
davon Kartoffeln...
Zuckerrüben . .
Wruken . ...
» Runkelrüben . .
Handelsgewächseund
Sämereien ....
Gründüngungspflanzen als
Hauptfrucht (welche)

IB

10. Technische Nebengewerbe :
a) In welchem Jahre wurde die Brennerei in Betrieb genommen?
b) Wieviel Kartoffeln faßt der Henze? dz
c) Wurden während der Dauer des Bestehens wesentliche. technische Verbesserungen und
Erneuerungen vorgenommen ?
Wenn ja, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt?
d) Wie hoch ist das Brennerei-Inventar (ausschließlich Spiritusvorräte) gegen Feuer versichert
 ? RM
8) Wie hoch sind die Brennereigebäude gegen Feuer versichert (wenn der Versicherungswert
 nicht bekannt ist, ist der Wert zu taxieren)? RM
[) Hat die Brennerei sonstige Nebenaufgaben zu erfüllen (z. B. Belieferung der Wirtschaft
mit Licht, Kraft, Wasser, Wärme oder andere ähnliche Aufgaben)?
Wenn ja, seit wann?
Und in welchem Umfange ?
In welchem Umfange und mit welchem Erfolg wurden Abwässer der Brennerei zur
Verbesserung des Grünlandes verwendet?
h). Welche Gründe haben in den letzten Jahren zur Verarbeitung von Mais geführt?
i) Wie wird die Schlempe verwertet (an Mastrinder, Milchvieh, Pferde, Schafe, Schweine) ?
k) Ist eine Trocknerei oder Stärkefabrik vorhanden ?
(verbunden mit der Brennerei oder getrennte Anlagen ?)
Wenn ja, sind die Anlagen betriebsfähig ?
Verarbeitungsfähigkeit der Trocknerei in 24 Stunden
” ;» Stärkefabrik in 24 Stunden „ »
I) Werden in der Trocknungsanlage auch andere Produkte getrocknet und in welchem
Umfange ?

(1. Ackererträge vom ha im Durchschnitt der Jahre 1924, 1925, 1926
Winterweizen. . .... dz Sommergerste ........
Winterroggen . . .. +. „ Hafer ..........10.
Wintergerste , ... .-. »„ Kartoffeln. .........
Sommerweizen ..... „  Zuckerrüben ,.......

12, Kartoffelverwertung :
Gesamte Kartoffelerzeugung . ..... ++
davon Verkauf als:
Speisekartoffeln . ........0000 4004
Saatkartoffeln .......0.0.0000 404
Kartoffeln für industrielle Zwecke .....
Zur eigenen Saat . ...0.00.0000000000 4
eigenen oder genossenschaftlichen Brennerei. .
eigenen oder genossenschaftlichen Stärkefabrik
eigenen oder genossenschaftlichen Trocknerei
(einschl. Lohntrocknung). .......
Von den Trockenkartoffeln wurden verfüttert
verkauff 2.0.2.2.

1925/26

1926/27
dz

dz

5

EL

dz

,
&amp;gt;
f
&amp;gt;
',
9
%
        <pb n="107" />
        9R

Verfüttert in frischem oder gedämpftem Zustand
PA » eingesäuertem Zustand .....
Deputat und Eigenverbrauch. ........
Schwund © © 0
Hinzugekauft wurden an Kartoffeln
für die Brennerei ..............
» » Trocknerei. . 0.
» 1» Stärkefabrik , .....-zur
 Saab . . ........
Viehbestand: am 1.7. 1926
Milchkühe u. tragende Färsen Stück
Zugochsen .........
Mastrindvieh über 4dz . . .
Jungvieh. .........
Kälber. ...........
Zuchtbullen ........
Pferde. ..........
Maultiere. .........
Fohlen. ....0.0.0...0.
Größere Schweine. . . .'..
Läufer (Pölke) .......
Ferkel. ..........
Schafe ........
Lämmer. ...

dz

dz

F

1925/26

1926/27

dz

dz

&amp;gt;

2

»7

nn”

am 1,1. 1927 am 1, 7. 1927
Stück Stück

18

|5. Kraftfuttermittelzukauf :
im Wirtschaftsjahr 1926/27 dz Ölkuchen dz Kleie und Futtermehle
s Futtergetreide „ Sonstiges
a) Milchertrag je Kuh im Wirtschaftsjahr 1926/27 .......... 4
b) Gesamte Milchproduktion im Wirtschaftsjahr 1926/27 ....... 4
davon als Frischmilch verkaufß . ....0.00.0000000000000.0H
in der Wirtschaft verbraucht (einschl. Haushalt und Deputat)
in eigener Molkerei verarbeitet . ........ 0.0.0404
als Genosse an genossenschaftliche Molkereien geliefert . ..
an, fremde Molkereien geliefert ......0..0.0.0. 0.0 04
17. Durchschnittlicher Erlös je Liter Milch im Wirtschaftsjahr 1926/27:
a) im Frischmilchverkauf Pig.
b) in der Molkerei verwertet:
1. ohne Rücklieferung von Magermilch Pfg.
2. bei » » »
18. Welche besonderen Verhältnisse beeinflußten den Ertrag in den Wirtschaftsijahren 1925/26
und 1926/27?

19.

Welche besondere Bedeutung hat die Brennerei für Ihren Betrieb (Kartoffelverwertung, Mast,
Milch. Dünger, Fruchtfolge) ?
        <pb n="108" />
        99

Anlage II.
zu S. 77.

Betr. Motorspiritus.
Der Unterausschuß für Landwirtschaft erbat am 28. März 1927 von der Reichskraftsprit
G. m. b. H. (Berlin), von Dr. Friedrich Bergius (Heidelberg) und von Prof, Wawrziniok (Dresden)
schriftliche Gutachten über folgende Fragen:
L. Wie beurteilen Sie die technischen und wirtschaftlichen Aussichten des Spiritus als Treibmittel
 für Motoren ?
Ist anzunehmen, daß durch die Erfindungen auf dem Gebiete der Kohleverflüssigung
dem Spiritus als Treibmittel für Motoren eine weitere Konkurrenz erwachsen wird?
Die im Sommer 1927 eingegangenen Antworten wurden im Oktober 1929 von den Gutachtern
 überprüft bzw. ergänzt. Sie lauten wie folgt:
Reichskraftsprit 6. m. b. H,
Zu Frage ll,
In Erörterung der vorstehenden Frage sollen die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten des
Spiritus in Deutschland als Motorkraftstoff zunächst behandelt werden. Hierzu ist es nötig, sich
die deutschen Kraftstoffverhältnisse allgemein vor Augen zu halten. Der deutsche Kraftfahrzeugverkehr
 befindet sich bekanntlich noch im Anfangsstadium der Entwicklung, und da dieser als
Hauptkonsument von Kraftstoffen anzusehen ist, bildet diese Entwicklung die maßgebliche Grundlage
 für den derzeitigen und für den voraussichtlichen Kraftstoffbedarf in Deutschland.
Im Jahr 1926 betrug der deutsche Kraftstoffverbrauch rund 600000 t. Diesen 600 000 t
stehen an deutscher Kraftstofferzeugung gegenüber rund 180 000 t Motorenbenzol und etwa 50 000 t
verschiedenartige Kraftstoffe, wie Braunkohlenbenzin, Gasanstaltsbenzol und Benzine aus deutschem
 Öl- und Ölschiefervorkommen. Um den deutschen Kraftverkehr mit den notwendigen
Kraftstoffen zu versorgen, mußten also etwa 370 000 t Kraftstoffe, und zwar hauptsächlich Benzine
aus dem Auslande eingeführt werden. Bei einem Durchschnittswert von 300 RM für die Tonne
Kraftstoff ergeben sich sehr große Beträge, die für Kraftstoffeinfuhr bereits im Jahre 1926 als
belastende Posten in der deutschen Handelsbilanz aufgetreten sind, und in deren Ansehung erhebliche
 und ernste Bedenken schon heute und besonders auch im Hinblick auf die zunehmende
Entwicklung des deutschen Kraftverkehrs und mit ihm des deutschen Kraftstoffverbrauchs nicht
unterdrückt werden können. Die Entwicklung des Kraftstoffverbrauchs in England, der im
Jahre 1926 auf 2'/, Millionen t gestiegen ist, rechtfertigt den Analogieschluß, daß auch in
Deutschland mit einer. erheblichen Steigerung des Kraftstoffbedarfes gerechnet werden kann und
muß, und daß man wahrscheinlich schon in den nächsten Jahren einen Kraftstoffverbrauch von
1 Million t in Deutschland zu erwarten hat.
Hierzu kommt, daß die deutsche Volksernährung und die deutsche Landwirtschaft in
weitem Umfange von der Möglichkeit der Spirituserzeugung abhängig sind, ganz abgesehen davon
daß die Spirituserzeugung für die auf den in Deutschland im Übermaß vorhandenen geringen
Böden arbeitenden landwirtschaftlichen Betriebe die maßgebliche Existenzbedingung bedeutet
Überlegt man weiter, daß der Kraftverkehr in Deutschland sich zu einem Wirtschaftsfaktor ent.
wickelt hat, dessen auch nur teilweise Stillegung unabsehbare Schäden wirtschaftlicher Art erzeugen
 würde, so muß es verhängnisvoll erscheinen, wenn die Lebenskraft dieses großen Wirtschaftsfaktors
 vorwiegend aus ausländischen Quellen fließt, die nur zu leicht durch irgendwelche
wirtschafts- oder weltpolitische Einflüsse gestört oder ganz verstopft werden können. Die Tatsache,
daß beispielsweise die Preispolitik der ausländischen Benzingesellschaften mit einem Schlage den
deutschen Kraftverkehr in eine wirtschaftlich äußerst bedrängte Lage bringen kann, dürfte ein
weiterer Grund sein, die deutsche Spirituserzeugung mit allen Mitteln durch Schaffung von
Absatz für motorische Zwecke zu fördern. Auch im Falle politischer Verwicklungen ernster Art
stellt die Spirituserzeugung wegen ihrer Dezentralisation und ihrer eigenartigen Rohstoffbasis eine
auch durch Naturgewalten kaum zu zerstörende Kraftstoffquelle dar und erweist sich in dieser
Hinsicht als ein stabileres Wirtschaftsinstrument als ein räumlich eng zusammengeschlossenes
großes Werk,
Überblickt man die vorstehend niedergelegten Gedankengänge, so muß man zu der Erkenntnis
kommen, daß die wirtschaftlichen Aussichten des Spiritus als Motorkraftstoff gerade aus wirtschaftlichen
 Notwendigkeiten heraus nicht nur als günstig anzusehen sind, sondern eine Forderung
des Tages bedeuten.
        <pb n="109" />
        — 100 —

Die wirtschaftlichen Aussichten für den Spiritus selbst bzw. die Frage, ob es möglich erscheint,
 für den Spiritus als Motorkraftstoff Erlöse zu erzielen, die eine wirtschaftliche Erzeugung
des Spiritus gestatten, hängen naturgemäß auf das engste mit den technischen Aussichten bzw.
mit der technischen Eignung des Spiritus als Motorkraftstoff zusammen. Es erscheint deshalb
angezeigt, vor Erörterung der Rentabilitätsmöglichkeiten die technischen Verhältnisse näher zu
beleuchten. Obwohl die Versuche, Spiritus als, Motorkraftstoff zu verwenden und allgemein einzuführen,
 sich schon über mehr als zwei Jahrzehnte erstrecken, und obwohl diesen Versuchen bis
vor Jahresfrist entscheidende Erfolge noch versagt geblieben waren. liegen doch heute die Verhältnisse
 ganz anders, Dank der umfangreichen Erfahrungen und Forschungsarbeiten auf dem
Kraftstoffgebiet und insbesondere hinsichtlich der motorischen Verwendung des Spiritus ist man
in den Besitz der Methoden gekommen, unter deren Anwendung nicht nur eine motorische Verwendung
 des Spiritus gut möglich ist, sondern auch der Spiritus zu einem willkommenen Motorkraftstoff
 sich entwickeln konnte. Während man früher versucht hat, Spiritus allein als Kraftstoff
 zu verwenden oder Spirituskraftstoffe herauszustellen, die vorwiegend oder in möglichst
großem Ausmaße Spiritus enthielten, wobei man von der falschen Voraussetzung ausging, daß ein
für Benzin gebauter Motor auch mit Spiritus betrieben werden könne, haben die Forschungsarbeiten
 den umgekehrten Weg gezeigt, der dadurch gekennzeichnet ist, daß man in den üblichen
Kraftstoffen Benzin oder Benzol nur so viel Spiritus verwendet, als es motorisch und wirtschaftlich
zweckmäßig und nützlich ist. Diesen Weg ist man vor allen Dingen in Schweden gegangen, wo
das Lättbentyl, ein Gemisch von 75 Teilen Benzin und 25 Teilen absolutem Alkohol, mit bestem
Erfolg eingeführt ist und sich so großer Beliebtheit erfreut, daß die erforderlichen Mengen dieses
Kraftstoffes nur durch den Bau immer neuer Anlagen für die Herstellung von absolutem Alkohol
beschafft werden können. Die Verhältnisse in Schweden bestätigen auf das anschaulichste, daß
der Wert des Motorspiritus als Motortreibstoff nicht nach seinem absoluten Kaloriengehalt beurteilt
werden darf, sondern nach demjenigen Kaloriengehalt, der infolge seiner relativ großen Kompressionsfestigkeit
 ausnutzbar ist.
Die Entwicklung des Motorenbaus einerseits und die Verschlechterung des Weltkraftstoffes
Benzin andererseits, endlich aber die klare Erkenntnis der motorisch und wirtschaftlich vorteilhaften
 Eigenschaften des Spiritus sind von günstigem Einfluß auf die motorische Verwendung des
Spiritus gewesen. Damit, daß das Kraftfahrzeug aufgehört hat, ein Luxusfahrzeug zu sein und
sich zu einem wirtschaftlichen Instrument entwickelt hat, wurde die Betriebswirtschaftlichkeit des
Kraftfahrzeuges ein (jegenstand besonderen Interesses und besonderer Pflege. Die Motorenfabriken
bemühen sich, die Wirtschaftlichkeit und die Leistungen der Motoren zu verbessern und benutzen
hierzu, nachdem die Verwendung hoher Drehzahlen sich als unwirtschaftlich und technisch
schwierig erwiesen, das Prinzip der höheren Verdichtung, wie sie — wenn auch in extremer
Höhe — beim Dieselmotor als Grundlage seiner besonderen Wirtschaftlichkeit allgemein bekannt
ist. Die Entwicklung des unwirtschaftlichen Benzinmotors früherer Zeiten zum hochverdichteten
wirtschaftlichen modernen Motor, die zunächst durch das kompressionsfeste, hohe Verdichtungen
vertragende Benzol ermöglicht wurde, hat in dieser Beziehung die schlechte, ja in gewissem Umfange
 sogar völlige Unbrauchbarkeit des bisherigen Weltkraftstoffes Benzin erwiesen. Benzin ist
außerordentlich wenig kompressionsfest und gestattet nicht die Anwendung der wirtschaftlich so
wertvollen höheren Verdichtung. Es wird deshalb in aller Welt eifrig nach Mitteln und Zusätzen
gesucht, die die Kompressionsfestigkeit des Benzins erhöhen. Man hat solche Mittel auch ge-Eunden
 , und das bekannteste unter ihnen ist das Benzol, das wegen dieser seiner Eigenschaft hinsichtlich
 des Preises die höchste Stelle auf dem Kraftstoffmarkt erklommen hat. Leider aber
sind die notwendigen Benzolzusatzmengen sehr groß, um Benzin damit einigermaßen kompressionsfest
 zu machen. Zudem ist die Benzolerzeugung eng begrenzt durch den Beschäftigungsgrad der
Eisenindustrie bzw. deren Koksverbrauch. Eine. Steigerung der Benzolerzeugung nach Maßgabe
des Benzolbedarfes ist also nicht möglich. Ein anderes Antiklopfmittel ist das in Amerika zuerst
angewendete Tetraethylblei, das aber wegen seiner verhängnisvollen Giftigkeit behördlichen Verboten
 berechtigterweise zum Opfer gefallen ist, zumal seine technischen Vorzüge nicht durchschlagender
 Natur sind. Auch in Deutschland hat man eine derartige chemische Bremse für
Benzin im Eisencarbonyl (Motyl-Motalin) gefunden, die den Vorteil hat, wenigstens für Mensch und
Tier nicht giftig oder schädlich zu sein. Seine Wirkung in technischer Beziehung ist aber auch
begrenzt und entspricht nicht den Erfordernissen.
Auf Grund umfangreicher Forschungsarbeiten ist nun aber festgestellt worden, daß Spiritus
das wirksamste Antiklopfmittel ist, das man zur Zeit überhaupt kennt, und daß der Spiritus auch
noch eine ganze Reihe anderer technischer und wirtschaftlicher Vorzüge besitzt, die andere Kraftstoffe
 entbehren. Insbesondere hat sich herausgestellt, daß ein Zusatz von geeigneten Mengen
Spiritus zu Kohlenwasserstoffen, vor allem zu Benzinen, diese nicht nur völlig klopffrei macht,
sondern auch, was von größter Bedeutung ist. deren Verbrennungscharakter in so günstigem Sinne
        <pb n="110" />
        — 101 —

beeinflußt, daß neben einer Schonung der Triebwerkteile des Motors eine wesentliche und überraschende
 Verbesserung des thermischen Wirkungsgrades und damit der Betriebswirtschaftlichkeit
und weiterhin auch noch eine Verbesserung der Leistung eintritt.
Voraussetzung für diese günstigen Wirkungen des Spiritus ist lediglich, die Anwendung des
richtigen Mischungsverhältnisses, dessen Unterlagen heute als technisch und wissenschaftlich durchforscht
 angesehen werden können, und deren Richtigkeit in umfangreichem Zahlenmaterial erhärtet
ist. Prof. Wawrziniok, der Direktor des Institutes für Kraftfahrwesen an der Technischen Hochschule
 in Dresden, hat nicht nur durch Bremsstandversuche, sondern auch bei Fahrversuchen mit
Alkoholmischkraftstoffen gezeigt, daß durch die Beimischung des Alkohols zum Benzin eine erhebliche
 Verbesserung des thermischen Wirkungsgrades eintritt. Allerdings hat er festgestellt,
daß diese Verbesserung eine um so größere ist, je höher der Verdichtungsgrad des betreffenden
Motors liegt. Aber, und daß ist im Hinblick auf die zahlreichen älteren Motoren mit niedriger
Verdichtung äußerst wichtig, die höhere Verdichtung ist nicht die unbedingte Voraussetzung
dieser Verbesserung des thermischen Wirkungsgrades. In seinen Schlußfolgerungen aus den Ergebnissen
 der Versuche mit spiritus- und alkoholhaltigen Kraftstoffen, über die er in einem soeben
erschienenen IV. Sammelband der Mitteilungen des Instituts berichtet, sagt Prof. Wawrziniok:
„Eine Mischung von 70 Teilen Benzin mit 30 Teilen Alkohol erscheint für alle Fahrzeugmotoren
geeignet, denn sie liefert in wirtschaftlicher Beziehung einen billigen und in motorischer Beziehung
einen völlig einwandfreien Betrieb. Sie verursacht auch keinerlei Nachteile hinsichtlich der Lebensdauer
 oder Pflege der Motoren.“
Die Verwendung von Alkohol zu einem wirtschaftlich und motorisch vorteilhaften Betrieb
ist also keineswegs an eine besonders hohe Kompression geknüpft, sie gilt vielmehr für alle
Motoren. Allerdings treten die Vorteile des Alkohols bei höheren Verdichtungsgraden besonders in
Erscheinung, was Prof. Wawrziniok in die folgenden Sätze zusammenfaßt: „Die Eigenschaften
der Alkoholkraftstoffe gestatten es, Motoren mit höheren Verdichtungsgraden zu benutzen, als das
sonst möglich ist, weil diese Kraftstoffe trotz hoher Verdichtungs- und Verpuffungsspannung einen
stoßfreien, weichen Motorlauf verursachen. Aus dem gleichen Grunde eignen sich die Alkoholkraftstoffe
 ganz besonders gut zum Betrieb von Gebläsemotoren, und zwar hier noch mit Rücksicht
 darauf, daß sich bei diesen Motoren infolge der Vorkompression im Gebläse eine besondere
Vorwärmung der Verbrennungsluft überflüssig macht. Als weitere Vorteile der Alkoholkraftstoffe
sind schließlich noch zu nennen:
a) billigerer Preis der Wärmeeinheiten,
b) keine Ölkohlebildung in den Zylindern der Motoren,
c) völlig rauchlose Verbrennung,
d) kein belästigender Geruch der Auspuffgase.‘“
Die letztere Erscheinung ist im Hinblick auf die Zunahme des Kraftverkehrs, insbesondere in großen
Städten, eine sehr wertvolle Erscheinung, die in hygienischer Beziehung nicht unterschätzt werden darf.
So kommt es, daß die wirtschaftlichen Aussichten für den Spiritus selbst dank der Erkenntnis
 seiner technisch wertvollen Eigenschaften und deren zweckmäßige Anwendung als äußerst
günstig angesehen werden können. Greift man aus der auf ungemein breiter Basis angelegten
Arbeit von Prof. Wawrziniok zwecks Errechnung des wirklichen Wertes des Spiritus einzelne Daten
heraus, so kommt man zu sehr interessanten und wertvollen Schlußfolgerungen. In der angegebenen
 Arbeit ist ein Gemisch, bestehend aus 60% Dapolin und 40% Alkohol, verglichen worden
mit reinem Dapolin und mit einem Gemisch, bestehend aus 60% Dapolin und 40% Benzol. Von
diesem Dapolin-Alkohol-Kraftstoff wurden beim Daimler-Motor 3%, beim Adler-Motor 13% und
beim Elite-Motor 17,3% weniger verbraucht, so daß die Kraftstoffwirkungsgrade 0,5%, 2,7% und
1% höher waren als die bei dem Vergleichskraftstoff. Bezogen auf den Elite-Motor allein, dessen
Kraftstoffwirkungsgrad beim Dapolin-Alkohol-Gemisch 23,5% gegenüber 19,5% beim Dapolin-Benzol-Gemisch
 betrug, ist das eine Wirkungsgradsteigerung um Se 100 = 20,5%. Das ist
außerordentlich viel und lehrt, daß der Alkohol in den Mischkraftstoffen dem Benzin nicht nur
gleichwertig ist, sondern daß durch ihn in thermischer Hinsicht der Mischkraftstoff sogar wertvoller
 wird, als das an sich bereits wertvolle Benzin ist. Daraus folgt, daß der Alkohol einen
höheren Preis verträgt als das Benzin.
Zahlenmäßig geht aus dem Vergleich der Verbrauchszahlen und der Preise beispielsweise
folgendes hervor: Beim Elite-Motor zeigt sich, daß der Betrieb des Motors mit dem Kraftstoff,
bestehend aus 60% Dapolin und 40% Benzol, "je PS/Std. 17,3 Pf. kostete, während diese Betriebskosten
 bei Verwendung des Kraftstoffes 60% Stellin und 40% Alkohol nur 12 Pf, betrugen. Das
bedeutet eine Ersparnis von
17,3 — 12
73 7 100 = 30%.
        <pb n="111" />
        102 —

Gelingt es, Motoren mit noch höherem Verdichtungsgrad zu schaffen, wie es in Dauerversuchen
 sich bereits als möglich erwiesen hat, so ist eine weitere Vergrößerung dieser Ersparnis
zu erwarten, woraus folgt, daß durch solche Maßnahmen bei der Motorenfabrikation es möglich
ist, den Kraftstoffverbrauch noch weiter zu vermindern. Bei einer Erhöhung der Verdichtung
von 1:4 auf 1:6 steigt die Leistung theoretisch auf etwa 120%, praktisch auf annähernd 125%,
während der Kraftstoffverbrauch theoretisch auf 82,8, praktisch aber auf rund 73% sinkt. Diese
Verminderung des Verbrauches unter gleichzeitiger erheblicher Leistungsverbesserung rechtfertigt
aber eine Erhöhung des Alkoholpreises. Zur Belegung dieser Behauptung können die oben genannten
 Versuche mit dem Elite-Motor dienen.
Von dem Vergleichskraftstoff, bestehend aus 60% Dapolin und 40% Benzol, kostete zur Zeit
der betreffenden Versuche ein Liter 41 Pf. (das Dapolin 21 Pf., das Benzol 20 Pf.). Im Gegensatz
dazu kostete der Kraftstoff bestehend aus 60% Dapolin und 40% Alkohol, 29 Pf. (das Dapolin
21 Pf., der Alkohol 8 Pf.). Trotzdem der Alkoholkraftstoff viel wertvoller ist (die Wirkungsgradsteigerung
 war 20,5%), war derselbe pro Liter um 12 Pf, billiger. Das ist ein Mißverhältnis, und
es folgt daraus, daß der Alkohol im genannten Alkoholkraftstoff eine Preiserhöhung um 12 Pf,,
also um 150%, vertragen müßte, was einem Alkoholpreis von 20 plus 150% = 50 Pf, pro Liter
antsprechen würde.
Setzt man, rückwärts rechnend, diesen Alkoholpreis in die Berechnung ein, so kostet der
Kraftstoff, bestehend aus 60% Dapolin und 40% Alkohol:
60% Dapolin 0,6 35 = 21 Pf.
40% Alkohol 0,4 &amp;gt;50 = 20 Pf.
41 Pf.

Dieser Preis entspricht dem des Vergleichskraftstoffes, bestehend aus 60% Dapolin und 40% Benzol.
In Wirklichkeit ist der Alkoholkraftstoff, wie schon gesagt, noch wertvoller, da er mit
besserem Wirkungsgrad verbrennt, höhere Kompression zuläßt und noch andere Vorteile zeitigt,
wie z. B. Geruchfreiheit, saubere Motorzylinder u.a. Es steht demnach in rein motortechnischer
Beziehung gar nichts im Wege, den Preis des Motorenalkohols auf mindestens 50 RM pro Hektoliter
 zu erhöhen. Bei dieser Höhe muß jeder einsichtige Konsument die Alkoholkraftstoffe den
Benzin- und Benzolgemischen vorziehen.
Die vorstehenden rechnerischen Darlegungen lassen klar erkennen, daß die wirtschaftlichen
Aussichten für den Spiritus dank seiner technischen Vorteile als durchweg günstig angesehen
werden können. Obwohl den Spirituskraftstoffen infolge früherer Mißerfolge und schlechter Erfahrungen
 in der Verbraucherschaft das größte Mißtrauen entgegengebracht wird, vermochte die
Reichskraftspritgesellschaft im ersten Jahre ihres Bestehens rund 200 000 hl Monopolin abzusetzen und
sich eine ständige und zufriedene Abnehmerschaft zu sichern. Diese erfreulichen Umstände und
die Tatsache, daß die Absatzzahlen für Monopolin eine stetige erhebliche Steigerung erfahren zu
Preisen, die den jeweiligen Benzinpreisen ungefähr entsprechen, während nach gemachter Einführung
 eine Erhöhung schon jetzt möglich ist, lassen klar erkennen, wie gut die wirtschaftlichen
Aussichten für den Spiritus ‚sind, und wie richtig der Weg ist, den die Reichskraftspritgesellschaft
zu ihrer Verwirklichung beschritten hat.

Zu Frage 2.
Ob und inwieweit die zu erwartenden künstlichen Benzine einen Einfluß auf die wirtschaftlichen
 Aussichten und Belange des Spiritus haben werden, wird davon abhängen, ob die künstlichen
 Benzine aliphatische oder aromatische Beschaffenheit besitzen werden, und in welchem Umlange
 sie eines Antiklopfmittels bedürfen. Nach den Mitteilungen, die bisher über die Beschaffenheit
 der künstlichen Benzine an die Öffentlichkeit gedrungen sind, steht zu erwarten, daß diese
mehr aliphatischen Charakter besitzen, und daß der Alkohol auch für diese ein wertvolles unentbehrliches
 Veredelungsmittel bedeuten wird. In Hinsicht darauf, daß Jahre vergehen werden, ehe
lie technischen Möglichkeiten vorliegen, auf synthetischem Wege auch nur die Kraftstoffmengen
zu erzeugen, die Deutschland heute braucht, und daß inswischen eine stetige weitere Steigerung
les deutschen Kraftstoffbedarfs zu erwarten ist, werden die Absatzmöglichkeiten des Spiritus unngeschränkt
 bestehen bleiben und aller Wahrscheinlichkeit nach eine erhebliche Verbreiterung
arfahren. Ein völliger Ersatz der ausländischen Benzine durch in Deutschland erzeugte künstliche
Benzine ist in absehbarer Zeit wohl kaum zu erwarten und selbst in dem Fall, daß dies eintreten
würde, kann man im Hinblick auf die Sicherstellung des Kokereistickstoffes im Absatz des künstüchen
 Stickstoffes den Analogieschluß ziehen, daß auch für den Alkohol die erforderliche Absatzbasis
 unter allen Umständen erhalten bleiben muß.
        <pb n="112" />
        Dr. Friedrich Bergius.
Zu Frage 1,
Meine langjährigen Arbeiten über die Verzuckerung des Holzes und Vergärung der daraus
erhaltenen. Glukose haben es mir möglich gemacht, die Frage der Verwendung von Alkohol als
Motortreibstoff eingehend zu prüfen. Rein technisch stellt der wasserfreie Alkohol ohne Zweifel
ein Motortreibmittel dar, das dem gewöhnlichen Benzin an Wirkungsgrad im Motor in gewissem
Sinne überlegen ist und in seinen Eigenschaften mehr mit dem Benzol verglichen werden muß,
Technische Schwierigkeiten bei der Vermischung von Spiritus mit Benzol können entstehen, wenn
man nicht ganz wasserfreien Spiritus verwendet, da der augenblickliche Stand der sogenannten
Homogenisierungsfrage ein endgültiges Urteil darüber, ob man auch wasserhaltigen Spiritus wird
zusetzen können, noch nicht zuläßt. ;
Die Alternative, absoluter Alkohol oder Spiritus mit geringem Wassergehalt, ist jedoch keine
technische, sondern eine wirtschaftliche Frage, die durch die Gegenüberstellung der Trocknungskosten
 des Alkohols einerseits und der Nutzeffektminderung durch Verwendung von wasserhaltigem
Spiritus andererseits entschieden wird. Bestehen bleibt die Tatsache, daß Alkohol dort, wo seine
Herstellungskosten billig und die Kosten des natürlichen Erdöls durch Transport und Zoll wesent.
lich höher sind als in Deutschland, technisch und wirtschaftlich in der Lage ist, Benzin teilweise
zu ersetzen.
Unter den heutigen Verhältnissen ist es noch gerechtfertigt, für den Motoralkohol einen
Preis zu verlangen, der, kalorisch umgerechnet, nicht dem des Benzins, sondern dem des Benzols
entspricht, . d. h. der Liter Alkohol dürfte etwa 27 Pf. kosten. Dabei ist vorausgesetzt, daß das
Mehrangebot an Motorsprit zu keiner Preissenkung führt, vielmehr durch erhöhten Bedarf sofort
Absatz. findet. Immerhin ist zu berücksichtigen, daß eine unbegrenzte Absatzsteigerung ohne
Preiseinbuße kaum möglich ist. Welche Mengen der Markt zu dem oben erwähnten Literpreise
noch aufnehmen könnte, ist schwer zu sagen,
Diese Überlegung führt zu der Frage, wie lange sich der kalorische Preisunterschied Benzin—
Benzol und damit auch der kalorische Preisunterschied Benzin—Alkohol halten kann. Das wird
nur möglich sein, solange die Produktion der klopffesten Motortreibmittel geringer ist als die
Nachfrage. Tritt auf dem deutschen Markte ein weiterer klopffester Betriebsstoff auf, der im
Inland durch die neuen Verfahren zur Verflüssigung der Kohle in unbegrenzten Mengen hergestellt
werden kann, dann wird sich der ‚Motorspritpreis nach diesem und nicht mehr nach dem Benzol
richten müssen.
Da das Kohleöl vorwiegend aus aromatischen Verbindungen besteht, besitzt es die gleichen
günstigen Eigenschaften wie Benzol. Die künftige Preisgestaltung der einheimischen Motortreibstoffe
 wird also von den angebotenen Mengen der drei Betriebsstoffe, Benzol, Spiritus und Kohleöl,
abhängen. Dabei wird das Kohleöl, das praktisch in unbegrenzten Mengen erzeugt werden kann,
wahrscheinlich die Preisbestimmung übernehmen. Den voraussichtlichen Preis des Kohleöls werde
ich unter Frage 2 begründen.
Die erste Frage beantworte ich dahin, daß Spiritus technisch ein geeigneter Zusatz zu
anderen Motortreibstoffen ist, und daß er in Ländern, in denen der Benzinpreis extrem hoch ist
‚wie z. B. in Australien), und in denen die Produktionsverhältnisse für Spiritus besonders günstig
liegen (d..h., wo im Gegensatz zu Deutschland, große Mengen Kohlehydrate zu sehr niedrigem
Preise verfügbar sind), auch zu Preisen verkauft werden kann, die über seinen Herstellungskosten
liegen. In Deutschland dürfte der höchst erzielbare Motorspritpreis im Augenblick noch 27 Pf.
für das Liter sein. Wenn aber große Mengen Kohlebenzin auf den Markt kommen und zum
Benzinpreise verkauft werden, würde der Motorspritpreis auf 17 Pf. pro Liter sinken müssen.
Da der niedrigste Selbstkostenpreis kaum unter 47 Pf. pro Liter*) sinken wird, dürfte in Deutschland
 der Verkauf von Motorsprit ohne eine Subvention von 20 Pf. pro Liter im Augenblick und
bis 30 Pf. pro Liter in der Zukunft nicht möglich sein,

103 —

*) In seinem Bericht über die Arbeiten des Vereins der Spiritusfabrikanten in Deutschland
im Jahre 1925/26 („Zeitschrift für Spiritusindustrie‘‘ Nr. 9/1927, S. 68) gibt Professor Hayduck
die reinen Herstellungskosten des Motorsprits mit 32 Pf. pro Liter an, indem er folgendermaßen
argumentiert: Vermehrte Alkoholerzeugung bedeutet bessere Ausnützung der Destillationsanlagen
und damit Herabsetzung der Selbstkosten. Sie mögen sich tatsächlich so weit verringern, wie
Professor Hayduck annimmt. Eine äußerste Grenze wird der Verbilligung durch die Kosten für
die Destillationswärme und das Rohmaterial gesetzt. Professor Hayduck hat jedoch nach unserer
Ansicht die Kosten für das Rohmaterial in seine Betrachtungen nicht mit einbezogen. Nach dem
Gesetz von Angebot und Nachfrage muß ein erheblicher Mehrverbrauch von Kartoffeln zu Spirituserzeugungszwecken
 —, und erst nach einem erheblichen Mehrverbrauch senkt sich ja der Anteil
der festen Kosten — den Preis der Kartoffeln nicht unwesentlich erhöhen. Diese Verteuerung
vermindert entweder den Anreiz für die Brennereien, das ihnen zustehende Kontingent auszunützen
oder vergrößert die Kosten für das Rohmaterial, so daß wir glauben, daß Professor Hayduck mit
seiner Annahme eines Selbstkostenpreises von 32 Pf. opro Liter nicht wird bestehen können.
        <pb n="113" />
        104

Der in der Diskussion vielfach gezogene Analogieschluß von der Benzolpreisentwicklung auf
die Motorspritpreisentwicklung ist insofern nicht ganz gerechtfertigt, als für die Einführung des
Benzols als Motortreibstoff mehrere ganz ungewöhnlich günstige Momente zusammenfielen. Die
Absperrung von der Einfuhr und die Tatsache, daß mit dem Aufkommen der Motoren höherer
Kompression das Benzol der erste klopffeste Betriebsstoff war, konnte seine Verbreitung in
ungeahnter Weise fördern. Ein klopffester Betriebsstoff, der heute erst‘ seinen Markt erobern
rill, sieht sich einer beträchtlichen Konkurrenz gegenüber. Diese besteht einmal in dem künftig
zu produzierenden Kohleöl, das infolge seines höheren Gehalts an aromatischen Verbindungen
3ine ebenso große Klopffestigkeit aufweist, ferner in den Aussichten, die sich dadurch eröffnen,
daß kleine chemische Zusätze auch aliphatische Kohlenwasserstoffverbindungen klopffest machen
können, und endlich in der Entwicklung des Motorhaues, der sich auf die Verwendung des billigen
Dieselöls umzustellen sucht.‘
Man ist augenblicklich zu sehr daran gewöhnt, die große Nachfrage nach niedrig siedenden
Treibstoffen von der Art der Benzine als feststehend anzusehen, während doch in der höheren
Wärmeausnutzungsmöglichkeit, die im Dieselmotor vorliegt, ein großer Anreiz besteht, die Dieselölfraktionen
 auch für den Motorwagenbetrieb heranzuziehen.
Die von den großen Ölproduktionsländern, insbesondere von Amerika, geforderte Umstellung
des Motorbaues auf sämtliche Fraktionen des Erdöls hat insofern nicht unbeträchtliche Aussichten
auf Erfolg, als ja schon heute von verschiedenen Fabriken (M.A.N.) sehr brauchbare Dieselmotor-Lastwagen
 herausgebracht werden. Wenn man also mit der künftigen technischen Entwicklung
rechnen will, dann muß man den künftigen Anteil des Dieselöls an der Motortreibstoffversorgung
als wahrscheinlich annehmen. Wenn eine solche Entwicklung auch selbstverständlich zur Preiserhöhung
 des Dieselöls führen wird, so wird trotzdem das große Angebot an diesem Brennstoff,
der aus Kohle in unbegrenzten Mengen und wegen des geringen Wasserstoffverbrauchs bei der
Herstellung viel billiger als Benzin fabriziert werden kann, für den Motorspiritus immer eine
gefährliche Konkurrenz bedeuten. Wenn die Entwicklung des Motorbaues den hier skizzierten
Verlauf nimmt, dann wäre selbst der in dem Bericht erwähnte Preis von 17 Pf. für den Liter
Spiritus hoch zu nennen.

Zu Frage 23.

Die Erfindungen auf dem Gebiet der Kohleverflüssigung Taben schon jetzt zur Errichtung
3ehr bedeutender industrieller Anlagen geführt, und es besteht kein Zweifel, daß außerordentlich
große Mengen von Kohlebenzin auf den deutschen Markt kommen werden, die natürlich dem
Motorsprit sehr empfindliche Konkurrenz machen werden. Daß das künftige Kohlebenzin auch
durch seine Klopffestigkeit eine Konkurrenz für den Motorsprit bedeuten wird, habe ich zum Teil
schon oben dargelegt.
Der Einfluß des Kohlebenzins auf dem Treibstoffmarkt hängt wesentlich von folgenden
Faktoren ab:
l. von der erzeugbaren Menge und
2. von den Selbstkosten. ;
Die erzeugbare Kohleölmenge ist in Deutschland praktisch unbegrenzt. Da man aus 2 bis
2'/, t Kohle 1 t Öl herstellen kann, ist es der chemischen Indnstrie und dem Bergbau möelich,
jeden auftretenden Inlandsbedarf zu decken.
Über den Verkaufspreis des Öls ist offiziell noch nichts bekannt. Immerhin ist anzunehmen,
daß die deutsche Industrie so umfangreiche Kapitalinvestierungen in Kohleverflüssigungsanlagen
nicht vorgenommen hätte, wenn man nicht wüßte, daß man das Kohleöl, dem weder ein erhöhter
Zollschutz, noch eine staatliche Subvention zur Verfügung steht, in Preiskonkurrenz zum Benzin
wird absetzen können. Der Preis wird sich, trotz der Ähnlichkeit des Produktes mit Benzol, dem
herrschenden Benzinpreis nähern müssen, da die Mengen an klopffestem Betriebsstoff so groß

Unverständlich bleibt die Bemerkung von Professor Hayduck in dem oben genannten Bericht, daß
in der letzten Staffel noch Kartoffeln, die weder zu Speise-, noch zu Futterzwecken geeignet sind,
verarbeitet werden sollen. Denn es dürfte doch selbstverständlich sein, daß die schlechtesten
Kartoffeln zuerst verarbeitet werden, so daß die Zurechnung der minderwertigen Kartoffeln zur
letzten Staffel einer genaueren Kritik nicht standhält. Zu den 32 Pf. für Gestehungskosten
kommen noch die Kosten für Regie. Ich nehme hierfür den niedrigten Satz an, den Dr. Fritz
Baade in seinem Artikel „Neugestaltung der deutschen Branntweinwirtschaft“ („Berichte über
Landwirtschaft“, Band 5, S. 360) angibt, nämlich 15 Pf. pro Liter, Da trotz der heftigen Polemik,
die gegen Baade entbrannt ist, dieser Betrag bisher nicht angefochten wurde, darf er als sehr
niedrig angesehen werden. Danach stellt sich der Selbstkostenpreis für Motorsprit mindestens auf
47 Pf. pro Liter, wie ich in meinem Bericht angegeben habe. Diese Zahl bedeutet aber in jeder
Beziehung ein Minimum, das kaum erreicht werden kann.
        <pb n="114" />
        105

werden dürften, daß ein wesentlicher Überpreis kaum auf die Dauer möglich sein wird. Damit
müßte aber auch der Motorsprit zum kalorischen Preise des Benzins und nicht mehr zum Preise
des Benzols verkauft werden, d. h. der wahrscheinliche Preis, mit dem Motorsprit gegenüber dem
Kohlebenzin konkurrenzfähig bliebe, wäre etwa 17 Pf. pro Liter, Ein subventionsloser Absatz
von Motorsprit in Deutschland ist demnach ausgeschlossen. Die Subvention würde die außerordentliche
 Höhe von 75 bis 175°, vom Verkaufspreis des Motorsprits betragen müssen.
Allgemein wirtschaftlich ist zu erwägen, daß der Rohstoff Kohle in Deutschland unbegrenzt
zur Verfügung steht und die Entwicklung der Kohleverflüssigungsindustrie aus handels- und
zozialpolitischen Gründen bei der herrschenden Arbeitslosigkeit von großer Wichtigkeit ist. Die
Aufwendung hoher Subventionssummen, um einen seiner chemischen Zusammensetzung nach zu
Nährzwecken geeigneten Rohstoff, die Kohlehydrate, zur Erzeugung mechanischer Energie heranzuziehen,
 dürfte insofern bedenklich sein, als Deutschland auch ohne Inanspruchnahme sehr
bedeutender Subventionsmittel, die letzten Endes vom Reich getragen werden müssen, seinen
Bedarf an flüssigen Brennstoffen wird im Inlande decken können, während es immer noch einen
großen Einfuhrbedarf an Futter- und Nahrungsmitteln aufweist. Die frühere Anschauung, daß
Motorsprit auch unter Opfern an Reichsmitteln an den Markt gebracht werden müßte, um durch
Verringerung des Benzinimports die Handelsbilanz zu stützen, ist heute nicht mehr berechtigt,
weil Benzin aus Kohle den deutschen Markt in Zukunft wird versorgen können, und zwar ohne
Aufwendung von Reichsmitteln, in freier Konkurrenz. Aus dieser Erwägung ergibt sich, daß es
heute nicht mehr vertretbar ist, ein wertvolles Kohlehydrat in Motortreibstoff zu verwandeln, der
aus der in reichster Menge verfügbaren Kohle gewonnen werden kann, während Kohlehydrat selbst
in außerordentlich großer Menge importiert wird.
Möglicherweise könnten die Subventionen, die heute dem Motorsprit zugedacht sind, für die
Landwirtschaft in volkswirtschaftlich viel günstigerer Weise verwandt werden, wenn man die
Kohlehydrate der Kartoffel durch andere Prozesse als Alkoholgärung, z. B. zur Mineralhefeerzeugung,
 Kartoffeltrocknung usw. benutzen würde und auf diesem Wege der Futtermittelwirtschaft
 inländisches Eiweiß zuführen würde.

Prof. Wawrziniok

Zu Frage 1.
Der Beurteilung der Aussichten des Spiritus (Branntwein) als Treibmittel für Motoren muß
sine Betrachtung darüber vorausgehen, in welcher Form derselbe zu verwenden ist.
In dem in den Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen an der Sächsischen Technischen
Hochschule, Dresden (IV. Sammelband, Berlin 1927, Verlag von Klasing &amp;amp; Co., G.m.b.H., Linkstraße
 38), veröffentlichten Bericht über meine Versuche mit spiritus- und alkoholhaltigen Motorkraftstoffen
 habe ich auf Seite 24 als Spiritus alle wasserhaltigen Branntweinprodukte und als
Alkohol alle wasserfreien Branntweinprodukte bezeichnet. Diese Unterscheidung war notwendig,
weil der Wassergehalt den Motorbetrieb entscheidend beeinflußt, und zwar in der Richtung, daß
sich der Spiritus wieder abscheidet, wenn er mit manchen anderen Motorkraftstoffen, z. B. Benzin,
vermischt wurde. Andererseits kann wasserhaltiger Spiritus aber auch — wie das andere wasser.
haltige Kraftstoffe ebenfalls tun — Anlaß zum Verrosten oder zu sonstigem Angriff der Aufbewahrungsbehälter
 geben, wenn diese nicht mit einem Schutzmittel (Zinn) überzogen sind, das
die Rostbildung oder die sonstige Korrosion der Behälterwandungen wirksam zu verhindern vermag.
Über diese Dinge habe ich in meinem Aufsatz „Die Kraftstoffbehälter der Kraftfahrzeuge und die
zu ihrer Herstellung geeigneten Werkstoffe“ (s. Seite 26 des III. Sammelbandes und Seite 45 des
VL Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen) berichtet,
Alkohol (Alcohol absolutus) besitzt diese Nachteile nicht und er läßt sich, wie ich auf
Seite 71 des IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen dargelegt habe,
mit allen anderen Kraftstoffen, und zwar auch Benzin, in jedem Verhältnis mischen, ohne daß die
Gefahr der Entmischung ‚selbst bei niedrigen Temperaturen eintritt. Diese Eigenschaft bedeutet
an sich schon eine außerordentliche Überlegenheit des Alkohols gegenüber dem Spiritus und sie
ermöglicht, daß Alkokol mit jedem anderen brennbaren Stoffe und insbesondere mit den leicht
flüchtigen, gut zündenden und rasch verbrennenden Benzinen vergällt zu werden vermag, so daß
kein anderes unter Umständen für die Benutzung im Motor schädliches Vergällungsmittel zur
Verwendung zu gelangen braucht,
Früher stand der Verwendung von Alkohol der hohe Preis der Alkoholbereitung entgegen.
Heute sind aber billige Alkoholbereitungsverfahren bekannt, bei deren Anwendung sich gezeigt hat,
daß der Preis des Alkohols nur geringfügig höher ist als der Weingeistpreis des wasserhaltigen
Spiritus. In preislicher Beziehung bestehen daher keinerlei Bedenken, an Stelle von Spiritus den
diesem überlegenen Alkohol zu verwenden, ohne daß damit gesagt sein soll. daß Spiritus nicht
        <pb n="115" />
        106 —

verwendbar wäre. Meine Versuche haben aber die in‘ technischer Beziehung hohe Überlegenheit
des Alkohols bewiesen, und ich darf auf Grund meiner Erfahrungen erklären, daß man als Motorbreibstoff
 den Branntwein nur in der Form von Alkohol verwenden sollte. Aus diesem
Grunde werde ich auch die mir gestellte Frage ausschließlich unter dem Gesichtspunkte der
alkoholhaltigen Kraftstoffe behandeln.
Alkohol ist bereits an sich ein ausgezeichneter Motorenkraftstoff, doch haften ihm bei seiner
Verwendung als Kraftstoff für Fahrzeugmotoren als Nachteile seine schwere Entzündbarkeit und
Vergasbarkeit bei niedrigen Temperaturen sowie seine geringe Verbrennungsgeschwindigkeit an,
über die ich in meinem Aufsatze „Verbrennungsgeschwindigkeiten von Kraftstoff-Luftgemischadungen
 in Verpuffungsmotoren‘“, VI. Sammelband der „Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen“,
 berichtet habe. Obgleich sich durch besondere Hilfsmaßnahmen diese Übelstände beseitigen
‚a88en, z. B. durch Vorwärmung, durch Verwendung von Doppelvergasern (s. Seite 27 des
IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen) u. a., ist es besser und
für die wirtschaftliche Ausnutzung des Wärmeinhaltes des Alkohols vorteilhafter, den Alkohol
mit Benzin oder Benzol oder ähnlichen Stoffen vermischt zu verwenden, Diese Stoffe dienen
dabei einerseits als notwendiges Vergällungsmittel, andererseits aber gleichzeitig als Zündmittel
zur Einleitung und Förderung der rascheren Verbrennung,
Bei dieser Art der Verwendung kommen auch die vorzüglichen chemischen Eigenschaften
des Alkohols zur vollen Auswirkung, die durch den Gehalt an chemisch gebundenen Sauerstoff
bedingt sind. Meine Versuche haben z. B. gezeigt (s. Seite 86, Tabelle XIV des IV. Sammelbandes
 der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen), daß bei der Verwendung der Kraftstoffe
 55 und 61 im Elite-Motor, die aus 60%, Benzin + 40%, Alkohol bestanden, der zur damaligen
 Zeit geltende Betriebspreis des Motors pro PS-Stunde nur 12 bzw. 12,5 Pfg. betrug,
gegenüber dem sonst üblichen aus 40%, Benzol und 60 %/, Benzin bestehenden Kraftstoffe, dessen
Benutzung unter den gleichen Verhältnissen 16,5 bzw. 17,3 Pfg. kostete.
Die Verbrauchs- und Preisverhältnisse anderer Mischungen von Spiritus oder Alkohol mit
Benzin oder Benzol gehen aus meinen Darlegungen auf Seite 84 ff. des IV. Sammelbandes der
Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen hervor, so daß ich weitere Erläuterungen unterıtassen
 darf,
Zusammengefaßt hätte ich nur noch unter Zugrundelegung meiner auf Seite 91 des
IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen gegebenen Schlußfolgerungen
zu erklären, daß ich die technischen und wirtschaftlichen Aussichten des Alkohols als Treibmittel
für Motoren für überaus günstig halte, wenn es durch eine wohlüberlegte Preispolitik der Monopolverwaltung
 möglich ist, der Wirtschaft Motorenalkohol zu einem Preise zuzuführen, der nicht
höher ist als der Preis des als Vergällungsmittel zugesetzten Benzols, (Näheres hierüber s. Seite 85
des IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen.) Im übrigen ist zu
erwarten, daß sich diese Verhältnisse noch günstiger gestalten werden, wenn die deutsche Motorenindustrie
 dazu übergegangen sein wird, durchwegs höher verdichtende Motoren zu bauen als
bisher, trotzdem das für die Wirtschaftlichkeit des Alkoholbetriebes nicht unbedingt notwendig
ist. Es ist zu erwarten, daß diese Erhöhung des Verdichtungsgrades bald ganz allgemein durchgeführt
 sein wird, denn alle Neukonstruktionen der deutschen Automotorenindustrie und auch der
zusländischen weisen bereits höhere Verdichtungsverhältnisse auf als die Konstruktionen älteren
Datums,
' Nach meiner Überzeugung, die ich durch meine umfangreichen Versuche mit Motorkraft.
stoffen gewonnen habe, ist Spiritus bzw. Alkohol als ein Kraftstoff veredelun gs mittel (s. Seite 84
des IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen) zu betrachten, dessen
praktische Einführung mit allen Mitteln gefördert werden sollte. Technische Bedenken stehen der
Benutzung von Alkohol als Kraftstoff jedenfalls in keiner Beziehung entgegen, und es könnte
deshalb auch auf eine zwangsweise Einführung eines Alkoholzusatzes zu den Motorkraftstoffen
zugekommen werden, wenn für den der Monopolverwaltung zur Verfügung stehenden Alkohol keine
ausreichende andere Verwendungs möglichkeit gegeben ist.
Zu Frage 2.
Da bereits nachgewiesen ist, daß die durch Kohleverflüssigung gewonnenen Benzine geeignet
sind, die aus Erdöl hergestellten importierten Benzine vollwertig zu ersetzen, können die synthetischen
 Benzine als einheimische Produkte die Einfuhr ausländischer Benzine hemmen. Es ist aber
nicht zu erwarten, daß die synthetischen Benzine den ganzen Inlandsbedarf Deutschlands jemals
werden decken können, oder daß dem Alkohol als Motortreibstoff durch die Erzeugung von
synthetischen Benzinen eine merkbare Konkurrenz wird erwachsen können. Reines synthetisches
Benzin ist überdies heute noch nicht in den weiter oben erwähnten, höher verdichtenden Motoren
verwendbar. Diese Benzine verursachen ebenso wie die natürlichen das störende „Klopfen‘“ der
        <pb n="116" />
        — 107 —

Motoren, was durch Zusatz von Alkohol beseitigt zu werden vermag. Alkoholzusatz wirkt daher
auch in allen Benzinen als Mittel zum Klopffestmachen. Gleichzeitig erteilt der Alkohol aber den
Benzinen höherwertige thermische Eigenschaften, so daß seine Verwendung als Benzinzusatz selbst
lann noch wertvoll sein wird, wenn es gelingt, das synthetische Benzin und die natürlichen
Benzine durch Zusatz chemischer Antiklopfmittel oder durch sonstige entsprechende Behandlung
klopffest zu machen und ihnen die, zu hohe Brisanz bei der Verbrennung im Motor zu nehmen.
Da die praktische Verwendung der Benzine mit Alkoholzusatz überdies gezeigt hat, daß sie
eine geringere -Geruchsbelästigung verursachen als die reinen Benzine und Benzole, und daß sie
die Betriebskosten wesentlich zu verringern vermögen, wenn der Preis des alkoholhaltigen Kraftstoffes
 (Monopolin!) sich auf dem heutigen Niveau bewegt, ist zu erwarten, daß die synthetischen
Benzine und die sonstigen künstlich erzeugten Benzine (Crackbenzin u. dgl.) niemals einen Rückgang
 des Verbrauches an Alkohol als Zusatzmittel zu Benzin als Motorkraftstoff veranlassen
werden. Im Gegenteil wird mit einer ständigen Zunahme des Bedarfes zu rechnen sein, da der
ldeutsche Kraftfahrzeugbestand noch weit unter demjenigen ist, welcher der Bevölkerungsziffer
Deutschlands gegenüber derjenigen anderer Kulturländer entspricht, Dementsprechend darf auch
angenommen. werden, daß die Einfuhrziffer an natürlichem Benzin selbst bei andauernder Steigerung
ler Erzeugung von synthetischem Benzin kaum zurückgehen wird. Diese Tatsache wird sich
preisregulierend auswirken und veranlassen, daß synthetische und andere künstliche Benzine nicht
villiger zu erhalten sein werden. als natürliche. Da überdies der Weltverbrauch an Benzin dauernd
m Steigen begriffen ist, kann auch nicht mit einer wesentlichen Preisreduktion auf dem Benzinmarkte
 gerechnet werden, solange nicht in der deutschen Zollpolitik eine völlige Abkehr von dem
bisher eingenommenen Standpunkt eintritt,
Deshalb bin ich der Ansicht, daß es der Reichsmonopolverwaltung bei wohlüberlegter Preispolitik
 auch in Zukunft möglich sein wird, den von der deutschen Wirtschaft erzeugten Branntwein
 so zu verteilen und zu verwerten, ‚daß auf eine ständig wachsende Erweiterung des Konängentes
 der Branntweinherstellung zugekommen und inshesondere der Sulfitsnriterzeugung eine
wesentliche Förderung erteilt werden könnte.

Enquete- Ausschuß, II. Band 6,
        <pb n="117" />
        L08

Anlage IV.
Zu Seite 88.

Die 1871 untersuchten Brennereigüter verteilten sich bezüglich ihrer Zahl und der Höhe
ihres regelmäßigen Brennrechts in folgender Weise auf die gemäß den Richtlinien (S. 84ff.)
aufgestellten Boden- und Wiesenklassen:

ı. Deutsches Reich (Zusammenfassung).

Aa
Zusammen

Bodenund

Wiesenklasse


Normale Verkehrslage

Schlechte Verkehrslage

- hl regelm.
Betriebe | Brennrecht

„1! hl regelm.
Betriebe Brennrecht

|
Betriebe 3] regelm.
| Brennrecht

la
ı—d
a—f
ib
ı—b
nf

25
{11

23 726
111 685

1718

25
113

28 726
113 403

14
21

10 987
71 651

4926

14
79

10 987
79.077

ULLA
Ib
Le
[Id
Ile
lt

26
67
99
50
38
113

18.7783
55 840
87 778
46 037
37 638
[197829

&amp;gt;

1751 ı
8 829
4751 |
1 968
5 451
7 889

29
74
103
53
42
191

20 524
64 669
92 529
48 005
43 084
127 671

a
UIIb
IIc
Id
[ITe
IT1TIt

8
67
79
60
50
1924

7429
67.706
77 609
66 928
52 751
1921 602

3 057
7726
4 903
1118
14 804

8
71
87
66
52
129

7429
70 765
85 335
71826
53 869
146 406

R

[Va
Vb
Ve
[Vd
Ve
Vf

13
49
86
35
31
100

14 538
47 213
838 936
33 847
31 432
09 2374

8

7586
5583
2 041
2482
14 8828

13
E7
92
37
34
(18

14538
54 799
94519
35 888
83 914
108 2192

8

Va
Vb
Ve
Vd
Ve
ff

ö
30
28
28
16
49

6 049
32 528
25 816
27 274
16 628
44 416

4441
4 415
1745
800
| 49292

5
34
81
20
17

6 049
36 969
29 731
29019
17428
45 898

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YId
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18
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07 890

VIIa 9810
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VILd 20 409
Ile 18 364
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Zusammen | 1727 | 1.681 036 144 | 187772

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3 83 534
17 34.619
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        109
&amp;gt;. Die einzelnen Landesteile,

Boden- Normale
und | Verkehrslage
Wiesen-, = | —
j Be- | hl regelm.
klasse fee Brenurecht

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Verkehrslage
Be- “hl regelm.
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Bodenund

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Normale
Verkehrslage
Be- | hl regelm. Be- |hl regelm.
criebe | Brennrecht i triebe | Brennrecht

Ostpreußen.

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werden dürften, daß ein wesentlicher Überpreis kaum auf die Dauer möglich sein wird. Damit
müßte aber auch der Motorsprit zum kalorischen Preise des Benzins und nicht mehr zum Preise
des Benzols verkauft werden, d. h. der wahrscheinliche Preis, mit dem Motorsprit gegenüber dem
Kohlebenzin konkurrenzfähig bliebe, wäre etwa 17 Pf. pro Liter. Ein subyentionsloser Absatz
von Motorsprit in Deutschland ist demnach ausgeschlossen. Die Subvention würde die außerordentliche
 Höhe von 75 bis 175%, vom Verkaufspreis des Motorsprits betragen müssen.
Allgemein wirtschaftlich ist zu erwägen, daß der Rohstoff Kohle in Deutschland unbegrenzt
zur Verfügung steht und die Entwicklung der Kohleverflüssigungsindustrie aus handels- und
jozialpolitischen Gründen bei der herrschenden Arbeitslosigkeit von großer Wichtigkeit ist. Die
Aufwendung hoher Subventionssummen, um einen seiner chemischen Zusammensetzung nach zu
Nährzwecken geeigneten Rohstoff, die Kohlehydrate, zur Erzeugung mechanischer Energie heranzuziehen,
 dürfte insofern bedenklich sein, als Deutschland auch ohne Inanspruchnahme sehr
bedeutender Subventionsmittel, die letzten Endes vom Reich getragen werden müssen, seinen
Bedarf an flüssigen Brennstoffen wird im Inlande decken können, während es immer noch einen
zroßen Einfuhrbedarf an Futter- und Nahrungsmitteln aufweist. Die frühere Anschauung, daß
Motorsprit auch unter Opfern an Reichsmitteln. an den Markt gebracht werden müßte, um durch
Verringerung des Benzinimports die Handelsbilanz zu stützen, ist heute nicht mehr berechtigt,
weil Benzin aus Kohle den deutschen Markt in Zukunft wird versorgen können, und zwar ohne
Aufwendung von Reichsmitteln, in freier Konkurrenz. Aus dieser Erwägung ergibt sich, daß es
2eute nicht mehr vertretbar ist, ein wertvolles Kohlehydrat in Motortreibstoff zu verwandeln, der
aus der in reichster Menge verfügbaren Kohle gewonnen werden kann, während Kohlehydrat selbst
ın außerordentlich großer Menge importiert wird.
Möglicherweise könnten die Subventionen, die heute dem Motorsprit zugedacht sind, für die
Landwirtschaft in volkswirtschaftlich viel günstigerer Weise verwandt werden, wenn man die
Kohlehydrate der Kartoffel durch andere Prozesse als Alkoholgärung, z. B. zur Mineralhefe-°rzeugung,
 Kartoffeltrocknung usw. benutzen würde und auf diesem Wege der Futtermittelwirtschaft
 inländisches Eiweiß zuführen würde.

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Zu Frage 1.
Der Beurteilung der Aussichten des Spiritus (Branntwein) als Treibmittel für Motoren muß
äne Betrachtung darüber vorausgehen, in welcher Form derselbe zu verwenden ist.
In dem in den Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen an der Sächsischen Technischen
Hochschule, Dresden (IV. Sammelband, Berlin 1927, Verlag von Klasing &amp;amp; Co., G.m.b.H., Linkstraße
 38), veröffentlichten Bericht über meine Versuche mit spiritus- und alkoholhaltigen Motor-&amp;lt;raftstoffen
 habe ich auf Seite 24 als Spiritus alle wasserhaltigen Branntweinprodukte und als
Alkohol alle wasserfreien Branntweinprodukte bezeichnet. Diese Unterscheidung war notwendig,
weil der Wassergehalt den Motorbetrieb entscheidend beeinflußt, und zwar in der Richtung, daß
ich der Spiritus wieder abscheidet, wenn er mit manchen anderen Motorkraftstoffen, z. B. Benzin,
vermischt wurde. Andererseits kann wasserhaltiger Spiritus aber auch — wie das andere wasser.
2altige Kraftstoffe ebenfalls tun — Anlaß zum Verrosten oder zu sonstigem Angriff der Aufbewahrungsbehälter
 geben, wenn diese nicht mit einem Schutzmittel (Zinn) überzogen sind, das
lie Rostbildung oder die sonstige Korrosion der Behälterwandungen wirksam zu verhindern vermag.
Über diese Dinge habe ich in meinem Aufsatz „Die Kraftstoffbehälter der Kraftfahrzeuge und die
zu ihrer Herstellung geeigneten Werkstoffe“ (s, Seite 26 des III. Sammelbandes und Seite 45 des
VI. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen) berichtet.
Alkohol (Alcohol absolutus) besitzt diese Nachteile nicht und er läßt sich, wie ich auf
Seite 71 des IV. Sammelbandes der Mitteilungen des Instituts für Kraftfahrwesen dargelegt habe,
mit allen anderen Kraftstoffen, und zwar auch Benzin, in jedem Verhältnis mischen, ohne daß die
Gefahr der Entmischung ‚selbst bei niedrigen Temperaturen eintritt. Diese Eigenschaft bedeutet
an sich schon eine außerordentliche Überlegenheit des Alkohols gegenüber dem Spiritus und sie
&amp;gt;rmöglicht, daß Alkokol mit jedem anderen brennbaren Stoffe und insbesondere mit den leicht
‘lüchtigen, gut zündenden und rasch verbrennenden Benzinen vergällt zu werden vermag, so daß
zein anderes unter Umständen für die Benutzung im Motor schädliches Vergällungsmittel zur
Verwendung zu gelangen braucht.
Früher stand der Verwendung von Alkohol der hohe Preis der Alkoholbereitung entgegen.
Heute sind aber billige Alkoholbereitungsverfahren bekannt, bei deren Anwendung sich gezeigt hat,
laß der Preis des Alkohols nur geringfügig höher ist als der Weingeistpreis des wasserhaltigen
Spiritus. In preislicher Beziehung bestehen daher keinerlei Bedenken, an Stelle von Spiritus den
liesem überlegenen Alkohol zu verwenden, ohne daß damit gesagt sein soll, daß Spiritus nicht

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