Kaliwerke Aschersleben in Aschersleben Zahlstellen: Aschersleben: Gesellschaftskasse; Berlin: Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Darmstädter und Nationalbank, Commerz- und Privat-Bank A.-G., Delbrück Schickler & Co.; Hugo J. Herzfeld: außerdem Aufbau des U Daten aus der Entwicklungsgeschichte: Die Kaliwerke Aschersleben bilden mit den Fochtergesellschaften einen Teilkonzern des Kaligroß- zonzerns Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln, der nahezu ein Viertel von der Gesamtbeteiligung am Ab- 3atz des Kalisyndikats umfaßt. Die Einheitlichkeit in ler Leitung des Gesamtkonzerns ist dadurch gewähr- l‚eistet, daß die Generaldirektoren von Aschersleben, Westeregeln und Salzdetfurth gleichzeitig Vorstands- nitglieder und Generaldirektoren der beiden anderen Aktiengesellschaften sind. Veber die geschichtliche Entwicklung der Kali- werke Aschersleben ist folgendes zu sagen: In den Jahren 1876 bis 1878 werden unter Leitung les späteren Bergwerksbesitzers Hermann Schmidt- mann bei Aschersleben mehrere Bohrlöcher gestoßen, lie das Vorhandensein des Kalilagers einwandfrei nachweisen. Diese Bohrungen bei Aschersleben sind ür die Kaliindustrie insofern von Bedeutung ge- worden, als sie das Signal zum Aufsuchen und Auf- inden von Kalilagerstätten außerhalb des engeren Staßfurter Bezirks in Nord- und Mitteldeutschland vergeben haben. Der erste Ascherslebener Schacht wird unter zroßen Wasserschwierigkeiten in fast fünfjähriger Arbeit niedergebracht (1878—1883). Mitte 1883 be- wältigt er aber schon eine Förderung von täglich 00 dz Kalisalzen, die in der Hauptsache aus Sarnalliten bestehen. Nebenher haben die Gruben- baue des Schachtes I auch abbauwürdige Mengen von Kainit aufgeschlossen. Das Bergwerksunternehmen wurde 1883 in eine Gewerkschaft, 1889 unter Beteili- zung der Direction der Disconto-Gesellschaft in Berlin n eine Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt jen Namen „Kaliwerke Aschersleben“. Die unmittel- Dar beim Schacht I errichtete Chlorkaliumfabrik wurde in allen Teilen so rechtzeitig fertiggestellt, daß :zie mit Eintritt der Förderfähigkeit des Schachtes Anfang 1883 die Verarbeitung der Salze aufnehmen zonnte. Sie ist die größte und leistungsfähigste Fabrik, die in der Kaliindustrie bisher gebaut ist. Beträgt doch ihre Monatsleistung Anfang 1884 bereits iber 30000 dz Chlorkalium im Durchschnitt. 1885 wurden eine Sulfat- und eine Kalimagnesiafabrik an- zegliedert, die die im Schachte aufgeschlossenen Schönitmengen zu verarbeiten haben. In demselben Jahre kam auch eine Glaubersalzanlage in Betrieb, lie zwar ein Produkt von großer Reinheit lieferte, infolge eines zu kleinen Abnehmerkreises aber im Jahre 1888 wieder einging. Die Brom- und Brom- 3isenfabrikation wurde 1887 aufgenommen. Von 1885 bis 1890 war eine Saline zwecks Siedesalzgewinnung m Betrieb. Die Nebenprodukteanlagen wurden in den späteren Jahren noch für die Erzeugung von festem Chlormagnesium, Bittersalz und für kurze Zeit auch Rubidiumalaun erweitert. Mannheim: a 6 Bank und Disconto-Gesellschaft; öln:; A. Schaaffhausen’scher Bankverein, Filiale der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft; Leipzig: Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt, nternehmens. Der ergiebige Bergbau auf Schacht I war nicht zon langer Dauer. Schon im Juli 1885 wurden in iner Abbaustrecke zusammen mit einer Verwerfung ınmittelbar am Hangenden Solezuflüsse angefahren, lie zunächst gleichbleibend gering (30 1] per Minute) varen, im Dezember desselben Jahres aber plötzlich tärker wurden und zur Ueberflutung der Grube ührten. Es wurde der Versuch gemacht, die jchachtlaugen durch Verdampfen zu verwerten. Ob- vohl auf diese Weise Chlorkalium, Düngesalze und ‚sogar Sulfat hergestellt wurden, ließ sich doch bald ibersehen, daß mit Schachtlaugen als alleinigem iusgangsmaterial nicht rationell zu wirtschaften war, Zur Beschäftigung der Chlorkaliumfabrik wurde da- ‚er zum Bezug fremder Karnallite, und zwar von den eiden Fisci, Neu-Staßfurt, Westeregeln und ‚udwig II geschritten. Im Herbst 1886 wurden den julfatbetrieben Kainite vom anhaltischen Fiskus und ron Neu-Staßfurt zugeführt. Die Sulfatproduktion vs Kainit erwies sich jedoch als unrentabel und vurde 1887 wieder aufgegeben. In der Zwischenzeit wurde Anfang 1886 mit dem \bteufen eines zweiten Schachtes in etwa 700 m IZntfernung vom ersten begonnen. Beim Anfahren ler über dem jüngeren Steinsalz lagernden Gipsdecke and ein Soleeinbruch statt, der so stark war, daß le Sümpfung als zwecklos angesehen wurde, Bevor ‚gendwelche Versuche zum Weiterabteufen des ;cChachtes unternommen wurden, sollte eine im ;chachtlot von Tage aus betriebene Tiefbohrung die ‚och zu durchteufenden Gebirgsschichten untersuchen. )as Bohrloch war schon bis ins ältere Steinsalz vor- sedrungen, als ihm plötzlich über Tage eine turm- ‚ohe Wassersäule entströmte, die Schwefelwasser- toffgase mit sich führte. Nach etwa 2 Stunden hörte las Ueberfließen über Tage auf und die in der Schachtröhre befindlichen Wasser verschwanden bis ‚ur Schachtsohle in dem Bohrloch,. Es mußte ein ‚ewaltiger Hohlraum gewesen sein, der durch den johrer angetroffen war und sämtliche Schachtwässer vufgenommen hatte. Jedenfalls war jetzt auch das {chicksal von Schacht II besiegelt. Es erwies sich jetzt von Vorteil, daß mit der \ınlage eines weiteren Schachtes frühzeitig begonnen vorden war. Noch während der Abteufarbeiten des \chachtes II wurde im September 1886 der erste patenstich für Schacht III (etwa 1500 m nordöstlich on Schacht I) getan. Der Schacht wurde ohne ‚.chwierigkeiten geteuft und war im April 1888 förder- ihig. Die Salzaufschlüsse erwiesen sich als be- onders günstig. Neben Karnallit wurden Kainit und 'chönit, und zwar in demselben Umfange und von ‚erselben Güte wie in Schacht I, gefunden und als Aohsalz für die wieder aufgenommene Sulfat- roduktion verwertet. Außerdem wurde ein kieserit- ‚mes Hartsalz erschlossen, das unter dem Namen A\skanit“ direkt in den Handel gebracht wurde.