Die neue ökonomische Politik (NEP). 105 Stelle meint Krizman, daß das Volkseinkommen wahrscheinlich 33°/a des Vorkriegseinkommens betrug. Alle diese Zahlen werden nur der Anschaulichkeit halber angeführt; Krizman selber hebt ihre Unexaktheit hervor, auf alle Fälle beweisen sie, daß bis zum Jahre 1920 die Revolution zu einer außerordentlichen Verschlechterung der Wirtschaftslage und Lebensbedingungen geführt hatte. Die Bolschewisten führen dafür als Grund an: den Bürgerkrieg, die Auswirkung des imperialistischen Krieges, die Umstellung der wirtschaftlichen Gesellschaft mit Hilfe ungenügender Pläne und der herrschenden Partei vielfach feindlich gegenüberstehender Elemente, die einen arbeitsunfähigen Bürokratismus hervorriefen. Die neue ökonomische Politik (NEP). Der Verlust des Kontaktes zwischen der wirtschaftlichen Wirklichkeit und den staatlichen Organisationsversuchen, der als Endergebnis des Kriegskommunismus bezeichnet werden kann, drohte zu einer gesellschaftlichen und politischen Gefährdung des gesamten bolschewistischen Regimes zu führen. Die Bauern weigerten sich, ihr Getreide weiter beschlagnahmen zu lassen. Der Anbauzwang versagte. Sie verlangten Industrieprodukte, die ihnen nicht geliefert werden konnten, es begann eine neue revolutionäre Bewegung zu entstehen, die sich diesmal gegen die bolschewistischen Zwangsmaßnahmen und die bolschewistische Bürokratie richtete. Dafür war der Matrosenaufstand in Kronstadt bezeichnend (1921), der allerdings rasch unterdrückt wurde. Seine Losung aber: „Alle Macht den Räten!“ konnte der herrschenden bolschewistischen Partei sehr gefährlich werden, da sie gerade ihre Verbindung mit den Massen offen anzweifelte. Die Bolschewisten waren zur Macht gekommen unter der Losung: „Nieder mit der Bürokratie!“ In Wirklichkeit hatte ihre Herrschaft nur zur Ausbildung einer Bürokratie geführt, die noch unfähiger war und auf den Massen noch mehr Jlastete als die alte. Schon vor dem Kronstadter Aufstand hatte Lenin die Gefahren einer Fortsetzung des Kriegskommunismus erkannt. Er wandte sich energisch von den bisherigen Methoden ab, es begann die neue ökonomische Politik, die durch Beschlüsse des 10. Kommunistischen Parteitages vom 8. bis zum 16. März 1921 eingeleitet wurde *. Die neue ökonomische Politik ist ein Ausdruck der Einsicht, daß die bisherige Wirtschaftspolitik der Marktausschaltung, der Ver-Sorgung seitens des Staates, des Anbauzwanges, der Getreidebeschlagnahme nicht den wirklichen gesellschaftlichen Verhält-