122 3. Teil, Die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. schulen als Finheit nicht mehr existieren. Es geht darum, im Eiltempo die Massen zu erziehen. Man setzt also eine Menge von Spezialinstituten an Stelle der früheren Hochschulen. Daneben bleiben zwar theoretische Forschungsinstitute erhalten, aber auch sie dienen der bolschewistischen Praxis. Sie sind, wie etwa die kommunistische Akademie, das Marx-Engels-Institut, das Institut für die Roten Professoren, Stätten zum Studium des Marxismus, zur Heranbildung von bolschewistischen Dozenten usw.” Denn die Ausschaltung der Meinungsfreiheit hat vor der Wissenschaft nicht haltgemacht. Forscher, die den Marxismus nicht anerkannten, sind einfach beseitigt worden. An Stelle der Philosophie trat das Studium der Gesellschaftslehre, des dialektischen Materialismus usw. Das Wissen ist ja nicht Selbstzweck, sondern steht ganz im Dienste der von den Bolschewisten bestimmten gesellschaftlich-wirtschaftlichen Entwicklung. Es gibt keine Forschung, die von diesen Aufgaben loszulösen wäre. Auch die alte Akademie der Wissenschaften hat sich dieser Erkenntnis unterordnen müssen. Sie wurde gezwungen, von ihr abgelehnte, aber von den Bolschewisten vorgeschlagene marxistische Theoretiker in ihre Reihen zu wählen, wobei Wahlen für durchgefallene Kandidaten wiederholt werden mußten. Sie mußte 1931 weltberühmte Gelehrte, wie den Historiker Platonow, aus ihren Reihen ausschließen, weil sie der Gegenrevolution beschuldigt waren. Sie mußte in ihrem Programm ihre Beziehung zur Sowietöffentlichkeit, d. h. ihre Mitarbeit an der Verwirklichung des Fünfijahresplanes, betonen 2 Auch hier zeigt sich die radikale Beschlagnahme der Öffentlichkeit durch die Bolschewisten. Die Öffentlichkeit, also die gesamte Bildung und Aufklärung, fällt mit den politisch-gesellschaftlichen Zwecksetzungen zusammen. Welche Propagandamöglichkeiten sich aus lieser Einstellung ergeben, ist ohne weiteres klar. Alles Wissen, alle Aufklärung steht im Dienste der Propaganda für die herrschende Partei und ihre Politik. Eine unerhörte Vereinfachung — der an westeuropäische Traditionen Gewohnte wird geneigt sein, zu sagen: Barbarisierung — des yesamten Lebens ist die Folge. Es gibt ein ganz einfaches Normensystem, nach dem alles gesellschaftliche Leben, alle geistige Tätigkeit sich zu richten hat. Die Wirtschaft und der proletarische Staat sind die Wirklichkeit. Alles hat ihrer Festigung und Entwicklung zu dienen. Es gibt nichts, was über Wirtschaft und Politik hinausreicht. Nur die marxistische Doktrin, welche als Grundlage der herrschenden Partei diesen unbegrenzten Praktiziemus rechtfertigt und begründet, wird anerkannt. Alle andern