Der Leninismus. 165 und verändernde Wirklichkeit. Die Dialektik ist die Lehre von diesen Veränderungen und Bewegungen, die Methode ihrer Erfassung, aber sie ist keine idealistische Angelegenheit wie bei Hegel, sondern sie beruht auf dem obiektiven Materialismus; sie ist die Erfassung der Veränderungen, Wandlungen der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit, die materiell, d. h. durch die Produktionsverhältnisse und die auf ihnen beruhenden Klassenschichtungen begründet sind. Die Dialektik kann nicht als geistige Bewegung der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit gegenübergestellt werden. Sie ist ein Ausdruck für das Entstehen, Werden dieser Wirklichkeit. Infolgedessen lehnt sie allen Idealismus ab, der nur Ausdruck einer subjektiven, von der gesellschaftlichen Wirklichkeit losgelösten Welteinstellung ist. Lenin hat immer wieder die Bedeutung des dialektischen Materialismus hervorgehoben. Nur der dialektische Materialismus Karantiere die Ansprüche des Marxismus auf objektive Wahrheit, die die Welt zugleich erkenne und verändere, Er betont also energisch den Zusammenhang von Marx und Hegel. In seinen nachgelassenen philosophischen Aufzeichnungen findet sich der Satz: „Ohne Hegel kann man das ‚Kapital‘ von Marx nicht begreifen.“ ? Immer wieder hebt Lenin hervor, daß die Dialektik den Materialismus aus einer statisch-metaphysischen Doktrin in die Erkenntnis geschichtlich-gesellschaftlicher Wirklichkeit verwandle. Aber die Dialektik ist für ihn nicht etwas Geistiges, Ideelles, sie ist objektiv, von der durch die Produktionsverhältnisse bestimmten gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit getragen. Man darf sie nicht als eine bestimmte Doktrin, von der Wirklichkeit 1o0sgelöste Theorie ansehen. Zwar gibt es auch Dialektik als formale Lehre von den Denkgesetzen, als Erkenntnistheorie, aber die Wirklichkeit ist etwas Konkretes, und daher ist die Dialektik nur dann tichtig angewandt, wenn sie im Zusammenhang mit den geschichtlich-gesellschaftlichen Verhältnissen steht. Energisch wendet sich also Lenin einerseits gegen alle Versuche, an Stelle des dialektischen Materialismus, dieser Verbindung Hegelscher Logik mit der marxistischen Gesellschafts- und Klassenanalyse, einen „Scientifismus“, Sog. naturwissenschaftlich-mechanistische Auffassungen, zu setzen. Die Dialektik ist mehr als das Ergebnis, die Methode der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, ist mehr als die Lehre von den materiellen Gleichgewichtsverändetungen, die das Verhältnis des Menschen zur Natur und damit auch zur Produktion bestimmen ®. Sie ist die Waffe zur Erkenntnis der konkreten Aufgaben und der konkreten Struktur aller ge-