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        <title>Der Bolschewismus</title>
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            <surname>Gurian</surname>
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      <div>Die Schwäche der provisorischen Regierung. 39

zu sein, der Arbeiterschaft, den Soldatenmassen zu entsprechen,
während die provisorische Regierung sich als eine Art Parteiführerausschuß
 gebildet hatte, Sie hatte für ihre Begründung keine
sichere Grundlage. Denn sie war ja eine provisorische Regierung,
die Rußland nur so lange regieren sollte, als der Krieg die Vornahme
 allgemeiner Wahlen, die Einberufung der Nationalversammlung
 unmöglich machte.

Das Verkennen der Massen.

Die Sowjets, insbesondere der in ihrem Namen auftretende allrussische
 Vollzugsausschuß, durchschauten zunächst nicht, daß sie
gar nicht aus eigener Kraft heraus der provisorischen Regierung
überlegen waren, sondern nur darum, weil sie mehr dem Bedürfnisse
 nach einer radikalen Änderung aller Verhältnisse zu entsprechen
 schienen. Der Vollzugsausschuß begnügt sich damit, die
Regierung immer mehr von sich abhängig zu machen. Für diese
Entwicklung ist es bezeichnend, daß sein Vertrauensmann Kerenski
bald einen maßgebenden Einfluß erlangte, um nach kurzer Zeit
Kriegsminister und Regierungschef zu werden. Aber von einer
eigenen, selbständigen Politik der Sowiets konnte keine Rede sein.
Auch der Vollzugsausschuß war im Grunde genommen nur ein
Diskutierklub, der nicht zu handeln wagte, der nicht den Mut
fand zu entscheidenden politischen Wendungen trotz aller radikalen
 Reden und Resolutionen.
So gut es auch den Sowjets gelang, die Autorität der provisorischen
 Regierung von Anfang an zu erschüttern, so wenig unterschieden
 sich ihre ersten Führer in ihren Grundanschauungen
trotz aller Parteigegensätze von ihren bürgerlichen Konkurrenten
im Machtkampf. Beide waren durchaus westlich orientiert. Die
Liberalen der ersten provisorischen Regierung hatten nur Angst
vor den sozialen und pazifistischen Utopien der Sowietsozialisten.
Sie wollten den Krieg offen fortführen, sie liebten nicht die Losung
des Friedens ohne Annexionen, sie dachten nicht daran, auf die
Eroberung Konstantinopels zu verzichten, sie forderten Disziplin
und Schutz des Eigentums mit allen Mitteln, während die Sowietleute
 da radikaler, demokratischer waren oder wenigstens in
Proklamationen sich ausdrückten.. Aber trotz aller Unterschiede
in den Schlagworten wollten sowohl die Männer der provisorischen
Regierung wie der Sowjets, Rußland nach westlichen Vorbildern
Politisch aufbauen. Es ging bei den Streitigkeiten nur um Grad-Unterschiede
 der westlichen Orientierung; die einen waren mehr</div>
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