I8 1. Teil. Die geschichtlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen.
zu sichern — ein Vorgang, der die Grundlage zu dem gegen die
revolutionäre Geistesart gerichteten Roman von Dostojewski,
„Die Dämonen“, bildet. Im Namen der Ethik und der Gerechtig-
keit morden die Terroristen.

Die Bejahung der Politik als der Macht, die das ganze Leben
bestimmt und ausfüllt, wegen des Gegensatzes zu einem Regime,
das geistiges Leben erschwert, hat zu einer Verselbständigung der
Revolution, des politischen Zieles geführt. Ihnen dient alles andere;
es wird nicht mehr gefragt, mit welchen Mitteln sie zu erreichen
sind; jedes Mittel scheint recht zu sein. Man wendet sich gegen
das Regime der Gewalt und scheut selber nicht vor der Gewalt
zurück. Man merkt nämlich gar nicht mehr, daß man selber Ge-
walt anwendet, daß man selber einen ganz bestimmten Glauben
allen Menschen aufzwingen will. So stark ist die Macht der Ziel-
vorstellung. Die Zielvorstellung läßt alle Mittel gleichgültig werden;
es kommt nur auf die Verwirklichung des politischen Zieles und
Erreichung der Revolution an. Die Revolution ist gut und not-
wendig, das ist der entscheidende Glaube. Da hört jedes Nach-
denken, jede Rücksicht, jede Beachtung der Wirklichkeit auf,
nicht die Wirklichkeit entscheidet über die Idee, sondern die Idee
über die Wirklichkeit.

Die herrschende Regierung befreite in keiner Weise durch ihre
Maßnahmen die Intelligenz von ihrer radikalen Politisierung, Ge-
rade dadurch, daß die Intelligenz aus der Öffentlichkeit aus-
geschaltet wurde, bekam sie keine Gelegenheit, ihren Radikalismus
mit den wirklichen Verhältnissen zu vergleichen. Sie blieb vom
russischen Leben, vom Leben des Volkes isoliert; durch die Ver-
folgungen erhielt sie den Glorienschein der Unterdrückung, der
auch ihr selber die entscheidende Bedeutung und Uneigennützigkeit
ihres politischen Radikalismus zu bestätigen schien. Bewiesen
nicht die harten Urteile, die gegen ihre Angehörigen gefällt wurden,
die Verurteilungen zur Deportation nach Sibirien usw., daß sie für
die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit gegen ein Regime des
Unrechtes und der Willkür kämpfte? Außerdem machten die
Mängel der Verwaltung, die Mißgriffe der Bürokratie, die skanda-
lösen Bestechungsaffären für sie eine sehr wirksame Propaganda.
All das schien die Unmöglichkeit des Rußland beherrschenden
Regimes eindringlich zu beweisen.

Man kann die Intelligenz als Ausdruck des Zwiespaltes ansehen,
der zwischen den geistigen Grundlagen des herrschenden Regimes
und seiner Herrschaftstechnik seit Peter dem Großen bestand und
der in ihr mit aller Deutlichkeit sichtbar wurde. Die für diesen