Die Fremdvölker als Hilfskräfte der Revolution. 19
Zwiespalt bezeichnende revolutionäre Haltung der Intelligenz konnte
aber dem Regime so lange nicht gefährlich werden, als es fähig
war, die soziale Entwicklung des gesamten Reiches ohne größere
Erschütterungen der äußern Ordnung zu bestimmen. Die Intelligenz
war ursprünglich eine Gruppe von Offizieren ohne Soldaten. Erst
die Unfähigkeit der bestehenden Monarchie, mit den politischen
und sozialen Fragen fertig zu werden, stellte die fehlende Ver-
bindung der revolutionären Führer und Theoretiker mit den
Massen her, machte sie zu Männern, welche auch in der prak-
tischen Politik zu zählen begzannen.

Die Fremdvölker als Hilfskräfte der Revolution.
Verbündete der revolutionären Kräfte mußten natürlich die
Fremdvölker werden, die unter dem herrschenden Regime litten.
Da sind als bezeichnendes Beispiel die Polen zu nennen. Bereits
Herzen war mit polnischen Nationalisten verbündet. Es ist charak-
teristisch, daß der heutige polnische Diktator, Pilsudski, in seiner
Jugend mit den russischen Revolutionären enge Beziehungen unter-
hielt. Ein großer Teil der polnischen Revolutionäre, auch der
Sozialisten, war vor allem national orientiert, kämpfte an erster
Stelle für die Eigenstaatlichkeit ihres Volkes. Immerhin haben
sich auch Polen der radikalen revolutionären Bewegung als Selbst-
zweck angeschlossen. Von den Bolschewisten sind Dscherschinski
und Menschinski, die Vorsitzenden der zur Unterdrückung der
Gegenrevolution bestimmten Terrorinstitutionen, Tscheka und GPU,
polnischer Herkunft. Die ukrainischen Intellektuellen wurden da-
durch, daß die Ukrainer offiziell bis zum Jahre 1905 für das
herrschende Regime nicht existierten — Veröffentlichungen in
ukrainischer Sprache waren verboten —, zu zuverlässigen Ver-
bündeten der revolutionären Elemente gemacht. Ein ukrainischer
Intellektueller mußte, wollte er Ukrainer bleiben, Revolutionär
werden. Auch die Georgier und Armenier dürfen nicht vergessen
werden, die in der Geschichte der russischen revolutionären Be-
wegung eine besondere Rolle spielen. Die Sozialdemokratie war
bei den Georgiern besonders erfolgreich. Sowohl bei den Bolsche-
wisten wie bei den Menschewisten standen und stehen Georgier
an führender Stelle. Man braucht bei den Bolschewisten nur
Stalin-Dschugaschwili, den heutigen Vorsitzenden des Volkswirt-
Schaftsrates Ordschonikidse und den Sekretär des Rätevollzugs-
Ausschusses Enukidse zu nennen, bei den Menschewisten Tscheidse
und Zeretelli. Tscheidse war nach der Märzrevolution 1917 der