Geschichte und Wirksamkeit der oppositionellen Bewegungen. 33
gende Gesellschaftskrisis in aller Schärfe fühlbar, Er hatte als
Begleitung und Folge Bewegungen, welche die Verwaltung zeit-
weise fast völlig stillegten, zu anarchisch-revolutionären Explo-
sionen führten, zu Generalstreiks, zum Aufstand in der Schwarzen-
Meer-Flotte (darunter auf dem Schiffe „Fürst Potemkin“), zu
Barrikadenkämpfen in Moskau. Seiner Bedeutung entsprechend
hatte der Weltkrieg viel gewaltigere Folgen als der Krieg mit
Japan, Er führte zum Sturze der Monarchie, die 1905/06 sich noch
hatte halten können.

Geschichte und Wirksamkeit der oppositionellen
Bewegungen.
Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Bewegungen,
welche den Sturz der Monarchie vorbereiteten, soll die Beschrei-
bung der gesellschaftlichen Kräfte des alten Rußland verdeutlichen.
Die wichtigsten innerpolitischen Ereignisse der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts waren die Bauernbefreiung Alexanders II. (1861)
und die darauf folgende Epoche der Reformen, die Rußlands
Verwaltung und Justiz an Westeuropa angleichen sollten. Aber
diese Reformen blieben stecken, sie wurden nicht zu Ende geführt,
sie vermochten nicht die revolutionäre Intelligenz zu befriedigen
und zur Mäßigung zu bringen, im Gegenteil, in der Regierungszeit
Alexanders Il. trat der Terrorismus zuerst auf. Aber dieser
Terrorismus hatte keine Verbindung mit den Massen, daher ver-
mochte er nicht, trotz des gelungenen Attentats. auf den Zaren im
Jahre 1881, zum Sturze des Regimes zu führen. Die Ermordung
Alexanders II. bewirkte nur, daß die nach vielen Schwankungen
geplante Schaffung einer Art russischen Parlamentes nicht zur
Durchführung kam, die Beteiligung der Gesellschaft an der Re-
zierung blieb nur ein Plan.

Das Regime Alexanders III. unterdrückte den Terrorismus und
kehrte zu einem strengen Absolutismus zurück, Die revolutionäre
Intelligenz arbeitete jetzt vor allem in Studienzirkeln. Im Ausland
bildete sich 1883 die erste größere Marxistengruppe aus ehe-
maligen Anhängern des Terrorismus, die in ihrer bisherigen revolu-
tionären Propaganda eine feste Doktrin vermißt hatte, Gleichzeitig
setzte die Industrialisierung ein. Sie wurde von den marxistischen
Theoretikern als notwendige Vorbedingung der kommenden sozia-
listischen, vom Proletariat zu bestimmenden Revolution begrüßt.
Rußland mußte also erst für die Revolution reif werden — damit
War eine deutliche Absage an den utopischen Terrorismus und

urian, Der Bolschewismus.
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