Die Organisation der bolschewistischen Partei. 53
Daher ist die bolschewistische Partei die Partei der Disziplin,
mag sie auch durch innere Kämpfe in den Jahren nach der
ersten mißlungenen Revolution stark zusammenschrumpifen. Im
Unterschiede zu den andern Diskussionsparteien wird sie nicht
durch Disziplinlosigkeiten usw. gelähmt. Wer Disziplinbrüche be-
geht, stellt sich außerhalb des Rahmens der Partei, und so ist
bereits im Jahre 1917 der Menschentyp vorhanden, der für den
heutigen Bolschewismus bezeichnend geworden ist. Es geht diesem
Typ nur darum, sich im Kreise der Parteinstanzen durchzusetzen,
es kommt ihm auf eiserne Disziplin und Gehorsam an. Die Partei
ist Lenins Auffassung nach eine Art militärischer Körperschait,
die im steten Kampfe liegt und daher keine Zeit zu lähmenden
öffentlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen besitzt. Das
beschlossene Ziel muß mit allen Mitteln erreicht werden; das hat
jedes Parteimitglied zu wissen und stets zu beachten. Man hat
diese Methode als Anwendung militärischer Vorstellungen auf die
revolutionäre Bewegung bezeichnet. Dieser Vergleich muß durch
die geschichtliche Erwägung ergänzt werden, daß diese strenge
Disziplin in der russischen revolutionären Bewegung durch die
terroristischen Kampforganisationen, durch die ganzen Bedingungen
des illegalen Lebens vorbereitet war.

Lenin übertrug diese Disziplin auf eine sich bewußt an Massen
wendende und mit Massen arbeitende Partei. Daher kann man
seine Parteiauffassung als eine Verbindung der alten russischen
Revolutionsbewegung, die durch ihren Kampf zur Disziplin ge-
Zwungen war, mit den modernen Mitteln der Massenpropaganda
bezeichnen. Diese Mittel werden aber nicht, wie bei den andern
sozialistischen Parteien, öffentlich diskutiert, sondern die Ent-
scheidung über sie fällt in kleinen Zirkeln, Öffentliche Diskus-
sionen, Fraktionsbildungen innerhalb der Partei widersprechen
also grundsätzlich der leninistisch-bolschewistischen Parteiauffas-
sung, — Lenin hält rücksichtslos an ihr fest. Vor dem Kriege wendet
er sich scharf gegen alle Versuche der Kreise um Bogdanow,
Gorki und Lunatscharski, eine neue philosophische Grundlage für
den Marxismus zu finden. Nach dem Kriege wendet er sich mit
gleicher Schärfe gegen die Beschlüsse der die Parteileitung ge-
fährdenden Gruppe um Sinowjew-Kamenew. Er weiß sich fast
immer in der Parteileitung durchzusetzen und verlangt von den
andern Gehorsam und Disziplin, selbst wenn es gilt, mit gewohnten
Revolutionsideologien (Abneigung gegen politischen Terror, gegen

die Ausschaltung der Sozialisten) zu brechen !,

Gerade darauf beruht die entscheidende Überlegenheit des