Justiz und Terror.

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nach mehr als ein Instrument zur Aufdeckung von Verschwörungen,
Sabotageversuchen usw.; sie ist ein Instrument der politisch-
sozialen Abschreckung. Der Terror gehört zum Rechte der
herrschenden Klasse, da er der Erhaltung ihrer Herrschaft förder-
lich ist.

Es liegen keine zuverlässigen Angaben über die Wirksamkeit der
Tscheka und der GPU vor; denn sie sind nicht zur Veröffentlichung ihrer
Urteile verpflichtet; dazu kommt noch, daß in den ersten Jahren der-
bolschewistischen Herrschaft Massenhinrichtungen vollzogen worden sind,
einfach auf Weisung der lokalen Zweigstellen, die heute statistisch kaum
noch zu erfassen sind. Die Emigranten geben 1860 000 (nach Iliin in dem
Buche „Welt vor dem Abgrund‘) an, darunter sollen sich 28 Bischöfe,
1200 Priester, 6000 Lehrer und Professoren, 8800 Ärzte, 54000 Offiziere,
260 000 Soldaten, 105 000 Polizeioffiziere, 48 000 Gendarmen, 12 800 Beamte,
355000 andere Intellektuelle, 192 000 Arbeiterproletarier, 815000 Bauern
befinden. In diesen Zahlen sind wahrscheinlich viele Opfer des Bürger-
krieges eingeschlossen.

Einige Zitate mögen den organisierten Charakter des Roten Terrors
zeigen. Nach der Ermordung Uritzkis, des Vorsitzenden der Petrograder
Tscheka, schrieb die „Rote Zeitung“ von Petrograd: „Auf zum Terror
gegen die Lebenden [d. h. lebenden Bourgeois] ... Genossen, Matrosen,
Arbeiter und Soldaten! Zerstört und vernichtet die Reste der Weiß-
gardisten und der Bourgeoisie! Tod der Bourgeoisie! — das muß die
Parole werden, Tod der Bourgeoisie!“ Die Petrograder Tscheka hat in
einer Nacht 512 Geiseln erschießen lassen. Am 3. September erließ der
Volkskommissar des Innern, Petrowski, folgenden Befehl: „Der Schlapp-
heit und Sentimentalität muß sofort ein Ende gemacht werden. Die ört-
lichen Sowjets müssen alle ihnen bekannten rechten Sozialrevolutionäre
sofort verhaften. Aus den Kreisen der Bourgeoisie und der Offiziere
müssen sofort Geiseln in beträchtlicher Anzahl genommen werden. Bei
dem geringsten Versuch zum Widerstand oder bei der geringsten Be-
wegung in den Kreisen der Weißgardisten muß zu rücksichtslosen Massen-
erschießungen geschritten werden....“ Radek publizierte einen Artikel
zur Rechtfertigung des roten Terrors, in dem es heißt: „Der rote Terror
ist durch den weißen Terror provoziert worden. Die Notwendigkeit des
roten Terrors, d. h. die Anwendung sämtlicher Methoden [Umschreibung
für Todesstrafe W. G.], um die Bourgeoisie zu zwingen, der Arbeiter-
klasse zu gehorchen, ist durch unsere innere und äußere Situation be-
dingt..., Die Vernichtung einzelner Personen aus der Bourgeoisie, die
an der weißgardistischen Bewegung nicht unmittelbar teilnehmen, hat
lediglich die Bedeutung eines Abschreckungsmittels im Moment des un-
Mittelbaren Kampfes, als Antwort auf Attentate [Rechtfertigung der
Geiselhinrichtungen W. G.]. Es ist begreiflich, daß für jeden Sowjet-
führer, für jeden Führer der Arbeiterrevolution, die von der Hand der
Agenten der Gegenrevolution fallen sollten, die letztere mit Dutzenden