74 2. Teil. Eroberung und Ausbau der politischen Macht.

von Köpfen wird zahlen müssen.“ Auch die Form, in der sich Radek
gegen die von der Tscheka dekretierten Geiselerschießungen wendet, ist
für den bolschewistischen Terrorismus bezeichnend: Fünf öffentliche Hin-
richtungen sind wirksamer, meint er, als die „Erschießung von 500 Men-
schen auf Beschluß der Tscheka ohne Beteiligung der Arbeiterschaft“.
Dieser Rat ist aber nicht befolgt worden. Es blieb bei den unter Aus-
schluß der Öffentlichkeit vollzogenen Massenhinrichtungen. (Zitiert nach
Steinberg, Gewalt und Terror in der Revolution, Berlin 1931, 53f. Stein-
berg war kurze Zeit Volkskommissar der Justiz als Vertreter der linken
Sozialrevolutionäre.)
Die Tscheka untersteht keinem Volkskommissariat, der Staats-
anwalt des obersten Gerichtes der Sowjetunion beaufsichtigt die
Gesetzmäßigkeit ihrer Tätigkeit. Dieses Recht ist aber eine rein
formale Angelegenheit. Der Vorsitzende der GPU des Bundes
gehört dem Rate der Volkskommissare mit beratender Stimme an.
Die GPU besitzt eine eigene Armee, die nicht der Führung der
Roten Armee unterstellt ist. Sie besitzt eigene Gefangenenlager,
über die ausschließlich ihre Agenten die Aufsicht führen. Sie ist
also ein direktes Terror- und Machtorgan in Händen der Partei-
leitung. Sie wird zur Kontrolle und Beobachtung aller Verwaltungs-
zweige benützt. Sie beobachtet insbesondere die Tätigkeit der
bolschewistischen diplomatischen Vertreter, Sie stellt die Geheim-
agenten, welche das gesamte öffentliche Leben beobachten. Man
darf nicht annehmen, daß ihre Tätigkeit in den letzten Jahren
milder geworden ist, nachdem sie feste Organisationsformen an-
genommen hat. So wurden z. B. im Jahre 1930 achtundvierzig an-
geblich die Wirtschaft sabotierende Sowijetbeamte bürgerlicher
Herkunft erschossen, deren Geständnisse erst nach ihrem Tode
publiziert wurden. Wie sehr die Tätigkeit der GPU sich unter
Ausschluß der Öffentlichkeit vollzieht, möge nur ein Beispiel für
viele Fälle beweisen. Im Jahre 1931 fand der öffentliche Prozeß
gegen vierzehn Menschewistenführer statt. In ihm wurde öfters
der menschewistische Agent Braunstein erwähnt, der von der GPU
verhaftet worden sei. Was die GPU mit ihm gemacht hatte, wurde
aber nicht bekanntgegeben. Er sei verurteilt, mehr wurde nicht
gesagt. Man weiß also nicht, ob er bereits hingerichtet ist oder ob
er nur in einem Gefangenenlager der GPU festgehalten wird.
Die sog. ordentlichen Gerichte.
Es gibt eine sog. ordentliche Justiz neben der sich offen
als politisch und terroristisch bekennenden GPU. Aber auch
diese ordentlichen Gerichte kann man nicht mit Gerichten des